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GEGENTRIBÜNE: Österreichs Fussball macht’s vor

Mit Manuel Sutter ist wieder einmal ein Österreicher im Kader des FC St.Gallen aufgetaucht. Früher hatte der Verein häufiger Kontakte über die östliche Landesgrenze hinweg. Der Blick zum Nachbarn könnte sich heutzutage auch sonst noch lohnen.
Manuel Sutter (rechts) im Zweikampf mit dem Tessiner Henry Siqueira Barras. (Bild: Keystone)

Manuel Sutter (rechts) im Zweikampf mit dem Tessiner Henry Siqueira Barras. (Bild: Keystone)

Es wäre übertrieben zu behaupten, die gemeinsame Durchführung der Euro 08 hätten Österreich und die Schweiz fussballerisch näher gebracht. Jeder Verband pflegt weiterhin sein Gärtchen und lässt kaum den Blick über den Zaun schweifen. Vielleicht liegt es daran, dass sich dieser Grenzzaun auf ein paar Kilometer im Rheintal und ein paar gebirgige Abschnitte in Graubünden beschränkt. Dennoch hatten im vergangenen Jahrzehnt schon zwei Spieler des FC St.Gallen den Weg in die österreichische Bundesliga gefunden: Charles Amoah spielte für Sturm Graz, Marco Zwyssig für Wacker Innsbruck.

Zwei Länder, eine Liga?
Somit stellt sich die Frage, was denn Sinn machen könnte, da die Talente beider Länder nicht unbedingt im Nachbarland Karriere machen möchten, sondern in einer der grossen europäischen Ligen. Man könnte sich zum Beispiel überlegen, die beiden Zehnerligen zu einer einzigen Spielklasse zusammenzuführen. 20 Vereine in einer so genannten Alpenliga, das würde einer valablen Grösse wie jener der Serie A oder der Premiere League entsprechen. Schweizer und Österreicher sind ja im Sport gegenseitigen Vergleichen nicht abgeneigt (im Fussball trifft man am 11. August aufeinander). In der imaginären Alpenliga träfe zum Beispiel Basel statt viermal nur zweimal auf die Young Boys und dafür zweimal auf Salzburg. Alle Resultate würden auch für eine parallele Schweizer und Österreicher Rangliste zählen, in denen die entsprechenden Meister, Europacup-Teilnehmer und Absteiger ermittelt würden.

Fifa und Uefa könnten dagegen wohl nicht viel einwenden, gibt es doch bereits gemischte Ligen, zum Beispiel in der Challenge League mit Vaduz, in Frankreich mit Monaco und in England mit walisischen Vereinen. Rapid Wien war 1941 sogar einmal deutscher Meister. Bedenken gäbe es natürlich auch. Fraglich ist zum Beispiel, ob es dann für Xamax oder Sion attraktiv wäre, Mannschaften wie Mattersburg oder Ried zu empfangen. Oder wie die Fans die weiten Reisen nach Graz, Linz oder Wien goutierten, wiewohl Wien immer einen Besuch wert ist (und rasch zu erreichen ab Altenrhein). Zugegeben, für eine solche Lösung bräuchte es innovative Geister, doch sind diese im traditionsbewussten Fussball-Geschäft eher dünn gesät.

Nur noch 60 Ausländer
Ein Blick nach Österreich lohnt sich auch deshalb, weil dort der Nachwuchs allmählich Terrain wett macht. Die U19 zum Beispiel qualifizierte sich für die EM-Endrunde. Eine Grundlage wurde mit dem «Österreicher Topf» geschaffen: Um Geld daraus zu erhalten, muss ein Bundesliga-Verein in jedem Meisterschaftsspiel mindestens zwölf Spieler mit österreichischer Staatsbürgerschaft auf dem Spielbogen aufführen. Abgerechnet wird nach jedem Quartal. Es gibt Vereine wie der Linzer ASK oder Mattersburg, die auf diese Weise fast zehn Prozent ihres Budgets bestreiten. Die Folge: Die Zahl der Ausländer sinkt stetig. Die Bundesliga startete dieses Jahr nur noch mit 64 Ausländern, so wenige wie seit 13 Jahren nicht mehr. Bis auf Meister Red Bull Salzburg haben alle Bundesliga-Vereine Österreichs in der vergangenen Saison davon profitiert. Eine solche Regelung fördert die Spielpraxis der eigenen Talente in der höchsten Liga – anders als das häufig mit bloss durchschnittlichen Ausländern verstopfte Nadelöhr der Super League. Natürlich sind wir U-17-Weltmeister, haben wir in der Schweiz eine vorbildliche Nachwuchsförderung. Aber man könnte von ihr noch mehr profitieren.

Noch etwas Neues aus dem Osten: Salzburg hat nach langjährigen Diskussionen den Kunstrasen im eigenen Stadion aufgegeben. Der von Sponsor Red Bull erhoffte Effekt, auf diese Weise einfacher ins grosse internationale Geschäft zu kommen, ist ausgeblieben. Die ganze Liga spielt somit «nature» und der Verband ist froh, in der Mozart-Stadt wieder Länderspiele austragen zu können. Wann schmeisst YB seine Plastik-Unterlage aus dem Stadion?

Sutter hat bekannte Vorgänger
Was St.Gallen ins Auge fassen könnte, wäre vielleicht ein «kleiner Grenzverkehr». In Vorarlberg gedeihen immer wieder mal Talente. Das hatte man schon früher erkannt. Die Vorstandsmitglieder Werner Grob und Kurt Jedele nahmen sich damals die Zeit, sich in Vorarlbergs Ligen umzusehen. Die bekanntesten Spieler, die als Grenzgänger zugelassen waren, sind inzwischen legendär: Martin Gisinger, Gerhard Ritter, Didi Metzler und nicht zuletzt der viel zu früh verstorbene 14fache österreichische Internationale Fritz Rafreider.

Auch Manuel Sutter stammt aus Vorarlberg. Er spielte als Junior bei Wolfurt und für die Fussball-Akademie. Der Stürmer hatte in den U17- bis U19-Auswahlen Österreichs Einsätze und gehört seit ungefähr einem Jahr dem FC St.Gallen an. Er debütierte in der Super League im letzten Spiel der vergangenen Saison beim 1:5 in Sion als Einwechselspieler und wurde in allen drei bisherigen Meisterschaftsspielen eingesetzt, auch beim 0:3 in Basel. Dort wie schon gegen Leverkusen fiel auf, wie schwer sich St.Gallen tut, in die Zweikämpfe zu kommen und den Ball zu erobern. Aber für eine erste Bilanz gilt es wohl noch die Spiele gegen Thun und GC abzuwarten.

Fredi Kurth

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