GEGENTRIBÜNE: Frühlingsgefühle und Untergangsstimmung

Der FC St.Gallen ist im Aufwind, der FC Wil im Sturzflug: Die aktuellen Gefühlslagen der beiden grossen Ostschweizer Clubs könnten unterschiedlicher nicht sein. Doch vor nicht allzu langer Zeit war die Situation genau umgekehrt.

Fredi Kurth
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Euphorie in St.Gallen, Katerstimmung in Wil.

Euphorie in St.Gallen, Katerstimmung in Wil.

Der drohende Bankrott beim FC Wil erinnert an die prekäre Situation des FC St.Gallen vor sechseinhalb Jahren. Die finanziellen Dimensionen waren allerdings andere. Verbindlichkeiten in Höhe von 16 Millionen Franken belasteten die St.Galler; an einem entsprechenden Sanierungspaket sollte sich auch die öffentliche Hand beteiligen. Doch schon der Beitrag von zwei Millionen Franken durch die Stadt wurde vom kommunalen Parlament mit einer Dreiviertel-Mehrheit abgelehnt. Das war ungefähr das Schadenfreude-Potenzial, dem sich der älteste Fussballclub der Schweiz damals ausgesetzt sah. Es gehörte in der Gallusstadt zum guten Ton, auf ihm herumzutrampeln.

Natürlich gab es auch die besonnenen Akteure, wie den St.Galler Regierungsrat Willi Haag und Stadtpräsident Thomas Scheitlin, welche mithalfen, das Paket zu schnüren (der Kanton hätte vier Millionen Franken beisteuern sollen).

Daniel Lopar: Note 3. Der St.Galler Torhüter hat nur wenig zu tun, fällt in zwei Aktionen auf: Beim Freistoss, der zum Ausgleich durch Benjamin Kololli führt, lässt er sich in der Goalieecke erwischen. Danach macht er seinen Fehler gut, als er einen Steilpass der Lausanner auf Nassim Ben Khalifa mit frühem Hinauslaufen abfängt. Bei Rückpässen, von Lausannern bedrängt, strahlt er wenig Ruhe aus. (Bild: pd)
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Karim Haggui: Note 5. Macht seinen Fehler beim Ausgleich in Vaduz vergessen. Ist sehr präsent im gegnerischen Strafraum und kommt per Kopf gleich zu vier Abschlussmöglichkeiten. Eine nutzt er zum 1:0. Auch defensiv im Zentrum fast immer auf der Höhe. (Bild: pd)
Silvan Hefti: Note 5. Der 19-jährige St.Galler macht ein starkes Spiel und ist einer der technisch besten Ostschweizer. Im Defensivspiel fast tadellos, nach vorne mit Zug und einigen vielversprechenden Aktionen. (Bild: pd)
Kofi Schulz: Note 3. Der Deutsche zeigt mehrere unsichere Aktionen im eigenen Strafraum. Nach vorne ist Schulz kaum präsent – vor allem im Vergleich zum Pendant Hefti auf der rechten Seite fällt er ab. (Bild: pd)
Andreas Wittwer: Note 3. Hat zu Beginn einige gute Aktionen, bleibt aber insgesamt mit wenig Einfluss auf das Spiel. Seine Direktabnahme aufs Tor der Lausanner kurz vor Schluss ist sehenswert, der Ball wird aber von einem Verteidiger mit dem Kopf abgewehrt. (Bild: pd)
Roy Gelmi: Note 4. Spielt im defensiven Mittelfeld unterdessen eine wichtige Rolle. Überrascht mit einer technisch sehr feinen Finte, mit der er einen Lausanner aussteigen lässt. Noch kann er zulegen, was das Bälleverteilen betrifft. (Bild: pd)
Nzuzi Toko: Note 4. Ist physisch gewohnt stark, macht zusammen mit Roy Gelmi vor der Abwehr dicht. Im Spiel nach vorne kam von ihm aber schon mehr. (Bild: pd)
Marco Aratore: Note 5. Der 25-jährige Basler bringt im Angriffsspiel viel Schwung. Sein Pass zum Offsidetor von Barnetta ist sehenswert. Zudem tritt er den Eckball, der zum 1:0 führt. (Bild: pd)
Tranquillo Barnetta: Note 5. Der St.Galler tritt bei seiner ersten Partie im Kybunpark sehr stilsicher auf. Seine Standards sind gefährlich, seine Aktionen haben meist Hand und Fuss. Seine sehenswerte Direktabnahme zum vermeintlichen 1:0 wird fälschlicherweise wegen Offsides aberkannt. Gegen Ende nimmt sein Einfluss aufs Spiel etwas ab, er ist an beiden St.Galler Toren nicht beteiligt. (Bild: pd)
Albian Ajeti: Note 5. St.Gallens Leihgabe hat, was einen Stürmer ausmacht: Er fällt lange nur wenig auf, nutzt seine Chance zum 2:1 aber kaltblütig, nachdem er sich gegen zwei Lausanner sehenswert durchgesetzt hat. (Bild: pd)
Roman Buess: Note 4. Auch Buess hat seine starken Momente, fällt in der ersten Hälfte mit einer starken Finte im gegnerischen Strafraum auf. Er lässt aber seine Tormöglichkeiten aus. (Bild: pd)

Daniel Lopar: Note 3. Der St.Galler Torhüter hat nur wenig zu tun, fällt in zwei Aktionen auf: Beim Freistoss, der zum Ausgleich durch Benjamin Kololli führt, lässt er sich in der Goalieecke erwischen. Danach macht er seinen Fehler gut, als er einen Steilpass der Lausanner auf Nassim Ben Khalifa mit frühem Hinauslaufen abfängt. Bei Rückpässen, von Lausannern bedrängt, strahlt er wenig Ruhe aus. (Bild: pd)



2010: Ein rettender Engel
Schliesslich stieg als rettender Engel Unternehmer Dölf Früh zur AFG Arena hinab, in welcher mit einer Fehlinvestition für zusätzliche Logen die Grundlage für das Desaster gelegt worden war. Früh anerbot sich, das sinkende Schiff zu retten und als neuer starker Mann auch langfristig für geordnete finanzielle Verhältnisse zu sorgen. Dass er dieses Versprechen zur Maxime erhob und es bis heute eingehalten hat, mag einem als Anhänger des FC St.Gallen in diesen Tagen wieder besonders wertvoll erscheinen. Früh von der Media-Swiss-Gruppe und Rainer Sigrist, Chef des Generalunternehmers HRS, stellten je 2,7 Millionen Franken zur Verfügung. Die Unternehmer Edgar Oehler (AFG), Ralf Klingler und Norbert Jann steuerten je 1,2 Millionen bei, eine Million Franken Hans Sulser. Banken verzichteten auf 4,7 Millionen Franken, womit bei einem Total von 14,7 Millionen Franken die Fortsetzung des Betriebs gesichert war.

FC Wil: Skeptiker behielten Recht
Der FC Wil muss im laufenden Halbjahr 2 bis 2,5 Millionen Franken aufbringen, um zu überleben, und benötigt hierfür auch den Goodwill der Spieler. Ob er das Geld zusammenkratzen kann oder ebenfalls auf einen Rettungsengel angewiesen ist, kann ich nicht beurteilen. Auf jeden Fall haben sich die türkischen Investoren mit ihrem Verschwinden nicht als Gentlemen erwiesen. Sie haben vor allem den Skeptikern Recht gegeben und nicht zuletzt den vom Klub kritisierten Stadtvertretern mit deren defensivem Verhalten.

Die Löhne sind beim FC St.Gallen immer bezahlt worden. Auch der Milliardär vom Bosporus hätte wenigstens bis Saisonende seinen Verpflichtungen nachkommen können, statt einheimische Partner des FC Wil sowie viele Profis und Klubangestellte in Aufregung zu versetzen. Die Türken hätten sagen können: "Wir haben uns das hier anders vorgestellt und ziehen uns deshalb im Sommer zurück." Gescheitert sind sie primär an sich selber, und zwar an der fehlenden sportlichen Kompetenz. Die 25 bis 30 Millionen Franken, die Investor Mehmet Nazif Günal in den Wettspiel-Betrieb eingeschossen hat, hätten reichen müssen, die Mannschaft zumindest auf einen zielführenden Pfad zu bringen. Doch die ständigen Personalwechsel belegen, dass es auch mit der versprochenen Geduld nicht weit her war. Sportlicher Erfolg wäre das Mindeste gewesen, um bei einer Volksabstimmung zum Stadion Erfolg zu haben. So aber dürfte das Schadenfreude-Potenzial von ähnlichem Ausmass sein wie einst beim FC St.Gallen.

FC St.Gallen wieder deutlich besser
Im Kybunpark regen sich derweil Frühlingsgefühle. Gegen Lausanne begann die Mannschaft zwar nicht so fulminant wie eine Woche davor in Vaduz, aber sie zeigte über die ganze Spielzeit eine stabilere Leistung. Und wieder hätte St.Gallen zur Pause bei einem Chancenverhältnis von 5:0 und einem fälschlicherweise wegen Offsides aberkannten Tor deutlich in Führung liegen müssen. Treffermässig blieb Tranquillo Barnetta nach seinen zwei Pfostenschüssen im Fürstentum das Quentchen Glück erneut versagt. Aber in seinem Auftritt als Organisator und lauffreudiger Ballverteiler überzeugte er ein zweites Mal. Und weil die Mannschaft schon vor der Winterpause dank gelungener Transfers spielerisch erstarkt war, sollte nun ein erneuter Einbruch vermieden werden können. 10:2 lautet das Chancenverhältnis am Schluss gegen dezimierte Waadtländer, bei 9:6 hatte es gegen Vaduz gelegen. Die oft zitierte Effizienz muss allerdings noch besser werden, was aber auch Glücksache ist.

Fussball Super LeagueFC St. Gallen - FC Lausanne-Sport (Bild: Michel Canonica)
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Lange ersehnt: Die Rückkehr von Tranquillo Barnetta. (Bild: Michel Canonica)
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Bild: Michel Canonica
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ST.GALLEN - LAUSANNE (Bild: Freshfocus)
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ST.GALLEN - LAUSANNE (Bild: Freshfocus)
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Fussball Super LeagueFC St. Gallen - FC Lausanne-Sport (Bild: Michel Canonica)



Ende der Zehnerliga in Sicht
Nachzutragen ist an dieser Stelle die Diskussion um die Langeweile der Liga, die ja den FC St.Gallen ebenfalls betrifft. Wobei: So monoton verläuft die Meisterschaft gar nicht, wenn man den Kampf um den Titel einmal ausblendet. Mit einer Aufstockung der Super League und neuer Formel soll der Titelkampf wieder prickelnder werden. Just das ist auf diese Weise nicht oder nur unbefriedigend zu erreichen. Mit einem Playoff oder einer Punktehalbierung während der Meisterschaft ist der FC Basel kaum oder eben nur auf unsportliche Art in die Schranken zu weisen. Für ein KO-System haben wir ja den Schweizer Cup.

Aber es gibt viele andere Gründe, um die Zehnerliga nun aufzulösen, Gründe, die nun endlich auch einmal genannt worden sind. Denn die Zehnerliga war im Grunde von Beginn an eine Fehlkonstruktion, welche ganze Landesteile vom Spitzenfussball abschnitt und manche Vereine in selbstzerstörerische Finanzabenteuer stürzen liess. Als einziges Argument blieb der steigende Zuschauerdurchschnitt in der höchsten Klasse – auch das aber eine Augenwischerei. Mehr Fans kamen nur deshalb in die Stadien, weil moderne Arenen mit grösserem Fassungsvermögen gebaut wurden und nicht weil die Zehnerliga mit den stets gleichen Begegnungen so attraktiv gewesen wäre. Vom erhöhten Komfort machten vor allem die Anhänger in Basel, Bern und St.Gallen Gebrauch. Doch in Genf und Neuenburg lockte der Anreiz eines neuen Stadions kaum mehr Fans zu den Heimspielen.

Mehr Zuschauer wegen Arenen
Die unterschiedliche Entwicklung lässt sich einfach belegen. Der FC St.Gallen stellte sogar in der Challenge League in der ersten Arena-Saison mit einem Zuschauerdurchschnitt von 12'470 einen einmaligen Rekord für diese Spielklasse auf. Der FC Zürich kommt dort in dieser Saison auf 9638 Fans pro Spiel. Auch beachtlich, aber eben... In der Super League ist der FC St.Gallen von über 14'000 Fans pro Match inzwischen auf den Tiefstwert von 11'874 abgesunken. In der letzten Saison im Espenmoos mit dem Abstieg kamen offiziell 10'022 Zuschauer zu jedem Match.

Oder nehmen wir die Grasshoppers, einen der traditionsreichsten Vereine des Landes. Er verbesserte noch im alten Hardturm beim Start der Zehnerliga 2003/04 den Schnitt um 600 auf 8087 Zuschauer. Doch schon eine Saison später lag man unter dem Zuspruch der letzten Spielzeit in der Zwölferliga. In dieser kommen aktuell zu den Heimspielen der Hoppers gerade noch 4730 Anhänger trotz erfolgreicher Saison 2015/16. Ironischerweise fehlen ihnen für einen besseren Wert just die Derbys gegen den FC Zürich, der durch den Rost der Mini-Liga Super League gefallen ist.

14-er Liga plus Finalrunde
Sollten sich die Klubverantwortlichen tatsächlich für eine Erhöhung und einen neuen Modus entscheiden, werden natürlich viele Ideen vorgebracht. Einer Sache muss man sich bewusst sein: Die perfekte Lösung gibt es nicht, aber viele, die besser sind als die jetzige.

Mein Vorschlag:Zwei analoge Ligen – nennen wir sie doch einfach wieder Nationalliga A und Nationalliga B – mit wie einst (nur ein schöner Nebeneffekt) je 14 Teams. Zeitgemäss wäre es dann auch noch, gegen Saisonende eine Finalrunde hinzuzufügen mit sieben Mannschaften oben, die um die Europa-League kämpfen, und sieben Teams unten, die sich gegen den Abstieg wehren. Je zwei Auf- und Absteiger würden die höchsten Ligen durchlässiger machen, als sie jetzt sind. Das ergäbe total 38 Spiele pro Mannschaft (wie in den Topligen Spanien, England und Italien) und zwei mehr als bisher. Kein Problem: Erstens sind im Frühjahr die Schweizer europäisch nicht mehr engagiert, und zweitens wollen die Spieler bekanntlich lieber spielen als trainieren. Bitte keine Punktehalbierung, wir wollen schliesslich die Besten der Saison ermitteln und nicht wie im Eishockey bloss eine Momentaufnahme von zwei Monaten haben. Und bitte die Finalrunde in den Wonnemonaten April, Mai und allenfalls Juni durchführen und nicht schon nach der Winterpause wie einst in der Zwölferliga – damit die Teilnehmer, welche die Top sieben verpassen, sich nicht ein halbes Jahr lang als deklassiert vorkommen.

Alles klar? Natürlich ist das Problem der ungeraden Zahl in den Finalrunden zu lösen: Jede Mannschaft müsste in Hin- und Rückrunde je einmal pausieren. Selbstverständlich könnte nach 26 Runden auch ein Schnitt beim Acht- oder Sechsplatzierten gemacht werden. Wie auch immer: Es gibt viele Möglichkeiten, dass im Schweizer Fussball wieder mehr Frühlingsgefühle statt Untergangsstimmung aufkommen.

Aufgefallen

Wenn über ein Fussballspiel diskutiert wird, sind oft nicht nur die Meinungen unterschiedlich, sondern häufig fallen dem einen Dinge auf, die andern verborgen geblieben sind – und umgekehrt. Am Sonntag haben mir folgende St.Galler in der Erinnerung einen Abdruck hinterlassen: Silvan Hefti mit seiner Gewandtheit und Sicherheit in den Zweikämpfen, sofern er in diese hineinkommt. Nzuzi Toko in der ersten Halbzeit mit präzisen Spielverlagerungen über weite Distanz. Unübersehbar für alle war natürlich die Kopfballstärke von Karim Haggui vor dem Tor von Lausanne, beinahe hätte er noch ein zweites Mal getroffen. Ebenso dass Tranquillo Barnetta als zentraler Regisseur oft auch über die Flügelpositionen kommt. Generell ist das Spiel nach vorne variabler geworden, ohne dass die defensive Sicherheit gelitten hätte. Yannis Tafer bereitete just gegen seine frühere Mannschaft den Siegtreffer magistral vor. Vielleicht erhält bald wieder einmal eine Chance in der Startformation.

Am nächsten Samstag bei den Young Boys erwartet die St.Galler eine der schwierigsten Aufgaben überhaupt. Denn die Berner nützen den Heimvorteil des Kunstrasens mit extrem schneller Ballzirkulation und überhaupt sehr attraktivem Fussball – aber sie lassen auch dem Gegner Spielraum. So holte der FC St.Gallen just im Herbst und mitten in der Krise mit einigem Glück (Ausgleich in der 94. Minuten durch Albert Bunjaku zum 2:2) einen Punkt. Und bald werden wir auch wieder erfahren, wie lange die St.Galler im neuen Wankdorf nicht mehr gewonnen haben.

Zuletzt noch die Frage: Hat sich die Verpflichtung von Barnetta nicht nur durch mediale Geräusche, sondern auch beim Zuschaueraufkommen bemerkbar gemacht? Da gibt es einen interessanten Vergleich: Am 20. November waren zum Heimspiel gegen Lausanne (nach einem Remis und einem Auswärtssieg) nur 10'917 Fans erschienen, am Sonntag nun waren es trotz direkter Konkurrenz durch die Abfahrts-WM immerhin 12'503. Jetzt aber ist Schluss mit dem Barnetta-Hype. Ganz sicher... (th)