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Gegentribüne: Wer über diesen FC St.Gallen stänkert, der schnödet auf hohem Niveau

Der FC St.Gallen hat nach dem Startsieg gegen Zürich nicht zu mehr Konstanz und Geschlossenheit gefunden. Die Equipe begeistert allerdings die TV-Kommentatoren. Und sorgt für wesentlich mehr Unterhaltung, als in gewissen Champions-League-Spielen geboten wird.
Fredi Kurth
Zwei Schlüsselfiguren des aktuellen FC St.Gallen: Trainer Peter Zeidler (rechts) und Präsident Matthias Hüppi (Bild: Keystone)

Zwei Schlüsselfiguren des aktuellen FC St.Gallen: Trainer Peter Zeidler (rechts) und Präsident Matthias Hüppi (Bild: Keystone)

Der FC St.Gallen gerät im Stade de Tourbillon früh in Rückstand. Wenig später könnte er sogar mit zwei Toren zurückliegen, hätte Dejan Stojanovic nicht glänzend pariert. Es beschleicht mich ein Gefühl wie in vielen Auswärtsspielen im Herbstdurchgang: Da gehen St.Gallens Harakiri-Fussballer wieder einmal sang- und klanglos unter – vorne ohne Ideen und hinten mit weit geöffneten Schleusen.

Doch dann schickt Peter Zeidler Dereck Kutesa aufs Feld, und manches wird besser.

Fast in jedem Spiel vier Tore

Es fällt auf, wie sehr die TV-Kommentatoren begeistert sind, wenn der FC St.Gallen spielt. Die Euphorie wirkt allerdings nicht immer ansteckend, weil bald einmal nur der Gegner Wirbel entfacht. In Sion konnte die Mannschaft reagieren, zweimal ausgleichen und einigermassen die Balance halten. Die Bilanz nach vier Spielen könnte ausgeglichener nicht sein: ein Sieg, zwei Unentschieden, eine Niederlage. Torverhältnis: 7:7. Fast in jedem Spiel fielen vier Tore.

Fredi Kurth, unser Kolumnist von der Gegentribüne. (Bild: Urs Jaudas)

Fredi Kurth, unser Kolumnist von der Gegentribüne. (Bild: Urs Jaudas)

Anhänger des FC St.Gallen sind sich inzwischen gewohnt, was TV-Leute überrascht zur Kenntnis nehmen. Wir bemerken den Unterschied erst wieder, wenn wir eines jener Champions-League-Spiele ansehen, in denen millionenschwere Kicker wie Falschgeld auf dem Rasen umherlaufen und nichts anderes tun, als den eigenen Strafraum zu verbarrikadieren. So geschehen beim 0:0 von Liverpool gegen Bayern München. Auch Liverpool gegen die United am Sonntagabend soll nicht besser gewesen sein.

Weiterhin auf der Suche

Mehr Sicherheit in der Defensive und mehr mannschaftlicher Kitt sind in nächster Zeit auf St.Galler Seite leider nicht zu erwarten. Der Grund: Peter Zeidler ist immer noch in der Findungsphase. Der Cheftrainer der Ostschweizer brachte in Sion einen komplett neuen Angriff in die Startelf. Und Leute wie Guillemenot und die eingewechselten Ruiz oder Muheim müssen im Hinblick auf die neue Saison Auslauf erhalten.

Schnell zupackende Flügelzange

St.Gallens Puzzle wirkt somit immer noch rätselhaft. In einem einzigen Spiel scheint die Mannschaft höchste Höhen zu erklimmen – und innerhalb von wenigen Augenblicken ist sie dem Abgrund nahe.

Als einigermassen gesichert darf gelten: Es tut dem St.Galler Spiel gut, wenn mit Axel Bakayoko (als Stürmer viel mehr im Element denn als Aussenverteidiger) und Dereck Kutesa gleich zwei schnelle Spieler den Gegner unter Druck setzen und überlaufen können. Weiter: St.Gallen war in Sion oft dann am gefährlichsten, wenn es früh presste oder einen einfachen Fussball praktizierte und mit hohen Zuspielen von hinten oder weiten Flanken wie beim 2:2 die etwas weit vorne postierte Sittener Abwehr überwand. Es ist eine Variation zum schnellen Kurzpassspiel durch die Mitte.

Jérémy Guillemenot: Note 3.5. Bemüht, aber glücklos. Ihm fehlt das Selbstvertrauen, gut sichtbar, als er 15 Minuten vor Ende allein aufs Tor ziehen könnte.
Yannis Tafer: Note 3. Sehr unauffällig, wie so oft. Rechtfertigt seine Nomination nicht.
Vincent Sierro: Note 4.5. Stark verwandelter Foulpenalty zum 1:1. Dreh- und Angelpunkt der St. Galler, Torgefahr inklusive.
Andreas Wittwer: Note 4.5. Gefährlicher Weitschuss in der 25. Minute. Lässt auf seiner linken Seite wenig bis nichts zu.
Miro Muheim: Die ersten elf Saisonminuten Muheims reichen nicht für eine Note.
Dejan Stojanovic: Note 4. Wegen Nuhu sieht der St. Galler Goalie beim 0:1 (24.) nicht gut aus. Hat Mühe bei Rückpässen. Rettet dafür mehrmals gegen Kasami.
Musah Nuhu: Note 3. Beginnt eigentlich gut. Sieht aber früh Gelb und ist beim Corner zum 0:1 wohl mit dem Kopf noch dran – danach muss er für Kutesa raus.
Silvan Hefti: Note 4.5. In der Defensive ist er ganz klar der Chef. Könnte mit etwas Zweikampfglück im Mittelfeld die Entstehung des 2:2 verhindern.
Dereck Kutesa: Note 5. Kommt in der 33. Minute für Nuhu, holt kurz darauf den Penalty heraus, den Sierro verwandelt. Schöne Flanke zum 2:2.
Nicolas Lüchinger: Note 4.5. Ein solider Auftritt. Hat seine rechte Abwehrseite im Griff.
Axel Bakayoko: Note 5. Hat sehr viele gute Offensivaktionen, eine führt zum 2:2. Scheint den Tritt immer besser zu finden.
Jordi Quintillà: Note 4.5. Der ruhende Pol im St. Galler Spiel. Könnte in der Offensive vielleicht noch mehr wagen.
Leonidas Stergiou: Note 3.5. Der bald 17-Jährige hat einige Wackler. Macht beim 1:2 keine gute Figur gegen Lenjani, der danach auf Kasami passt.
Victor Ruiz: Kommt in den Schlussminuten.
14 Bilder

Bakayoko und Kutesa solide, Tafer der Schlechteste: Die Noten der FCSG-Spieler gegen den FC Sion

Einige gute Fussballer

Individuell scheint die Mannschaft auf mancher Position stark besetzt zu sein. Hefti, Sierro, Quintillà, Ashimeru, Kutesa, Bakayoko und Barnetta haben überdurchschnittlich gutes Super-League-Niveau. Und Torhüter Stojanovic ist im System Zeidler ebenfalls von hoher Wichtigkeit.

Inwiefern sich Simone Rapp bewährt und Cédric Itten ersetzen kann, bleibt abzuwarten. Gut tut auch Nuhus Muskelkraft, sofern er seine Fehlerquote verringern kann.

St.Gallen wie Xamax zu Gress-Zeiten

Nun geht es am nächsten Sonntag gegen Xamax. Da schnalzen die TV-Kommentatoren vielleicht wieder mit der Zunge. Beim 3:2 im Kybunpark kurz vor Weihnachten wechselte bei den St.Galler Anhängern die Stimmungslage zwischen Euphorie und Hühnerhaut. Stéphane Henchoz, ehemaliger Innenverteidiger bei Liverpool, lässt als neuer Coach seine Mannschaft inzwischen eine dem Tabellenplatz angemessene Taktik spielen: weit hinten verteidigen und über Serey Dié und Raphaël Nuzzolo Nadelstiche setzen.

Xamax spielt somit genauso wie der FC St.Gallen zu jener Zeit, als Gilbert Gress mit Xamax den Ballbesitz bevorzugte (faire circuler le ballon) und wenig hielt von Konterfussball. Xamax muss am Sonntag allerdings auf den gesperrten Dié verzichten. St.Gallen seinerseits muss ein stärkeres Augenmerk auf die Verteidigung legen als noch im Hinspiel.

Ein Rätsel ist auch, dass Peter Zeidlers Team daheim mehr Tore schiesst als auswärts (dort erst zwölf), aber auch mehr Gegentreffer zulässt als in fremden Stadien. Langweilig dürfte es auch gegen Xamax nicht werden. Und schon fragen wir uns, mit welchen Mitteln Peter Zeidler diesmal den Gegner vor Rätsel stellen möchte.

Aufgefallen

In der kleinen Super League laufen sich die Protagonisten fast zwangsläufig immer wieder über den Weg. So gab es in Sion nicht nur ein Wiedersehen zwischen Peter Zeidler und Sion-Präsident Christian Constantin, sondern auch zwischen St.Galler Akteuren und dem Blasucci-Clan. Da sah man, wie Marco Otero nach dem Tor von Pajtim Kasami, der Sittener Versicherung, jubelnd aufs Feld eilte. Nachwuchsspieler Noah Blasucci ist ebenfalls im Wallis gelandet. Es soll für alle eine dauerhafte Beziehung werden, wie Constantin ausführt. Murat Yakin hat einen Vertrag bis Sommer 2021 erhalten. Zur Erfüllung müsste der erfahrene Trainer allerdings einen Rekord brechen. Denn Constantin hat seit 1992, als er das Ruder übernahm, nicht weniger als 58 Trainer engagiert und wieder fortgeschickt. Es gab kein einziges Jahr ohne Trainerwechsel. Einige wurden mehr als einmal verpflichtet. Dreimal für ein paar Tage oder auch Wochen übernahm Constantin selber die Aufgabe. Yakins Chancen auf ein dauerhaftes Engagement im Wallis stehen somit eher schlecht. Denn Constantin nahm auch keine Rücksicht auf bekannte und erfolgreiche Namen wie Gilbert Gress, Uli Stielike, Gennaro Gattuso, Maurizio Jacobacci oder eben Peter Zeidler. Der Verdacht liegt nahe: König Constantin mag niemanden, der über seine Statur hinauswächst.

Lang war die Pause. Doch nun ist auch die österreichische Bundesliga aus dem Winterschlaf erwacht. In vier Runden wird der spannende Endspurt um die sechs Finalrundenplätze entschieden. Rapid Wien muss alle Spiele gewinnen, um der Abstiegsrunde zu entgehen, und nahm mit dem 2:0 gegen den bisher unbesiegten Leader Salzburg (ohne den verletzten Jasper van der Werff) sogleich die erste hohe Hürde. Es war ein Duell von erstaunlich hoher Qualität, wie sie auch in der Schweiz selten erreicht wird. Der Ex-St.Galler Peter Tschernegg spielte für Hartberg, zurzeit knapp über dem Strich, über die ganze Distanz und erlebte vor 2000 Zuschauern ein 1:1 gegen St.Pölten.

Ja, die Tücken der Technik. In Sion mussten die Zuschauer wegen eines Ausfalls der elektronischen Anzeigetafel über weite Strecken auf den eigenen Chronometer schauen. Und das nur wenige Kilometer von jenem Ort entfernt, wo die digitale Sportmessung am Tag davor wahrscheinlich ihren Tiefpunkt erreichte – und das im Land der Präzisionsuhren. In Crans-Montana griffen die Techniker auf die gute, alte Handstoppung zurück, um Stunden nach Ende der Veranstaltung die Rangliste an der Spitze definitiv festzulegen. Eine solche Panne hatte sich nach meiner Wahrnehmung zuletzt 1969 bei der Hahnenkamm-Abfahrt ereignet. Da hatten die Veranstalter Jean-Daniel Daetwyler schon zum Sieger erklärt, ehe das ZDF nach Ende der Übertragung feststellte, dass bei Karl Schranz die Uhr erst entscheidende Sekundenbruchteile nach der Zielüberquerung angehalten hatte. (th)

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