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Kolumne

Gegentribüne: Wenig St.Galler Offensivfussball gegen Basel – wenn Peter Zeidler fremdgeht

So vorsichtig wie am Samstag in Basel hat Trainer Peter Zeidler seine Leute noch selten spielen lassen. Was nach einer Notfallübung aussah, könnte in Zukunft häufiger angewandt werden. Der FC St.Gallen hat die Fussballer für den schnellen Konterfussball.
Fredi Kurth
Gegentribüne-Kolumnist Fredi Kurth (Bild: Ralph Ribi)

Gegentribüne-Kolumnist Fredi Kurth (Bild: Ralph Ribi)

Peter Zeidler ist bekannt für seine Offenheit, seine Menschenfreundlichkeit, und so geht er auch als Trainer unbekümmert auf die gegnerischen Mannschaften zu. Er ist verliebt in Offensivfussball und hat sich in St.Gallen schon mehrfach entsprechend geoutet. Am Samstag allerdings ist er seiner Leidenschaft untreu geworden und liess die Mannschaft in defensiver Rolle antreten. Von dieser Absicht war in der ersten Halbzeit zwar noch wenig zu sehen, bei einem Chancenverhältnis von 5:4 für Basel, aber in der zweiten trauten die St.Galler Anhänger ihren Augen kaum: Die Mannschaft verteidigte weit hinten und liess den ratlosen Baslern bis weit in die Schlussviertelstunde hinein keine Chance mehr zu.

Wie einfach das ging. Hinten hineinstehen, den Gegner anrennen lassen. Wie einfach das ist, im Gegensatz zum schwierigen Dominanzfussball mit raschem Umschaltspiel und frühem Pressing. Der Preis dafür war: Selber hatte St.Gallen auch kaum noch vielversprechende Torszenen.

Von alleine allerdings steht eine Abwehr nicht bombensicher. St.Gallen hatte das in der Vorbereitung mindestens einmal, beim 3:0 im Trainingsspiel gegen den Hamburger SV, geübt, und ähnlich schon im Auswärtsspiel in Sion beim Sieg nur drei Tage nach der Cupniederlage gegen den gleichen Gegner.

Der Antritt von Dereck Kutesa

St.Gallen könnte diese Spielweise durchaus häufiger anwenden. Das muss nicht auf ein einzelnes Spiel bezogen werden, das kann auch situativ sein. Im Herbst zum Beispiel wäre das im Match gegen YB möglich gewesen, als St.Gallen nach toller Kombination in Führung ging, danach aber munter weiter stürmte und dem Meister aus Bern Tür und Tor öffnete. Die Führungstreffer gegen Zürich und Basel entstanden nun nach klassischen Kontern, ganz im alten Stil der 1970-er unter Willy Sommer. St.Gallen hat mit Dereck Kutesa und Axel Bakayoko entsprechend schnelle Stürmer in seinen Reihen.

Kutesa war für mich in Basel diesbezüglich neben Torhüter Dejan Stojanovic der wichtigste Mann im St. Galler Team, weil er mit seinen Raids und seinem Antritt öfter für Entlastung und Gefahr sorgte. In der zweiten Halbzeit wäre ihm statt einer gelben Karte ein Penalty zugesprochen worden, hätte der Schiedsrichter die Intervention des Baslers gleich streng beurteilt wie jene von Silvan Hefti gegen Kevin Bua (nachzubetrachten auf der SRF-Zusammenfassung vom Samstagabend).

Die Roulette-Kugel ist rund

Natürlich sind das bloss erste Eindrücke nach zwei Spielen. Vor einigen Jahren hat eine statistische Erhebung in England ergeben, dass fünf Spiele notwendig sind, um einen verlässlichen Trend festzustellen. Doch auch das scheint Schnee von gestern zu sein: Der FC St.Gallen schlitterte vor einem Jahr just nach fünf Siegen in Serie in seine Krise. Die Mehrheit der Spiele verläuft heute so eng, dass Spielausgänge häufig von Kleinigkeiten abhängig sind, von Zufälligkeiten wie im Roulette. Auch dort kann die Kugel fünfmal hintereinander auf Rot oder Schwarz anhalten. Da ist es nicht nötig, Sepp Herberger mit seinem «runden Ball» zu bemühen.

Dejan Stojanovic: Note 5,5. Pariert einen Foulpenalty von Ricky van Wolfswinkel. Wirkt sehr sicher. Beim Gegentor ist er noch dran, aber machtlos.Dejan Stojanovic: Note 5,5. Pariert einen Foulpenalty von Ricky van Wolfswinkel. Wirkt sehr sicher. Beim Gegentor ist er noch dran, aber machtlos.
Nicolas Lüchinger: Note 4. Engagiert wie immer. Lässt aber vor allem in der ersten Halbzeit auf seiner Seite viel zu viel zu.Nicolas Lüchinger: Note 4. Engagiert wie immer. Lässt aber vor allem in der ersten Halbzeit auf seiner Seite viel zu viel zu.
Silvan Hefti: Note 4,5. Der Captain verschuldet den Penalty. Hält nach der Pause die Abwehr aber souverän zusammen.Silvan Hefti: Note 4,5. Der Captain verschuldet den Penalty. Hält nach der Pause die Abwehr aber souverän zusammen.
Leonidas Stergiou (rechts): Note 5. St.Gallens junge Neuentdeckung hat keine Angst vor grossen Namen. Sein Auftritt ist nicht fehlerfrei, aber mutig.Leonidas Stergiou (rechts): Note 5. St.Gallens junge Neuentdeckung hat keine Angst vor grossen Namen. Sein Auftritt ist nicht fehlerfrei, aber mutig.
Andreas Wittwer: Note 4,5. So wie Lüchinger lässt auch Wittwer manchmal zu viel zu. Steigert sich nach der Pause.Andreas Wittwer: Note 4,5. So wie Lüchinger lässt auch Wittwer manchmal zu viel zu. Steigert sich nach der Pause.
Jordi Quintillà: Note 5. Als Stergiou ausgewechselt wird, geht er in die Verteidigung. Bleibt dort ohne Fehler.Jordi Quintillà: Note 5. Als Stergiou ausgewechselt wird, geht er in die Verteidigung. Bleibt dort ohne Fehler.
Vincent Sierro: Note 4,5. Der Walliser, der gegen Zürich gesperrt war, belebt das St. Galler Offensivspiel, nimmt aber noch zu wenig Einfluss.Vincent Sierro: Note 4,5. Der Walliser, der gegen Zürich gesperrt war, belebt das St. Galler Offensivspiel, nimmt aber noch zu wenig Einfluss.
Majeed Ashimeru: Note 5. Der Ghanaer taut nach verhaltenem Beginn auf. Schöner Assist vor dem Führungstor.Majeed Ashimeru: Note 5. Der Ghanaer taut nach verhaltenem Beginn auf. Schöner Assist vor dem Führungstor.
Dereck Kutesa: Note 4,5. Der Romand steht oft im Mittelpunkt. Trifft aber noch zu oft die falschen Entscheide.Dereck Kutesa: Note 4,5. Der Romand steht oft im Mittelpunkt. Trifft aber noch zu oft die falschen Entscheide.
Simone Rapp: Note 4,5. Die Basler lassen ihn kaum aus den Augen. Ist trotzdem immer wieder gefährlich.Simone Rapp: Note 4,5. Die Basler lassen ihn kaum aus den Augen. Ist trotzdem immer wieder gefährlich.
Tranquillo Barnetta: Note 4,5. Er verleiht dem Spiel Stabilität. In der ersten Hälfte geht sein Weitschuss nur knapp daneben.Tranquillo Barnetta: Note 4,5. Er verleiht dem Spiel Stabilität. In der ersten Hälfte geht sein Weitschuss nur knapp daneben.
Musah Nuhu: Note 5. Übernimmt nach seine Einwechslung den Part von Quintillà und macht das gut.Musah Nuhu: Note 5. Übernimmt nach seine Einwechslung den Part von Quintillà und macht das gut.
Axel Bakayoko: Note 5. Kommt in der 63. Minute für Barnetta. Erzielt nach einem guten Konter ein schönes Führungstor.Axel Bakayoko: Note 5. Kommt in der 63. Minute für Barnetta. Erzielt nach einem guten Konter ein schönes Führungstor.
Yannis Tafer: keine Note. Kommt kurz vor Schluss. Der Einsatz ist zu kurz für eine Benotung.Yannis Tafer: keine Note. Kommt kurz vor Schluss. Der Einsatz ist zu kurz für eine Benotung.
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Stojanovic der Beste, Lüchinger der Schlechteste: Die Noten der FCSG-Spieler gegen Basel

Auch die Zuschauer motiviert

Gespannt darf man sein, wie sich die nun personell zusammenwachsende Mannschaft verhält, wenn es gegen vermeintlich schwächere Widersacher wie Lugano oder Luzern antritt, die in der ersten Saisonhälfte die zu weit aufgeschlossenen St.Galler mehrfach übertölpelt hatten. Auch der Match gegen Thun, das zusammen mit Basel am zweitmeisten Tore erzielt hat, verspricht nicht nur Spektakel, sondern auch weitere taktische Raffinesse und Anhaltspunkte. Die Pessimisten lagen bisher falsch. Hatten sie Bammel vor dem Startprogramm gegen Zürich und Basel – «und danach folgt zudem das starke Thun», dürften sie am Samstag wieder zahlreicher im Kybunpark erscheinen.

Aufgefallen:

Anhaltspunkte hatte bereits eine umfassende Statistik der Firma Opta im Auftrag des Tages-Anzeiger hervorgebracht. Sie zeigte unter anderem, welche Mannschaften und Spieler ihre Torchancen besser nützen. Opta verfeinerte noch die Datenerhebung, indem es die Qualität der Chancen ermittelte, Abschlussversuche aus welcher Entfernung, welchem Winkel, ob Kopfball oder Schuss, Steilpass oder Flanke. Das ergab dann einen Wert der «erwartbaren Tore», der in Bezug zu den «tatsächlichen Toren» gesetzt wurde.

So gelangen den Young Boys bis Weihnachten 57 Tore bei einem Wert von nur 41 erwarteten Toren aufgrund der Torchancen, also plus 16. Alle andern Super-League-Teams nützten ihre Chancen wesentlich schlechter, mit maximal plus vier bis minus zwei. Die Auflistung bestätigt im Prinzip nur, dass die Young Boys über aussergewöhnlich gute, abschlussstarke Offensivspieler verfügt, die auch aus schwierigeren Situationen Tore erzielen. Der FC St.Gallen liegt auf Platz vier mit einem Wert von Plus zwei bei 27 erzielten Toren, wo bloss 25 Tore hätten erwartet werden können.

Dass die Angreifer die Erwartungen insgesamt übertroffen haben, wirft im Umkehrschluss ein schlechtes Bild auf die Torhüter. Von 13 gewerteten Torhütern liegt St.Gallens Dejan Stojanovic auf Platz 6. Er hätte total 3,1 Tore verhindern können. Jonas Omlin vom FCB liegt auf Platz eins. Er kassierte vier Tore weniger als zu erwarten war.

Der beste Chancenverwerter der Liga war Guillaume Hoarau (+ 6,6). Tranquillo Barnetta (+2,1) liegt auf Platz sechs, Vincent Sierro (plus 2,0) auf Platz acht aller Torschützen der Liga. Mit Ben Khalifa mit 18 Fehlschüssen, Andreas Wittwer und Yannis Tafer mit je 17 sowie Kekuta Manneh (FC St.Gallen) mit 15 figurieren gleich vier St.Galler in den Top Ten der erfolglosen Schützen. «Wir schiessen zu oft aus wenig aussichtsreichen Situationen», vermutet Peter Zeidler. Insgesamt bestätigt aber die Statistik St.Gallens Spielweise, dass es sehr rasch den Abschluss sucht (durchschnittlich nur 5,5 Sekunden Angriffsdauer bis zu einem Torerfolg) und umgekehrt den Gegner am schnellsten attackiert.

So ändern sich die Zeiten. Anfang Dezember 1968 war im «Kicker-Sportmagazin» zu lesen: «Trainer Albert Sing hätte beim FC Zürich anfangen können. Doch St.Gallen bekam den Zuschlag. Dabei hatten die St.Galler vor vier Wochen Barras als Coach zu Spielertrainer Brodmann gestellt, worauf kein Spiel mehr verloren ging. Aber im ältesten Schweizer Klub findet sich Geld leichter als anderswo.» Das war nicht nur die Auffassung des damaligen «Kicker»-Korrespondenten Henri Schihin, sondern auch ein halbes Jahr davor von der Boulevardzeitung «Neue Presse», welche die Aufsteiger aus der Nationalliga B als «Millionarios» betitelte. Albert Sing hatte bei 1860 München, damals in der städtischen Rangordnung noch vor Bayern, den Bettel freiwillig hingeschmissen und auf viel Geld verzichtet.

Der 16-jährige Leonidas Stergiou ist also nicht der jüngste Fussballer, der in der Geschichte des FC St.Gallen in der 1. Mannschaft debütiert hat. Vincenco Zinnà war erst 15-jährig, Philipp Meyer im Alter von gerade 16 ebenfalls noch jünger als Stergiou und Michael Lang ebenfalls mit 16 der drittjüngste. Was auffällt: Wenn ein Trainer früh einem Talent vertraut, ist eine grosse Laufbahn noch nicht garantiert. Michael Lang immerhin hat die Erwartungen bei GC und Basel sowie dem Wechsel ins Ausland zu Mönchengladbach erfüllt. (th)

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