«Irgendwann kommt mein Tag»:
André Ribeiro musste untendurch – und will sich beim FC St.Gallen endlich durchsetzen

Der Portugiese André Ribeiro hat zwei Jahre der Karriere in seiner Heimat verloren. Nun hofft er auf mehr Einsätze mit dem FC St.Gallen.

Christian Brägger aus La Manga
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«Der Wechsel zu Braga war ein grosser Fehler», sagt André David de Oliveira Ribeiro.

«Der Wechsel zu Braga war ein grosser Fehler», sagt André David de Oliveira Ribeiro.

Bild: Christian Brägger

Der Name ist klingend, Musik in den Ohren. Einer, den man grossen portugiesischen Fussballkünstlern zuschreibt, die in renommierten Clubs ihre Spuren hinterlassen. Die betreuende Agentur von Jorge Mendes passt ja bereits, dem vielleicht einflussreichsten Spielerberater weltweit. Der Name ist: André David de Oliveira Ribeiro, oder kurz: André Ribeiro, seit vergangenem September und bis 2021 im FC St.Gallen unter Vertrag, Option inklusive.

Der Kontakt mit Alain Sutter war seit Anfang 2019 da, doch damals war kein Platz im Kader der Ostschweizer. Es gab ihn erst, als der Sportchef einen Ersatz auf der Flügelposition für den nach Stade de Reims transferierten Dereck Kutesa brauchte. So weit wie Kutesa ist Ribeiro noch nicht und vielleicht auch nicht so schnell. Aber er hat Anlagen, eine feine Technik, ist beidfüssig, nennt den rechten den besseren Fuss, erzielt die Tore aber meist mit dem linken. Doch die Anpassung an St.Gallen fiel schwer. Mitspieler und Umfeld waren neu, das offensive Pressing mit der ständigen Balljagd ebenfalls, es brauchte Zeit. Und sowieso: Ribeiro musste sich nach den unglücklichen Jahren mit Braga zuerst wieder aufrichten. Er tastete sich über die U21 der Ostschweizer heran, mit der ersten Mannschaft reichte es bislang für einen fünfminütigen Einsatz gegen Thun. Immerhin steht der Offensivspieler meist im Kader, was beim Tabellendritten der Super League heute keine Selbstverständlichkeit mehr ist.

Bisher in St.Gallen unter dem Radar gelaufen

Ribeiro läuft während der St.Galler Hausse also ein wenig unter dem Radar, und damit ist er nicht alleine. Während Adonis Ajeti zweieinhalb Jahre lang ein Phantom geblieben ist, Milan Vilotic nur noch neben dem Platz eine wichtige Rolle hat oder Angelo Campos in der Hierarchie recht weit zurückgefallen ist, soll nun Ribeiros Zeit kommen. Er will sich aufdrängen, und je länger er nicht zum Zug kommt, desto mehr Ansporn ist ihm das. In La Manga sagt der Portugiese, der auch den Schweizer Pass besitzt:

«Meine Situation ist schwierig. Aber irgendwann kommt mein Tag.»

Lange verlief das Leben Ribeiros problemlos, lange war alles gut. Er wuchs mit der Schwester behütet als Sohn portugiesischer Einwanderer in Genf auf, wo der Vater bis heute als Logistiker im Kantonsspital arbeitet. Nach der Sekundarschule setzte er voll auf die Karte Fussball, spielte für Etoile Carouge in der U16, ehe der FC Zürich den damals 17-Jährigen verpflichtete. Bald pendelte er zwischen der U18 und U21, war oft unter den Jüngsten im Team. Der impulsive Ludovic Magnin war irgendwann sein Trainer, und als der ein wenig scheue, stille Ribeiro dies erzählt, huscht ihm ein Lächeln übers Gesicht.

Im Sommer 2017 lief Ribeiros Vertrag mit Zürich aus, er sollte ihn verlängern und dann an einen Club in die Challenge League ausgeliehen werden. Doch Ribeiro war ungeduldig und die Durchlässigkeit im FC Zürich seiner Meinung nach nicht gegeben, er wollte in die erste Mannschaft wie Kevin Rüegg, der Mitspieler in der U21. Die Sehnsucht nach mehr war gross, und nach der U20-WM mit Portugal in Südkorea, wo Ribeiro bis zum Viertelfinal-Out nur einmal nicht zum Einsatz kam, erlag er dem langen und bunt geschmückten Werben Bragas. Im Alter von 20 Jahren nahm er damit einen ähnlich frühen Weg ins Ausland, den Jahre davor die Zürcher Talente Nico Elvedi, Dimitri Oberlin und Djibril Sow mit unterschiedlichem Erfolg vorgelebt hatten.

Zurück zu den Wurzeln, in die Heimat, was könnte da schief gehen? Doch das Leben nimmt manchmal komische Wendungen, in Ribeiros Fall war es gar so, dass überhaupt nichts mehr ging. «Dabei hatte ich so ein gutes Gefühl, ich wechselte ja in mein Land und in eine erste Mannschaft. Mein Weggang von Zürich war im Nachhinein ein grosser Fehler.» Ribeiro kam in Pflichtspielen nur im B-Team zum Einsatz, nichts von alledem traf ein, womit man ihn angelockt hatte. Er wurde traurig, vergoss in Braga viele Tränen, die Familie war weit weg, immerhin stand ihm die portugiesische Freundin zur Seite, die aus Zürich mitgereist war. «Vielleicht lag alles auch ein wenig am Trainer, es waren jedenfalls die schlimmsten zwei Jahre meiner Karriere», sagt er.

Die Verehrung für Landsmann Ronaldo

Ribeiro hat Zuversicht und Selbstvertrauen wiedergefunden, St.Gallen hat ihn aufgepäppelt, wie es das bei so manchen «Gestrandeten» versucht. Das Zimmer im Trainingslager teilt er sich mit Fabiano Alves, weil sie die gleiche Sprache sprechen, aber privat ist er meist mit Jérémy Guillemenot zusammen, den er vor Jahren in Genf zufällig und nicht über den Fussball kennen gelernt hat. Ribeiro wohnt mit der Freundin in Herisau, die Freizeit verbringen sie oft mit Simba, dem Jack Russell Terrier. Der FC St.Gallen mit den vielen Jungen sei ein gutes Projekt, sagt er, der wie fast alle Portugiesen Cristiano Ronaldo verehrt:

«Aber nicht wegen des Fussballs, sondern wegen seines Weges.»

Ronaldo ist das beste Pferd in Mendes’ Stall. Das könnte die Sehnsucht wecken.