Kolumne

Gegentribüne: Hüppi, Sutter, Zeidler und Co. – der Erfolg des FC St.Gallen hat viele Väter

Ein Radioreporter stellte Peter Zeidler unlängst die Frage, welchen Anteil St.Gallens Trainer am prächtigen Gedeihen seiner Mannschaft habe. Zeidler antwortete: «Alle haben ihren Anteil.» Über das wie viel lässt sich streiten, exakt festzulegen ist es aber nicht.

Fredi Kurth
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Gegentribüne-Kolumnist Fredi Kurth.

Gegentribüne-Kolumnist Fredi Kurth.

Bild. Urs Bucher

Der Erfolg hat bekanntlich viele Väter, der Misserfolg ist ein Waisenkind. Erfolg kann einen, aber auch trennen. Nach dem turbulenten Remis gegen die Young Boys dürften alle beim FC St.Gallen noch näher zusammenrücken. Auf die Anteilfrage von Fritz Bischoff im Regionaljournal von SRF gab Peter Zeidler dennoch eine interessante Antwort: «Ich freue mich über diese Frage. Ich hatte gerade gestern eine lange Diskussion mit Alain Sutter darüber gehabt. Jeder hat seinen Anteil, den man jetzt nicht prozentual messen kann, ob 6,4 oder 8,9 Prozent. Die Stärke ist die Geschlossenheit – ein sensibles Gut, das es zu hüten gilt. Es ist der Zusammenhalt, den das Team am Schluss auszeichnet.»

Ein paar Fragen

In der Grundsubstanz ist die Antwort plausibel. Stutzig macht nur: Weshalb war Zeidler froh, dazu Stellung nehmen zu dürfen, und weshalb gab es zu diesem Thema eine lange Auseinandersetzung? Vielleicht passt dazu, dass Alain Sutter in einem weiteren Gespräch, diesmal mit FM1, zur Verpflichtung von Torhüter Lawrence Ati Zigi folgende Aussage machte:

«Als die Thematik Dejan Stojanovic aufkam, war Zigi vom ersten Tag an meine Nummer eins. Ich habe ihn schon länger beobachtet, seit eineinhalb Jahren.»

Warum sagt Sutter «Ich» und nicht «Wir», wenn Zigi ja auch schon beim FC Sochaux und eventuell auch bei Salzburg und Liefering unter Trainer Zeidler Bälle abgewehrt hat?

Hüppi und Sutter legten die Grundlage

FCSG-Trainer Peter Zeidler.

FCSG-Trainer Peter Zeidler.

Bild: Urs Bucher

Ich will in diese Statements im Rahmen eines längeren Interviews nicht zu viel hinein interpretieren und auch nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Ich will einfach einmal darlegen, wie meine persönliche Wahrnehmung ist, wenn vom FC St.Gallen die Rede ist. Denn es ist fast immer vom FC St.Gallen die Rede, wenn ich jemanden treffe, egal an welcher Ecke, in welcher Beiz oder auf welchem Feldweg. Grosse Begeisterung ist zu spüren, und rasch gerät mein Gesprächspartner ob Peter Zeidler ins Schwärmen.

Nur Zeidler? Nein, fast immer fallen auch ziemlich bald die Namen vom Matthias Hüppi und Alain Sutter: Hüppi habe es anfänglich nicht einfach gehabt, ihm sei die Entwicklung zu gönnen, und Alain Sutter habe den Blick für Talente und preiswerte Fussballer, heisst es so oder ähnlich. Hüppi und Sutter waren es auch, welche die Grundlage zum jetzigen Aufschwung legten, indem sie von Peter Zeidlers Qualitäten überzeugt waren und ihn unbedingt engagieren wollten. Hüppis Spruch im typischen Schweizer Jargon scheint sich im Nachhinein zu bewahrheiten:

«Wir werden eine Granate als Trainer haben.»
Sportchef Alain Sutter und Präsident Matthias Hüppi am Spitzenkampf zwischen dem FCSG und YB.

Sportchef Alain Sutter und Präsident Matthias Hüppi am Spitzenkampf zwischen dem FCSG und YB.

Bild: Freshfocus

Eine Aufgabe, die Diskretion verlangt

Dass Zeidler mehr im Mittelpunkt steht als Hüppi und Sutter, hat mit den unterschiedlichen Funktionen zu tun. Bei YB ist Gerardo Seoane auch häufiger gefragt als Sportchef Christoph Spycher oder Präsident... wie heisst er nur... aha: Hanspeter Kienberger. Beim FC St.Gallen halten sich just die beiden ehemaligen Kommunikatoren beim Fernsehen mit Medienauftritten zurück. Hüppi scheint es zu geniessen, bei Sutter, der uns bei den Spielen des Nationalteams unter anderem die Schnittstelle so anschaulich erklärte, nehme ich an, dass er damit auch klar kommt. Er ist Ein- und Verkäufer in Personalunion, hat aber nicht wie seine Berufskollegen bei Maestrani mit Kakao und Schokolade zu tun, sondern mit Menschen. Diskretion steht bei ihm weit oben im Pflichtenheft.

SBB-Finanzchef und NLA-Fussballer

Ja, die vielen Väter. Bei dieser Gelegenheit dürfen auch einmal die im Hintergrund tätigen Verwaltungsräte Peter Germann, Patrick Gründler, Christoph Hammer und Stefan Wolf erwähnt werden, die viel finanzielles, sportliches und juristisches Know-how mitbringen. Ehemalige Nationalliga-A-Fussballer und der Finanzchef der SBB sind darunter. Auch ihr Anteil am Erfolg festzulegen, ist schwierig, aber ausser Zweifel.

Matthias Hüppi (Verwaltungsratspräsident / Sport, Kommunikation und Marketing)
5 Bilder
Stefan Wolf (Sport und Nachwuchs)
Christoph Hammer (Finanzen)
Patrick Gründler (Recht)
Peter Germann (Sport und Unternehmensführung)

Matthias Hüppi (Verwaltungsratspräsident / Sport, Kommunikation und Marketing)

Bild: Urs Bucher

Wenn Peter Zeidler und Alain Sutter zu diesem Thema in offensichtlicher Notwendigkeit diskutiert haben, dann kann das auch klärend sein, zwischen zwei Menschen, bei denen der eine vielleicht mal ein Wort zu viel, der andere eher eines zu wenig spricht.

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