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GEGENTRIBÜNE: FC St.Gallen bi de Lüt

So. Das war schon mal eine Bestätigung. Der Aufsteiger überzeugte gegen den FC Zürich nicht nur durch das Ergebnis, sondern auch die Art und Weise des Auftritts.
Dzengis Cavusevic als Shooting Star gegen den FC Zürich. (Bild: Michel Canonica)

Dzengis Cavusevic als Shooting Star gegen den FC Zürich. (Bild: Michel Canonica)

Die Familie meines Nachbarn hatte sich am Samstagabend aufgeteilt. Mutter und Tochter besuchten die Live-Sendung des Schweizer Fernsehens, Vater und Sohn gingen zum Fussball. Falls das noch andere so handhabten, haben sich die beiden Anlässe ziemlich konkurrenziert. Die über 70-jährigen waren sodann nicht mehr aus dem Stadion zu locken, als sie auf der elektronischen Anzeigetafel für die Fernsehwette zum Wechsel ins Klosterviertel aufgerufen wurden. Niemand erhob sich, was nicht erstaunte. In jener Phase war es zuerst noch am spannendsten und, als sogleich das dritte Tor fiel, am schönsten. Die Stadt hat die Wette gegen das Fernsehen verloren und somit auch gegen den FC St.Gallen...

Balance stimmt
Für den FC St.Gallen zählt nun aber, dass er in der Startphase der Meisterschaft «bi de Lüt» und nach drei Spielen noch unbesiegt ist. Wer das vor drei Wochen vorhergesagt hätte, wäre postwendend für verrückt erklärt worden. Hatten zuvor viele Anhänger Mühe, sich mit der Art und Weise anzufreunden, mit der St.Gallen locker in die Super League zurückkehrte, so sind es nun Trainer und Spieler, die plötzlich auf die Euphorie-Bremse drücken. Nach den soliden Leistungen gegen YB und Lausanne war gegen den FC Zürich schon so etwas wie Begeisterung zu spüren. Die Tore fielen nach erfrischenden Kombinationen und präzisen Flanken. Die Balance zwischen Angriff und Abwehr stimmte. Und am Schluss stand ein Chancenverhältnis von 8:2 (5:2). Der FC Zürich war insofern ein dankbarer Gegner, als Rolf Fringer seine Leute fröhlich stürmen liess und sich dadurch Konterchancen eröffneten.

Der zweite Anzug ist bereit
Stellt sich die Frage, weshalb St.Gallen fast ausschliesslich mit Spielern glänzt, die schon letzte Saison dem Kader angehört haben. Gewiss, das spielerische Element kommt in der Super League vermehrt zum Tragen (in der dritten Runde mit vier Toren pro Spiel, in der ersten waren es total sieben in allen fünf Spielen zusammen). Was auffällt ist die verbesserte kombinatorische Sicherheit aus dem Mittelfeld heraus. Vielleicht hat man Janjatovic, als er im Frühjahr in der U-21 spielte, noch unterschätzt wie einst Moreno Costanzo oder ihn einfach als Trumpf für die Super League in der Hinterhand behalten. Und Nater, der zweite Neuzugang, bringt die Voraussetzungen mit, um Muntwilers Klasse zu erreichen.

Bei aller Vorsicht, die nach wie vor angebracht ist, gibt es drei gute Gründe zur Zuversicht. Die defensive Stabilität und eine solide Ballbehandlung sind hier bereits erwähnt worden. Der dritte Grund widerspricht im Prinzip der Praxis von Jeff Saibene, sich bei der Startformation in erster Linie auf bisherige Akteure zu verlassen: Der Trainer kann auch einen gut sitzenden zweiten Anzug aus der Garderobe holen. Als Sportchef Heinz Peischl ankündigte, jede Position auf dem Spielfeld sei nun doppelt besetzt, fand ich das noch nicht so beruhigend. Offensichtlich meinte er aber nicht bloss doppelt besetzt, sonderngleichwertigdoppelt besetzt.

Stürmer en masse
Davon liess ich mich überzeugen, als im Testspiel gegen Borussia Dortmund im Vergleich zur Meisterschaft neun neue Leute auftraten. Auch wenn der deutsche Meister am Anfang ebenfalls viele Titulare pausieren liess - Dortmunds Trainer Jürgen Klopp wollte nach zwei Niederlagen in der Vorbereitung unbedingt einen Sieg, der dann am Schluss etwas glücklich auch gelang. Aber den vorübergehenden Ausgleich schaffte noch St.Gallen II, das einen munteren Fussball auf den Rasen legte und auch dem Reporter von Sport 1 gefiel. Nicht zuletzt lobte er die rechte Seite mit Mario Mutsch und Marco Mathys. Mathys konnte man ja in der Arena schon seit der Winterpause beobachten, ein Spieler, der ebenfalls die Qualität für Einsätze von Beginn weg hat. Und da ist natürlich Dzengis Cavusevic zu erwähnen, der mit seinen zwei Toren gegen Zürich sogleich zum Shooting-Star wurde. Ein Flugballspezialist scheint er auf jeden Fall zu sein: saubere Direktabnahme zum 2:0, gut gelaufen bei der perfekt tempierten Flanke von Mutsch zum 3:1-Kopftor. Mathys hatte den Ball zuvor gefühlvoll in die Tiefe gespielt. Ein Tor von St. Gallen II.

Umstritten sind nicht zuletzt die Plätze im Angriff: Scarione, Cavusevic und Abegglen haben alle fünf Tore erzielt. Etoundi wartet auf sein Comeback, Tadic auf seinen Einstand, und last not least hofft auch Jungtalent Lehmann, dass er wieder gesund wird.

Cheerleader gingen fremd
Also: Der St.Gallen ist bei den Leuten. Und der FC St.Gallen war auch bei «SF bi de Lüt». Immerhin 15 Senioren waren noch aufzutreiben. Und die Cheerleaderinnen traten nur vor dem Spiel in der AFG Arena auf und danach am Gallusplatz. Wir FC-Anhänger tolerieren solche Doppelbelastung, aber nur ausnahmsweise. Ansonsten fordern wir auch hier Doppelbesetzung.
Fredi Kurth

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