GEGENTRIBÜNE: Ein neuer Modus täte dem FC St.Gallen gut

Entgegen den Erwartungen hat die Swiss Football League alles beim Alten belassen. Jene, die eine Modus-Änderung für dringend nötig erachtet haben, hatten eine Wahrnehmungsschwäche. In Wirklichkeit ist alles zum Besten bestellt.

Fredi Kurth
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Ratlosigkeit bei den St.Gallern nach der unterirdischen Leistung gegen den FC Luzern. (Bild: freshfocus)

Ratlosigkeit bei den St.Gallern nach der unterirdischen Leistung gegen den FC Luzern. (Bild: freshfocus)

Also diese Zehnerliga, diese Super League – das ist schon eine wunderbare Erfindung. Es gibt nichts Besseres. Darum haben die Verantwortlichen einen visionären Entscheid gefällt: Sie lassen die kleinste Liga der zivilisierten Fussballwelt weiter so prächtig gedeihen. Klein, aber fein. Das ist bewährte Schweizer Manier. Dieser Swiss Football – das ist eine blühende Oase inmitten der europäischen Fussballwüste. Die darf auf keinen Fall verloren gehen.

Aber diese Österreicher. Die werden nach 25 Jahren die Zehnerliga unerklärlicherweise auflösen. Und jetzt freuen die sich noch auf die Zwölferliga. Die werden ihr blaues Wunder erleben. Denn: Der Kampf um die sechs Finalrundenplätze – das wird ein Hauen und Stechen. Da fahren wir mit unserer einfachen, gemütlichen Liga viel besser. Jede Mannschaft gegen neun absolute Eliteteams viermal gegeneinander. Das ergibt weiterhin unbeschwerte und hochstehende Fussballkunst, wie kürzlich bei den so erbaulichen Spitzenkämpfen Zürich gegen Basel und Basel gegen YB. Nur eines erscheint nicht so geglückt an diesem exklusiven Format: Die Bezeichnung Super League. Jetzt, nachdem allgemeine Erleichterung herrscht, müsste sie doch Super, Super, Super League heissen.
 

Nun einmal im Ernst

Man sieht: Der Nullentscheid der Verwalter und Zauderer in den Führungsgremien des Schweizer Fussballs reizt zur Ironie. Ausgiebige Marktforschung hatte ergeben, dass in unserem Land die wirtschaftlichen Voraussetzungen für zwölf Vereine in der höchsten Liga gegeben sind (die Zehnerliga war seinerzeit just mit dem Argument gegründet, dass zwölf Vereine zu viel seien). Umso erstaunlicher liest sich die Begründung, von einer Aufstockung dennoch abzusehen: Die Zwölferliga sei gescheitert, weil im Herbstdurchgang alle 22 Runden ausgetragen werden müssten. Doch schon in den 1970-ern gab es eine 12-er Liga und eine Final- und Abstiegsrunde mit je sechs Teams, bei welcher das Grundprogramm erst ungefähr Anfang April beendet wurde. Die Finalrunde mit zehn Runden fand danach noch locker in den restlichen Wochen der Saison statt.


Mal beim Eishockey nachfragen

Der Einwand folgt nun prompt: Die Zeiten hätten sich geändert. Ja, sie haben sich so geändert, dass andernorts trotzdem noch grössere Planungsprobleme gelöst werden konnten. Mit der bequemen Einstellung der Fussballoberen hätte es im Eishockey nie Playoffs gegeben. Dort endet die reguläre Saison nächstes Jahr am 5. März; die Playoff-Viertelfinals beginnen am 10. März, mit ebenfalls lange Zeit unbekannten Paarungen. Im Spielplan sind dann eben Platzhalter in Form von Buchstaben eingetragen. Im Prinzip beweist selbst die Super League jetzt schon, dass es funktionieren würde. In Zürich, in einer nachweislich fussballunfreundlichen Stadt, wird das komplette Programm von zwei Super-League-Vereinen in ein- und demselben Stadion ausgetragen. An den andern Orten ist auch klar: Der Fussball hat im eigenen Stadion Vorrang, und die Termine, die zu Friktionen führen können, sind im Voraus bekannt.
 

Aufteilung Mitte März

Ein tauglicher Vorschlag, der auch die Monotonie der Challenge League auflösen würde, lehnt sich an den Vorgänger der Zehnerliga – mit dem Unterschied, dass die Aufteilungen nicht vor der Winterpause, sondern Mitte März erfolgen:

  • Super League und Challenge League bestehen aus je zwölf Teams und bestreiten bis Mitte März eine Hin- und Rückrunde (22 Runden). Danach gibt es eine Dreiteilung mit je acht Vereinen
  • Meisterrunde Super League
  • Auf-/Abstiegsrunde Super League/Challenge League
  • Abstiegsrunde Challenge League


Das ist unkompliziert, und die Belastung bleibt in Herbst und Frühjahr mit total 36 Spielen pro Team gegenüber dem jetzigen Modus unverändert. Die vier ersten der Auf-/Abstiegsrunde spielen in der darauffolgenden Saison in der Super League. Die beiden letzten der CL-Abstiegsrunde steigen ab und werden durch die beiden Erstplatzierten der Promotion League ersetzt. Neu ist, dass sich die Super League Teams, welche die Finalrunde verpassen, nicht schon an Weihnachten abgehängt vorkommen. Höchste- und zweithöchste Liga werden durchlässiger, was die Möglichkeiten einer Rückkehr für Traditionsvereine wie Servette oder Xamax erhöht, aber auch ein Abstieg aus der Super League erträglicher werden lässt.
 

FCSG-Fan braucht kein Abo mehr

Wie sehr neue Anreize durch mehr Abwechslung und Spannung notwendig wären, kann beispielhaft am FC St.Gallen dargelegt werden. Die Zuschauerzahlen sinken permanent, obwohl der Stadionbesuch im Kybunpark mit dem stimmungsvollen Rahmenprogramm und der durchdringenden Akustik attraktiv und bequem wäre (wenn es nicht allzu stark regnet und windet). Auch der relative sportliche Aufschwung in dieser Saison hat den Trend nicht gestoppt. Der Durchschnitt ist von 12'533 in der vergangenen Saison auf nunmehr noch 12'009 gesunken, obwohl Basel und die Young Boys bereits in St.Gallen angetreten sind. 2013/14 hatte das Mittel noch 13'388 betragen. Der Zuschauerzuspruch hat eine Schwelle unterschritten, bei welcher der Kauf eines Saisonabonnements für einen gediegenen Platz nicht mehr als notwendig erachtet wird – im Gegensatz zu den Arena-Anfängen. Punktuelle Besuche sind jederzeit möglich. Auch die Plätze neben mir im Sektor C2 waren immer fest vergeben, jetzt sind sie fast immer leer. Die Probleme beim FC St.Gallen sind auch hausgemacht. Sportliche Misere hat sich vermengt mit fragwürdiger Personalpolitik und internen Querelen. Gerade deshalb täte dem FC St.Gallen eine Modusänderung gut und wahrscheinlich der ganzen Liga.

 

Barnettas Empfehlung

Während die St.Galler auf dem Allmend-Rasen führungslos umherirrten, machte daneben auf der Ersatzbank ein Spieler auf sich aufmerksam, ohne eine Minute gespielt zu haben: Tranquillo Barnetta gab eine stillschweigende Empfehlung ab. Nicht dass der Heimkehrer vor seiner Verletzung viele brillante Auftritte gehabt hätte. Aber einiges spricht für eine wirkungsvolle Präsenz auf dem Spielfeld und nicht nur in der Garderobe. So auch Zahlen aus dieser Saison: In den Minuten, da Barnetta eingesetzt wurde, verzeichnete St.Gallen eine Tordifferenz von 8:4. Ohne ihn eine solche von 12:22. Es gab zwar die Partien, da St.Gallen ohne Barnetta verdient gegen Basel, mit einem Mann mehr gegen Thun und mit etwas Glück in Sion gewann. Aber die andern Zahlen wiegen schwerer: 1:6 bei YB, 0:4 gegen Lausanne, 0:3 in Luzern, auch immer ohne Barnetta und gegen zwei Gegner, gegen die St.Gallen aufgrund seiner Möglichkeiten nicht hätte verlieren dürfen. Als St.Gallen daheim gegen YB 2:1 führte, verliess Barnetta in der 90. Minute den Rasen, und hätte nebst dem Ausgleich beinahe noch ein weiteres Tor kassiert. Beim Sieg gegen die Grasshoppers, während des halbstündigen Comebacks des 75-fachen Internationalen, verbesserte sich St.Gallen hingegen vom 1:1 zum 3:1. (th)