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Kolumne

Gegentribüne: Der FC St.Gallen im Schweizer Cup – dasselbe Lied, die alten Strophen

«S’isch jo nu ä chliises Träumli gsii»: Dieser Evergreen begleitet den FC St.Gallen auch durch diese Saison. Im Cup will es schon seit Jahren nicht so richtig klappen. Winterthur war so früh wie kaum je zuvor Endstation.
Fredi Kurth
Kann sich jetzt ganz auf die Meisterschaft konzentrieren: FCSG-Stürmer Cedric Itten. (Bild: Keystone)

Kann sich jetzt ganz auf die Meisterschaft konzentrieren: FCSG-Stürmer Cedric Itten. (Bild: Keystone)

Was den Schweizer Klubs sonst in internationalen Wettbewerben widerfährt, erlebt der FC St.Gallen nun bereits zum fünften Mal hintereinander in der nationalen Cup-Konkurrenz: Er ist im Frühjahr nicht mehr mit von der Partie. Das letzte Mal gelang dies 2014/15, als St.Gallen daheim gegen Basel vor 16'690 Zuschauern in der Arena 1:3 verlor. Es war bereits April. Und noch nie seit der Einführung der Super League sind im Cup die Espenblätter so früh vom Baum gefallen.

Unser Mann auf der Gegentribüne: Fredi Kurth. (Bild: Urs Jaudas)

Unser Mann auf der Gegentribüne: Fredi Kurth. (Bild: Urs Jaudas)

Denn die beiden grössten Blamagen der jüngeren Cup-Geschichte, gegen Küssnacht am Rigi und Gossau, ereigneten sich im Oktober. Der Heimniederlage daheim gegen Gossau, das auf den Heimvorteil verzichtet hatte, folgte danach der Abstieg 2008 via Barrage gegen Bellinzona.

Annäherung von Challenge League und Super League

So schwarz wollen wir nicht malen. Winterthur war die erwartet harte Nuss, die Umstände ungünstig, die Niederlage vermeidbar. Auch der Sieg der Grasshoppers gegen Servette hat bewiesen, dass die Challenge League in den vergangenen Jahren der Super League näher gekommen ist. Hinauf bis Rang drei der Schweizer Eliteliga besteht kein grosser Unterschied mehr. Wobei die Annäherung auch von der andern Seite her erfolgt ist. Die nun zur Diskussion stehende Aufstockung (siehe «Aufgefallen») auf zwölf Vereine ist angemessen.

Servette-Trainer Alain Geiger hatte schon zu Beginn der Meisterschaft diese «Idee» verbreitet, auch mit dem Hinweis auf den nun wieder häufigeren Lokalcharakter – im Frühjahr lockte das Leman-Derby gegen Lausanne 20 055 Zuschauer an, in der Challenge League wohlgemerkt.

Auch die 8000 vom Freitag im Ostschweizer Derby auf der altehrwürdigen Schützenwiese bildeten eine tolle, zukunftsweisende Kulisse. Winterthur stünde der Super League gut an, ein Kultverein, der nicht jeden modischen Schnickschnack nachäfft.

Rote Karte war gerechtfertigt

Die ungünstigen Umstände betrafen den Platzverweis von Torhüter Jonathan Klinsmann. Nach meiner Auffassung ein korrekter Entscheid von Nikolaj Hänni. Ausschlaggebend war nicht, ob eine Berührung erfolgt ist, sondern wie die Attacke des St.Galler Torhüters auf den ballführenden Roman Buess gewirkt hat, nämlich tatsächlich wie ein Foul, vergleichbar mit den Penaltysituationen, in denen die St.Galler Axel Bakayoko im Heimspiel gegen Luzern und Jérémy Guillemenot in Basel verwickelt waren.

Auch hier waren die Elfmeterpfiffe ohne eindeutig festzustellende Berührung richtig (auch wenn sich der Ref im ersten Fall vom VAR umstimmen liess). Hänni hatte wahrscheinlich bessere Sicht als alle Kameraobjektive. Hätte sich die Aktion im Strafraum ereignet, hätte es Elfmeter, aber keine rote Karte geben, weil die doppelte Bestrafung durch Notbremse nicht mehr praktiziert wird.

Dejan Stojanovic: Note 2. Muss für Klinsmann nach etwa einer halben Stunde übernehmen. Und lässt in der 48. Minute einen harmlosen Schlenzer von Anas passieren.Dejan Stojanovic: Note 2. Muss für Klinsmann nach etwa einer halben Stunde übernehmen. Und lässt in der 48. Minute einen harmlosen Schlenzer von Anas passieren.
Milan Vilotic: Note 3,5. Hebt das Abseits vor der roten Karte auf, ist nicht immer auf der Höhe und noch nicht der Vilotic der vergangenen Rückrunde. Am Schluss mit zwei Grosschancen.Milan Vilotic: Note 3,5. Hebt das Abseits vor der roten Karte auf, ist nicht immer auf der Höhe und noch nicht der Vilotic der vergangenen Rückrunde. Am Schluss mit zwei Grosschancen.
Silvan Hefti: Note 3,5. Zwei, drei gute Läufe. Hat aber ein paar Stellungsfehler, wie beim Gegentreffer zum 0:1 Silvan Hefti: Note 3,5. Zwei, drei gute Läufe. Hat aber ein paar Stellungsfehler, wie beim Gegentreffer zum 0:1
Leonidas Stergiou: Note 4. Lässt sich in der 20. Minute gar zu leicht ausdribbeln, ansonsten stabil und kopfballsicher. Leonidas Stergiou: Note 4. Lässt sich in der 20. Minute gar zu leicht ausdribbeln, ansonsten stabil und kopfballsicher.
Victor Ruiz: Note 3,5. Wirkt über weite Strecken agil und kämpferisch, manchmal aber etwas eigensinnig.Victor Ruiz: Note 3,5. Wirkt über weite Strecken agil und kämpferisch, manchmal aber etwas eigensinnig.
Lukas Görtler: Note 4,5. Trifft kurz vor der Pause die Latte, auch ansonsten mit guten Szenen, auch als Vorkämpfer. Lukas Görtler: Note 4,5. Trifft kurz vor der Pause die Latte, auch ansonsten mit guten Szenen, auch als Vorkämpfer.
Jordi Quintillà: Note 3,5. Tritt wenig in Erscheinung. Von ihm müsste spielerisch bedeutend mehr kommen. Jordi Quintillà: Note 3,5. Tritt wenig in Erscheinung. Von ihm müsste spielerisch bedeutend mehr kommen.
Boris Babic: Note 3,5. Wird in der 63. Minute eingewechselt und verzeichnet zwei ungefährliche Abschlüsse. Boris Babic: Note 3,5. Wird in der 63. Minute eingewechselt und verzeichnet zwei ungefährliche Abschlüsse.
Cedric Itten: Note 4. Sehr bemüht, aber glücklos, weil er oft isoliert ist. Vergibt in der zweiten Halbzeit eine Grosschance zum 1:1 und hat Pech, als er Spiegel mit einem Schuss zur Glanztat zwingt.Cedric Itten: Note 4. Sehr bemüht, aber glücklos, weil er oft isoliert ist. Vergibt in der zweiten Halbzeit eine Grosschance zum 1:1 und hat Pech, als er Spiegel mit einem Schuss zur Glanztat zwingt.
Vincent Rüfli: Note 3,5. Ein Stolperer im eigenen Sechzehner. Beim Gegentor wirkt er unbeholfen, sonst okay. Vincent Rüfli: Note 3,5. Ein Stolperer im eigenen Sechzehner. Beim Gegentor wirkt er unbeholfen, sonst okay.
Moreno Costanzo: Note 3,5. Versucht viel, ein schöner Schlenzer zu Beginn. Kann das Spiel nicht wie erhofft prägen und muss in der 62. Minute raus.Moreno Costanzo: Note 3,5. Versucht viel, ein schöner Schlenzer zu Beginn. Kann das Spiel nicht wie erhofft prägen und muss in der 62. Minute raus.
Jérémy Guillemenot: Note 3,5. Zwei gefährliche Abschlüsse. Muss in der 32. Minute für Stojanovic weichen – und verreisst sich deshalb das Leibchen. Jérémy Guillemenot: Note 3,5. Zwei gefährliche Abschlüsse. Muss in der 32. Minute für Stojanovic weichen – und verreisst sich deshalb das Leibchen.
Jonathan Klinsmann: Note 2. Spielt für Stojanovic. Als Klinsmann in der 31. Minute zu spät herauskommt, sieht er nach der Notbremse an Buess die rote Karte. Allein: Hat der Goalie den Stürmer tatsächlich getroffen? Man weiss es nicht wirklich.Jonathan Klinsmann: Note 2. Spielt für Stojanovic. Als Klinsmann in der 31. Minute zu spät herauskommt, sieht er nach der Notbremse an Buess die rote Karte. Allein: Hat der Goalie den Stürmer tatsächlich getroffen? Man weiss es nicht wirklich.
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Durchschnitt ungenügend: Die Noten der FCSG-Spieler nach der Cup-Pleite gegen Winterthur – Bestnote 4,5 für Lukas Görtler

Schliesslich fehlte es in Unterzahl auch an der Effizienz im Abschluss. St.Gallen hätte sich sonst mindestens in die Verlängerung retten können.

Zu häufig in Rückstand

Es wäre allerdings unklug, nun einfach zur Tagesordnung überzugehen. Denn die entscheidende Szene mit dem Platzverweis war durchaus symptomatisch für die Auftritte des FC St.Gallen in dieser Saison. Viermal in sechs Super League Spielen geriet St.Gallen 0:1 in Rückstand und fast immer auf dieselbe Weise: Die Mannschaft war hinten nicht bereit, wurde einfach überrumpelt. Auch hier das längst bekannte Déja-vu.

Mehr Routine eingebaut

Nicht bezahlt gemacht hat sich somit der Versuch von Trainer Peter Zeidler, mit dem Einbau von Milan Vilotic und Moreno Costanzo in die Startelf der Mannschaft mehr Routine einzuflössen. Ihn als gescheitert zu betrachten, wäre aber falsch. Das braucht auch ein bisschen Zeit. Die englische Woche ab nächstem Samstag mit Servette (h), Sion (a) und Thun (h) wird vielleicht Aufschluss geben, ob Constanzo auch tatsächlich zu mehr Konstanz verhelfen kann.

Einstweilen können wir uns mit dem Evergreen der Boss Buebe trösten. Die erwachten ähnlich abrupt aus ihrem Träumli:

Gosch mol mit dim liebä Schatz

go bummle übers Land

zum Bänkli uf äm grüene Platz

ganz nöch bim Waldesrand

do woschem no es Chüssli geh

wills Schätzli da gärn het.

Do isch äs plötzli nümä do und du lisch wach im Bett.

Aufgefallen

(th) Der wichtigste Vorfall in der Herbstpause des FC St.Gallen war der Abgang von Dereck Kutesa. Er zeigte das Dilemma auf, in dem Vereine von solcher Rangordnung stecken. Der Schweizer U-21-Internationale hatte in der Vorbereitung nochmals alle Register gezogen. Die Gegner waren prominent, Celtic Glasgow, Sporting Lissabon, Borussia Dortmund. Und Bochums Trainer Robin Dutt (hat sich inzwischen dort verabschiedet) kam beim Testmatch in St.Margrethen aus dem Staunen nicht heraus: «Was habt ihr denn da für einen exzellenten Ausnahmekönner in euren Reihen?», fragte er Peter Zeidler.

Es dauerte nicht lange, da aus Ligue 1 Stade Reims sein Interesse ankündigte. Da war es um Kutesa geschehen. Er hatte nur noch dieses Angebot im Kopf, und St.Gallen musste ihn wohl oder übel ziehen lassen. 1,7 Millionen Euro soll gemäss «Transfermarkt» die Ablösesumme betragen haben. 2,5 Millionen soll der FC Luzern für Ruben Vargas erhalten haben, der in der Bundesliga rasch eingeschlagen hat. Das sind Beträge unter dem Niveau, das aufgrund der Entwicklungsmöglichkeiten der beiden Spieler erwartet werden kann. Aber um zweistellige Summen zu erzielen, wie dies Basel oder den Young Boys gelingt, müssten solche Spieler regelmässig auf hoher europäischer Ebene, Champions oder Europa League Gruppenphase, präsentiert werden können. Ein solcher Sprung wäre aber nur möglich, wenn diese ungeschliffenen Diamanten gehalten werden könnten und nicht immer wieder verkauft werden müssten...

Der Vorschlag zur Aufstockung der Super League, über die noch diesen Herbst befunden werden soll, hat wie erwartet nicht überall Anklang gefunden. Allerdings scheint die Opposition gering zu sein. Aufgefallen ist mir nur der Einwand des Präsidenten des FC Thun, der im Falle einer Teilnahme an der Abstiegsrunde die beiden Heimspiele gegen Young Boys und Basel als Einnahmequelle vermisst. Markus Lüthi scheint zu vergessen, dass mit der Aufstockung auch die Wahrscheinlichkeit eines Abstiegs vermindert wird, der ohne Zweifel den grösseren finanziellen Verlust nach sich ziehen würde.

Die Thuner sind sich ihrer Rolle der Unabsteigbaren offensichtlich sehr gewiss. Über eine Variante liesse sich allerdings diskutieren, nämlich die Rückkehr zur alten Formel mit acht Finalteilnehmern und Auf-/Abstiegsrunde mit den besten vier Teams der ebenfalls auf 12 erhöhten Challenge League. Dann bliebe wenigsten die alte Anzahl von 36 statt nur noch 32 Spielen pro Team erhalten. Und der Kampf um die acht Finalplätze wäre etwas weniger hektisch. Das entspräche dann den acht Plätzen, mit denen jetzt schon Barrage und Abstieg vermieden wird. Wie auch immer – beide Varianten einer Zwölferliga sind besser als die aktuelle Zehnerliga.

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