Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

GEGENTRIBÜNE: Und plötzlich ist der FC St.Gallen eine Mannschaft

Viele hatten Schlimmes nach der Heimniederlage gegen Zürich befürchtet. Doch dann siegte St.Gallen just gegen zwei der drei aktuellen Topteams der Liga. Ein kleines Fussballwunder bedarf der Erklärung.
Fredi Kurth
Die Karte Jugend sticht: Torschütze Cedric Itten jubelt mit Jasper van der Werff und Debütant Cedric Gasser (von links) über das 3:0. (Bild: EDDY RISCH (KEYSTONE))

Die Karte Jugend sticht: Torschütze Cedric Itten jubelt mit Jasper van der Werff und Debütant Cedric Gasser (von links) über das 3:0. (Bild: EDDY RISCH (KEYSTONE))

Was war am Sonntag gegen Lugano der augenfällige Unterschied zur 1:2-Niederlage gegen Zürich, als St.Gallen erstmals in dieser Saison nach einer Führung noch verlor? Damals begannen elf Einzelspieler die Partie. Nach vorne drängend, entfachten sie kurz ein Strohfeuer, ehe die Zürcher gelassen kontern durften und ungehindert einen Ball ans St.Gallens Gehäuse knallten. Diesmal stand eine Mannschaft auf dem Platz – das war von der ersten Minute an zu erkennen und auch in der Phase, da Lugano noch voller Energie und Tatendrang war. Die St.Galler waren überall auf dem Feld präsent. Und sie lösten sich geschickt aus der Abwehr, allerdings ohne sich gegen das Tessiner Abwehrbollwerk durchzusetzen.

0:2, 0:1, 0:2 – das waren die Resultate des FC St.Gallen in den vergangenen drei Heimspielen gegen Lugano. Wie also würde sich St.Gallen im vierten Anlauf verhalten? Es war im Prinzip ganz einfach. St.Gallen spielte so, wie es Lugano zu tun pflegt: Diszipliniert, aufsässig, den Gegner nie zu Atem kommen lassend, immer den raschen Gegenzug suchend.

Dem Favoriten getrotzt

3:2 lautete das Chancenverhältnis, als Sigurjonsson den Freistoss magistral verwertete und sein Trefferkonto in dieser Saison schon auf vier erhöhte (drei für GC). Vielleicht behalten nun doch jene Recht, die den Tausch mit Taipi (er spielte im Derby gegen den FCZ ab der 81. Minute) als gute Lösung bezeichneten.

Luganos Trainer Pierluigi Tami bedauerte die Fehler seiner Mannschaft, die nicht um drei Tore schlechter gewesen sei. Aber darum ging es nicht. Es war nur schon überraschend, dass St.Gallen ein bisschen besser war und den Gegner fast immer unter Kontrolle hatte: Chancenverhältnis am Schluss 7:4. Denn vor dem Duell der beiden Basel-Bezwinger hatte Lugano eine Serie von vier Siegen vorzuweisen.

Nur eine Veränderung

Wie entsteht eine homogene Mannschaft? "Mit guten Fussballern", würde Christian Gross sagen. Aber vor allem auch, indem sie ein Trainer möglichst wenig ändert. Contini stellte die Startelf im Vergleich zum Spiel in Basel nur auf einer Position um: Kukuruzovic ersetzte den verletzten Tschernegg. Mannschaftliche Geschlossenheit entspricht einem Trend. Wer sich in Europa die erfolgreichen Teams anschaut, dem fällt auf, dass er die einzelnen Spieler sehr gut kennt.

Manchester City, Napoli, Tottenham, Manchester United, Barcelona – da treten immer dieselben an, punktuell nur verändert, wenn erforderlich. Das Rotationsprinzip, wie es einst Ottmar Hitzfeld pflegte, um Überanstrengung bei seinen Leuten zu vermeiden und den grossen Kader bei Laune zu halten, ist out. "Wir wollen diese Saison vier Titel holen", sagte City-Manager Pep Guardiola vor wenigen Wochen. Doch auswärts im Cup gegen das bescheidene Wigan erlaubte er sich doch einen kleinen Sündenfall, liess anfänglich De Bruyne und Walker draussen. Nur ein wenig am Team herumgeschräubelt – und schon war ein Pokal entschwebt. Am Sonntag im Ligacup-Final gegen Arsenal, wo Arsène Wenger erst einmal Aubameyang und Mikhitaryan mühsam einbauen muss, gewann die City in Bestformation problemlos 3:0.

St.Gallen: zu viele Verletzte und Gesperrte

Der FC St.Gallen ist nicht dafür geeignet, Homogenität zu pflegen. Überdurchschnittlich viele Verletzte melden sich immer wieder ab, andere sind immer wieder gesperrt. Alain Wiss verkörpert gleich beide Spielertypen: Er humpelte gegen Lugano vom Platz und ist nach einer weiteren gelben Karte für zwei Spiele gesperrt. So etwas ist offensichtlich möglich.

Forsche Jugend

Dafür sticht die Karte Jugend. Wer auch immer von den Jungen eingesetzt wird, macht positiv auf sich aufmerksam. Gönitzer, Van der Werff und Itten fügen sich keck ein. Ein weiterer, Cedric Gasser, erlebte seine Premiere mit einem fünfminütigen Einsatz gegen Lugano. Hefti ist mit 20 ja schon ein gestandener Spieler. Nur hinter vorgehaltener Hand sei erwähnt, dass einige der Nachgerückten ihr Talent unter dem mittlerweile abgesägten Marco Otero entfaltet haben.

Sutters Gelassenheit

Als dritter der Super League präsentiert sich die Mannschaft wieder einmal "als Best oft the Rest". Trainer Giorgio Contini warnt zurecht vor den nächsten vermeintlich leichten Aufgaben in Thun und Lausanne. Nicht zuletzt gilt zu beachten, dass Lugano mit vier Veränderungen im Kybunpark antreten musste. Aber St.Gallen zeigte sich gefestigt, während es noch gegen Sion beim 3:2 gegen eine in der Torausbeute ebenfalls bescheidene Mannschaft wie Lugano noch fast einen Dreitorevorsprung hergegeben hätte. Wie sagte doch Sportchef Alain Sutter nach der Niederlage gegen den FC Zürich? "Die Mannschaft hat Qualität". Sie scheint nun auch im Mentalen zu liegen.

Aufgefallen

Der nächste Trainerwechsel im neuen Jahr war beim FC St.Gallen erwartet worden. Doch die Experten sollten sich wieder einmal täuschen. Sie hatten nicht mit der Unberechenbarkeit des Ehepaars Canepa gerechnet. Nicht dass Ancillo Canepa Kehrtwendungen vollführt wie Christian Constantin. Aber es zeigt sich auch hier, wie heikel es ist, wenn eine diktatorische Führung nicht über das erforderliche sportliche und psychologische Feingefühl verfügt. Noch vor zwei Jahren haben die Canepas viel zu lange gewartet, ehe sie Sami Hyypiä durch Uli Forte ersetzten. Immerhin hatte der FC St.Gallen diesem Umstand den Ligaerhalt zu verdanken. Forte aber gewann mit dem FCZ noch den Cup, stieg mit dem Absteiger souverän auf und lag am Tag seiner Entlassung auf Platz drei. Tatsächlich hatte sein Team ein wenig nachgelassen, wobei die in der Spielgestaltung etwas beschränkte Mannschaft vorher über ihren Verhältnissen gelebt hat und nun auf ihrem normalen Plafond angelangt war. Canepa jedoch sah „keine Entwicklung mehr.“ So reden Fussballromantiker. Das sind Worte, die auch beim FC St.Gallen seit Jahren immer wieder zu hören sind. Vielleicht dachte Canepa an den FC Basel, wo Trainer in den vergangenen Jahren nicht sehr alt geworden sind. Aber am Rhein blieb die Entwicklung nicht stehen, weil auch die erforderlichen Geldmittel flossen, während an der Limmat immer mehr Ex-St.Galler zu Teamstützen avancierten. Positiv zu erwähnen ist beim FC Zürich die Nachwuchsförderung. Wie viele junge Fussballer sind dort plötzlich im Ausland wie Nico Elvedi oder im Fall von Oberlin bei Basel Teamstützen geworden – freilich ohne zuvor in der ersten Mannschaft des FC Zürich richtig Fuss zu fassen...

Die goldenen Tage von Pyeonchang sind vorbei. Sie erinnerten mich stark an die goldenen Tage von Sapporo 1972. Damals begriff ich, warum es hiess: "Morgenstund hat Gold im Mund." Die 8 gewonnenen Medaillen waren noch weniger zahlreich als die 15 von Südkorea, aber von etwas mehr Gewicht aufgrund der wesentlich geringeren Anzahl von Wettbewerben. Zweimal Gold für Marie-Theres Nadig, einmal für Bernhard Russi, einmal für das Zweierbob-Team. Aus Ostschweizer Sicht hatten auch die Silbermedaillen von Edy Bruggmann, dem Onkel des ehemaligen FCSG-Fussballers Peter Quarella, und von Walter Steiner auf der Grossschanze besondere Bedeutung. Ich hatte nach Schulabschluss und Rekrutenschule festgestellt, dass ich mich damals fast nur für Sport interessierte und erkundigte mich bei Kurt Höhener, damals einziger Sportredaktor beim Tagblatt, ob er Arbeit für mich hätte. Das treffe sich wunderbar, und schon war ich mit einem neunmonatigen Volontariat im Journalismus engagiert. Und dann genossen wir diese goldenen Sapporo-Tage mit einem Medaillengewinn schon am Morgen auf dem Weg zur Arbeit. Darin fühlte ich mich zurückversetzt, als ich nun als Senior in aller Gemütsruhe mal live, mal etwas zeitverschoben den Medaillensegen über mich ergehen lassen durfte. Beim zweiten Rang von Marc Bischofberger im Skicross war die Stimmung endgültig wieder da. Ski gefahren wurde in Oberegg schon 1972. Einmal machte ich mich auf zu Annemarie Bischofberger, die ein paar Jahre später in Lake Placid für das Schweizer Ski Team an Olympia startete. Die Tante von Marc gab in einem Landhaus zwischen Oberegg und St.Anton ein interessantes Interview für das "Tagblatt". Wie stark die Ostschweiz diesmal auch sonst vertreten war: mit dem in St.Gallen geborenen Snowboarder Nevin Galmarini, dem Delegationsleiter Ralph Stöckli aus St.Gallen, mit dem Damenskichef Hans Flatscher aus Mörschwil und Patrik Noack, dem medizinischen Chef der Schweizer Delegation aus Tübach. Olympische Spiele sind vom sportlichen Wert manchmal etwas fragwürdig, weil zu sehr auf einen Augenblick innerhalb von vier Jahren konzentriert. Aber dafür schreiben sie umso dramatischere Geschichten – am schönsten sicher jene der sprachlosen Snowboarderin, die den Super G gewann und der vom Kameramann und somit von uns allen am Bildschirm zugerufen werden musste: „Nein, das ist kein Fehler. Du hast Gold gewonnen!“ Olympische Spiele sind trotz des Dopingproblems wichtig als Gegenbewegung zum Fussball, der sich unverschämt und hochnäsig in den vergangenen Jahrzehnten verbreitet hat.

Korrigenda zur vorangegangenen Gegentribüne: Es hat nicht nur einer die tolle Leistung des FC St.Gallen in Basel vorhergesagt. Nein, Heinz Aeschbacher hat sogar das 2:0-Ergebnis richtig prophezeit. Darauf legte der Präsident der Ehemaligen des FC St.Gallen am jährlichen Mittagessen von vergangener Wochen besonderen Wert. Mehr noch: Er kündigte auch für den Match gegen Lugano drei gewonnene Punkte an. Bleibt er seiner konträren Linie treu, ist er nun vom Sieg des FC Thun am nächsten Wochenende überzeugt. Denn St.Gallen hat hintereinander fünf Super-League-Spiele im Berner Oberland nicht mehr verloren (drei Siege, zwei Remis). (th)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.