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GEGENTRIBÜNE: Es fehlt beim FC St.Gallen nicht an der Leidenschaft, sondern an der Qualität

Die Latte liegt hoch beim FC St.Gallen. Attraktiv und erfolgreich soll der Fussball inskünftig sein. Momentan reicht es bloss für kleine Sprünge. Und der angestrebte dritte Rang ist nur möglich, wenn aus dem aktuellen Kader maximale Qualität herausgekitzelt wird.
Fredi Kurth
Aussprache vor der Espen-Fankurve: Ein St.Galler Anhänger diskutiert nach der Pleite in Lugano mit den Espen-Spielern. (Bild: Andy Müller/freshfocus)

Aussprache vor der Espen-Fankurve: Ein St.Galler Anhänger diskutiert nach der Pleite in Lugano mit den Espen-Spielern. (Bild: Andy Müller/freshfocus)

Manchmal wirkt die Tablette Trainerwechsel sofort, manchmal leicht verzögert, manchmal gar nicht. Von sofortiger Linderung konnte beim FC St.Gallen am Sonntag nicht die Rede sein. Er spielte in Lugano nicht schlechter als in den vorhergegangenen Auswärtsspielen unter Giorgio Contini (was ohnehin kaum möglich war), aber auch keinen Deut besser.

Personelle Umstellungen plus ein neues System bekamen der Mannschaft nicht gut – es reichte selbst gegen ein bescheidenes Lugano nicht, spielbestimmend in Erscheinung zu treten.

Aktuell kompliziert, langfristig klar

Der FC St.Gallen befindet sich in einer komplizierten Phase. Offensichtlich benötigen die Massnahmen des Interimstrainers ein wenig Zeit. Andererseits wäre gerade jetzt, da die Abonnementserneuerungen anstehen, ein Stimmungshoch erwünscht.

Doch beschäftigen wir uns mit der langfristigen Planung, die ab der neuen Saison mit mutigem, aber auch erfolgreichem Fussball greifen soll. Der FC St.Gallen kann sich dabei auf ein klares Konzept, dargelegt durch Matthias Hüppi, und fachliche Kompetenz, die bei Alain Sutter vermutet wird, stützen.

Der FC St.Gallen ist durchschaut

Um einige einfache Regeln kommen bei der Kaderplanung auch die beiden Protagonisten des FC St.Gallen nicht herum. Denn es nützt wenig, den Spielern jedes Mal nur fehlende Leidenschaft vorzuwerfen. Jeder geht mit dem besten Willen auf den Platz. Aber die Gegner haben inzwischen erkannt, wie eine Mannschaft zu bändigen ist, die plötzlich fünfmal hintereinander gewonnen hat. Mit frühem Pressing, Zweikampfstärke und Laufarbeit gilt es, St.Gallen möglichst vom eigenen Tor fernzuhalten. Luzern machte den Anfang, und mit Ausnahme der Young Boys, die sich auf die eigenen Qualitäten besannen, gingen alle mehr oder wenig gleich vor. Das die nüchterne Analyse.


Gute Fussballer für mutigen Fussball

Die Folgerung daraus: Für mutigen Fussball braucht man gute Fussballer. Es ist eine Mannschaft erforderlich, die athletisch und kämpferisch den andern ebenbürtig ist und spielerisch über dem Durchschnitt der Liga performt. Die sich auf diese Weise aus der Abwehr lösen und einen Gegner auch mal ausspielen kann. St.Gallen benötigt neu in jeder Linie (Ausnahme: die Torhüterposition) einen erstklassigen Spieler. Zudem müssen die jetzigen Teamstützen gehalten werden.

Und mit dem inzwischen talentierten Nachwuchs kann der Kader, aber auch die Startelf komplettiert werden. Es laufen relativ wenige Verträge aus, von den routinierten Leuten jene von Toko und Wittwer sowie von Haggui plus die Leihverträge mit Sigurjonsson, Itten und King.

Die Frage nach dem Geld

Natürlich stellt sich die Frage nach den finanziellen Möglichkeiten. St.Gallen müsste nicht über ein Budget wie Basel, YB oder Sion verfügen, aber über ein höheres als der Rest der Liga, sollte Rang 3 bis 5 zur Regel werden. Andernfalls schwingt das Pendel wie für fast alle Mannschaften hinter den beiden Topteams auch in Zukunft zwischen Rang 3 und 10 hin und her.

Vorteil Luzern

Der Trainerwechsel beim FC St.Gallen erfolgte überraschend, wurde aber gut erklärt und war so unumgänglich. Weil er weniger mit der Leistung der Mannschaft zu tun hatte als mit fehlendem Vertrauen zwischen Contini und der Klubleitung, wirkt die Wechselpille nicht so stark. Im Kampf um Platz drei spricht für Luzern die aktuelle Verfassung. Aber in der Super League haben wir schon erstaunliche Formpirouetten erlebt, von daher...

Aufgefallen

Die Saison liefert wieder interessante Studien zu Trainerwechseln. In der Super League haben nur die Young Boys, Basel und der FC Thun auf diese mehr oder weniger erfolgreiche Massnahme verzichtet. Genützt hat sie offensichtlich beim FC Luzern, etwas weniger beim FC Zürich, und der FC Thun hat sich einstweilen ohne neuen Coach unten herausgebuddelt. Spannend zu beobachten ist insbesondere die Entwicklung beim FC Zürich: In der Super League hat der Aufsteiger in den vergangenen 16 Spielen noch viermal gewonnen, zweimal vor, zweimal nach dem Trainerwechsel – dabei dreimal gegen den FC St.Gallen. Die Qualifikation für den Cupfinal mag eine gewisse Entschädigung sein für die fehlende Weiterentwicklung, die sich der Präsident gewünscht hat.

Für Jasper van der Werff liegt also ein Angebot von Red Bull Salzburg vor - für einen Spieler, der im vergangenen Jahr noch nicht einmal auf der grossen Kaderliste der ersten Mannschaft stand. Gemäss Transfermarkt läuft sein Vertrag im Sommer aus. Will heissen: Der FC St.Gallen hätte lediglich eine bescheidene Ablösesumme zugute. Aber warten wir ab. Vielleicht hat der Spieler ja auch noch etwas zu sagen, erachtet die österreichische Bundesliga und die grosse Organisation des Europa-League-Halbfinalisten nicht als Sprungbrett ins Fussballparadies und zieht den nächsten Schritt als Stammspieler im Kyunpark vor.

Ja, die Trainerfrage. Die herumgebotenen Namen sind zahlreich. Für den "Teleclub" ist Peter Zeidler ein heisser Kandidat: Er soll beim Spiel Zürich gegen Sion gesichtet worden sein. Das wurde dahingehend interpretiert, dass der jetzige Trainer des französischen Zweitdivisionärs Sochaux vielleicht schon den zukünftigen Gegner aus dem Wallis für die Espen beobachtet hat. Ich beteilige mich auch mal am lustigen Ratespiel und stelle mir vor, wer ab spätestens nächster Saison vis-à-vis von der Gegentribüne die Anweisungen gibt, ergänzt mit einer Prozentwahrscheinlichkeit: Peter Zeidler (25 Prozent), Urs Fischer (10 Prozent), Johan Vogel (15 Prozent), René Weiler (10 Prozent), Marcel Koller (5 Prozent), Christian Gross (1 Prozent), Roger Stilz (5 Prozent), Pierluigi Tami (5 Prozent), Boro Kuzmanovic (1 Prozent), ein anderer (23 Prozent), Joe Zinnbauer (0 Prozent). Zinnbauer erwähne ich, weil er zumindest bis zuletzt immer noch in Rorschach wohnte und am Freitag auf "Eurosport" als Gast zugegen war. In einem ausführlichen Interview äusserte er sich über seine Zeit beim FC St.Gallen: bloss leicht beschönigend und ohne Blick zurück im Zorn.

Es gibt positive Nachrichten vom FC St.Gallen: Vier Nachwuchsleute, drei Verteidiger und ein Mittelfeldspieler sind für die U-17-EM-Endrunde aufgeboten, ein Torhüter steht auf Abruf bereit. Was noch der ehemaligen Führungsriege zugeordnet werden kann, nimmt stets deutlichere Umrisse an: Immer mehr Nachwuchsleute finden den Weg in die nationalen Auswahlen. Und noch eine Good News: Der FC St.Gallen kann dank des Siegs von GC gegen Lausanne definitiv nicht mehr absteigen. (th)

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