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GEGENTRIBÜNE: Im FCSG steckt mehr Basel als im FC Basel

Beim FC St.Gallen spielen mehr Basler als beim FC Basel selber. Diese erstaunliche Bestandsaufnahme mag zufällig sein, doch sie ist symptomatisch. Just an der entschwebten Nummer 1 der Super League lässt sich die globale Entwicklung des Fussballs bestens darstellen.
Fredi Kurth
Früher Junior des FC Basel, heute Stürmer beim FCSG: Albian Ajeti, versucht sich gegen Basels Torhüter Tomas Vaclik. (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))

Früher Junior des FC Basel, heute Stürmer beim FCSG: Albian Ajeti, versucht sich gegen Basels Torhüter Tomas Vaclik. (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))

Als mir im Toskana-Exil der Live-Ticker nur selten prickelnde Torszenen aus dem Kybunpark übermittelte, fragte ich mich, wie viele Basler eigentlich für den Meister im Einsatz stehen. Das müsste bei der zu recht gelobten Nachwuchsförderung des ewigen Meisters eine ganze Menge sein. Also schob ich die entsprechende Kaderliste von transfermarkt.ch auf das Tablet und stellte Folgendes fest: Von den 27 Spielern im Kader des FC Basel entstammen aktuell genau zwei Spieler aus dessen Nachwuchsabteilung: Taulant Xhaka, der regelmässig zum Einsatz kommt, und das Talent Eray Cumart, das bisher erst einmal und zwar im Schweizer Cup zum Zuge kam. Nur zwei. Kaum zu glauben.

Beim FC St.Gallen stehen nämlich vier Spieler im Kader, die aus dem Basler Nachwuchs hervorgegangen sind: Marcel Herzog, Marco Aratore, Roman Buess und Albian Ajeti.

Ein Teil des grossen Projekts
Um dieses Missverhältnis aufzuklären, gilt es nochmals die Kaderliste der Basler zu analysieren, die in dieser Woche gegen Arsenal spielen. Da fällt auf, dass im riesigen Aufgebot sehr viele Ausländer aufgeführt sind, dass der FC Basel sehr viel Geld investiert und sich nicht bloss auf den eigenen Nachwuchs und die besten Schweizer Fussballer konzentriert. Gemäss Transfermarkt gab er zuletzt 3,3 Millionen Euro für den Slowenen Andraz Sporar aus, zwei Millionen für Jean­-Paul Boetius von Feyenoord Rotterdam, 1,65 Millionen für den Ägypter Omar Gaber, 1,7 Millionen für den Paraguayaner Blas Riveros und 0,7 Millionen für Manuel Akanji vom FC Winterthur. Callà, Bua, Lang, Steffen oder Zuffi heissen die bekannten Schweizer, die im Kader figurieren. All die hochkarätigen Ausländer, die den Erfolg des FC Basel erklären, sind nicht mehr speziell zu erwähnen.

Die eigene Talentförderung ist demnach nur ein Teil des Gesamtprojekts. Die Besseren schaffen den Sprung ins Fanionteam und werden dann häufig wie Granit Xhaka oder Breel Embolo für hohe Summen ins Ausland weitergereicht - mit Gewinnbeteiligung bei weiteren Transfers.

Die etwas weniger begnadeten Fussballer sind geeignet, um in der Super- oder Challenge League oder bei weniger renommierten Vereinen im Ausland zu reüssieren. Zu ihnen zählen die drei Ajeti-Brüder und Buess. Also profitiert nicht nur der FC Basel von seiner Arbeit; es können auch andere Vereine sein, wie nun der FC St.Gallen.

FC Basel an der Schnittstelle
Die Erkenntnis ist ziemlich einfach: Mit Spielern aus der eigenen Organisation kann der FC Basel nie und nimmer europäisch bestehen. Er muss und kann sich am internationalen Markt beteiligen. Das hat einerseits zur Folge, dass er hierzulande in der falschen Liga spielt, andererseits aber hat sich die Hierarchie in Europa derart zugespitzt und das Leistungsgefälle derart verstärkt, dass es dem FC Basel kaum je reichen wird, mit den ganz Grossen mitzuhalten. So wie der Rest der Super League nicht mit dem Meister mithalten kann, ist dieser verhindert, je einmal die Klasse und Konstanz von Barcelona, Bayern, Juventus oder den englischen Spitzenteams zu erreichen.

Der Anreiz für diesen oder jenen Exploit wie gegen Chelsea oder Liverpool mag gross sein, aber gerade in diesem Punkt scheint die Entwicklung ebenfalls gegen die Basler zu verlaufen. Denn: die Topteams Europas streben immer mehr nach Eigenständigkeit. Just in diesem Sommer sind sie finanziell wieder bevorteilt worden. Organisatorisch ebenso ungünstig ist für kleinere Länder das Bestreben, dass traditionelle Grossvereine, wie die Mailänder Teams oder Manchester United, auch dann in der Champions League spielen sollen, wenn sie in der nationalen Meisterschaft die Vorgabe für einige Zeit nicht erfüllen.

Früher oder später eine Europa-Liga
Es geht deutlich in Richtung Einheitsliga für die europäischen Spitzenteams. Schon jetzt wird zum Beispiel in Deutschland die angebliche Langeweile der Champions-League-Gruppenphase bemängelt, in welcher sich immer dieselben Teams für die K.o.-Phase qualifizieren. Tatsächlich ist es so, dass 35 der letzten 36 Halbfinalisten der Champions League aus Spanien, England, Deutschland oder Italien stammten. Um einen Halbfinalteilnehmer ausserhalb der Top vier zu finden, muss man weit zurückblättern. Neun Jahre etwa, um auf Olympique Lyon und weitere zwei Jahre, um auf den PSV Eindhoven zu stossen.

Die Konzentration der Spitze drängt sich deshalb auf, weil dort selber die Ausgeglichenheit gross ist. Noch nie in der Geschichte der Champions League hat ein Sieger den Titel verteidigen können. Wie denn diese Extraliga funktionieren soll – in kleinerem Format oder sogar in grösserem Format losgelöst von der nationalen Meisterschaft – darob sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Hindernisse gibt es lediglich durch die Gegner solcher Absichten.

FCSG: Schwierig, aber nicht unmöglich
Den FC St.Gallen berühren die Veränderungen zumindest indirekt. Auch hier will ja die Vereinsführung eigene Spieler an den Spitzenfussball heranführen und wenn möglich für schönes Geld in die grosse weite Welt des Fussballs entsenden. Das ist aus verschiedenen Gründen nicht einfach.

Einer hat mit der veränderten Konkurrenzsituation für die hoffnungsfrohen jungen Fussballer zu tun. Vor 30 bis 40 Jahren mussten sie sich gegen Protagonisten aus dem nationalen Spielbetrieb durchsetzen, jetzt gegen junge, hungrige Kicker aus allen Kontinenten. Der globale Wettbewerb ist enorm. Aber Roy Gelmi und Silvan Hefti beweisen, dass die Chance da ist – sofern ihnen, anders noch als unter Sportchef Heinz Peischl – die Chance gegeben wird.

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