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GEGENTRIBÜNE: Wie St.Gallens Husarenritt gegen Basel möglich wurde

Mit einer starken Defensive, einem beherzten Auftritt und der nötigen Portion Glück ist dem FC St.Gallen die grosse Überraschung gegen Noch-Meister Basel gelungen. Trotzdem: Das Heimspiel gegen Lugano vom kommenden Sonntag wird ungleich schwieriger für die Espen.
Fredi Kurth
Er fand das richtige Rezept gegen die Basler: St.Gallen-Trainer Giorgio Contini. (Bild: Daniela Frutiger/feshfocus)

Er fand das richtige Rezept gegen die Basler: St.Gallen-Trainer Giorgio Contini. (Bild: Daniela Frutiger/feshfocus)

Die Wetten waren gemacht, die Vorhersagen eindeutig. Der FC St.Gallen werde in Basel sang- und klanglos untergehen. Zuletzt hatte er dort am 14. August 2014 gewonnen, als Albert Bunjaku zwei Tore erzielte.

Nur einer meiner Kollegen war anderer Ansicht. René Sidler, ehemaliger Erstteamler und später Manager auf dem Espenmoos, war überzeugt, dass St.Gallen mit einer frischen Leistung die angeschlagenen Basler in arge Nöte bringen werde. Ich hatte nur ein müdes Lächeln für ihn übrig, denn der Ostschweizer Super-League-Vertreter ist seit Jahren bekannt dafür, kriselnde Gegner wieder auf die Beine zu bringen. Die mindestens zwei Tore, die Albian Ajeti gegen uns mit entschuldigender Geste erzielen würde, hatte ich auch schon eingerechnet.

Ja, diese Ex-St.Galler. Ajeti war zuletzt nicht mehr erste Wahl am Rheinknie gewesen. Doch Basels Trainer Raphael Wicky habe ihn mit Sicherheit im Hinblick auf den Match gegen St.Gallen geschont, war ich überzeugt . Und so kam es, dass Ajeti gegen die Espen tatsächlich in der Startaufstellung figurierte.

Dejan Stojanovic: Nur mit einer kleinen Unsicherheit. Sein Reflex in der 66. Minute bewahrt St. Gallen aber vor dem Ausgleich. Note 5. (Bild: pd)
Silvan Hefti: Verursacht in der 24. Minute mit einer wenig cleveren Aktion an Albian Ajeti einen Penalty, der aber ohne Folgen bleibt. Note 4. (Bild: pd)
Alain Wiss: Kümmert sich immer wieder gut um den ehemaligen Teamkollegen Ajeti. Sehr präsent. Note 5. (Bild: pd)
Marco Aratore: Der Mittelfeldspieler muss sich mit Defensivarbeit beschäftigen, was er aber gut macht. Note 4. (Bild: pd)
Rúnar Sigurjónsson: Der Isländer spielt unaufgeregt und sehr solid. Offensiv tritt er kaum in Erscheinung. Note 4. (Bild: Andy Müller/freshfocus)
Jasper van der Werff: Der 19-Jährige aus dem eigenen Nachwuchs gibt ein vielversprechendes Début. Strahlt Ruhe aus und klärt zwei brenzlige Situationen wie ein Routinier. Note 5
Peter Tschernegg: Der Österreicher gehört zu den zweikampfstärksten St. Gallern. Fällt auch mit klugen Zuspielen auf. Note 4,5.
Tranquillo Barnetta: Stets anspielbar. Offensichtlich wird in Basel, dass Barnetta Verantwortung übernehmen will. Note 4,5. (Bild: pd)
Andreas Wittwer: Beherzter Auftritt. Sein schnell gespielter Doppelpass mit Itten steht am Ursprung der Führung. Note 5. (Bild: pd)
Nassim Ben Khalifa: Zweimal war er nicht mehr einmal im Aufgebot. Der Stürmer wirkt oft zu wenig standfest, setzt vor dem 1:0 aber sehr gut nach. Note 4. (Bild: pd)
Cedric Itten: Die 21-jährige Basler Leihgabe bindet seine ehemaligen Teamkollegen im Kampf um den Meistertitel mit zwei Toren zurück Note 6. (Bild: Urs Bucher)
Philippe Koch: Nach seiner Einwechslung gelingen ihm zwei, drei gute Läufe, die den Gegner verwirren. Note 4. (Bild: pd)
Yannis Tafer: Wird in der 77. Minute eingewechselt, zu kurz für eine Note. Weil Basel alles auspacken muss, bekommt er kaum einen Ball. (Bild: pd)
Stjepan Kukuruzovic: Kommt in der 80. Minute für Barnetta. Das reicht nicht für eine Benotung. Aber sein Freistoss, der zum 2:0 führt, ist perfekt. (Bild: pd)
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Die Noten der Espen gegen Basel

Für einmal umgekehrt

Und trotzdem: Alles kam anders an diesem kalten, ungemütlichen Samstagabend im St.Jakobpark zu Basel. Denn für einmal profitierten Giorgio Continis Leute von diesem Ehemaligen-Effekt, unter dem sonst gefühlt vor allem der FCSG zu leiden hat. Der Basler Cedric Itten wurde zur entscheidenden Figur. Seine beiden Tore versetzten den Gegner in Schockstarre.

Warum aber hatte St.Gallen in Basel eine Chance, bei YB, dem anderen Titelanwärter, vor kurzem aber überhaupt keine? Von der Spielanlage her gab es kaum Unterschiede. Beide Gegner waren deutlich feldüberlegen. Aber Basel liess mehr zu, presste viel weniger als die Berner. Es fehlte die mannschaftliche Harmonie.

Die Mannschaften vor dem Meisterschaftsspiel zwischen dem FC Basel 1893 und dem FC St. Gallen im St. Jakob-Park. (Bild: Keystone)
Die St. Galler Fans begrüssen die Mannschaften vor Spiel. (Bild: Keystone)
St. Gallens Nassim Ben Khalifa im Kampf um den Ball gegen Basels Raoul Petretta. (Bild: Keystone)
St. Gallens Marco Aratore im Kampf um den Ball gegen Basels Geoffroy Serey Die. (Bild: Keystone)
Basels Ricky van Wolfswinkel verschiesst einen Elfmeter in der ersten Halbzeit. (Bild: Keystone)
Raphael Wicky verliert gegen den FC St.Gallen bereits das dritte Heimspiel in Folge. (Bild: Keystone)
St. Gallens Tranquillo Barnetta zog im Mittelfeld die Fäden. (Bild: Keystone)
St. Gallens Cedric Itten jubelt über sein Tor gegen seinen Ex-Verein. (Bild: Keystone)
St. Gallens Tranquillo Barnetta, Basels Samuele Campo und St. Gallens Jasper van der Werff in Aktion. (Bild: Keystone)
Basels Geoffroy Serey Die versucht sich gegen Tranquillo Barnetta zu behaupten. (Bild: Keystone)
Basels Leo Lacroix im Kampf um den Ball gegen St. Gallens Silvan Hefti. (Bild: Keystone)
Die Basler verlassen enttäuscht den Platz. (Bild: Keystone)
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St.Gallen gewinnt in Basel

Basel mit zu vielen Wechseln

Noch zur Winterpause galt der FC Basel als Favorit auf den Titelgewinn. Zu souverän waren zuletzt die Auftritte in der Super League, zu clever auch jene in der Champions League, während die Young Boys übliche Schwächesignale sendeten. Doch drei Runden im neuen Jahr genügten, und die Vorzeichen stehen wieder anders. Basel hatte ohne Not die Stammformation umgebaut, liess Manuel Akanji zu Dortmund und Renato Steffen zu Wolfsburg wechseln.

Natürlich, so 20 Millionen Euro Ablösesumme für einen jungen Verteidiger sind verlockend, und Steffen könnte durch Stocker wohl gleichwertig ersetzt werden, dachten die Basler. Aber das Gefüge ist irgendwie durcheinander geraten, zumal es im Angriff auch den genesenen Ricky van Wolfswinkel wieder einzugliedern galt.

YB ohne Wintertransfer

Die Young Boys ihrerseits hatten ihre letzten Neuzugänge vergangenen August getätigt. Es kommen stets dieselben Spieler zum Einsatz, und das könnte in diesem Frühjahr entscheidend sein – auch wenn sich Basel bald wieder kompakter präsentieren dürfte.

Basels Trainer Raphael Wicky bezeichnete die Niederlage gegen St.Gallen als unverdient, aus seiner Sichtweise zurecht. 10:2 Torchancen häuften die Basler an, aber dieses Verhältnis sagt nicht alles aus. Denn Hundertprozentige waren bloss eine bis zwei darunter. Und der schliesslich verschossene Penalty war ein Geschenk von St.Gallens Verteidiger Silvan Hefti gewesen.

Die Espen attackierten den Gegner so früh als möglich, was im Endeffekt zum Führungstor führte, aber sie liessen sich auch zurückfallen und fanden in der eigenen Abwehr den Ausgangspunkt für einige vielversprechende Gegenangriffe in die entblösste Basler Verteidigung hinein. Ein FC Basel in Normalform hätte St.Gallen wohl ausgespielt.

So machen es alle klugen Trainer

Ist eine Mannschaft vom Weg abgekommen, beginnt ein Trainer zuerst einmal ganz hinten. Er ordnet die Defensive. Giorgio Contini ist zwar kein neuer Trainer, aber er hat eine ziemlich neue Mannschaft zur Verfügung, in welcher die Änderungen noch zahlreicher sind als beim FC Basel. Von den Akteuren der Startelf, welche vor der Winterpause Sion mit 3:2 besiegt hatten, waren am Samstag gerade noch fünf dabei. Und einer von ihnen, Andreas Wittwer, stand in diesem Jahr teils schon gar nicht mehr im Aufgebot. Aber eben: Abwehrverhalten ist einfacher einzuüben als ein Offensivfeuerwerk.

St.Gallens Husarenritt* begann somit ganz hinten. Der bekannteste Trainer mit solcher Auffassung ist übrigens Lucien Favre, der auf diese Weise schon manche Mannschaft – zum Beispiel Borussia Mönchengladbach – aus tiefen, ja hoffnungslosen Tabellensituationen nach oben gebracht hat.

Lugano absolute Spitze

So verspricht die Heimpartie der St.Galler vom kommenden Sonntag gegen Lugano besonders interessant zu werden: und zwar taktisch, nicht unbedingt vom Unterhaltungswert her. Die Tessiner beendeten am 14. Oktober 2017 mit einem 0:4 gegen Basel eine Reihe von hohen Niederlagen auf dem letzten Rang mit lediglich acht Punkten. Dann bestellte Trainer Pierluigi Tami den Beton und holte seither mit seinem Team gleich viele Punkte wie Basel und nur drei weniger als YB.

Die Tessiner waren zudem Tabellendritter der vergangenen Saison – und St.Gallen ist somit am kommenden Sonntag der krasse Aussenseiter. Es wird eine der schwierigsten Aufgaben der letzten Wochen für die St.Galler werden, den Match gegen die Tessiner erfolgreich zu gestalten.

St.Gallen spielte in Basel wie Lugano, aber es ist nicht so stabil in der Abwehr, um sich primär auf das Verteidigen zu konzentrieren. Lugano hätte zwar nominell mit Gerndt, Mariani, Bottani und neuerdings Janko eine Offensive von internationalem Format zur Verfügung, aber so lange der Erfolg da ist, dürfte sich nichts an der realistischen Spielweise von Pierluigi Tami ändern.

*) Husarenritt. Definition: Zurückgeführt wird der Ausdruck auf die österreichischen Husarenregimenter, welche die Aufgabe hatten, den Feind auszukundschaften, die feindlichen Marschkolonnen durch kurze Angriffe zu stören und Botendienste zu versehen, was neben der Fähigkeit zu eigenverantwortlichen Entscheidungen ein hohes Mass an Kühnheit und Waghalsigkeit erforderte. Namensgebend war der Berliner Husarenstreich, bei dem die preussische Hauptstadt Berlin durch kaiserliche Truppen am 16. Oktober 1757 für einen Tag besetzt wurde.

Aufgefallen

Cedric Itten wird im Sommer also wieder zum FC Basel zurückkehren. Das hat Sportchef Marco Streller sogleich nach dem Match angekündigt. Dann dürfte es aber wieder eng werden für Albian Ajeti, enger als es jetzt schon ist. Die Lösung ist aus der Perspektive der "Gegentribüne" klar: Basel schickt Albian Ajeti auf kommenden Sommer hin wieder zu seinem Bruder Adonis in den Kypunpark. Gratis und franko, versteht sich. (th)

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