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GEGENTRIBÜNE: Ein verlorenes Jahr für alle

Die Ereignisse vom Sonntag im Kybunpark - das Gekicke, aber auch die Äusserungen gegenüber Dölf Früh - waren einer Sportveranstaltung unwürdig. Damit dürfte die aktuelle Trainerdiskussion bald ein Ende haben.
Fredi Kurth
Hat FCSG-Coach Joe Zinnbauer noch Rückhald in der Mannschaft? (Bild: Keystone)

Hat FCSG-Coach Joe Zinnbauer noch Rückhald in der Mannschaft? (Bild: Keystone)

FUSSBALL. Nach dem torlosen Unentschieden des FC St.Gallen gegen Thun sprachen Witzbolde von einem wichtigen Punkt im Kampf gegen den Abstieg. Doch im Prinzip lieferten die Ostschweizer nur einen weiteren Beitrag zu einer trostlosen Phase. Die Proteste der Fans passten zur allgemeinen Lage, in welcher schon vor dem Match der eine oder andere Anhänger auf eine Niederlage hoffte. Diese hätte eine Änderung in der Teamführung wohl beschleunigt.

Doch auch das Unentschieden müsste nun das Ende eines verlorenen Jahres bedeuten, in dem es seit dem Trainerwechsel nur Verlierer gab. In der Mannschaftsleitung, in der Unternehmensführung und bei den Spielern. Auch beim Trainer selber scheint die Einsicht gewachsen zu sein, dass Hopfen und Malz verloren sind.

Hilflos, unproduktiv
Obwohl im gefühlt zehnten Match der letzten Hoffnung das Geschehen optisch ausgeglichen verlief, hatte St.Gallen bei einem Chancenverhältnis von 1:7 (0:4) noch Glück, nicht die vierte aufeinanderfolgende Heimniederlage zu kassieren. So unproduktiv und hilflos kann ein Fussballer gar nicht auftreten, wie es einige St.Galler diesmal taten. Das ist nur zu erklären durch die totale Verunsicherung, die eine während Monaten fehldirigierte Mannschaft nun schon seit mehreren Spielen befallen hat.

Spielmacher Lopar
Wenn wie gegen Thun die fast einzige Spielvariante darin besteht, den Ball zum Torhüter zurückzuspielen und dieser damit zum Regisseur der Mannschaft avanciert, dann muss einiges schief gelaufen sein. Gewiss, es ehrt Präsident Dölf Früh, wenn er in Nibelungentreue am Trainer festhält und den menschlichen Aspekt berücksichtigt. Doch auch die 10'000 St.Galler Fans sind Menschen und haben Anrecht auf einen Fussball, der diese Bezeichnung verdient. So aber ist es Zeitverschwendung, weiterhin im Kybunpark zu erscheinen.

Nicht zuletzt verdienen die Spieler neue Impulse. Der eine oder andere mag vom Gefühl geplagt sein, das Fussballspielen verlernt zu haben. Nein, so ist es nicht, können wir sie beruhigen. Jeder, der sich am Sonntagnachmittag auf dem Rasen abmühte, hat schon wesentlich bessere Leistungen gezeigt als in den vergangenen Wochen.

Verständnis für Fans, aber. . .
Für den Unmut der Anhänger, die mit einem leeren Espenblock bis zum Abpfiff protestierten, konnte man Verständnis haben, zumal von jener Seite während des Spiels wieder volle Unterstützung kam. Nicht korrekt war es jedoch, verbal auf den Mann zu spielen: Die an Dölf Früh gerichteten Spruchbänder waren beleidigend und töricht gegenüber jener Person, die den FC St.Gallen gerettet hat.

Abbild der falschen Taktik
Der FC St.Gallen spielte unter Trainer Joe Zinnbauer top oder flop - Sieg oder Niederlage, dazwischen gab es praktisch nichts, Unentschieden blieben die Ausnahme. Die Schieflage in der Bilanz mit deutlich weniger Siegen als Niederlagen lässt darauf schliessen, dass diese Taktik nicht den Qualitäten der Spieler entsprochen hat.

Just gegen den FC Zürich hat Trainer Joe Zinnbauer umgestellt und mit Toko und Gaudino zwei klassische Sechser im Mittelfeld positioniert. Der Erfolg ist resultatmässig ausgeblieben, aber wenigstens hat hinten nicht mehr so viel Durchzug geherrscht wie noch in Luzern.

Noch ein Wort zum verlorenen Cupspiel gegen den FC Zürich. Spielerisch schien mir der Cupsieger aus der Limmatstadt nicht besser besetzt zu sein als die St.Galler Equipe. Aber der FC Zürich war eine Mannschaft. Ich behaupte jetzt einfach einmal, dass ein Trainer wie Lucien Favre die St.Galler innerhalb von zwei Monaten und noch vor Barnettas Rückkehr aus der Gefahrenzone brächte. Aber leider hat Favre momentan keine Zeit...

Bundesliga auf den Kopf gestellt
Einfach wäre eine Trainerwahl ja nicht. Das Beispiel liefert die Bundesliga, deren Tabelle aktuell auf den Kopf gestellt ist. Mit Bayern München als Leader und Borussia Dortmund als Sechstem sind nur zwei Favoriten in der oberen Ranglistenhälfte zu finden. Die andern sind: Leipzig, Hertha Berlin, Hoffenheim, Köln, Frankfurt, Freiburg und Mainz. Vereine mit grossen Budgets oder zumindest grosser Vergangenheit wie Leverkusen, Gladbach, Schalke, Bremen, Wolfsburg und Hamburg schnitten bisher unter den Erwartungen ab. Dass bis auf Bremen sämtliche dieser schwach gestarteten Teams mit deutschen Trainern in die Meisterschaft gestartet sind, mag Zufall sein. Auch dass nur drei deutsche Trainer (Nagelsmann, Tuchel und Streich) in der oberen Hälfte anzutreffen sind, sei noch nicht als aussagekräftige Tendenz bezeichnet. Mit Julian Nagelsmann hat immerhin der jüngste Bundesligatrainer aller Zeiten den Aussenseiter Hoffenheim weit nach oben geführt.

Wenn’s denn interessiert: Ein Ostschweizer namens Roger Stilz hat im vergangenen Frühjahr im gleichen Kurs wie Nagelsmann die höchste Trainerlizenz in Deutschland erworben. Er schnitt wie der Senkrechtstarter aus Hoffenheim mit den Klassenbesten ab.

Ein Tor in vier Heimspielen
Vielleicht kommt diese Nachbetrachtung noch zu früh. Der Verwaltungsrat soll am Montag tagen. Vielleicht erlebt Joe Zinnbauer tatsächlich im Kybunpark das Vertragsende 30. Juni 2018. Doch mit ihm hat der FC St.Gallen einige Negativrekorde gebrochen. Einer dürfte sein: Die Espen haben in vier Heimspielen hintereinander ein einziges Tor geschossen. Noch Fragen?

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