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GEGENTRIBÜNE: FC St.Gallen, deine Präsidenten...

FUSSBALL. An dieser Stelle wurden bereits einmal die Trainer des FC St.Gallen gewogen und für gut oder weniger gut befunden. Da gehört es sich, auch einmal die Präsidenten der vergangenen Jahrzehnte zu würdigen.
Fredi Kurth
Drei Präsidenten, drei Vereinsepochen: Thomas Müller, Dieter Fröhlich und Dölf Früh. (Bild: Archiv/Tagblatt)

Drei Präsidenten, drei Vereinsepochen: Thomas Müller, Dieter Fröhlich und Dölf Früh. (Bild: Archiv/Tagblatt)

Die Weihe erfolgte aus berufenem Munde: Heinz Aeschbacher nannte vergangene Woche Dölf Früh den besten Präsidenten des FC St.Gallen aller Zeiten. Aeschbacher betreut die Gruppe der ehemaligen St.Galler Fussballer - und die haben den Überblick bis in die Vorkriegszeit hinein. So gehört ihr mit Röbi Engler heute noch ein Spieler an, der 1945 in Bern den Cupfinal gegen die Young Boys bestritt. Dolf Früh dementierte beim jährlichen Essen der Ehemaligen zwar postwendend. Aeschbachers Feststellung, ohne ihn würde es den FC St.Gallen heute wahrscheinlich nicht mehr geben, konnte Früh aber kaum Stichhaltiges entgegensetzen.

Dölf Frühs Pendant
Tief in den Annalen ist eine Person zu finden, die eine ähnliche Ausstrahlung und Wirkung hatte wie heute Dölf Früh. Emil Gretler, ein junger Strumpffabrikant, "griff 1917 zu seinem Sparheft und hinterlegte es als Kaution, damit das Hauptfeld erhalten blieb". Im Buch "Ein Jahrhundert FC St.Gallen" ist weiter nachzulesen: "Im Frühjahr 1917 drohte dem Espenmoos grosse Gefahr. Gewisse Instanzen wollten aus dem herrlichen Sportplatz einen Gemüseacker machen." In der Zeit des Ersten Weltkriegs konnte aber nicht verhindert werden, dass auf dem Nebenplatz Ähren aufgelesen wurden und auf dem Hauptplatz Kühe weideten. Gretler war Präsident von 1919 bis 1924 sowie von 1934 bis 1949 und absolvierte damit die mit Abstand längste Amtsperiode seit der Vereinsgründung.

Ohne Team erfolglos
Hier sollen indessen die Präsidenten der Neuzeit gewürdigt werden, die sich fast in jeder Hinsicht stark unterscheidet von dem, was zuvor war. Der FC St.Gallen stieg just mit Kriegsende 1945 in die Nationalliga B ab, 1957 sogar in die 1. Liga. Das Bestreben der damaligen Klubvorstände war es, den ältesten Fussballverein der Schweiz in die höchste Liga zurückzuführen. Der erste Schritt gelang 1965 mit der Rückkehr in die Nationalliga B. "Willi Schönsleben, Fredy Brunner, Walter Eugster, Ruedi Vollmeier und Paul Schärli sahen ihre selbstlose Arbeit endlich belohnt", schreibt Martin Furgler im Jubiläumsbuch. Damit ist angedeutet, dass immer auch Teamarbeit gefragt war und nicht nur das Geschick eines cleveren Präsidenten.

Mit offenem Portemonnaie
Erfolgsversprechend bemühte sich Bauunternehmer Elio Cellere um den nächsten Schritt, den schon drei Jahre später realisierten Aufstieg in die Nationalliga A. Hierfür war erstaunlicherweise bereits ein Mittel nötig, das heute den Spitzenfussball weitgehend beherrscht: Geld. In den Mannschaften der damaligen Zeit tauchten zahlreiche von auswärts verpflichtete Spieler auf wie Ziehmann, Puippe, Sehovic, Meier, Amez-Droz, Grünig, Schüwig oder Renner. Nach dem Aufstieg engagierte man mit Nafzger, Cina, Güggi, Schneeberger, Pfirter, Nasdalla, Weibel, Perusic, Rafreider und Blättler Spieler von nationalem und internationalem Format. Nach einem Abstieg (1970) ging es gleich wieder hoch in die Nationalliga A.

Solides Fundament mit Cellere, Calzavara, Schärli
Celleres Nachfolgern Carlo Calzavara und Paul Schärli gelang es dann, den Verein in der höchsten Spielklasse zu etablieren. Mit Schärli, der insgesamt dreimal Präsident war, schaffte die erste Mannschaft zu Beginn der 1980er Jahre sogar den Sprung auf internationales Niveau. Das Engagement von Trainer Helmuth Johannsen war ein entscheidender Schachzug, ähnlich wie jenes von Albert Sing, der den FC St.Gallen 1969, in einer allerdings nur kurzen Ära, zum einzigen Cupsieg geführt hatte. Oder wie die Verpflichtung von Willy Sommer 1975.

Was Persönlichkeit und Ausstrahlung betrifft, verkörperte Elio Cellere eine Vaterfigur. Er wurde nicht von ungefähr "Vater" Cellere, die 1968/69 erbaute neue Tribüne wurde "Elio-Tribüne" genannt. Carlo Calzavara wirkte nach aussen eher als der ruhige Schaffer im Hintergrund und leitete den Bau einer gedeckten Stehtribüne, den Umbau vom Sportplatz zum Stadion Espenmoos. Paul Schärli, in leitender Funktion bei der "Zürich" und Oberst in einem Luftschutz-Regiment, pflegte einen strikten Führungsstil, nicht zuletzt in Vertragsverhandlungen. Das erleichterte die Aufgabe, die stets knapp dotierte, aber landesweit vorbildlich gesunde Klubkasse liquid zu halten.

Der Sündenfall und der Retter
Ganz am Schluss der Epoche Schärli/Johannsen kam es doch noch zum Sündenfall, als die Klubführung zusammen mit dem FC Zürich "erfolgreich" um den österreichischen Internationalen Walter Hörmann buhlte. Beim Abschied des Duos erhob sich 1986 plötzlich ein Schuldenberg von knapp einer halben Million Franken, der sich im Übergangsjahr mit Nachfolger Paul Schnetzer noch verdoppelte.

1987 betrat nach Cellere und Calzavara wieder ein Bauunternehmer die Präsidentenbühne, und zwar in einer bisher nicht gekannten Form eines Sanierers: Legendär war Sigi Gantenbeins Sparbarometer mit dem Stand der Sammelbemühungen, ebenso sein Geschäftssinn zugunsten des Klubs. Er liess die von ihm beauftragten Firmeninhaber wissen, dass ein paar Prozente der Rechnungssumme in die Kasse des FC St.Gallen fliessen würden. Gantenbein gelang es, die Weiterexistenz zu sichern und den Weg für schönere Zeiten zu ebnen.

Chilenische Show und Schock
Carlo Hidber empfahl sich als klassischer Teamplayer. Seine Crew mit Spielerberater Vinicio Fioranelli im Vorstand ermöglichte die traumhaften chilenischen Zeiten mit Ivan Zamorano, Hugo Rubio und Pato Mardones. Doch durch den Schock des Abstiegs musste 1993 wieder ein Sanierer an die Spitze des Vereins gerufen werden. Bankexperte Hans Hurni, später Initiant des Arena-Baus, wurde unterstützt durch den Juristen Eugen Mätzler, der sechs Jahre lang für den FC Führungsarbeiten erledigte.

Müller, der Meisterpräsident
Die finanziellen Sorgen blieben latent vorhanden, sonst wäre nicht ein weiterer Übergangspräsident, nämlich Emil Kern, beinahe den zweifelhaften Angeboten von italienischen Financiers erlegen und der Verein auf die andere Seite der Alpen verkauft worden. Eine Gruppe unter Führung von Thomas Müller bewahrte den Klub in einer Mitgliederabstimmung vor diesem wahrscheinlich fatalen Schritt. Der Jurist nahm gleich selber das Heft in die Hand und wurde unverhofft zum Meisterpräsidenten. Damit trat eine unvoreingenommene Kraft in Aktion, ein Nichtexperte, wie er selber zugab. Er wurde aber, wie zu vernehmen war, als geschickter Moderator geschätzt, der Ungereimtheiten zu glätten verstand. Der sportliche Fachmann war Peter Stadelmann, noch ein Jurist, heute Nationalteam-Delegierter. Die damals zusammengestellte Mannschaft unter Führung von Marcel Koller wurde nicht nur Meister 2000, sondern warf gleich auch noch Chelsea aus dem Uefa-Cup (heute Europa League).

Sündenfall II und Retter II
Müller schwang das Zepter in der Espenmoos-Tribüne immerhin sieben Jahre lang. Vorauszusehen war, dass seine Nachfolger einen schweren Stand haben würden. Mit der Einführung der FCSG-Aktiengesellschaft begann 2004 eine neue Zeitrechnung. Unternehmer Dieter Fröhlich wurde erster AG-Präsident. Er leitete die Geschicke rund um den Stadionneubau im Westen der Stadt. Den finanziellen und sportlichen Niedergang konnten er und seine Mitstreiter aber nicht verhindern. Und Jurist Michael Hüppi als Nachfolger Dieter Fröhlichs blieb die Wende ebenfalls versagt.

Im Herbst 2010 stand der FC St.Gallen vor der Auflösung, nicht zuletzt, weil das erst nachträglich eingeplante zweite Logen-Stockwerk ein riesiges Loch in die Kasse riss. Dölf Früh trat mit weiteren Geldgebern und klarem Konzept als Retter in letzter Minute auf. Der Abstieg folgte zwar auf dem Fuss, mit Jeff Saibene 2012 aber auch die sofortige Rückkehr in die Super League und ein Jahr später dank Platz drei die schönen Tage in Moskau und Swansea.

Der alte Verein lebt
Die alte Vereinsform blieb, was vielen nicht bekannt ist, erhalten. 2004 war der ehemalige Erstteamler Norbert Senn Präsident des FC St.Gallen. Aktuell ist es Thomas Stadelmann, der Sohn von Peter. Der Verein FC St.Gallen 1879 weist immer noch eine beachtliche Mitgliederzahl auf und hat unter anderem die Obhut über das Projekt Future Champs und den Damenfussball. So setzt sich die Reihe fort, die 1879 mit dem Gründungspräsidenten R. Renkowitz begonnen hatte und die 1890 bis 1893 unterbrochen war. Es gab damals keinen Klubbetrieb. 1932/33 führte eine vierköpfige Spielkommission anstelle eines Präsidenten den Verein, und in den 1970-er-Jahren wurde bis zum Jubiläum jeweils ein dreiköpfiges Präsidium gewählt, das allerdings auf der offiziellen Liste im AFG-Arena-Gästeraum nicht als solches erscheint.

Die Club-Präsidenten der Neuzeit bis 2007
1934 - 1949 Emil Gretler, 1950 Paul Schärli, 1951 - 1953 Willi Maurer, 1954 – 1958 Willi Schönsleben, 1959 Paul Schärli, 1960 – 1963 Fredy Brunner, 1964 Werner Kauter, 1965 - 1974 Elio Cellere, 1975 – 1978 Carlo Calzavara, 1978 – 1986 Paul Schärli, 1986 – 1987 Paul Schnetzer, 1987 – 1989 Sigi Gantenbein, 1989 – 1993 Carlo Hidber, 1993 – 1996 Hans Hurni, 1996 – 1997 Emil Kern, 1997 – 2004 Thomas Müller, 2004 – 2007 Norbert Senn. AG-Präsidenten seit 2004: Dieter Fröhlich, Michael Hüppi, Dölf Früh.

Aufgefallen

Wie schon in den beiden ersten Spielen schwang sich der FC St.Gallen auch gegen Lugano in schwindelerregende Höhen und durchschritt tiefe Täler. Mit dem am Ende leistungsgerechten Unentschieden konnten wohl auch die meisten Anhänger der Grünweissen zufrieden sein. Dank des 3:3 und des abgewehrten Elfmeters durch Daniel Loparvermied St.Gallen eine schmerzvolle zweite Heimniederlage in Folge und wahrte im Abstiegskampf den Abstand zu den Tessinern. Dass die Mannschaft nun zweimal im eigenen Stadion nach einem Vorsprung in Rückstand gerät, ist eine ziemlich neue Erfahrung. Geht es so weiter, dürfte der Umsatz von Beruhigungspillen in St.Gallen und Umgebung um einiges ansteigen.

David Alaba, Franck Ribéry und Arturo Vidal sollen in der Nacht nach dem Spiel bei Juventus aus dem Hotel des FC Bayern München ausgebüxt sein. Was noch mehr erstaunt: Die Leitung des Clubs hat die nächtliche Tour bis dato toleriert und keine Massregelung vorgenommen. Alle drei gehörten am Samstag zum Aufgebot für das Bundesligaspiel in Wolfsburg, was in Anbetracht der Verletzungsmisere in Pep Guardiolas Team auf einen gewissen Pragmatismus schliessen lässt. Was bekannt ist: Auch Spieler des FC St.Gallen waren im Trainingslager in der Türkei in früheren Jahren nachtaktiv, spielten Poker bis nach Mitternacht und standen anderntags wieder, wie die bajuwarischen Nachtschwärmer, auf dem Trainingsplatz. Da sich solche Ausschweifung auf Dauer kaum als bewährter Energiespender erweisen dürfte, ist derartiges Treiben bei Joe Zinnbauer nicht mehr toleriert. (th)

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