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Gegentribüne: Der neue FC St.Gallen ist eine Wundertüte

Die Anhänger des FC St.Gallen dürfen sich auf eine spannende Meisterschaft freuen. Das hat unter anderem damit zu tun, dass der lokale Fussballclub erstmals seit zehn Jahren mit einem neuen Trainer in die Saison startet.
Fredi Kurth
Sind die St.Galler bereit für die neue Saison oder nicht? Viele Anhänger der Espen gehen mit einem etwas mulmigen Gefühl in die neue Saison.

Sind die St.Galler bereit für die neue Saison oder nicht? Viele Anhänger der Espen gehen mit einem etwas mulmigen Gefühl in die neue Saison.

Zwei Tage vor dem WM-Final begegneten mir in Tübach zwei Knirpse. Der eine trug das kroatische Leibchen mit der Aufschrift «Mandzukic», der andere eines vom FC St.Gallen. Das erinnerte mich daran, dass der Übergang zur neuen Saison nahtlos sein wird. Dabei ertappte ich mich beim Gefühl, dass ich mich ebenso für den letzten Test des FC St.Gallen gegen Brighton and Hove Albion interessierte wie für das Endspiel.

Die WM-Endrunde schreibt zwar enorme Dramen und hält offensichtlich die ganze Schweiz in Atem, aber eine Meisterschaft beschäftigt einen das ganze Jahr. Sie ist aussagekräftiger als der globale Anlass mit dem abgekürzten Verfahren, bei dem eine Mannschaft in sieben Spielen Weltmeister wird.

Barrage sei Dank

Fussball ist kein Wunschkonzert. Stünde ich aber vor der schwierigen Wahl, würde ich den Meistertitel für den FC St.Gallen der Weltmeisterkrone für die Schweiz vorziehen - auch wenn letzteres nie geschehen wird und das andere nach aktuellem Stand immerhin alle 60 Jahre vorkommt (der erste nationale Meister wurde 1898 erkoren). Ich nehme mal an, dass sich diese Durchschnittszahl bis nächsten Sommer um sechs Monate erhöhen wird.

Die prophezeite Spannung dürfte sich neben dem Trainer somit aus der Mini-Liga mit zehn Teams ergeben. Voraussichtlich nur drei Plätze, nämlich Rang sechs bis acht, haben nach 36 Runden bloss tabellarischen Wert. Alle andern sind wirksam für Titel, Europaplätze und Abstiegskampf - der wieder eingeführten Barrage sei Dank.

Gegentribüne-Kolumnist Fredi Kurth (Bild: Urs Bucher)

Gegentribüne-Kolumnist Fredi Kurth (Bild: Urs Bucher)

Keine Schwächung im Sturm

Somit stellt sich die Frage, in welche Richtung sich der FC St.Gallen bewegen wird, wieder mehr Richtung Europa oder Richtung Challenge League. Die Abgänge von Sigurjonsson, Toko, van der Werff und Aleksic sind individuell gravierend. Aber die schwächste Abwehrleistung der Liga mit 72 Gegentreffern konnten die Abgänger auch nicht verhindern, weil Konstanz und Logik in der defensiven Aufstellung abhandenkamen.

Die Offensive, die mit 52 Toren keineswegs abfiel, konnte gehalten werden, und eine Verteidigung zu konsolidieren ist im Fussball eine relativ einfache Aufgabe. Nur, das ist nicht das primäre Ziel des FC St.Gallen. Denn er soll nicht nur erfolgreich, sondern auch unterhaltsam auftreten. Der neue Trainer steht für solchen Fussball, und es wird nun interessant zu beobachten sein, wie Peter Zeidler die beiden Ansprüche unter einen Hut zu bringen versucht.

Skeptische Anhänger, weil. . .

Viele Anhänger gehen mit einem etwas mulmigen Gefühl in die neue Saison. Ihnen steckt immer noch die Schlussphase der vergangenen Saison in der grün-weissen Kluft. Auch die langjährige Statistik hat die Zuversicht auf Haupt- und Gegentribüne sowie Espenblock angeknabbert. In den vergangenen fünf Jahren verzeichnete der FC St.Gallen stets eine negative Bilanz:

  • 2013/14 mit 11 Siegen und 13 Niederlagen
  • 2014/15 mit 13 Siegen und 15 Niederlagen
  • 2015/16 mit 10 Siegen und 18 Niederlagen
  • 2016/17 mit 11 Siegen und 17 Niederlagen
  • 2017/18 mit 14 Siegen und 19 Niederlagen
  • Die Tordifferenz in diesen fünf Jahren betrug minus 77.

Schnäppchenjagd mit neuem Trainer

Doch Statistiken haben kein Gedächtnis. Und ebenso kommt es auf die Konkurrenz an, die mit Ausnahme von YB, Basel und Sion auch nicht gerade mit der grosse Kelle anrichten kann. Vergangenheit bewältigen heisst es wieder einmal, und Schnäppchenjagd gehörte schon immer zum Geschäftsmodell des FC St.Gallen. Daraus entstanden erfreuliche Zugänge wie jene von Aratore, Aleksic, Albian Ajeti oder Janjatovic.

Andere wie Gaudino oder Keita - um nur wenige zu nennen - erfüllten die Erwartungen nicht. Sportchef Alain Sutter zog den Kreis nun noch etwas weiter, bis nach Süd- und Zentralamerika. Namhaft indessen das Engagement von Milan Vilotic, der die Qualitäten eines Abwehrchefs hat. Der Saisonauftakt ist auch deshalb von der prickelnden Art, weil St.Gallen erstmals seit Uli Forte 2008 mit einem neuen Trainer in die Saison startet. Alle andern Wechsel, jene zu Saibene, Zinnbauer, Contini und Kuzmanovic, geschahen während der Saison.

Der erste Eindruck

Das letzte Testspiel gegen Brighton (1:1) hatte – wie immer zum jetzigen Zeitpunkt – höchstens die Vorhersagekraft einer Zehntage-Wetterprognose. Aber vor allem die Formation der ersten Halbzeit mit vier neuen Leuten schien aufzuzeigen, was Zeidler vorschwebt: Schnelles Umschaltspiel aus einer aufsässigen Abwehr, viel Laufarbeit und immer noch eine gehörige Portion Pressing. Schauen wir mal neugierig, wie das am nächsten Samstag beim Auftakt in Basel - das ist noch eine Art Testspiel, da niemand etwas von den Espen erwartet - schon funktioniert.

Aufgefallen

Das war sie also, die Fussball-WM 2018, ein insgesamt faszinierendes Turnier, aber manchmal auch ein Turnier des Zwiespalts. Mit Mannschaften, die Freude am Fussball hatten und solchen, die primär den Ball hin und her schoben und den eigenen Strafraum zur uneinnehmbaren Festung erklärten. Mit Frankreich haben wir einen Weltmeister der Berechnung, des schnellen Gegenstosses und der Effizienz. Eine Mannschaft mit enormen Qualitäten, wobei sie ihre offensive Schlagkraft nur sporadisch abrufen musste, zum Beispiel beim 4:3 gegen Argentinien. Aber nicht von ungefähr verursachte sie auch das einzige (!) torlose Spiel der WM gegen Dänemark (0:0). Kroatien und Belgien sind die Weltmeister der Herzen. Hätte einer von ihnen obsiegt, hätte nicht nur «la nation», sondern die ganze Fussballwelt gejubelt.

Uneingeschränkt attraktiven Fussball bieten Weltmeister ohnehin nur selten. In der Neuzeit gelang dies 2014 Deutschland, 1998 Frankreich, 1982 Italien (nach der Gruppenphase), 1978 Argentinien und 1970 Brasilien. 1986 war das Finale zwischen Argentinien und Deutschland spektakulär (3:2), ebenso auch jenes vom vergangenen Sonntag: sechs Tore in 90 Minuten. Mehr gab es erst einmal im Endspiel 1958, als Brasilien gegen Schweden 5:2 gewann. (th)

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