Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

GEGENTRIBÜNE: FC St.Gallen - der Spezialist für billige Siege

Der glückhafte Erfolg des FC St.Gallen bei den Grasshoppers lässt sich in eine Reihe von ähnlichen Erfolgen einfügen, die den Espen immer wieder mal zugeflogen sind. Diesmal hatte der Sieg aber auch mit Klasse zu tun.
Fredi Kurth
Sie haben allen Grund zur Freude: St.Gallen-Präsident Matthias Hüppi (rechts) und Sportchef Alain Sutter beim Auswärtsspiel gegen GC im Letzigrund. (Bild: WALTER BIERI (KEYSTONE))

Sie haben allen Grund zur Freude: St.Gallen-Präsident Matthias Hüppi (rechts) und Sportchef Alain Sutter beim Auswärtsspiel gegen GC im Letzigrund. (Bild: WALTER BIERI (KEYSTONE))

Es war nicht zum Zusehen. Der FC St.Gallen war innerhalb einer Woche in Zeiten zurückgefallen, die er hinter sich zu haben schien. Der geneigte Anhänger fühlte sich im Auswärtsspiel bei den Zürcher Grasshoppers allerdings auch wieder an Partien erinnert, in denen seine Mannschaft ebenfalls entgegen dem Geschehen plötzlich als Sieger dastand. Oder in denen die Punkte den Paraden von Goalie Daniel Lopar zu verdanken waren.

Nassim Ben Khalifa: Note 5. Der Stürmer war lange nicht gut im Spiel, ehe ihm in der Nachspielzeit abgeklärt das 2:1 gelingt. (Bild: pd)
Dejan Stojanovic: Note 5. Hält sein Team nach der Pause mit zwei guten Interventionen im Spiel. Verletzt sich in der 62. Minute. (Bild: pd)
Silvan Hefti: Note 4,5. Eine solide Leistung des 20-Jährigen. Offensiv setzt er aber, wie viele Kollegen, kaum Akzente. (Bild: pd)
Alain Wiss: Note 5. Der Zentralschweizer ist einer der besten St. Galler. Stark im Kopfball und mit gutem Stellungsspiel. (Bild: pd)
Yrondu Musavu-King: Note 4,5. Bügelt seinen Fehler, mit dem er den Penalty verschuldet, mit dem Tor zum 1:1 wieder aus. (Bild: pd)
Runar Sigurjonsson: Note 4. In der ersten Halbzeit ein solides Spiel, taucht dann aber nach der Pause ab. (Bild: pd)
Marco Aratore: Note 4. Ihm unterlaufen vor allem im Spielaufbau ungewohnt viele Fehler. Defensiv aber tadellos. (Bild: pd)
Nzuzi Toko: Note 5,5. Er treibt seine Teamkollegen nach dem 1:1 an, mehr zu tun. Bereitet beide Tore vor. Zweikampfstark. (Bild: pd)
Stjepan Kukuruzovic: Note 4. Er kann deutlich mehr. Im Letzigrund gelingt es ihm nicht, Akzente zu setzen. (Bild: pd)
Andreas Wittwer: Note 4. Sein Gegenspieler Jeffrén ist oft zu schnell für ihn. Aber kämpferisch ist Wittwer top. (Bild: pd)
Roman Buess: Note 4. Wie immer unglaublich mannschaftsdienlich. Hätte aber aus der einen oder anderen Situation mehr machen müssen. (Bild: pd)
Peter Tschernegg: Note 4,5. Kommt in der 59. Minute für Kukuruzovic. Hilft Toko, das Spiel anzukurbeln. (Bild: pd)
Daniel Lopar: Note 4. Er kommt in der 62. Minute für den verletzten Stojanovic. Beim Penalty ohne Abwehrchance. (Bild: pd)
Cedric Itten: Note -. Der Basler kommt in der 81. Minute. Zu kurz für eine Benotung. (Bild: pd)
14 Bilder

Coup gegen GC: Die Noten der St.Gallen-Spieler

Schon früh in dieser Saison gewann St.Gallen in Lugano - ein Unentschieden hätte dem Spielverlauf eher entsprochen. Das wahre Glück aber bestand darin, dass es sich um die Neuansetzung einer Begegnung handelte, in der St.Gallen nur durch einen Gewittersturm und den Spielabbruch vor einer Pleite gerettet worden war. Im Grunde konnte sich die Mannschaft auch beim 2:0 in Basel bei Fortuna bedanken, nachdem der Platzklub in der ersten Halbzeit einen Penalty verschossen hatte. Nur waren die Kritiker damals milde gestimmt, weil der Gegner eben Basel geheissen hatte.

Spontan kommt mir zudem noch ein Auswärtserfolg im Herbst 2016 in den Sinn, bei dem Thun in der ersten halben Stunde viermal an die Torumrandung des FC St.Gallen schoss. Oder ein Sieg in Sion mit den erwähnten Glanztaten Lopars.

Vielleicht war das mit dem Penalty gar nicht so eine schlechte Sache: Harter Zweikampf zwischen Grasshopper Marko Basic und Penalty-Verursacher Yroundu Musavu-King. Erst der Penalty-Schock konnte die Espen aus dem Tiefschlaf wecken. (Bild: Freshfocus)
Sportchef Mathias Walther, der bis auf Weiteres für den entlassenen Murat Yakin an der Seitenlinie steht, erlebte einen nervenaufreibenden Super-League-Einstand. Er sah 75 gute Minuten seiner Mannschaft, die mit dem 1:0 belohnt wurden. Und dann hatte er sehr, sehr viel Pech. (Bild: Freshfocus)
Der Grasshopper Marko Basic gegen Runar Mar Sigurjonsson im Zweikampf. (Bild: Freshfocus)
Kampf mit harten Bandagen: Grasshopper Emil Bergström gegen Nassim Ben Khalifa. (Bild: Freshfocus)
Sein Team ist wieder auf der Siegesstrasse: Trainer Giorgio Contini darf sich freuen. (Bild: Freshfocus)
Der St.Galler Andreas Wittwer versucht sich mit unfairen Mitteln gegen Jeffren den Ball zu ergattern. (Bild: Freshfocus)
Freude herrscht beim dynamischen Duo: Sportchef Alain Sutter und Präsident Matthias Hüppi umarmen sich. (Bild: Freshfocus)
Der St.Galler Roman Buess und sein Rivale Jean-Pierre Rhyner "umarmen" sich. (Bild: Freshfocus)
Andreas Wittwer versucht sich gegen die Grasshopper Marko Basic und Gjelbrim Taipi zu behaupten. (Bild: Freshfocus)
St.Galler Torhüter Dejan Stojanovic muss das Spielfeld aufgrund einer Verletzung verlassen. (Bild: Freshfocus)
Marco Aratore stellt sich mit einer Grätsche Lucas Andersen in den Weg. (Bild: Freshfocus)
Grasshopper Marko Basic muss verletzt vom Platz. (Bild: Freshfocus)
Grasshopper Interimstrainer Mathias Walther beschwichtigt seinen Schützling, Marko Basic, der verletzt das Spielfeld verlassen muss. (Bild: Freshfocus)
Das Strahlen des "komplett grün-weissen" Sportchefs, Alain Sutter, ist fast ansteckend. (Bild: Freshfocus)
GC-CEO Manuel Huber sieht sich das Spiel zusammen mit Präsident Stephan Anliker und Heinz Spross von der Tribüne aus an. (Bild: Freshfocus)
15 Bilder

2:1-Sieg für die Espen gegen GC

Unbeholfenheit hier und dort

Gegen die Grasshoppers bestand der hauptsächliche Unterschied nicht im spielerischen, sondern im muskulären Bereich. Die St.Galler fanden lange Zeit kein Rezept gegen das Mittelfeld-Pressing der Grasshoppers und verloren dort die meisten Zweikämpfe. Dieser Unbeholfenheit stand allerdings eine nicht minder gravierende Unzulänglichkeit der Zürcher gegenüber - jene nämlich, die guten Ansätze nicht in vielversprechende Abschlüsse umsetzen zu können.

Ich war denn auch gespannt auf die "vielen guten Chancen", die das Schweizer Fernsehen in der Zusammenfassung präsentieren würde. In der ersten Halbzeit gab es nämlich keine. Danach waren folgende Aktionen zu registrieren: der Pfostenschuss des eminent gefährlichen Jeffrén; ein von ihm vermasselter Solovorstoss; das von ihm erzielte Elfmetertor; und auf St.Galler Seite drei Grosschancen, von denen zwei verwertet wurden. Das war’s dann auch schon.


Wenig Torszenen, viel Langeweile

Im Grunde war die Partie zwischen GC und dem FCSG nicht typisch für ein Spiel der Espen, sondern für eins der Grasshoppers: wenig Torszenen und viel Langeweile in der ersten Halbzeit. Aber die Spieler des Abstiegskandidaten präsentierten sich nach dem Trainerwechsel mit mehr Engagement. Die St.Galler umgekehrt bewiesen Ausdauer und Effizienz. Ein wenig erinnerte die zweite Halbzeit an die erste des Spiels gegen YB, nur dass die St.Galler die Rolle der Berner innehatten, die im Kybunpark bis zur Pause auch nur dreimal gefährlich vor dem St.Galler Tor aufgetaucht waren und zweimal getroffen hatten.

Freilich hatte der zukünftige Meister dann einen grandiosen zweiten Umgang vorzuweisen; St.Gallen war bei GC schon im ersten ungenügend. Ein wenig wurde Giorgio Continis Team in Zürich allerdings auch entschädigt für den weniger glücklichen Verlauf der Auswärtspartie gegen Luzern.

Die Rangliste lügt nicht

Das Resultat kann lügen. Möglich ist, dass St.Gallen am Mittwoch auf dem für die Espen zumeist harten Pflaster Letzigrund gegen den FC Zürich eine bessere Figur abgibt und dennoch verliert. Immerhin: Drei Punkte aus diesen beiden Gastspielen in Zürich sind bereits jetzt eine gute Ausbeute im Hinblick auf den Endspurt.

Die Rangliste hingegen lügt nicht, zumindest nicht nach mehr als drei Vierteln der Meisterschaft. St.Gallen hat im Rückrundenverlauf zwei Tore pro Spiel erzielt und in diesen elf Partien nur einmal, beim 0:2 in Bern, nicht getroffen. Die Stärke liegt nun plötzlich in der Offensive. Die Schwäche manchmal beim Mangel, ebendiese Angriffskraft in Schwung zu bringen.

Aufgefallen

Die Krise bei den Grasshoppers lässt Vergleiche mit der überstandenen Misere beim FC St.Gallen zu. Interessant ist, dass an beiden Orten der Name Yakin eine Rolle spielte und dass eine zweite Gruppe Einfluss nahm auf die Unternehmensführung. In St.Gallen waren es Aussenstehende, die der Gruppe Otero-Blasucci zugeordnet wurden, bei den Zürchern waren es Alteingesessene, die wie Sponsor Heinz Spross oder Ex-Sportchef Erich Vogel zudem finanziellen Druck ausübten und Murat Yakin vergangenen August als neuen Trainer portierten. Präsident Stephan Anliker folgte dann wohl oder übel der Empfehlung. In St.Gallen hätte Präsident Dölf Früh als Mehrheitsaktionär mehr Widerstand leisten können, doch er liess sich von Leuten wie Blasucci einnehmen und stiess damit auf Widerstand im Verwaltungsrat mit Michael Hüppi sowie bei Event-CEO-Pascal Kesseli. Früh blieb stur. Als sich der sportliche und immer mehr auch der wirtschaftliche Niedergang abzeichneten (viele Anhänger weigerten sich im Frühjahr 2017, die neue Dauerkarte zu lösen), suchte er für sich einen Ausweg mit dem gesundheitlich begründeten Rücktritt und setzte eigenmächtig Stefan Hernandez ein. Entscheidend für die Weiterexistenz des FC St.Gallen war, dass Früh, mit Pascal Kesseli als Opfer, seine Aktien an aussenstehende Geldgeber verkaufte, die im Einklang mit der Gruppe um die zurückgetretenen Verwaltungsräte Michael Hüppi und Martin Schönenberger handelten. Der Weg war nun frei für neue Leute wie Matthias Hüppi und Alain Sutter sowie ein klares Konzept. Bei den Grasshoppers gibt es Kritiker, welche Stephan Anliker eine gerade Linie weiterhin nicht zutrauen. Sportlich forcierte Murat Yakin die Krise, indem er sich mit wichtigen Spielern der Mannschaft überwarf und in der Winterpause ohne Not und im Verbund mit Erich Vogel das Team umkrempelte. St.Gallens Trainer Giorgio Contini und die Spieler versicherten hingegen stets, sich von den Unruhen nicht beeinflussen zu lassen und sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren. Das Resultat: St.Gallen überwinterte trotz aller Querelen auf Platz 4.

Das war eine prickelnde Fussballwoche! Sogar die Bundesliga leistete für einmal einen Beitrag, und zwar beim 1:4 von Leipzig gegen Bayer Leverkusen. Und dann erst die Champions League! Die Viertelfinals haben einen möglichen Trend angedeutet: Die reichen Fussballunternehmen Europas bekommen immer mehr Konkurrenz, weil es immer mehr aussergewöhnliche Fussballer gibt, die sich auf andere Vereine verteilen. Sie spielen lieber dort, statt bei Arsenal oder Barcelona in einem riesigen Kader zu verschwinden. Liverpools Salah musste zum Beispiel zuerst bei Chelsea verkannt werden, ehe er über die AS Roma in die Premier League beim FC Liverpool als Star erstrahlte.

Lustiges ereignete sich in der Europa League. Dort schied RB Leipzig in einem ebenfalls denkwürdigen Spiel in Marseille aus, während die Tochtergesellschaft Red Bull Salzburg gegen Lazio Rom phänomenal den Aufstieg in den Halbfinal schaffte. Das ist so, wie wenn Denner an einem Samstag mehr Umsatz erzielte als die Migros. Dm Schweizer Fussball gelang das Kunststück einer Halbfinal-Qualifikation zuletzt 1978, als die Grasshoppers im Uefa-Cup, dem Vorgänger der Europa League, dann aber Bastia unterlag. Österreichs Fussball segelt nun mit vollem Wind in die nächste Saison, die ihm auch noch einen spannenden Fussballmodus mit Aufstockung auf zwölf Vereine beschert. Darüber hinaus hat Österreich in der Fünfjahreswertung der europäischen Klubwettbewerbe die Schweiz überholt, obwohl sich keiner seiner Vereine in den vergangenen Jahren auch nur einmal für die Gruppenphase der Champions League qualifizierte. So deutet die aktuelle Wertung auf eine grössere Breite hin. Der Schweizer Fussball kann demgegenüber auf ein konstanteres Nationalteam, auf die Basler Erfolge in Europas Eliteliga und deutlich mehr Zuschauer in seiner höchsten Spielklasse verweisen. (th)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.