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Gegentribüne: FC St.Gallen mit ein paar Funken Hoffnung und altem Ärgernis bei stehenden Bällen

1.-Augustfeuer sind in diesem Jahr an den meisten Orten verboten. Stattdessen hat der FC St.Gallen schon einige Funken Hoffnung versprüht, die bei den Anhängern ein euphorisierendes Feuer entfachen könnten. Dabei gilt es, eine notorische Schwäche auszumerzen.
Fredi Kurth
Zwei Spiele, zwei Tore: St.Gallens Verteidiger Silvan Hefti (Mitte) offenbart ungeahnte Qualitäten als Goalgetter. (Bild: Ralph Ribi)

Zwei Spiele, zwei Tore: St.Gallens Verteidiger Silvan Hefti (Mitte) offenbart ungeahnte Qualitäten als Goalgetter. (Bild: Ralph Ribi)

Nun hat es nach zwei Siegen zum ersten Mal nicht geklappt. Dabei erzielte der FC St.Gallen gegen Sion ein Chancenplus von 9:6 (5:2) im Vergleich zu den sich ausgeglichen präsentierenden Möglichkeiten in Basel und gegen Sarpsborg in Unterzahl. Es war auch nicht so, dass das System Zeidler, zumindest bis zum Anschlusstreffer durch Silvan Hefti, nicht funktionierte hätte. Nicht dass ein Abwehrspieler zur Notbremse greifen musste. Nicht dass in der ersten Halbzeit die St.Galler bei Kontern der Gäste auch nur einmal ausgespielt worden wären. Was St.Gallen bald einmal mit zwei Freistoss-Toren in Rückstand brachte, war eine alte Schwäche bei stehenden Bällen.

Auch gegen Sarpsborg flog mancher Eckball ungehindert durch den St.Galler Strafraum. Und das Gegentor: Natürlich ein Freistoss. Heutzutage, da die Tore mehrheitlich nach Standards erzielt werden, fällt dieser Mangel besonders ins Gewicht, kommt der FC St.Gallen langfristig so auf keinen grün-weissen Zweig.

Gebt ihnen den Videobeweis

Ein zweikampfstarkes Sion, mit lange Zeit ähnlicher Taktik wie die St.Galler, kam bezeichnenderweise erst nach knapp einer Stunde zu einer Möglichkeit aus dem Spiel heraus und verwertete auch den dritten Freistoss durch Grgic magistral. In der 79. Minute wehrte St.Gallen erstmals eine Freistossflanke des Gegners erfolgreich ab. Bravo.

Natürlich, Zeidlers Leute kämpften auch unglücklich. Der zuerst gegebene Penalty und dann vom Linienrichter schlecht beratene Schiedsrichter – das war wieder einmal ein typisches Zeichen für das höchst durchschnittliche Niveau der Schweizer Spielleiter, denen die Videotechnik VAT möglichst bald zu gönnen wäre. Ohne sie erlebte Ref Jaccottet genau das Gegenteil: Er lässt sich einen richtigen Entscheid umstossen.

Dereck Kutesa: Note 3.5. Physisch präsent, aber mit weniger Power als in den Spielen zuvor. Ungewohnt viele Ballverluste.
Nicolas Lüchinger: Note 3. Durch seinen Offensivdrang fehlt er hinten zu oft. Sion kommt immer wieder über seine Seite.
Jordi Quintilla: Note 3.5. Blasser Auftritt des Argentiniers. Fein am Ball, aber gegen robuste Sittener zu wenig präsent.
Vincent Sierro: Note 3.5. Zuerst im halblinken Mittelfeld. Nach der Pause vor der Abwehr, wo er besser zur Geltung kam.
Yannis Tafer: Note 4. Läuft und kämpft mehr als auch schon. Bereitet das 1:2 per Freistoss vor.
Milan Vilotic: Note 3. Müsste die Lufthoheit im eigenen Strafraum haben. Verliert aber die entscheidenden Zweikämpfe.
Andreas Wittwer: Note 3.5. Über seine linke Seite kommt Sion seltener durch. Dennoch keiner, der dem Gegner Angst macht.
Dejan Stojanovic: Note 3. Vier Gegentreffer, sonst selten geprüft. Könnte er bei den Freistössen vor den Gegentoren rauslaufen und klären?
Marco Aratore: Note 3. Kommt nach 64 Minuten für Kutesa. Ein Abschluss, bringt aber nicht den erhofften Schwung.
Majeed Ashimeru: Note 4. Deutlich agiler und robuster als Quintillà, den er nach der Pause ersetzt.
Nassim Ben Khalifa: Note 4. Sehr auffällig in der ersten Halbzeit, hilft auch defensiv aus. Im zweiten Umgang abgetaucht.
Roman Buess: Kommt acht Minuten vor dem Ende. Zu kurz für eine Benotung.
Silvan Hefti: Note 3.5. Bügelt öfters Fehler aus und erzielt das erste St. Galler Tor. Aber vier Gegentore sprechen nicht für den Abwehrchef.
Cedric Itten: Note 4. Ein Pfostenkopfball (28.) und ein Tor in der Schlussminute. Kriegt zu wenig brauchbare Bälle.
14 Bilder

Kein Spieler kommt über eine vier hinaus: Die Noten der FCSG-Spieler gegen Sion

Torjäger Hefti, Stürmer Lüchinger

Insgesamt hat sich die Saison für St.Gallen gut angelassen, wenn auch mit überraschendem Ausgang. Ein Sieg in Basel schien weniger möglich zu sein als einer gegen Sion. Die «Handschrift» des Trainers war von erster Minute an zu erkennen. Vorbildlich, wie er mit der Doppelbelastung Super League/Europa League umgeht statt sie zu beklagen. Just im komplett neuen Mittelfeld hat Zeidler bisher am wenigsten rotiert.

Aber auch die bisherigen Akteure zeigen erfreuliche Ansätze, Silvan Hefti nun mit seinen ersten Treffern im St.Galler Dress sogar Torjägerqualitäten. Enorm wie sich Tafer nach langen Verletzungsfolgen zurückgemeldet hat und läuferisch brilliert. Erfrischend der Vorwärtsdrang von Lüchinger; Aussenbahnspieler, die bis hinter die gegnerische Abwehrlinie gelangen können, sind eine Seltenheit.

Sarpsborg heimstark

Mit zehn Mann in der Europa League einen 0:1-Rückstand zu wenden, das spricht für mentale und fussballerische Qualität des FC St. Gallen und ein wenig gegen die Klasse der norwegischen Mannschaft, die wie eine Champions-League-Mannschaft begann und wie ein Challenge-League-Team aufhörte.Auf welche Seite Sarpsborg am nächsten Donnerstag tendieren wird, bleibt abzuwarten.

Die norwegische Eliteserien nimmt nach einer vierwöchigen Sommerpause erst nach dem Rückspiel die Meisterschaft wieder auf. Vielleicht hatte die Mannschaft die Reise in die Schweiz auch ein wenig als Ferienausflug geplant. Sie reiste früher als üblich an und genoss am Mittwochnachmittag noch Badefreuden in Horn. Zu den gewichtigeren Fakten: Der aktuelle Tabellensechste hat 17 seiner 26 Punkte daheim gewonnen.

Einige St.Galler Fans werden zum Rückspiel reisen. Einer von ihnen fragte am Donnerstag einen norwegischen Fan, wie man denn von Oslo nach Sarpsborg gelange. «Am besten mit dem Pferd», antwortete er und löste im Extrabus Erheiterung aus. Für die 90-Autobahn-Kilometer müsste das 1-PS-Fortbewegungsmittel mit einiger Ausdauer ausgestattet sein, nehme ich mal als Reitsport-Laie an.

Aufgefallen

Mit einem Gutschein für ein Gratisgetränk hat die Cateringfirma am Sonntag den Missmut über die falsche Planung am Donnerstag etwas abgedämpft und den Angestellten wohl manchen bösen Spruch erspart. Ziemlich genau vor zehn Jahren, als der FC St.Gallen gegen Bayer Leverkusen mit Barnetta das erste Spiel in der neuen Arena austrug, herrschte noch grösseres Chaos, das damals primär das Ticketing betraf. Man hatte mit maximal 3000 Zuschauern gerechnet, doch es erschienen über 6000, wie gegen Sarpsborg.

Am vergangenen Wochenende hatten auch die Österreicher genug von der Sommerpause und starteten in die neue 12er-Liga, mit Final- und Abstiegsrunde in den Monaten April und Mai. Für den Fussball jenseits des Rheins interessieren sich hierzulande zwar nur wenige Menschen. Ich schätze aber die Möglichkeit, ab und zu Spiele einer andern nationalen Liga an Ort und Stelle verfolgen zu können.

Meine Reise zu den Spielen des SCR Altach dauert ungefähr gleich lang wie zu den Partien im Kybunpark: eine halbe Stunde. So wie in der Schweiz vor allem in der Romandie und im Tessin haben auch in Österreich manche Traditionsvereine unter der kleinen Zehnerliga gelitten. Innsbruck und Linz waren jahrelang vom Spitzenfussball abgeschnitten. Der Grazer AK ging Konkurs und spielt als neugegründeter GAC zurzeit drittklassig. Und in Klagenfurt steht das Wörthersee-Stadion mit einem Fassungsvermögen von 32'000 Zuschauern bei Spielen der zweitklassigen Austria ziemlich leer da. Einen neuen Modus wünschten sich viele auch für die Super- und Challenge League, doch der Berg einer langen Evaluation gebar nur eine Maus. Die wieder eingeführte Barrage dürfte zu mehr Hektik führen (spannend war die Abstiegsentscheidung in vergangenen Jahren fast immer), welche wahrscheinlich nicht zuletzt die Trainer und einige Finanzchefs der Vereine zu spüren bekommen werden.

Die Affäre Mesut Özil hat sich zur Staatsaffäre und Grundsatzdebatte über die Behandlung von Migranten ausgeweitet. Im „Kicker“ vom 11. Juli entdeckte ich in einem Kommentar eine kaum beachtete Feststellung: „Auch in den Jahren 2011, 2012 und 2016 entstanden Fotos mit Özil und Erdogan. Und in jedem dieser Jahre wurde Özil von den deutschen Fans zum Nationalspieler des Jahres gewählt. Überhaupt wurde keiner öfter gewählt. Er gewann auch noch 2013 und 2015. Das rechtfertigt kein Foto und kein Schweigen. Aber es lässt erahnen, wie schwer es ihm fällt, die unterschiedlichen Reaktionen richtig einzuordnen.“ Es ist offensichtlich, bei wem die Ursache für den Fall Özil liegt. Hätte ein deutscher Internationaler mit französischer Abstammung für Macron posiert, wäre die Empörung wenn überhaupt minim gewesen. (th)

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