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Kolumne

Gegentribüne: Weshalb der FC St.Gallen gegen Luzern schon vor dem Anpfiff verloren hatte

Der FC St.Gallen hat in dieser Saison vier Spiele bestritten, in denen er nicht den Hauch einer Chance hatte. Drei davon verlor er gegen Luzern. Das ist nicht nur statistische Laune.
Fredi Kurth
Spätestens hier war die Partie verloren: Christian Schneuwly bezwingt St.Gallen-Goalie Daniel Lopar zum 2:0. (Bild: Keystone)

Spätestens hier war die Partie verloren: Christian Schneuwly bezwingt St.Gallen-Goalie Daniel Lopar zum 2:0. (Bild: Keystone)

Es gibt digitale Buchhaltungsprogramme, die Erfolg und Bilanz auf den Rappen genau ausrechnen. Was man hineingibst, spuckt es aus – da kann man nichts ändern, nichts geradebiegen.

Fussball funktioniert taktisch manchmal ähnlich. Der Trainer kann ein System spielen lassen, das gegen diese oder jene Mannschaft immer perfekt funktioniert. Oder eben auch nicht.

Unser Mann auf der Gegentribüne: Fredi Kurth. (Bild: Urs Jaudas)

Unser Mann auf der Gegentribüne: Fredi Kurth. (Bild: Urs Jaudas)

Viel Raum für Luzern, praktisch keiner für St.Gallen

Gegen Luzern scheitert St.Gallens System immer, weil es nicht mit jenem der Innerschweizer kompatibel ist. Am Sonntag verloren Peter Zeidlers folgsame Spieler schon zum dritten Mal genau auf dieselbe Weise: praktisch ohne eine Torchance zu haben, ohne das eigene Spiel entwickeln zu können und ohne den blitzschnell anstürmenden Gegner zu stoppen.

Schnell und torgefährlich: Blessing Eleke vom FC Luzern ist vor St.Gallens Philippe Koch am Ball.

Schnell und torgefährlich: Blessing Eleke vom FC Luzern ist vor St.Gallens Philippe Koch am Ball.

Die Niederlagen der Ostschweizer gegen Luzern sind programmiert, weil...

  • ... die Balance nicht stimmt.
  • ... Luzern in der St.Galler Hälfte und vor dem Tor viel freien Raum vorfindet
  • ... St.Gallen umgekehrt kaum ein paar Quadratmeter Freiraum hat.

Die Balance würde nur dann stimmen, wenn Zeidlers Team genau gleich spielen würde wie die Luzerner, die ihrer Taktik auch nach dem Trainerwechsel treu geblieben sind: Kein Pressing, Rückzug in die eigene Platzhälfte, schnell kontern. Aber das ist nicht St.Gallens Anspruch.

Zeidler versuchte zu reagieren – erfolglos

Dabei hatte kein Geringerer als Meister YB bei der hohen Cup-Niederlage in Luzern auf eindrückliche Art gezeigt, wie man dort nicht auftreten darf. Das hat zweifelsohne auch Peter Zeidler beobachtet und dann versucht zu reagieren. Seine Mannschaft wollte präsent sein, wenn der Gegner anstürmte. Dieser, offensichtlich beschwingt durch die jüngsten Erfolge, erzeugte anfänglich allerdings selber Druck und ermöglichte den St.Gallern so einige offensive Zuckungen im Gegenangriff.

Seine Massnahmen in Luzern brachten nichts: FCSG-Cheftrainer Peter Zeidler. (Bild: Keystone)

Seine Massnahmen in Luzern brachten nichts: FCSG-Cheftrainer Peter Zeidler. (Bild: Keystone)

Doch am Ende blieb alles beim Alten. Die Rechnung ging nur für Luzern auf. Das einzige, was aus St.Galler Sicht klappte: Luzerns Stürmer Blessing Eleke rannte mehrfach ins Offside.

Von den sechs Gegentoren, die St.Gallen in dieser Saison gegen Luzern einsteckte, fielen übrigens typischerweise fast alle auf dieselbe Weise: nach zum Teil läppischen Ballverlusten im Mittelfeld.

Luzerns massgeschneiderter Konterfussball

Es wäre falsch, aus St.Galler Optik den FC Luzern geringschätzig zu beurteilen, nur weil man im Kybunpark den etwas kultivierteren Fussball zu pflegen versucht. Der Tabellendritte der vergangenen Saison spielt attraktiven Konterfussball, massgeschneidert auf die Sprinter Eleke und Pascal Schürpf. Typisch: Luzern hat in dieser Saison erst einmal verloren, wenn es in Führung gegangen ist – im Startspiel vergangenen Sommer in Thun. Und es hat dem Gegner nur einmal noch ein Unentschieden zugestanden, beim 1:1 daheim gegen Basel.

Dazu kommt ein einziger Fall, in welchem die Luzerner nach einer Führung in Rückstand gerieten und den Match dann doch noch gewannen: Das war beim 3:2 gegen YB in der Meisterschaft. Luzern ist somit die einzige Mannschaft, die den Meister diese Saison besiegt hat, in Cup und Meisterschaft.

Zwei Wege, das gleiche Resultat

Zwischen dem FC Luzern und dem FC St.Gallen sind zahlenmässig nach der letzten Direktbegegnung kaum Unterschiede auszumachen:

  • Luzern: 4. Rang; 10 Siege, 2 Unentschieden, 12 Niederlagen, 38:43 Tore, 32 Punkte.
  • St.Gallen: 5. Rang; 9 Siege, 4 Unentschieden, 11 Niederlagen, 37:44 Tore, 31 Punkte.

Zwei Mannschaften auf verschiedenen Wegen treffen sich nach 24 Runden somit am fast genau gleichen Punkt in der Tabelle. Der Unterschied besteht im Defensivverhalten. Offensiv suchen beide möglichst rasch den Abschluss.

Luzern und St.Gallen weisen auch sonst viele ähnliche Vergleichszahlen auf. Nicht nur beim Budget für die 1. Mannschaft von rund 8 Millionen Franken, sondern auch bei den Budgets für den Gesamtumsatz der beiden Unternehmen liegen sie mit 25,2 Millionen beziehungsweise 27 Millionen Franken ungefähr gleichauf. Der grosse Rest für Nachwuchsförderung und Administration fällt somit enorm ins Gewicht.

Hier wie dort wird die Zahl der Mitarbeiter mit 100 Vollzeitstellen angeben. Luzern und St.Gallen befinden sich bezüglich Voraussetzungen und Klassierungen schon seit Jahren auf Augenhöhe, wobei sich die Innerschweizer zuletzt häufiger für europäische Einsätze qualifiziert haben – mit allerdings kläglicher Bilanz – und auch im Schweizer Cup besser abschnitten. Deutlich höher liegt bei St.Gallen der Zuschauerschnitt: Mit 12'038 Fans besuchen fast 3000 Menschen mehr die Heimspiele der Ostschweizer als, als dies in Luzern der Fall ist.

Lugano ähnlich wie Luzern

Nun geht es für den FC St.Gallen am nächsten Samstag gegen die zweitbeste Kontermannschaft der Liga. Der FC Lugano hatte den Ostschweizern im Tessin keine Chance gelassen; davor gab es im Kybunpark das Unentschieden nach einer 2:0-Führung für St. Gallen. Dies unter den bekannt dramatischen Umständen mit der Verletzung von Cedric Itten.

Die Bilanz gegen Lugano ist nicht so negativ wie gegen die Innerschweizer. Zwei Siege, ein Unentschieden, drei Niederlagen in den letzten sechs Partien. Das lässt doch mal hoffen...

Aufgefallen

Vergangene Woche sahen wir YB-Erfolgstrainer Gerardo Seoane in ungewohnter Rolle. Er musste eine unerwartete Schlappe erklären. Da verhielt er sich nicht anders wie viele andere Kollegen von der Trainerbank. «Wir haben unsere Chancen nicht genutzt», lautete eine seiner Erklärungen für das 0:4 im Cup bei Luzern. Das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich der Meister in einer kleinen Krise befindet. Wenn drei, vier Teamstützen fehlen, ist es vorbei mit der Unwiderstehlichkeit. Wird es an der Spitze sogar nochmals spannend? Es wäre das erste Mal seit 2012/13, dass ein Titelrennen mit einem Fotofinish enden würde. Damals wurde Basel mit nur drei Punkten Vorsprung vor den Grasshoppers Meister. Mit der Wachablösung durch YB in der Saison 2018/19 endete zwar die Serie des FCB, aber seither sind einfach die Berner die unangefochtenen Dominatoren.

Nach der Entlassung von Thorsten Fink bei den Grasshoppers sind nur noch vier der zehn Trainer genehm, die im Sommer mit viel Hoffnung in die Saison geschickt worden waren. Die Schweiz nimmt somit mitten in Europa auch fussballerisch eine Sonderstellung ein. Denn selbst solid geführte Fussball-Unternehmen aus der Super League wechseln relativ häufig ihren Chefcoach aus. So haben Basel und die Young Boys in den vergangenen zehn Jahren sieben Trainer auf dieser Position eingestellt, gleich viele wie Thun. Zürich und Luzern folgen mit acht, GC mit neun, Xamax mit 10, Lugano mit 15 und der FC Sion mit 23. Von kontinuierlichem Schaffen kann da nicht mehr die Rede sein. Auch hier ist der FC St.Gallen ein wenig anders. Mit «bloss» sechs verbrauchten Trainern steht er an der Spitze dieser Rangliste. Und wären zwischen September 2015 und Juli 2018 mit Joe Zinnbauer, Giorgio Contini, Boro Kuzmanovic und Peter Zeidler nicht gleich vier Trainer im Sold der St.Galler gestanden, sähe diese Auflistung gar richtiggehend eindrucksvoll aus.

Die Videoassistenten sind in den vergangenen Wochen auf Abwege geraten. Ihr Hauptproblem: Sie nehmen sich zu wichtig und wollen nicht nur den krassen Fehlentscheid, sondern auch die umstrittenen Szenen detektivisch auflösen. Das Resultat: Wir haben immer wieder zwei mögliche umstrittene Entscheide zur Diskussion, wobei jener aus dem Keller – oder woher auch immer – häufig der schlechtere ist, so wie bei Paris St-Germain gegen Manchester United. Die Schiedsrichter wollen nicht die Buhmänner sein und solidarisieren sich. Freiburgs Trainer Christian Streich hat in diesem Zusammenhang kürzlich einen weisen Satz gesagt: «Ein guter Schiedsrichter versucht, die Balance zu halten.» Er meinte damit, dass der Spielleiter bei wichtigen umstrittenen Entscheiden auf das Gesamtgeschehen Rücksicht nehmen und mal jene, mal die andere Mannschaft begünstigen solle. In der Schweiz wird, und das ist nur leicht überspitzt formuliert, immer der FC Basel begünstigt. (th)

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