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Gegentribüne: Werden Sie jetzt Fan des FC St.Gallen - es lohnt sich endlich!

Die Anhänger des FC St.Gallen erleben momentan eine der aufregendsten Phasen in der langen Klubgeschichte. Der Grund: Der neue Trainer hat nicht nur attraktiven Fussball vorhergesagt, sondern sein Versprechen auch eingelöst.
Fredi Kurth
Lautstark und leidenschaftlich: Die Fans des FC St.Gallen. (Bild: Urs Bucher)

Lautstark und leidenschaftlich: Die Fans des FC St.Gallen. (Bild: Urs Bucher)

Jedes Spiel gibt interessante Beobachtungen her. Eine ist zum Beispiel, wie die gegnerischen Trainer auf die freche Spielweise der St.Galler Mannschaft reagieren. Während Thun beim 2:3 insbesondere in der ersten Halbzeit keine Antwort fand, reagierte Sion - bereits in der 2. Runde! - mit ähnlichem Stil: Es praktizierte vom Anpfiff weg Pressing und Tempoattacken.

Auch der FC Zürich versuchte mit viel Laufarbeit die Räume im Mittelfeld eng zu machen. Trainer Ludovic Magnin wechselte nach der hohen Niederlage in Bern die halbe Mannschaft aus - «um den Konkurrenzkampf zu schüren», wie er sagte. Aber er nominierte auch bewusst agile Stürmer, um die vermeintlich hüftsteife St.Galler Abwehr auszumanövrieren. Zudem verzichtete er bis kurz vor Schluss auf Torjäger Michael Frey. Am Ende war Magnin gar nicht zufrieden mit den Bemühungen seiner Mannschaft. Er war, wenn auch zähneknirschend, nur vom FC St.Gallen angetan. Aber vielleicht wäre seine Taktik aufgegangen, wenn Frey nicht fälschlicherweise aus Offsideposition zurückgepfiffen worden wäre.

Nur Sarpsporg fand ein Mittel

Ja, wie reagieren die Gegner auf diese neuen Espen? «St.Gallen macht dem Cupsieger das Leben schwer» war zweifelsohne ein zutreffender Titel am Montag im «Tagblatt». Cupsieger Zürich war Favorit gewesen. Aber aus dem neuen Selbstverständnis der St.Galler heraus wirkte die Partie auch so, dass im Grunde der FC Zürich dem Gegner die Spielentwicklung erschwerte.

Bis jetzt hat noch kein Widersacher der Espen mit einer ausgesprochen defensiven Einstellung versucht, Zeidlers Absichten mit Kontern und Hauruck-Fussball von hinten heraus zu durchkreuzen - abgesehen vielleicht von Sarpsporg in der zweiten Halbzeit des Rückspiels. Nach dem Cupunterbruch vom nächsten Wochenende wird der FC Luzern am 26. August vielleicht eine diesbezüglich erhellende Spielstudie abgeben.

St. Gallen mit etwas veraltetem System

Im Prinzip ist Peter Zeidlers Spielweise des hohen Stehens etwas aus der Mode geraten. Sich hingegen nach mehr oder weniger engagiertem Offensivpressing möglichst bald an den eigenen Strafraum zurückfallen zu lassen und sich dort zu verbarrikadieren, war an der WM die angesagteste Spielweise. Die Folge: Es gibt es heute nicht mehr so häufig Spielermassierungen im Mittelfeld wie noch vor wenigen Jahren oder in der ersten Halbzeit des Spiels am Sonntag auf dem Letzigrund.

Einen prominenten Kollegen mit ziemlich ähnlicher Spielauffassung hat Zeidler allerdings mit Pep Guardiola, wie am Sonntag Manchester City bei Arsenal London demonstrierte. Nur fehlen dem FC St.Gallen zur perfekten Spielweise des englischen Meisters ein paar Transfermillionen.

Viele Gewinner, wenig Verlierer

Peter Zeidler wartet auch immer mal wieder mit einer Überraschung auf. Nicht Silvan Hefti oder Peter Tschernegg besetzten gegen den FCZ die rechte Aussenverteidiger-Position, sondern Axel Bakayoko. Die Dynamik von Nicolas Lüchinger erreichte er nicht ganz. Aber seine Qualitäten liegen wahrscheinlich ohnehin anderswo.

Ebenso unerwartet im Spiel gegen den FCZ kam der Verzicht auf Stjepan Kukuruzovic, den Matchwinner gegen Thun. Auffällig auch, wie unterschiedlich sich einzelne Spieler im Vergleich zur Ära Contini entwickeln. Dejan Stojanovic pariert nun auch auf der Linie Bälle im Stile von Daniel Lopar. Silvan Hefti hat nach einer Stagnation einen mächtigen Schritt nach vorne getan. Andreas Wittwer, noch im Frühjahr oft fehlerhaft, ist wieder zu einem soliden Wert geworden. Yannis Tafer agierte auch am Sonntag enorm schwungvoll; jetzt müsste es nur noch im Abschluss besser funktionieren.

Und last, but not least ist Cédric Itten mit der definitiven Verpflichtung zu einem echten St.Galler geworden. Ein Bekenntnis, das er schon früh im Mai abgegeben hatte. Gegen Zürich war der beidfüssig schusskräftige Angreifer immer wieder Anspielstation und brandgefährlich. Weniger gefragt hingegen und bereits weg oder auf dem Absprung sind ehemals unbestrittene Teamstützen wie Marco Aratore oder Alain Wiss.

Endlich auch auf dem Spielfeld

Ja, für Unterhaltung ist gesorgt beim FC St.Gallen – seit diesen Sommer nicht nur hinter den Kulissen, sondern auch auf dem Spielfeld. Es ist somit eine günstige Zeit, Fan des FC St.Gallen zu werden. Oder einst enttäuschten Anhänger bietet sich die Gelegenheit, den Espen wieder einmal eine Chance zu geben. Dafür sprechen ebenso die Resultate wie auch die Auftritte und die Attraktivität des Geschehens. In sechs Wettbewerbsspielen mit drei Siegen, einem Remis und zwei Niederlagen hat St.Gallen fast nie enttäuscht. Auch wenn das 0:0 in Zürich das erste seiner Art war seit dem Oktober 2016 daheim gegen Thun.

Aufgefallen

Die Abwehr des FC St.Gallen lässt bei gegnerischen Standards weniger zu. Es wurde auch fleissig geübt, einmal eine Stunde lang mit Flanken von links und rechts in verschiedenen Variationen. Zumindest hat mir dies ein regelmässiger Besucher des Trainings verraten. Dass dem tatsächlich so gewesen ist, daran habe ich seit Sonntag keinen Zweifel mehr. Zum einen hat Milan Vilotic auch in diesen Situationen zu besserem Stellungsspiel gefunden. Zum anderen konnte mir der Gewährsmann vom Gründenmoos auch sagen, dass das Debüt von Axel Bakayoko geplant sei. Davon habe ich in den Vorschauen nichts gelesen. Schliesslich wusste er auch, bevor es die Medien meldeten, dass Aratores neuer Verein in Russland sei. Das Ganze sei nur noch Formsache. Man lerne: Ein Trainingsbesuch kann sich lohnen.

Mit den Ambitionen von Peter Zeidler und dem Engagement ausländischer Talente ist für den eigenen Nachwuchs die Luft dünner und die Konkurrenz schärfer geworden. Einige wurde ausgeliehen, nun mit Nias Hefti einer der talentiertesten bereits zum zweiten Mal zum FC Wil. Dass er dort geschätzt wird, zeigt seine Nomination in der Startformation bereits am Wochenende beim 2:0 gegen Aarau. Vielleicht geht es ihm ja wie Nicolas Lüchinger, der auch über Wanderjahre zu seinem Lieblingsverein zurückgefunden hat. Dass Zeidler nur das absolute Leistungsprinzip gelten lässt, daran ist nichts auszusetzen. Umso mehr, als ihm und Alain Sutter vorgeworfen wurde, sich auf dem Transfermarkt mit billigem Ramsch eingedeckt zu haben.

Mit Nikolaj Hänni leitete ein Schiedsrichter aus dem Kanton St.Gallen die Partie Zürich – St.Gallen. Einige Male reagierte das Publikum ziemlich ungehalten auf seine Entscheidungen - wohl im Unwissen über den Wohnort des Mannes im Sarganserland. Die Unmutsbekundungen hatten vielmehr mit einer Richtlinie zu tun, welche die Schiedsrichter ziemlich konsequent befolgen: Robuster Körpereinsatz wird nicht mehr bestraft. Extrem war dies der Fall, als in der zweiten Halbzeit Andreas Wittwer Gegenspieler Adrian Winter über den Haufen warf. Das haben wir in dieser Saison, im Spiel gegen Sion, ebenfalls schon erlebt. Auch Schiedsrichter Jaccottet tolerierte in jener Partie heftige Körperkontakte, war aber sonst im Gegensatz zu Hänni ziemlich fehlerhaft. Beim Nichtoffside von Frey in Zürich konnte Hänni nichts dafür - es war auch für den Linienrichter schwierig zu sehen. Mit der Videotechnologie hätte der Mann die Fahne wohl unten gelassen, und man hätte sich im Falle eines Treffers die Situation anschauen können. Manches gleicht sich im Lauf einer Saison aus. Fraglich bleibt, ob Frey und der mangels Elfmeterpfiff nicht zum Einsatz gekommene St.Galler Penaltyschütze im Spiel gegen Sion auch wirklich getroffen hätten... (th)

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