GEGENTRIBÜNE: Wenn es läuft, dann läuft’s

FUSSBALL. Der Sieg gegen Thun macht St.Gallens Anhänger verrückt. Einige hoffen bereits auf das Double B-Meister und Cupsieger. Es wäre ein Traum. Doch träumen ist verboten.

Fredi Kurth
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Haben derzeit allen Grund zum Jubeln: Die FCSG-Spieler. (Bild: Urs Jaudas)

Haben derzeit allen Grund zum Jubeln: Die FCSG-Spieler. (Bild: Urs Jaudas)

«Gratulation dem FC St.Gallen». Mit diesen Worten beendete der Berichterstatter seine Zusammenfassung vom Cupmatch im «Sportpanorama». Eine Form der Verabschiedung, die mir in einem solchen Gefäss noch nicht begegnet ist. Vielleicht ist sie so selten, weil sie in einem auf Ausgewogenheit bedachten Medium eine minime Sympathiebebezeugung darstellt. Mir gefiel sie, eine lockere, gerade noch zu tolerierende Art.

Ein Tor, zwei Tore. . .
Natürlich auch, weil sie den FC St.Gallen betraf. Sie erinnerte mich daran, was für ein Unterschied ein einziges Jahr ausmachen kann. Damals, im Herbst 2010, war eher Kondolation als Gratulation angesagt. Doch nun setzt sich der erholsame Sommer fort in einem zusehends erfolgreichen Herbst. Auch gegen Thun ist der FC St.Gallen nicht in Rückstand geraten, auch gegen den Super-League-Verein erzielte er irgendwann in der ersten Halbzeit das erste Tor und auch gegen die Berner Oberländer hätten es am Schluss drei oder mehr Tore sein können. Und als ob er seinen Hang zur Konstanz bestätigen wollte, geriet er auch am vergangenen Sonntagnachmittag nochmals in Bedrängnis, ohne Schaden zu erleiden. So ist es, wenn es rund läuft: Der Gegner schiesst ins eigene Tor und triff den Pfosten, selber reicht einem bereits eine höchst durchschnittliche Chancenauswertung zum Sieg.

Vieles erinnert an die Aufstiegssaison vor drei Jahren. Damals dauerte es bis zum letzten Heimspiel vor der Winterpause, als der FC St.Gallen in der neuen AFG Arena das erste Gegentor hinnehmen musste. Jetzt ist für ihn der Begriff «Rückstand» zu einem Fremdwort geworden.

Kein Super-League-Komplex
Das war für mich ein Kriterium im Cupmatch: Bricht nun wieder das Super-League-Phänomen aus, als sich der FC St.Gallen in der Abstiegssaison serienweise nach wenigen Minuten in Rücklage befand? Das ungute Gefühl beschlich mich nicht zuletzt, als Mauro Lustrinelli wieder zu wirbeln begann. Doch Saibenes Schützlinge spielten in der ersten Halbzeit clever wie selten, ideal dosiert die defensive Einstellung, sehr unangenehm für Thun die steten Nadelstiche bei den Kontern. Ich fragte mich, weshalb es St.Gallen so einfach hatte, wie wenn der Gegner Locarno oder Vaduz hiesse. Eines steht fest: Die Abwehr wirkte unglaublich solide. Doch nach der Pause vertrieb die Mannschaft erneut die Gefahr übermässiger Euphorie. Saibene hatte recht: Es wäre auch nicht normal gewesen, wenn das Super-League-Team, vor allem nach der Einwechslung von Rama, nicht stärker geworden wäre.

Ein Chaot in Aktion
Am Ende träumten einige Fans bereits vom Double B-Meister und Cupsieg. Einer hätte die Freude vielleicht schon am Sonntag verderben können. Kein Spieler, kein Trainer, kein Schiedsrichter, sondern einer von der Sorte Matchbesucher, mit der man offensichtlich immer mehr rechnen muss, wenn nicht knallhart durchgegriffen wird. Als ob es die «Schande vom Letzigrund» nicht gegeben hätte, begann ein Hirnverbrannter nach dem 2:0 die Schar der Thuner mit provozierenden Gesten aufzuwiegeln. Manche von ihnen versuchten hierauf, den Zaun ihres Sektors zu übersteigen, was zum Glück nicht gelang. Viel hätte nicht gefehlt. Denn es dauerte eine Weile, bis Securitas-Leute zur Stelle waren, um den Chaoten – als FC-Anhänger kann man ihn nicht bezeichnen – abführten, und sich die Menge wieder beruhigte. Ich weiss nicht, ob sich die Matchbesucher, die den Vorfall beobachteten, der heiklen Situation bewusst waren.

Nun aber kann man sich auf das zweite Olma-Spiel freuen, das zweite mit Beteiligung des Gastkantons Bern: Der FC Biel konnte terminlich früh eingeplant werden, auch dank des Bewilligungsverfahrens. Die Polizei hatte die Ansetzung ermöglicht, trotz der Doppelbelastung. Das Cupspiel gegen Thun, das zufällig durch Auslosung erst relativ kurzfristig anberaumt wurde, benötigte aber noch mehr Goodwill.

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