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GEGENTRIBÜNE: Wer wird Schweizer Fussball-Champion?

Basel wird Schweizer Meister. Das ist die langweiligste, weil sicherste Vorhersage, die es im Fussball gibt. Wie aber könnte der Super League an der Tabellenspitze wieder Leben eingehaucht werden? Ein nur leicht ironischer Vorschlag mit realem Hintergrund.
Fredi Kurth
Jubelnde Basler, tiefbetrübte St:Galler am 8. April 2015, in der AFG Arena: Mario Mutsch vom FC St.Gallen lenkt den Ball ins eigene Tor. (Bild: KEYSTONE)

Jubelnde Basler, tiefbetrübte St:Galler am 8. April 2015, in der AFG Arena: Mario Mutsch vom FC St.Gallen lenkt den Ball ins eigene Tor. (Bild: KEYSTONE)

Im Fussball sind die arrivierten Trainer giggerig auf Titel. Diese helfen ihnen, im Geschäft zu bleiben. Je einmal Champions-League-Gewinner, Meister, Cupsieger und zweimal Uefa-Supercup-Sieger mit Milan. Meister und Cupsieger mit Chelsea. Meister mit Paris Saint-Germain. Champions-League Gewinner, Pokalsieger, Uefa-Super-Cup Sieger und Fifa-Club-WM.Gewinner mit Real Madrid. Das ist die Titelbilanz von Carlo Ancelotti, dem neuen Trainer von Bayern München.

"Basel unterfordert“
Manchmal entsteht indessen der Eindruck, dass es für einen Trainer fast schwieriger wäre, einen Titel zu verpassen, als ihn zu gewinnen. Das gilt zum Beispiel für die Teammanager des FC Basel, der seit 2010 ununterbrochen Meister geworden ist. Die Unterforderung von Trainer und Spielern ödet inzwischen auch Marco Streller an, wie das vierte grosse Basler Fussball-Idol (nach Seppe Hügi, Karl Odermatt und Massimo Ceccaroni) in einem „Blick“-Interview verriet.

Seit 2000 nur vier Meister
So wichtig Titel für Trainer sein können, so unwichtig ist inzwischen eine entsprechende Liste im Schweizer Fussball geworden. Während sich bis zur Jahrtausendwende die nationalen Meister relativ häufig abgewechselt haben, sind seither nur noch vier verschiedene Titelträger auf der Ehrentafel zu finden. Sie wird in punkto Reihenfolge – schmeichel, schmeichel – vom FC St.Gallen (1 Titel) angeführt, dann folgen die Grasshoppers (2), Basel/11) und der FC Zürich (3). Der FC Basel zierte also die Spitze der höchsten Schweizer Liga häufiger als alle andern drei Titelträger zusammen.

In jüngster Zeit hat die Liste folgendes Aussehen angenommen:
2010 Basel
2011 Basel
2012 Basel
2013 Basel
2014 Basel
2015 Basel
2016 Basel

Sie wird sich, wenn es im gleichen Stil weitergeht, alles deutet darauf hin, wie folgt aussehen:

2017 Basel
2018 Basel
2019 Basel
2020 Basel
2021 Basel
2022 Basel
2023 Basel
2024 Basel

Acht Vize-Meister
Um diese Monotonie zu stoppen, könnte indessen eine zweite Liste erstellt werden. Denn was ist im Empfehlungsschreiben von Carlo Ancelotti auch noch erwähnt? 2001 und 2002: Italienischer Vize-Meister mit Juventus Turin. Genau. Die Liste der Vize-Meister der Schweiz präsentiert sich nämlich wesentlich abwechslungsreicher als jene der Meister. Nicht weniger als acht verschiedene Vereine haben seit 2000 die Schweizer Meisterschaft auf dem zweiten Rang beendet. Allein bis 2005 waren sechs verschiedene Vize-Meister (Lausanne, Lugano, Grasshoppers, Basel, Young Boys und Thun) auf diese Weise erfolgreich.

Man könnte sogar noch weitergehen und den Vize-Meister-Titel von Verbandsseite für offiziell erklären - natürlich mit einer etwas frischeren Bezeichnung. Wie wär’s mit "Champion"? Der FC Basel dürfte sich weiterhin Meister nennen, das mögen wir ihm gönnen. Doch Champion – ob als "Tschämpion" oder als "Schompion" ausgesprochen, gelte es noch abzuklären – wäre eine angemessene Bezeichnung. Denn Zweiter zu werden, ist für das Gros der Super League viel schwieriger, als für den FC Basel Platz eins einzunehmen. Vor allem aber sind auch in der Champions League lange nicht alle Teilnehmer nationale Meister, nicht einmal Vize-Meister.

YB als Champion-Favorit
Also, auf geht’s zur Revolution im Schweizer Fussball. Favorit im Kampf um den Schweizer Champion sind die Young Boys mit bisher sechs Vize-Titeln seit 2000, gefolgt von den Grasshoppers (3), Basel (3) sowie Lausanne, Lugano, Thun, Zürich und Luzern mit je einem. Leider hat es der FC St.Gallen nach dem Meistertitel nie in diese Ehrenliste geschafft. 2001 wäre das Team von Marcel Koller mit seinem Sieg im letzten Match daheim gegen die Grasshoppers zwar nochmals Meister geworden, musste aber durch die Niederlage auf dem Espenmoos auch noch Lugano den Vortritt lassen.

Aufgefallen

Für manchen Schweizer Nationalspieler verlief die Rückkehr zum Klubfussball ohne Happy End. Zwei flogen vom Platz, einer musste vom Platz getragen werden. Granit Xhaka und Valentin Stocker (immerhin noch Torschütze beim 1:1 der Hertha in Dortmund) sahen die rote Karte, nachdem sie ihre Gegenspieler ziemlich brutal von hinten attackiert hatten. Breel Embolo wurde Opfer eines solchen Angriffs, der ebenfalls mit dem Ausschluss hätte bestraft werden müssen. Zufällig war ich am Samstag in Augsburg im Stadion, auch wegen Embolound Marwin Hitz (der seinem Greatest-Hitz-Video zwei schöne Paraden beifügte). Schalkes Stürmer war bis dahin der einzige Spieler auf dem Platz, der offensiv Akzente setzte. Dann folgte das schlimme Foul von Konstantinos Stafylidis. Die Augsburger hatten schon zuvor fast jeden Schalker Angriff irregulär unterbunden, wenn auch mit eher harmlosen Fouls. Aber es ist die Taktik, die Trainer Dirk Schuster von Darmstadt mitgebracht hat und Dortmunds Trainer Thomas Tuchel schon vor dem Match auch bei Hertha Berlin kritisiert hat: Foul als taktisches Mittel. Das wird inzwischen geübt und bringt somit die Schiedsrichter in Schwierigkeiten, die seit einiger Zeit – nicht zuletzt an der EM – eine grosszügige Linie pflegen. Wird diese nun missbraucht und artet die Foul-Methode aus, wie bei Stockers und Stafylidis Attacke, ist eine strengere Auslegung wieder angebracht.

War da nicht noch etwas an diesem Wochenende? Ach ja. Der FC St.Gallen hat gegen Vaduz auch im zehnten Spiel nicht gewonnen. Aber das ist nun wirklich keine Nachricht mehr. Oder dann noch eine langweiligere als jene vom alljährlichen Titelgewinn des FC Basel. Dennoch gibt es einiges hinzuzufügen: Der Fan muss sich offensichtlich damit abfinden, dass die Mannschaft im günstigen Fall zu den schlechtesten drei Teams gehört und nicht abgehängt wird. Im Moment ist Vaduz eher schwächer einzuschätzen als Thun. Denn die Liechtensteiner haben zwei ihrer "Freispiele" gegen St.Gallen bereits hinter sich und können in 25 Partien nur noch zwei Mal mit diesem sicheren Punktezuwachs rechnen. Immer bescheidener wird derweil Joe Zinnbauers Bilanz, und etwas mehr als ein Jahr nach seinem Amtsantritt lässt seine Mannschaft keine Fortschritte erkennen. Das gilt übrigens auch für einzelne Spieler. Marco Aratore ist die grosse Ausnahme. Yannis Taferhingegen bringt keinen Fuss mehr vor der andern. Danijel Aleksic, der beste Torschütze der vergangenen Saison, taugt anscheinend ebenso wenig wie der erfahrenste Kaderspieler Steven Lang (238 Super-League-Einsätze) für die Startformation. Und ist Gianluca Gaudino wieder verletzt? Aleksic und Gaudino, zwei eher schwächere Lauftypen, das wäre zu viel. Aber einen von beiden hat die Mannschaft bezüglich spielerischer Qualität bitter nötig. Stattdessen kommt mit Mohamed Gouaida immer wieder ein Akteur zum Einsatz, vom dem mir noch keine herausragende Aktion in Erinnerung geblieben ist. (th)


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