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GEGENTRIBÜNE: Trainer ohne Verfalldatum

Jeff Saibene ist der siebte Trainer des FC St.Gallen, seit Marcel Koller im Jahr 2000 Meister geworden ist. Erstaunlich: Auch alle andern Nachfolger sind noch im Geschäft.
Nach einem Jahr wieder im Fussball-Geschäft: Uli Forte. (Bild: Keystone)

Nach einem Jahr wieder im Fussball-Geschäft: Uli Forte. (Bild: Keystone)

In diesen Tagen haben just zwei ehemalige Trainer des FC St.Gallen wieder eine Anstellung in der Super League gefunden: Rolf Fringer beim FC Zürich und Uli Forte bei den Grasshoppers. Beide haben schon den Ausweis erbracht, dass sie im Schweizer Fussball eine Mannschaft zu Erfolgen führen können. Die Dauer ihres Engagements beim FC St.Gallen erstreckte sich über eine branchenübliche Instanz von zwei bis drei Jahren. Fringer wird dem FC Zürich guttun und wohl auch der Super League, denn der Österreicher mit Schweizer Herkunft ist ein Trainer, der den optimistischen, nach vorne gerichteten Fussball pflegt. Coachs von dieser Ausrichtung gab es zuletzt in der höchsten Liga nur noch wenige: Fink und Vogel beim FC Basel und Christian Gross bei YB, letzterer leider ohne Erfolg.

Uli Forte wird bei GC keine leichte Aufgabe vorfinden. Die Ausgangslage mit neuer Führung bietet aber auch eine Chance. Forte ist im Gegensatz zu Fringer und auch zu Saibene der eher vorsichtige Taktiker. Bei allen Erfolgen, die er in der AFG Arena hatte, bevor die Klubführung aus finanziellen Gründen viele Teamstützen abgeben musste – der langatmige Aufbau der Mannschaft aus den hinteren Zonen zerrte am Geduldsfaden mancher Anhänger.

Von Castella bis Forte
Viele Wege führen im Fussball zum Erfolg. Diese alte Weisheit gilt auch für jene Trainer, die nach Marcel Koller in St.Gallen tätig waren. Bei allen war man beim Abschied höchstens mehr oder weniger zufrieden, einige Male gar nicht. Nicht unerwartet hatte es Gérard Castella, der erste Mann nach Koller, am schwersten. Er war nur von Januar bis September im Einsatz. Aber alle Trainer, die auf Koller folgten, sind aktuell oder demnächst wieder im Fussball aktiv. Castella war noch Chefcoach bei Lausanne, Xamax und Servette und trainiert heute die U-19 der Schweiz. Heinz Peischl kehrte über Thun, Schwadorf (Ö) und Admira Wacker Mödling sowie Österreichs Nationalteam (Co-Trainer) zum FC St.Gallen zurück und ist bekanntlich Sportchef. Ralf Loose trainierte Sportfreunde Siegen, den FC Augsburg und führte vor einem Jahr Dynamo Dresden in die 2. Bundesliga, wo sich seine Mannschaft im gesicherten Tabellenmittelfeld eingerichtet hat. Rolf Fringer löste bekanntlich beim FC Luzern vorübergehend schwindelerregende Höhengefühle aus (Anschrift auf dem Fancar: «Der Wintermeister on Tour»). Krassimir Balakov hatte in seiner bulgarischen Heimat bei Burgas Erfolg, dann bei Hajduk Split in Kroatien und ist nun beim FC Kaiserlautern daran, im Abstiegskampf der Bundesliga zu scheitern. Er hat aber einen Vertrag für die 2. Bundesliga. Und Uli Forte musste ziemlich genau ein Jahr warten bis zum zweiten Anlauf im Spitzenfussball. Die höchste Stufe erklomm Marcel Koller selber, war mit GC Meister, in der Bundesliga bei Bochum einige Male in «Mission impossibles» erfolgreich und ist nun Nationalcoach von Österreich.

Was zeigt: Trainer des FC St.Gallen haben kein Verfalldatum, und so schlecht können jene der Nachmeister-Ära nicht gewesen sein. Fast alle befanden sich auf dem unaufhaltsamen Abstieg nach der Titeleuphorie, die falsche Erwartungen weckte.

Luganos Rechnung ging auf
Jeff Saibene hat den Vertrag für die nächste Saison bereits verlängert. Sollte er ihn erfüllen, würde er sich wahrscheinlich auch in die Schleife jener FC-St.Gallen-Trainer einfügen, deren Laufbahn sich weiter verlängert. Vielleicht verlängert sich sein Engagement sogar in der Ostschweiz. Lange Dienstzeiten beim gleichen Club sind in diesem Geschäft allerdings eher die Ausnahme. Und aufgrund des Spielausgangs am Montagabend hätte Saibene keine Pluspunkte ergattert. Die italienische Sportzeitung «La Gazzetta dello Sport» verteilt jeweils immer auch Noten für die Trainer. Saibenes Kollege bei Lugano, Francesco Moriero, wäre höher bewertet worden. Denn seine Massnahmen setzten sich schliesslich durch, obwohl es lange nicht danach ausgesehen hatte.

Lugano liess zwar mit seinem Abwehrbollwerk kaum Chancen zu, erarbeitete sich selber aber bis zur Pause kaum Möglichkeiten. Es bedurfte schon eines sonderbaren Eckballs nach weitem Schlag der Tessiner und Kopfballverlängerung eines St.Gallers. «Das sind genau die Gelegenheiten, auf die der Gegner wartet», rief ich daheim vor dem TV-Apparat in die Runde. Das 1:0 folgte prompt. Das kann geschehen, geschieht dem FC St.Gallen zuletzt häufiger. Nicht mehr normal war, was darauf folgte: Der komplette defensive Zusammenbruch. Fast jede hohe Flanke in den St.Galler Strafraum wurde zu einer guten Torchance für die Tessiner.
St.Gallen hat die Souveränität eines Leaders verloren. Der FC Basel gewinnt auch seine schlechten Spiele. Der FC St.Gallen dagegen verliert ab und zu jene, die er zu kontrollieren scheint.

Fredi Kurth

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