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Gegentribüne: Spielt der FC St.Gallen in einem zu grossen Stadion?

19'456 Zuschauer haben offiziell im Kybunpark Platz. Ob ihn die Event AG mit ihrem Kerngeschäft, dem Fussball des FC St.Gallen, je wieder füllen wird, ist fraglich. Denn das ist auch von Faktoren abhängig, die er selber nicht beeinflussen kann.
Fredi Kurth
«Gegentribünen»-Autor Fredi Kurth. (Bild. Urs Jaudas)

«Gegentribünen»-Autor Fredi Kurth. (Bild. Urs Jaudas)

Vergangene Woche erhielt ich per SMS eines Kollegen einen Teletextausschnitt, auf dem zu lesen war, wie viel Geld Bayern München in der Gruppenphase der Champions League einnimmt. 34 Millionen Euro sind es allein an Erfolgsprämien für die Achtelfinal-Qualifikation. «Ist doch krank irgendwie», schreibt der Kollege. Auch die Young Boys gehen trotz Gruppenplatz 4 nicht leer aus. Allein der Punkt gegen Valencia ist eine Million Franken wert.

Der Fussball ist finanziell so weit auseinandergedriftet, dass sich riesige Gräben auftun – zurückzuführen unter anderem auf unlauteres Gebaren, unterstützt sogar von Fifa-Präsident Gianni Infantino, wie jüngste Veröffentlichungen von Football Leaks zeigen. Auch in der Schweiz sind der FC Basel und die Young Boys finanziell und damit auch in punkto sportlicher Aussichten weit enteilt, obwohl sie selber auf der grossen Fussballbühne nur als kleine Bewerber gelten.

Kyunpark steigt noch eine Stufe höher

Doch der FC St.Gallen verfügt hinter Basel, Young Boys, Servette und den beiden Zürcher Vereinen die fünfgrösste Arena der Schweiz. Das wird sich ändern, wenn dereinst das neue Stadion der Grasshoppers und des FC Zürich erbaut ist. Dann ist der Kybunpark sogar der viertgrösste Schauplatz von Super und Challenge League, weil die Zürcher Planer bereits auf die Entwicklung reagieren konnten und nur noch mit maximal 18'000 Besuchern rechnen.

Vor zehn Jahren, nach der Eröffnung der AFG Arena in Winkeln, schafften es die St.Galler Fussballer, noch in der Challenge League vor ausverkauftem Haus anzutreten – zum Beispiel zur Feier des Wiederaufstiegs daheim gegen Winterthur.

Fans protestieren gegen den Geldadel

Inzwischen gibt es viele Argumente, manchmal ist es auch nur ein Vorwand, um den Spielen fernzubleiben: Live-Fussball am Fernsehen en masse, Fussball auf höchster Ebene nur noch als Geldmaschine geplant, langweilige Entscheidungen an der Tabellenspitze, Fehlverhalten ein paar weniger Chaoten ausserhalb, Pyromanie und Hassgesänge innerhalb der Stadien.

Vergangenen Samstag besuchte ich den Abstiegsfight Stuttgart gegen Augsburg im Neckarstadion. Die Ultras protestierten in allen Bundesliga-Stadien während der ersten Halbzeit auch gegen oben erwähnte Missstände – nur nicht gegen die eigenen. Es herrschte in Stuttgart Ruhe wie auf einem Friedhof. Vereinzelte Versuche aus dem weiten Rund kamen nicht zum Tragen. Auch positive Stimmung zu verbreiten, scheint ein Monopol der Fanblocks zu sein.

St.Gallen: Mehr Zuschauer, mehr Abonnenten

Der FC St.Gallen hat den Zuschauerdurchschnitt in dieser Saison steigern können. Bei einem Heimspiel noch ausstehend sind es 12'560 Zuschauer im Schnitt im Vergleich zu den neun Partien der Halbserie im vergangenen Herbst, als 11'848 pro Match erschienen. Im Detail gibt es interessante Unterschiede: Im Herbst 2017 wurde die Zahl 12'000 nur dreimal überschritten, sogar gegen YB kamen damals nur 11'550, gegen Basel 12'214 Fans.

Just diese beiden Heimspiele machten nun mit 14'597 beziehungsweise 14'503 Besuchern den Unterschied aus sowie eigenartigerweise auch das Heimspiel gegen Lugano (9987 vor einem Jahr, 12'814 dieses Jahr). Im Herbst 2017 schnitt St.Gallen punktemässig mindestens nicht schlechter ab als jetzt (24 Punkte aus 18 Spielen, aktuell 20 aus 16), war aber durch interne Querelen im Stimmungstief. Mit der neuen Führung und offensiv ausgerichtetem Fussball kann die Frage positiv beantwortet werden: Wenn irgendwo in der Super League noch Steigerungspotenzial bei den Stadionbesuchern besteht, dann in St.Gallen. Davon zeugen auch 8000 Saisonabonnenten, die mittlerweile erreicht sind. Das sind mehr als in den vergangenen beiden Jahren.

Nirgendwo ist der Erfolgshunger so gross wie in der Ostschweiz, nirgendwo wird er so selten gestillt wie hierzulande, weil eben auch die Ansprüche an die Köche hoch sind. Gourmetqualität wird nicht nur im Logenmenü verlangt. Der Spagat ist schwierig, denn die Köche, die auf dem Rasen die Leckerbissen servieren sollen, sind mehrheitlich Lehrlinge, junge Akteure, die manchmal Salz und Zucker verwechseln. So müsste St.Gallen über längere Zeit hoch fliegen, um das Stadion zu füllen.

Der FC St.Gallen fährt zweigleisig

Die ständigen Wechsel in der Aufstellung waren selten als Notfallübungen zu betrachten. Im Prinzip wurde die ganze Herbstsaison als Kadersichtung benutzt. Dessen sind sich der Trainer, Sportchef und Klubspitze auch bewusst. Dabei galt es einigermassen, die sportliche Balance zu halten. Das ist bis und mit Sieg in Sion auch gelungen.

Es wäre einfach zu lamentieren und auf den Vorzeigeverein FC Thun zu zeigen, bei dem stets fast dieselben Leute auflaufen und der am Samstag im Vergleich zum Hinspiel am 5. August im Kybunpark nur mit einer auf zwei Positionen veränderten Startformation antrat. Nach der Saisonvorbereitung in südlichen Gefilden dürfte auch Peter Zeidler nicht umhin kommen, konstanter aufzustellen. Sonst könnte das manchmal abenteuerlich wirkende Hü und Hott böse Überraschungen zeitigen.

Stürmer auf dem Prüfstand

Beim FC St.Gallen geht es aktuell darum, von wem er sich im kommenden Sommer trennen will. Die Weichen sollen schon in der Winterpause gestellt werden. Da spielen neben Planungssicherheit eventuell auch Klauseln eine Rolle, wonach sich Verträge bei einer gewissen Anzahl Spiele automatisch verlängern.

Angesprochen fühlen dürften sich vor allem einige Stürmer, welche die durch Cedric Ittens Ausfall entstandene Lücke nicht zu schliessen vermochten: Die Verträge von Roman Buess und Yannis Tafer laufen im Sommer aus, jener von Nassim Ben Khalifa ist gemäss der Website «Transfermarkt» noch bis Sommer 2020 befristet.

Fixe Grössen in der langfristigen Gesamtplanung sind Cedric Itten, Dereck Kutesa (beide Vertrag bis 2021), Dejan Stojanovic, Daniel Lopar, Silvan Hefti, Slimen Kchouk, Alessandro Kräuchi und Jordi Quintilla (alle bis 2020). Kekuta Manneh hat Vertrag bis Ende Saison. Möglich auch, dass sich einige der fünf jetzigen Leihspieler länger binden lassen.

Aufgefallen

Matthias Hüppi war vergangene Woche bei den Ehemaligen des FC St.Gallen zu Gast und wurde unter anderem auf das Problem der Chaoten angesprochen. Es beschäftige ihn fast täglich, sagte er. Was auch damit zu tun hat, dass er sich dem Dialog verschrieben hat. «Es ist nach meiner Auffassung die einzige Möglichkeit, den Konflikt zu lösen.» Der FC St.Gallen gilt in der Swiss Football League als Verein, der die Aufgabe mit Akribie anpackt. Es sind immer ein paar wenige, die aus dem heterogenen Fanblock ausfällig werden und mit Stadionverboten belegt werden. Hüppi spricht mit jedem von ihnen, mit jenen, die vor einer Verurteilung stehen und jenen, die nach Ablauf des Verbots wieder zurückkehren dürfen. Die Bandbreite ist erstaunlich: Sie reicht vom 13-jährigen Jüngling bis zum über 30-jährigen Familienvater.

Der Ausfall Cedric Ittens sportlich: In den sieben Partien mit ihm hat der FC St.Gallen 3 Siege, 2 Remis und 1 Niederlage erlitten. Wahrscheinlich wäre gegen Lugano bei einer roten Karte gegen Fabio Daprelà noch ein vierter Sieg dazugekommen. In den neun Spielen seither ohne den einzigen Knipser in der Mannschaft hat St.Gallen in sieben Partien dreimal gewonnen und viermal verloren. Zählen wir die beiden Spiele gegen das höherklassige YB noch dazu, lautet die Bilanz sogar drei Siege, null Remis, sechs Niederlagen.

Der Ausfall Cedric Ittens juristisch: Luganos Präsident Angelo Renzetti wirft Matthias Hüppi und Alain Sutter unter anderem vor, Fabio Daprelà «wie einen Schwerverbrecher» behandelt zu haben. Der Spieler leide sehr darunter. So wie Daprelà als Mensch ausserhalb eines hektischen Fussballspiels beschrieben wurde, scheint oder schien ihn eher seine Tat, das schwere Foul und die Folgen, stark zu belasten. Was für ihn spricht. Während sich Itten zivilrechtliche Schritte noch vorbehält, ist der Fall auch sonst juristisch interessant: Alain Sutter hat Daprelà Vorsätzlichkeit vorgeworfen und damit ausgesprochen, was die meisten dachten. Vielleicht ist ein solches Statement aus Sutters Position heraus unbedenklich. Journalisten müssen hingegen mit dem Wort «bewusst» vorsichtig umgehen: Schon circa 1980 wurde ein Tagblatt-Redaktor zu einer Busse von rund 2000 Franken verurteilt, weil er jemandem in einem Artikel «bewusste» Missetat unterstellt hatte. Weil das nicht zu beweisen sei, hätte der Journalist die Formulierung «bewusst oder unbewusst» verwenden müssen, befand der Richter. (th)

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