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GEGENTRIBÜNE: "Summer of '51": Der beste Jahrgang für einen FC-St.Gallen-Fan

Im richtigen Augenblick am richtigen Ort das Licht der Welt zu erblicken, ist Glücksache. Für einen Fussballfreund ist St. Gallen und das Jahr 1951 eine der besten Kombinationen, die man sich vorstellen kann.
Fredi Kurth
Heute sehnen sich viele Anhänger des FCSG das Espenmoos zurück. (Bild: Archiv)

Heute sehnen sich viele Anhänger des FCSG das Espenmoos zurück. (Bild: Archiv)

Der Jahrgang 1951 erlebte, wie sich der FC St. Gallen hocharbeitete, von der 1. Liga (damals dritthöchste Spielklasse) bis in die Europa League. Ich war gerade alt genug, um ein 1.Liga-Stadtderby zwischen St.Gallen und Brühl auf dem Espenmoos zu erleben. Wir Knirpse sassen innerhalb der Umrandung auf dem Tornetz, das unten auslief. Wir erlebten hautnah, wie sich einer der beiden Torhüter – ich denke, es war eher Brühls Zöllig als St.Gallens Scanetti – die blutigen Hände pflegen lassen musste, weil ihm ein Stürmer auf die Finger getreten war. Am Ende jener Saison 1959 folgte der Aufstieg. Aber nicht St.Gallen schaffte den Sprung in die Nationalliga B, sondern Brühl. Der Jahrgang 1951 erlebte dennoch, wie es fast immer aufwärts ging. Nati B, die Zeit der Stadtderbys, Nati A, der einzige Cupsieg, Etablierung im Oberhaus und phasenweise Spitzenklassierungen. Einsätze im Cup der Cupsieger, Uefa-Cup und in der Europa-League. Die Zamorano-Ära, das Cup-Drama von 1998 und als "Trost" der Meistertitel 2000. Die Wunder gegen Chelsea, Spartak Moskau und Swansea.


Heute nicht mehr verwöhnt

Warum ich das erzähle? Weil ich ein wenig Verständnis wecken möchte für den Jahrgang 1951 und die verwandten Zeitgenossen ähnlicher Altersstufe, die sich damals in den FC St.Gallen verliebt haben. Denn diese Generation tut sich seit einiger Zeit schwer mit ihrem auf ewig verbundenen Lebenspartner. Der Hauptgrund: Weiter nach oben war realistisch betrachtet kaum noch möglich. Die neue Arena weckte zwar Hoffnungen, aber nur für kurze Zeit.

Sehnsucht nach dem Espenmoos

The good old times – das ist oft das Thema früherer Fussballer und Anhänger des FC St.Gallen. Vor bald zehn Jahren zogen die meisten zwar begeistert vom Osten in den Westen der Stadt in die Arena, die einem das Gefühl gab, bald ein grosser Verein zu sein – weg von den engen Verhältnissen der alten Wirkungsstätte, wo die Zuschauer eingepfercht waren in den Sektoren und sich kaum noch frei bewegen konnten.

Heute sehnen sich viele wieder nach dem Espenmoos, nach der tollen Stimmung dort, nach der Romantik vergangener Tage. Wahrscheinlich sehnen sie sich vor allem nach den Erfolgen von früher, nach jener Aufbruchstimmung, die allerdings gelegentlich unterbrochen war von Sammelaktionen, Skandälchen und sportlichen Rückschlägen wie dreimaligem Abstieg in die Nationalliga B.

Minderwertigkeitsgefühle

Bei genauerem Hinsehen sind die Zeiten jetzt nicht so schlecht. Wenn sich die Mannschaft zwischen Rang fünf und sieben bewegt, sind das Klassierungen, die vor dreissig Jahren noch als normal empfunden worden waren. Heute sind es die engen Verhältnisse der missratenen Zehnerliga (wobei die perspektivlos dahinvegetierende Challenge League dazugezählt werden kann), die einen Verein der Spitzenklasse nicht durchatmen und bald einmal als minderwertig erscheinen lässt.

Mehr Kampf als Spiel

So scheint es Luxus zu sein, wenn heute St. Gallen als Team der oberen Tabellenhälfte vom Publikum nicht jenen Schub erhält, der ihm früher zweifelsohne zuteil geworden wäre. Die Gründe – Fernsehkonkurrenz, Übersättigung, Fussball als Wintersport, zuletzt Querelen in der Unternehmensführung – sind verschiedentlich genannt worden. Ich denke, es hat auch damit zu tun, dass der Spielanteil beim Fussball wesentlich kleiner geworden ist. Rennen und Kämpfen hatten früher vielleicht noch eine Bedeutung von 25 Prozent, heute liegt dieser Anteil sicher bei 50. Fussballspiele sind unansehnlicher geworden. Dennoch sagt René Bonaria, ein Kollege von mir, ähnlicher Jahrgang und einst nahe an Einsätzen in der 1. Mannschaft: "Noch nie wurde so guter Fussball gespielt wie heute." Auch er hat Recht – bezogen auf die Spiele der Champions League, wo die technische Qualität immer noch sehr zur Geltung kommt, vorgetragen in höchstem Tempo, und ich meine, dass sich dort die Spieler auch eher gegenseitig respektieren und weniger in die Beine grätschen (müssen).

Hefti, van der Werff und Lüchinger lassen hoffen

Doch Hoffnung besteht, dass immer mehr Fussballer mit aussergewöhnlichen Fähigkeiten ausgebildet werden und sich somit auch in weniger starken Ligen verbreiten. Die nachdrängende Jugend ist ein Signal dafür. Kürzlich sah ich auf dem Sportplatz Kellen in Tübach einem Juniorenspiel zu. Beeindruckend, wie die jungen Fussballer nicht nur taktisch geschult waren, sondern auch enorme Passsicherheit zeigten. "Das hatten wir früher in diesem Alter nie drauf", sagte ich zu Heinz Alder, jahrelang Stützpunkttrainer und Organisator des Nachwuchs-CS-Cups. Er stimmte mir zu. Die Jungen trainieren heute viel mehr und werden viel früher erfasst. Und wenn sie nicht nur kurze Pässe üben, sondern auch auf eigene Faust etwas wagen dürfen – wie ich es einmal in einem Stützpunktraining des Kantonalfussball-Verbandes beobachtet hatte – dann erlebt Jahrgang 1951 auch hier noch eine Wende zum Besseren. Wer wagt denn schon beim FC St. Gallen mit Ball am Fuss Aktionen von hinten weit nach vorne? Es sind die (ehemaligen) "Küken" Silvan Hefti, Jasper van der Werff oder Nicolas Lüchinger.

Auch eine Zeit des Wohlstands

Natürlich hat meine FC-Generation auch sonst schöne Zeiten erlebt: die Seegfrörni, lange Perioden von wachsendem Wohlstand, grenzenlosen Glauben an den technischen Fortschritt, Mondlandungen, die 1960er, als die Jugend gegen falsche Autoritäten und verlogene Sexualerziehung aufmüpfte und die Einführung des Frauenstimmrechts forderte. Natürlich gab es auch den Kalten und den Vietnam-Krieg, brachte die antiautoritäre Erziehung eine Jugend hervor, die heute brav im Mainstream mitschwimmt und der etwas mehr Kanten und Ecken gut täte, aber ebenso feige Chaoten.

Was den FC St. Gallen betrifft, bemüht sich Präsident Matthias Hüppi um Einheit in der so heterogenen Fangemeinde und begibt sich in den Espen-Block, während dem Jahrgang 1951 in diesen Wochen wieder warm ums Herz wird.

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