Der FC Basel ist gewöhnlich geworden

Der FC Basel, am Samstag ab 19 Uhr im Kybunpark Gegner des FC St. Gallen, ist von den Young Boys überholt worden und ins Mittelmass abgedriftet. Lösungen soll Trainer Marcel Koller finden.

Pascal Berger
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Nach dem 1:7 in Bern fassungslos: Basels Noah Okafor (Bild: Peter Schneider/KEY (Bern, 23. September 2018))

Nach dem 1:7 in Bern fassungslos: Basels Noah Okafor (Bild: Peter Schneider/KEY (Bern, 23. September 2018))

Auf einmal funktionierte es wieder so, wie sie sich das in Basel gewöhnt waren. Als Marcel Koller Anfang August neuer Trainer wurde, kehrte das Selbstverständnis zurück, erfolgreich zu sein. Es machte den Anschein, als würde die Mannschaft langsam ihre Betriebstemperatur erreichen, sechs Siege in Serie waren ein kräftiges Signal: Wir sind wieder da.

Am letzten Tag des Septembers steht Koller im Cornaredo von Lugano, glücklich sieht er nicht aus. 2:0 haben die Basler geführt und trotzdem nicht gewonnen. Der Abstecher in den Süden endet mit einem enttäuschenden Unentschieden. Und darum stellt sich die Frage: Was ist nur los mit dem FC Basel?

Koller, St. Gallens Meistertrainer von 2000, hat ein paar Mikrofone vor sich. Aus dem Gesicht des 57-Jährigen lässt sich ablesen: Er hat Sorgen. Nach sechs Jahren als Nationalcoach von Österreich ist er zurück im Clubfussball, in Basel haben sie ihn angestellt in der Hoffnung, sich und dem Anhang ein zweites Jahr ohne Meistertitel zu ersparen. Aber im Oktober liegt Basel nicht nur hinter den Young Boys, sondern auch hinter Zürich, Thun und St. Gallen. Er, der im neuen Jahrtausend zwölf Meistertitel und sieben Cupsiege gesammelt hat, ist im Mittelmass versunken.

Die Lektion von Bern

Im Europa-League-Playoff blieb er an den Zyprioten von Apollon Limassol hängen und ist erstmals seit 14 Jahren nicht in der Gruppenphase eines europäischen Wettbewerbs. Und in der Super League erlebt er eine schwarze Stunde, nach der sich nicht einfach zur Tagesordnung übergehen lässt. Das 1:7 in Bern ist eine Demütigung, eine Lektion durch Meister Young Boys, ein Ereignis, das zu Konsternation führt. Und Koller sagen lässt:

«Wir müssen beim FC Basel aufhören, in der Vergangenheit zu leben.»

Er erkennt spielerische Qualitäten, «aber das allein reicht eben nicht. Verbissenheit und Aggressivität sind notwendig, und wir müssen nicht in der Kabine laut sein, sondern auf dem Platz». Und: «Es wird Zeit, dass wir das endlich zeigen.»

Als im Sommer 2017 in Basel eine neue Führung antrat, wechselte sie den Trainer aus. Präsident Bernhard Burgener und Sportchef Marco Streller entwarfen eine neue Strategie, sie planten die Umsetzung mit Jungtrainer Raphael Wicky statt mit Urs Fischer, der in zwei Saisons immerhin drei Titel geholt hatte. «Verkleinern, verjüngen, verbaslern», das war das Motto. Aber sie scheiterten, entliessen Wicky, und Strellers Worte nach dem 1:7 in Bern erinnerten zumindest ansatzweise an Selbstkritik:

«Nach diesem Start gehen mir die Argumente aus. Die nächste Möglichkeit zur Korrektur bietet sich im Winter.»

Präsident Burgener indes bemüht sich, Zuversicht auszustrahlen. Auf die Frage, ob die Meisterschaft bereits gelaufen sei, winkte er ab. Nein, nein, es seien erst sieben Runden vorüber. Und er vermochte dem Auftritt im Stade de Suisse gar so etwas wie einen positiven Aspekt abzugewinnen - nämlich den, dass «fünf Junge» im Team standen. Aber so sehr sich Koller bewusst ist, dass der Verjüngungsprozess Teil des neuen Basler Modells ist, so wenig ist er bereit, bedingungslos auf die Jugend zu setzen. Weil er erfolgsorientiert arbeitet.

Kritische Töne der Altmeister

Die Entwicklung des FC Basel verfolgen Ehemalige kritisch. Altmeister Erni Maissen etwa glaubt nicht, dass sich an der neuen Hierarchie an der nationalen Spitze rasch etwas ändern wird. «Für den Titelgewinn in dieser Saison ist der Abstand jetzt schon zu gross», sagt der 60-Jährige, «und um die Distanz auf die Young Boys wieder zu verringern, bräuchte es einige Verstärkungen.» Pascal Zuberbühler ist ein anderer mit Vergangenheit beim FC Basel, der Thurgauer stand im Tor, als im St. Jakob-Park rauschende Fest auf europäischer Bühne gefeiert wurden. Für den 47-Jährigen ist die Mannschaft eine von derzeit vielen, man kann auch sagen: gewöhnlich. Wenn Zuberbühler ihr zuschaut, vermisst er von den Spielern oft das Feuer, die Leidenschaft:

«Wer das Trikot dieses Clubs trägt, muss liefern. Manchmal aber erhalte ich den Eindruck, dass der eine oder andere zufrieden ist, wenn er einen gut dotierten Vertrag hat.»

Für Zuberbühler ist der aktuelle Zustand auch eine Folge davon, dass seit Jahresbeginn reihenweise Leistungsträger abgegeben, aber nicht gleichwertig ersetzt wurden. Manuel Akanji, Renato Steffen, Michael Lang, Mohamed Elyounoussi oder Thomas Vaclik trugen mit ihren Transfers dem Club zwar zig Millionen ein. Aber jene, welche die Lücken schliessen sollten, sind bis heute vieles schuldig geblieben – Valentin Stocker vor allem, der Rückkehrer aus Berlin, auch Fabian Frei, der zuletzt in Mainz unter Vertrag stand.

«Koller ist der richtige Trainer für Basel»

Der FC Basel muss schleunigst Lösungen finden, um den Schaden in Grenzen zu halten. Zuberbühler sieht darin die wahre Herausforderung, «eine wahnsinnig interessante Aufgabe», wie er es formuliert. Und immerhin hat der Ostschweizer in einem Punkt keine Bedenken:

«Marcel Koller ist ein Trainer, der in jedes Detail geht. Er ist der Richtige für den FC Basel.»