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Kolumne

Gegentribüne: Itten-Treter Daprelà am Pranger – der Videobeweis ist überfällig

Es war ein Foul, das eine Karriere zerstören kann: Vor Attacken wie jener von Luganos Verteidiger Fabio Daprelà gegen Cedric Itten müssen Fussballer geschützt werden. Der Videoassistent wäre ein Mittel dafür.
Fredi Kurth
«Gegentribünen»-Autor Fredi Kurth. (Bild: Urs Jaudas)

«Gegentribünen»-Autor Fredi Kurth. (Bild: Urs Jaudas)

Der Videobeweis soll den Fussball gerechter machen. Das ist das häufig genannte Argument für den Videoassistenten. Gemeint war primär, dass Ergebnisse eines Fussballspiels nicht mehr so häufig durch Fehlentscheide der Schiedsrichter verfälscht werden.

Der Vorfall vom Sonntag im Kybunpark hat gezeigt, dass mit der Zweitmeinung auch fehlbare Fussballer gerechter bestraft werden könnten. Und zwar bereits auf dem Spielfeld. Fabio Daprelà war im Spiel St.Gallen gegen Lugano schon zuvor durch seine Härte aufgefallen. Beim Angriff auf Cedric Itten hat er die Verletzung seines Gegenspielers bewusst oder unbewusst in Kauf genommen.

Niemand kann verhindern, dass ein Verteidiger in der Hektik und in seiner Unbeholfenheit zu solchen Mitteln greift. Aber die Verwendung elektronischer Mittel hilft präventiv und überführt den Täter. Sie ist nötig auch zum Schutz der heutzutage allgemein überforderten Schiedsrichter, zum Schutz der Fussballer und des Fussballs. Die Einführung des Video Assistant Referee (VAR) in der Super League ist geplant.

Embolo benötigte fast zwei Jahre

Es gibt inzwischen zu viele Beispiele, in denen Fussballer Berufskollegen durch Foulspiele aus der Bahn geworfen haben. Hier nur ein paar wenige:

  • Im nächsten Monat ist es zwei Jahre her, seit Breel Embolo mit gebrochenem Knöchel aus dem Stadion des FC Augsburg getragen wurde.
  • Yannis Tafer war einer der besten Stürmer der Super League, als er im Februar 2016 in Luzern nach einem Foul von Michael Frey mit gerissenem Syndesmoseband das Feld verlassen musste.
  • Bei Bayern München fallen in dieser Saison nach ähnlichen Ereignissen schon zwei Spieler für längere Zeit aus.

Breel Embolo ist mühsam daran, zur früheren Form zu finden. Yannis Tafer ist nur noch sporadisch richtig in Schwung gekommen. Und bei Cedric Itten, so ist zu befürchten, dürfte die Saison schon fast vorbei sein, bis er mit Rehabilitation und Formaufbau das bis jetzt gezeigte Leistungsvermögen wieder erreicht haben wird.

Gegen Lugano Vorzüge bestätigt

Die Vorfreude des FC St.Gallen, als Tabellenzweiter nach Bern zu reisen, wäre auch bei einem Sieg gegen Lugano ziemlich verdorben gewesen. Es bleibt die Frage, wie St.Gallen die langfristigen Ausfälle von Itten und Nicolas Lüchinger verkraften wird.

Doch da erinnern wir uns an die positiven Eindrücke, welche die Mannschaft in dieser Saison häufig und nun auch gegen Lugano gezeigt hat. Die Mannschaft hat Qualität, fussballerisch und taktisch. Die erste Halbzeit war nicht berauschend, aber solide. Die Effizienz im Abschluss war noch da; es stimmte auch die defensive Ausrichtung bei einem Chancenverhältnis von 4:1. Die beste Phase, als Lugano öffnen musste, hatte St.Gallen nach der Pause. Nun gelangen tolle Aktionen, das Gegentor war eher ein Unglücksfall. Das Chancenverhältnis erhöhte sich vorübergehend auf 7:2 (am Ende 9:7). Der Rest ist bekannt.

Zum Glück ein grosses Kader

Nachdem schon Majeed Ashimeru und Jordi Quintilla in früheren Partien entscheidende Impulse gesetzt hatten, bot nun plötzlich auch Dauerläufer Vincent Sierro aus dem starken Mittelfeld einen glanzvollen Auftritt. St.Gallen ist nicht allein auf Itten als Torschützen angewiesen, und nun könnte wieder die Stunde für Spieler wie Nassim Ben Khalifa oder Yannis Tafer (oder warum nicht Alessandro Kräuchi?) schlagen. Diese Perspektiven gelten aktuell nicht zuletzt für das übernächste Spiel daheim gegen die Grasshoppers.

In Bern am Mittwoch dürfte Stossstürmer Itten besonders vermisst werden. Bleibt zu hoffen, dass die Young Boys nach der 7:1-Völlerei gegen Basel gesättigt sind und wieder in den Cupmodus wechseln...

Aufgefallen

Vorne enteilen in der Super League, anders als von vielen erwartet, nicht zwei Mannschaften, sondern einzig die Young Boys. Für den Rest der Liga gilt: Jeder kann jeden schlagen. Der FC Basel ist plötzlich in diesem Feld anzutreffen, und Aufsteiger Xamax hat einige Mühe mitzuhalten. Bewundernswert die Leistungen des FC Thun, der nun sogar auf Platz zwei liegt. Aber das ist mittlerweile schon fast keine Überraschung mehr.

Da verschwindet FCZ-Torschütze Kololli auf Zypern in einem Graben, und Andy Egli erinnert sich, dass früher im Maracana von Rio ein solcher sogar fünf Meter tief gewesen sei. Ja, früher... Zu jener Zeit sind Fussballer noch nicht so in Ekstase geraten, wenn sie ins Netz getroffen haben. Wenn wir bei den Junioren ein Tor erzielt hatten, hob der Schütze kurz die Arme und begab sich zum Mitspieler, um sich per Handschlag für das Zuspiel zu bedanken. Noch zu Beginn der 1980er hielt Trainer Helmuth Johannsen die Spieler des FC St.Gallen an, sich beim Torjubel zurückzunehmen und daraus keine Theaterszene zu machen. Heute müssen Schiedsrichter Nachspielzeit für jene Periode einberechnen, bis sich die Spieler nach einem Treffer wieder einigermassen gefasst haben. Manchmal sind sie immer noch im Rausch - und der Gegner nützt fehlende Konzentration zum raschen Ausgleich. (th)

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