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GEGENTRIBÜNE: Sexy Fussball ist selten geworden

Nach trefferreichen Runden haben die meisten Super-League-Teams in den vergangenen Wochen begonnen, ihre Reize hinter Resultatfussball zu verstecken. GC ist hierfür ein Beispiel: Ligaerhalt first. Beim FC St.Gallen ist es schon die ganze Saison so.
Fredi Kurth
Das waren noch Zeiten: Charles Amoah (vorne) und Ionel Gane bejubeln gegen Galatasaray Istanbul einen St.Galler Treffer. (Bild: Keystone)

Das waren noch Zeiten: Charles Amoah (vorne) und Ionel Gane bejubeln gegen Galatasaray Istanbul einen St.Galler Treffer. (Bild: Keystone)

Wer Fussball liebt, weiss: Die Zuneigung zur Mannschaft seines Herzens kann so schmerzhaft verlaufen wie eine Beziehung zwischen zwei Menschen. Enttäuschungen sind mindestens ebenso häufig wie Glücksmomente, weil die Erwartungen meistens etwas höher liegen als die Realität. Die Beziehung zu einer Fussballmannschaft allerdings ist in der Regel sehr widerstandsfähig. Hier kommt es weniger häufig zu einer Trennung als bei amourösen Abenteuern zwischen Menschen, und selbst Ehen werden wahrscheinlich häufiger geschieden als ein Bündnis mit einem Fussballclub.

Daniel Lopar: Note 4: Muss schon nach fünf Minuten retten, als Marco Schneuwly alleine auf ihn zuläuft. Hat danach lange wenig zu tun. Ist schliesslich aber bei beiden Gegentoren chancenlos. Pariert in der Schlussphase einen Weitschuss von Nicolas Haas und verhindert damit das 0:3. (Bild: pd)Daniel Lopar: Note 4: Muss schon nach fünf Minuten retten, als Marco Schneuwly alleine auf ihn zuläuft. Hat danach lange wenig zu tun. Ist schliesslich aber bei beiden Gegentoren chancenlos. Pariert in der Schlussphase einen Weitschuss von Nicolas Haas und verhindert damit das 0:3. (Bild: pd)
Silvan Hefti: Note 3: Der junge St.Galler zeigt in der Defensive zunächst eine solide Leistung. Steht dann aber beim 0:2 zu wenig nahe bei Cedric Itten, der ihm enteilt und alleine vor Lopar trifft. Nach vorne zeigt Hefti zu Beginn zwei, drei verheissungsvolle Vorstösse, die aber letztlich nichts einbringen. (Bild: pd)Silvan Hefti: Note 3: Der junge St.Galler zeigt in der Defensive zunächst eine solide Leistung. Steht dann aber beim 0:2 zu wenig nahe bei Cedric Itten, der ihm enteilt und alleine vor Lopar trifft. Nach vorne zeigt Hefti zu Beginn zwei, drei verheissungsvolle Vorstösse, die aber letztlich nichts einbringen. (Bild: pd)
Karim Haggui: Note 4: Organisiert die Abwehr mit Übersicht. Im Kopfballspiel und eins-zu-eins-Situationen meist souverän. Bei Steilzuspielen wird er aber zu Beginn zweimal düpiert. Gegen Ende hin und wieder mit technischen Unsicherheiten. (Bild: pd)Karim Haggui: Note 4: Organisiert die Abwehr mit Übersicht. Im Kopfballspiel und eins-zu-eins-Situationen meist souverän. Bei Steilzuspielen wird er aber zu Beginn zweimal düpiert. Gegen Ende hin und wieder mit technischen Unsicherheiten. (Bild: pd)
Kofi Schulz: Note 2: Seine Aktionen nach vorne haben fast nie etwas Zwingendes. Auch in der Defensive in vielen Momenten ein Unsicherheitsfaktor, wird von Gegenspielern oft düpiert. Vor dem 0:1 verpasst er es, zu klären – und spielt einen gefährlichen Ball auf Gouaida. (Bild: pd)Kofi Schulz: Note 2: Seine Aktionen nach vorne haben fast nie etwas Zwingendes. Auch in der Defensive in vielen Momenten ein Unsicherheitsfaktor, wird von Gegenspielern oft düpiert. Vor dem 0:1 verpasst er es, zu klären – und spielt einen gefährlichen Ball auf Gouaida. (Bild: pd)
Andreas Wittwer: Note 3: Willig und am Ball solide, findet den Zugang zum Spiel aber nur selten. Verpasst es in einer Situation vor der Pause, entschiedener in den Abschluss zu gehen. (Bild: pd)Andreas Wittwer: Note 3: Willig und am Ball solide, findet den Zugang zum Spiel aber nur selten. Verpasst es in einer Situation vor der Pause, entschiedener in den Abschluss zu gehen. (Bild: pd)
Nzuzi Toko: Note 4: Kämpferisch zeigt Toko eine starke Leistung, ist vor der Abwehr physisch sehr präsent und entschärft viele Luzerner Angriffe schon in der Auslösung. Nach vorne ist von ihm aber weniger zu sehen als noch vor einigen Wochen. (Bild: pd)Nzuzi Toko: Note 4: Kämpferisch zeigt Toko eine starke Leistung, ist vor der Abwehr physisch sehr präsent und entschärft viele Luzerner Angriffe schon in der Auslösung. Nach vorne ist von ihm aber weniger zu sehen als noch vor einigen Wochen. (Bild: pd)
Mohamed Gouaida: Note 2: Ist vor der Abwehr ein Unsicherheitsfaktor. Vertändelt in der Vorwärtsbewegung zu oft den Ball und strahlt wenig Ruhe aus. Zum Beispiel vor dem 0:1 nach gut 70 Minuten, als ihm der Ball vom Fuss springt. (Bild: pd)Mohamed Gouaida: Note 2: Ist vor der Abwehr ein Unsicherheitsfaktor. Vertändelt in der Vorwärtsbewegung zu oft den Ball und strahlt wenig Ruhe aus. Zum Beispiel vor dem 0:1 nach gut 70 Minuten, als ihm der Ball vom Fuss springt. (Bild: pd)
Marco Aratore: Note 4: Laufbereit, fällt in der zweiten Halbzeit auf mit einer kämpferischen Leistung und mit seinen Vorstössen über rechts, die aber zu oft im Nichts versanden. (Bild: pd)Marco Aratore: Note 4: Laufbereit, fällt in der zweiten Halbzeit auf mit einer kämpferischen Leistung und mit seinen Vorstössen über rechts, die aber zu oft im Nichts versanden. (Bild: pd)
Sejad Salihovic: Note 3: Steht zum ersten Mal in der St.Galler Startformation. Hat zunächst Mühe, ins Spiel zu kommen und ist in der ersten Halbzeit kaum zu sehen. Nach der Pause deutet er seine Übersicht und seine technischen Fähigkeiten an – und hat mit einem starken Freistoss eine der grössten St.Galler Chancen. (Bild: pd)Sejad Salihovic: Note 3: Steht zum ersten Mal in der St.Galler Startformation. Hat zunächst Mühe, ins Spiel zu kommen und ist in der ersten Halbzeit kaum zu sehen. Nach der Pause deutet er seine Übersicht und seine technischen Fähigkeiten an – und hat mit einem starken Freistoss eine der grössten St.Galler Chancen. (Bild: pd)
Tranquillo Barnetta: Note 4: Nach einem schwächeren Spiel gegen Basel und der Sperre gegen die Grasshoppers gehört er wieder zu den besten St.Gallern. Macht kaum Fehler und ist sicher am Ball. Was fehlt, ist die Genauigkeit bei Abschlüssen und die entscheidende Aktion, die zu Gefahr führt. (Bild: pd)Tranquillo Barnetta: Note 4: Nach einem schwächeren Spiel gegen Basel und der Sperre gegen die Grasshoppers gehört er wieder zu den besten St.Gallern. Macht kaum Fehler und ist sicher am Ball. Was fehlt, ist die Genauigkeit bei Abschlüssen und die entscheidende Aktion, die zu Gefahr führt. (Bild: pd)
Albian Ajeti: Note 3: Ist sehr bemüht, als einzige Sturmspitze aber sehr gut abgeschirmt von der Luzerner Verteidigung. Hat eine einzige Abschlusschance in der ersten Halbzeit, dabei rutscht ihm der Ball aber über den Rist. (Bild: pd)Albian Ajeti: Note 3: Ist sehr bemüht, als einzige Sturmspitze aber sehr gut abgeschirmt von der Luzerner Verteidigung. Hat eine einzige Abschlusschance in der ersten Halbzeit, dabei rutscht ihm der Ball aber über den Rist. (Bild: pd)
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Die Noten der FCSG-Spieler gegen Luzern



Denn noch selten habe ich gehört, dass ein anderer Verein ein Grund gewesen wäre, um dem eigenen Club untreu zu werden. Ein Anhänger des FCZ, der klammheimlich GC-Supporter wird? Ein Schalke-Fan wird zum BVB-Gänger? Ein FCSG-Anhänger, der nach dem 3:11 zum FC Wil übergelaufen wäre? Undenkbar!

Sympathie zu Bayern erlaubt

Ist ein Mensch mit dem Fussball verheiratet, kommt es unweigerlich auch zu einem allgemeinen Interesse für diesen Sport generell. Wir verfolgen die Entwicklung des Fussballs und wollen tolle Spiele sehen, spannende, torreiche Partien und Fussballer, die technische Kabinettstückchen zum Besten geben. Das sind eher selten Partien der eigenen Mannschaft – hier zählt primär das Resultat -, sondern vielmehr Affichen auf höchster Ebene wie Weltmeisterschaften, Champions League oder Spiele in den Topligen.

Beim Wettbewerb der europäischen Spitzenclubs waren wir in den vergangenen Wochen einige Male hingerissen von Toren zuhauf und Dramatik bis zur letzten Sekunde. Und wenn einmal zwei hochkarätige Teams die Erwartungen nicht erfüllen, hält sich die Enttäuschung in Grenzen – der nächste tolle Match kommt bestimmt. Gehen wir auf diese Art fremd, mag es durchaus sein, dass wir Sympathien für Bayern, Real, Manchester U oder C oder meinetwegen auch für Hoffenheim empfinden. Die wahre Leidenschaft allerdings entflammt nur beim Auf und Ab der Fussballer in Grün-Weiss. Das gilt wohl nicht nur für die Fans des FC St.Gallen, sondern auch für jene des SC Brühl.

Darin begründet ist oft ein Missverständnis. Denn die meisten Spieler sind lediglich Angestellte. Sie kommen und gehen. Doch wir haben die Illusion, sie würden sich genauso identifizieren mit dem Club wie wir, und aus dem Espenblock ertönen oft Pfiffe, wenn die Akteure eines Tages in andern Farben wieder in der Arena erscheinen. Deshalb wird ein Rückkehrer wie Tranquillo Barnetta so frenetisch empfangen: weil wir wissen, dass er unten auf dem Feld genauso leidet und mitfiebert, sich freut und ärgert wie wir oben auf dem nummerierten Sessel. Allerdings: Fast alle auswärtigen Spieler identifizieren sich zumindest mit der Aufgabe in St.Gallen, mit der Herausforderung, zu einem starken Kollektiv beizutragen, das sich positiv entwickelt.

Selten: erfolgreich und magisch

Selbstverständlich ist der Fussball dann am schönsten, wenn sich der FC St.Gallen emporschwingt zu einem ebenso erfolgreichen wie magischen Auftritt. Sie wissen schon: Herbst 2013, Moskau, Swansea, Valencia, Krasnodar. Oder dann der Meistertitel 2000 mit Amoah und Zwyssig, die Jahre mit Zamorano und Braschler und noch früher der Aufschwung mit Ritter und Gisinger, mit Stomeo und Labhart.

Das 5:3 von Hoffenheim

Am Ostersamstag erlebte ich live, wie ein Aussenseiter so seltene Phasen kreiert. Hoffenheim siegte gegen Mönchengladbach mit 5:3. Natürlich ging bei einem solchen Resultat manches drunter und drüber, aber es verblüfften die klaren Aktionen beider Mannschaften, dieses Lösen aus der eigenen Abwehr mit gekonntem Passspiel von ganz hinten bis ganz nach vorne. Frappierend war diese Mischung aus Gelassenheit, Konzentration und plötzlicher Rasanz der ballführenden Akteure. Und wir fragten uns, warum wir solche Dinge nicht häufiger auch im Kybunpark sehen – bis wir dann einsahen, dass Leute wie Steven Zuber oder Nico Elvedi ohne ihre Klasse auch "nur" in der Super League auflaufen würden. Da muss man realistisch sein.

Konterfussball eine Alternative

Somit bleibt zu klären, ob Pressing fast von der Mittellinie bis zum gegnerischen Strafraum für fussballerisch schwächere Mannschaften das richtige Rezept ist, oder ob solche Teams – wie es manche Aussenseiter an der EM auf gar nicht unattraktive Weise gezeigt haben – mit verstärktem Konterfussball nicht besser beraten sind. Ich meinte, einen entsprechenden Trend auch im Klubfussball festzustellen, sogar mit so prominenten Teams wie Athletico Madrid, Leicester City oder FC Chelsea. Ohne Pressing kommt heute keine Mannschaft mehr aus, aber es gibt Teams, die sich kompakt weiter nach hinten schieben.

Die goldenen Zeiten des FC St.Gallen beruhten meistens auf Konterfussball. "Fussball zum Verlieben", pflegten romantisch angehauchte Journalisten zu schreiben.

Aufgefallen

Der FC St.Gallen hat also die dritte Niederlage hintereinander einstecken müssen. "Wenn du verlierst, ist’s immer ungemütlich", sagte Trainer Joe Zinnbauer. Beruhigend wirkt im Moment noch der Blick auf die Tabelle. Vier Mannschaften müssten St.Gallen überholen, und Vaduz käme bei einer Hochrechnung aufgrund der bisherigen Resultate Ende Saison auf eine Punktzahl von lediglich 28,28. Ich verzichte einmal darauf, die sicher enttäuschende aktuelle Entwicklung der St.Galler Mannschaft anhand von Statistiken aufzuzeigen, und hoffe, auf diese bei Besserung hinweisen zu können. Es ist indessen enttäuschend, dass sich St.Gallen nach der guten Ausgangslage nach der Winterpause und der stetigen Aufwertung des Kaders nun wieder darauf konzentrieren muss, wenigstens einen Gegner hinter sich zu lassen. Aber es gilt nun wohl oder übel, sich mit der nötigen Ruhe und Konzentration auf die verbleibenden Runden vorzubereiten, die St.Gallen immerhin fünf Heimspiele, drei davon gegen schlechter klassierte Teams, bescheren. Bei einem der drei Auswärtsspiele heisst der Gegner in der letzten Runde Basel - dann, wenn der Meister bereits die neue Saison vorbereitet und auch aus St.Galler Sicht - hoffentlich - alles entschieden sein sollte.

Kleine Regelkunde. Immer wieder geraten Schiedsrichter wegen Fehlentscheidungen ins Zwielicht, obwohl ihre Qualität international und national eher besser wird. Aber gleichzeitig machen es ihnen die Spieler auch immer schwerer, die einander bei jeder Gelegenheit beharken oder Fouls vortäuschen. Eine Regelauslegung macht den Refs besonders zu schaffen: Wenn ein Spieler Ball und Gegner trifft. Früher war der Fall klar. Hat er den Ball gespielt, war die Aktion korrekt, auch wenn sein Widersacher durch die Luft flog. Heute wird abgewogen, wie heftig und gefährlich die Attacke war. Das war zum Schutz der Stürmer notwendig geworden. So aber entstehen immer wieder heftige Diskussionen, beispielgebend hierfür der Penalty, den der FC Basel im Halbfinal gegen Winterthur schiessen durfte. Da waren sich nicht einmal die Experten einig. Nicht bei diesem Vorfall, aber sonst sucht ein Spieler, der den Ball nicht erreicht, häufig noch den Kontakt zum Gegner, um schmerzverzerrt und mit Gebrüll hinzufallen. Da bleibt für die Schiedsrichter nur eins: genau hinsehen und beurteilen, ob der foulende Verursacher die Folgen seiner Attacke am Beginn der Aktion überhaupt abschätzen konnte. Sonst landen wir dann bald beim Basketball. (th.)

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