Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Gegentribüne: St.Gallen als Spitzenteam? Der FCSG schafft das

Zurzeit bewegt sich der FC St.Gallen zwischen Illusion und Vision. Der zweite Rang in der Super League entspricht kaum dem wirklichen Kräfteverhältnis, aber was nicht ist, könnte früher oder später einmal werden. Die Basis bildet eine wenig beachtete Entwicklung über Jahre hinweg.
Fredi Kurth
Formt Peter Zeidler den FCSG zu einem Spitzenteam?

Formt Peter Zeidler den FCSG zu einem Spitzenteam?

Mitten in der Saison macht die Super League eine dreiwöchige Herbstpause. Für die Anhänger des FC St.Gallen kommt sie gar nicht so ungelegen. Denn so lange hat sich ihr favorisiertes Team schon lange nicht mehr auf so hoher Stufe halten können. Selber konnte ich mich auch nicht ganz der Faszination entziehen, so dass mein Fernsehprogramm während einigen Stunden aus der Teletextseite 203 bestand. Da fiel mir auf, dass St.Gallen nicht nur mit Rang zwei glänzte, sondern sogar das Fleischstück im Sandwich zwischen Young Boys und Basel bildete. Den Ex-Meister hatte ich weiter unten erwartet.

So aber gibt die Ligaspitze ein Bild ab, das der eigentlichen Begeisterung für den Fussball in den entsprechenden Regionen entspricht. Der FC St.Gallen als dritte starke Kraft des Schweizer Fussballs – das ist als Vision an dieser Stelle schon zwei-, dreimal dargelegt worden. Die Stichworte: Grosser Erfolgshunger in einem grossen Einzugsgebiet, keine bedeutende Konkurrenz durch andere Sportarten wie Eishockey, eine moderne Infrastruktur mit Stadion und Event AG, ein beachtliches Talentreservoir.

Leader in einer starken Region

Was ich nicht erwähnt habe: Der FC St.Gallen ist der Leader einer auch sportlich starken Fussballregion. Sie ist so stark wie kaum je zuvor. Der Kanton St.Gallen ist neben dem Kanton Zürich mit den Grasshoppers, dem FC Zürich und Winterthur der einzige mit drei Vereinen in den beiden höchsten Spielklassen, neben St.Gallen auch noch Wil und Rapperswil-Jona. Dazuzählen kann man auch den FC Vaduz – der liechtensteinische Fussball-Verband ist organisatorisch dem Ostschweizer Fussball-Verband angeschlossen und führt keine eigene Meisterschaft durch, wohl aber einen Cup-Wettbewerb. Auch der FC Schaffhausen bestätigt einen Trend, der sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt: die schwerpunktmässige Verlagerung des Spitzenfussballs vom Westen in den Osten des Landes, zu der nach einer Aussage von Brühls Präsident Christoph Zoller auch der zweite Stadtverein mit einem Aufstieg in die Challenge League etwas beitragen möchte.

Als der Westen boomte

Wenn wir weit zurückblicken in die 1960-er Jahre, sehen wir ein ganz anderes Bild. Gewiss gab es den FC Zürich und den FC Basel, die sich um Meister- und Cupsieger-Ehren duellierten, aber die Romandie bot mehr als nur einen Ausgleich. Auch La Chaux-de-Fonds, Servette und Lausanne wurden Meister, später Xamax Neuchâtel, Grenchen Vizemeister. Die Léman-Derbys lockten über 20'000 Zuschauer in die Stadien. Die Lausanner mit dem Ex-Brühler Richard Dürr feierten ihre «Könige der Nacht», weil sie immer am Samstag um 20.15 ihre Heimspiele austrugen – um meistens gewannen. Servette mit Jacques Barlier, Jacky Fatton, André Bosson und Walter Heuri besiegten vor 26 000 Anhängern auf der Charmilles das damals grosse Dukla Prag mit 4:3 nach 1:3-Rückstand im Meistercup-Achtelfinal (verloren das Rückspiel aber 0:2. Auch Vereine wie Chênois, Etoile Carouge, Vevey, Yverdon oder Bulle gehörten der höchsten Liga an. Die Blütezeit der Uhrenindustrie hatte zudem dem FC Biel zur Nationalliga-A-Spielzeiten verholfen.

In der Ostschweiz hingegen waren der SC Brühl und der FC St.Gallen eben erst in die Nationalliga-B aufgestiegen und Letzterer zusammen mit Frauenfeld lange Zeit der einzige OFV-Verein in den beiden höchsten Spielklassen, obwohl diese damals nicht wie jetzt bloss 20, sondern 26 bis 28 Teams umfassten. Heute erholt sich der Westen nur langsam.

Nicht zum ersten Mal

«Wir schaffen das.» Der Satz der Bundeskanzlerin hat zwar nicht gerade gleiche Zustimmung erlangt wie Obamas «Yes, we can». Und beim FC St.Gallen ist die Formulierung genauso salopp und diskutabel angewandt wie bei Angela Merkel. Aber es gibt viele Argumente, dass es der FC St.Gallen schaffen wird. Weil er «das» eben schon geschafft hat. Und sogar unter schlechteren Vorzeichen als jetzt. Zum Beispiel im Jahr 2000. Meisterpräsident Thomas Müller mag sich noch gut erinnern an die Reaktionen, als der FC St.Gallen ein Jahr davor Marcel Koller als Trainer engagierte. «Jemand schrieb mir sogar einen bitterbösen Brief, wie man nur einen so unbedarften Trainer aus der Challenge League verpflichten könne.» Der FC St.Gallen war für Koller erst die zweite Trainerstation nach dem FC Wil.

Es ging allerdings auch anders, mit guten Empfehlung. Die besten in der Nachkriegszeit brachten Albert Sing und Helmuth Johannsen mit. Sing, vierfacher Meister auf der YB-Trainerbank, führte St.Gallen 1969 zum einzigen Cupsieg. Johannsen, Meister mit Eintracht Braunschweig und den Grasshoppers, machte aus St.Gallen ein Spitzenteam mit zweifacher Qualifikation für den Uefa-Cup, heute Europa League.

Zeidler zwischen Johannsen und Koller

Peter Zeidler, wie Sing und Johannsen deutscher Nationalität, ist bezüglich Erwartungshaltung irgendwo dazwischen einzuordnen. An Leistungsausweisen mangelt es ihm nicht. Häufig verzeichnete er hohe Punktewerte, den höchsten bei Sion mit 1,93 pro Spiel in 28 Spielen, aktuell bei St.Gallen 1,78. Die 1,40 Punkte bei Sochaux in der vergangenen Saison reichten noch zu einem Mittelfeldplatz in der Ligue 2.

Wenn nun etwas Skepsis angebracht ist, liegt das weniger an ihm als an den fehlenden Millionen beim FC St.Gallen im Vergleich zu den Young Boys und dem FC Basel. Der Transferwert des Kaders beträgt lediglich 14,63 Millionen Euro, der zweittiefste Wert, vor Xamax mit 9,75 Millionen. Thun und Lugano werden mit etwas weniger eingestuft als 20 Millionen Euro. GC ist mit 27,45 Millionen die Nummer drei hinter YB (66,1 Millionen) und Basel (58,75 Millionen).

Der FC St.Gallen hat eine junge Mannschaft, die vor Rückschlägen nicht gefeit sein wird, auch wenn sie die Cuphürden bisher locker übersprungen hat. Zum Vergleich: Helmuth Johannsen erreichte in der ersten seiner vier Saisons auf dem Espenmoos lediglich Rang 10, was heute den Abstieg bedeuten würde.

Der FC St.Gallen schafft das, ja. Aber es wird wahrscheinlich ein wenig dauern.

Aufgefallen

In Erwartung des Länderspiels England gegen Schweiz habe ich ein wenig beim U21-Nachwuchs im Spiel gegen Liechtenstein vorbeigeschaut. Was sehe ich da: Da spielte, nochmals salopp formuliert, der FC St.Gallen 2018 leicht geschwächt gegen eine Juniorenauswahl aus dem Fürstentum. Zentral in der Abwehr Jasper van der Werff, wenig beschäftigt. Auf der rechten Aussenbahn Silvan Hefti, über den die meisten Angriffsversuche liefen und während meiner Beobachtung von etwa einer halben Stunde die Latte traf. Cedric Itten war ein ständiger Gefahrenherd in vielbeiniger Abwehr und auch Dereck Kutesa hatte zwei, drei auffällige Aktionen. Das Schweizer Team gewann 3:0, war aber bereits chancenlos in der EM-Qualifikation. An den St.Gallern hat es kaum gelegen.

Das Schweizer Fernsehen mutet seinem Publikum einiges zu. Nach den Spielen gegen Luzern und Xamax in der Super League durfte oder musste es auch im Schweizer Cup den FC St.Gallen live im Einsatz sehen. Eine solche Abfolge hatte früher einzig der FC Basel zu verzeichnen. Nur ganz böse Zungen behaupten, Matthias Hüppi habe seinen Einfluss noch geltend gemacht. Immerhin: So unattraktiv sind die Spiele des FC St.Gallen, jenes gegen Luzern einmal ausgeklammert, nicht anzuschauen. (th)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.