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Kolumne

Gegentribüne: Die neue Führung des FC St.Gallen punktet miserabel

Mit Matthias Hüppi kehrte in diesem Jahr die Hoffnung zurück. Auf dem Rasen aber ging es abwärts. Unter der neuen Führung gewann der FC St. Gallen weniger Punkte als unter der alten mit Stefan Hernandez. In der Verantwortung stehen Sportchef Alain Sutter und Interimstrainer Boro Kuzmanovic.
Fredi Kurth
Das Ziel Rang drei zu erobern ist dem FC St.Gallen misslungen. Präsident Matthias Hüppi, Sportchef Alain Sutter und Assistenz-Trainer Boro Kuzmanovic müssen nun über die Bücher . (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Das Ziel Rang drei zu erobern ist dem FC St.Gallen misslungen. Präsident Matthias Hüppi, Sportchef Alain Sutter und Assistenz-Trainer Boro Kuzmanovic müssen nun über die Bücher . (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Mitte Dezember war’s, als Matthias Hüppi, Alain Sutter und die neue Crew im Verwaltungsrat das Kommando übernahmen. Just die Hälfte der Meisterschaft war absolviert. Der FC St.Gallen lag mit 24 Punkten aus 18 Spielen auf Platz vier. Seither gewann die Mannschaft nur noch 21 Punkte. Statt Aufschwung, Abschwung. Statt Stimmungshoch ganz am Ende ein neues Tief mit einer beispiellosen Baisse zum Saisonende hin. Neun Niederlagen in zehn Spielen. Das hat es noch nie gegeben.

Nur ein bisschen zynisch

Da hat es am Samstag den Anhängern den Deckel gelupft, hat sich aller Frust in gellenden Pfiffen entladen. Da war es vorbei mit lustig, vorbei mit dem Verständnis für Spiele mit vielen Toren, für Resultate wie zweimal 2:4, einmal 0:4, zweimal 2:3 und nun ein 0:3 schon zur Pause, für Fussball-Spektakel, von dem nur der Gegner profitierte. Da war auch keine Genugtuung mehr über die beste Platzierung seit der Saison 2013 und die Qualifikation für die Europa-League-Qualifikation, die in der Saisonvorbereitung eher störend denn dienlich sein dürfte. Um nur ein bisschen zynisch zu sein: Der FC St. Gallen hat alles versucht, um dieses Minimalziel zu verpassen, doch selbst das ist misslungen.

Drei Gegentore in fünf Spielen oder sieben Minuten

Ja, wie konnte es so weit kommen? Ältere Semester mögen sich erinnern: Der FC St. Gallen hatte in dieser Saison einmal fünf Spiele hintereinander gewonnen, sogar unter der neuen Unternehmensleitung. Die Gegner hiessen Basel, Lugano, Thun, Lausanne und Grasshoppers. Es war nicht alles Gold, was damals glänzte. Aber es stand eine Mannschaft auf dem Platz, eine, die in fünf Spielen nur drei Gegentore zuliess, am Samstag waren es drei Gegentore in sieben Minuten. Danach fiel St.Gallens Defensive auseinander, zwangsweise wegen Sperren und Verletzungen. Trainer Giorgio Contini musste gehen, die Gründe waren plausibel und gut erklärt.

Kuzmanovic überfordert

Nicht das war der Fehler, sondern Boro Kuzmanovic einzusetzen und ihm freie Hand zu gewähren. Noch selten wurde eine St. Galler Mannschaft derart vercoacht, wie dies unter dem zukünftigen Assistenztrainer der Fall war. Leidenschaftlich sollte die Mannschaft auftreten und gleichzeitig Rang drei erobern. Die erste Vorgabe erfüllte sie in zwei bis drei der fünf verbliebenen Spielen. Die Gruppenphase der Europa League hingegen entschwand schon bald in weiter Ferne, weil sich eine solche Zielsetzung nicht mit einer Kaderschau verträgt. Fast jeder Spieler durfte nochmals antreten, selbst Karim Haggui feierte ein unverhofftes Comeback. Jedes Mal zauberte Kuzmanovic eine neue Aufstellung aus dem Hut. Seine Zuständigkeit. Zu Manövriermasse degradiert wurde auch der beste Stürmer des Frühjahrs. Nassim Ben Khalifa sass gegen Basel während 90 Minuten auf der Ersatzbank und fand sich dort auch wieder zu Beginn der Partien gegen Sion und Lausanne. Ins Kuriositätenkabinett gehörte die Massnahme, Tranquillo Barnetta zweimal als Aussenverteidiger aufzustellen. Man stelle sich vor: Romas Trainer hätte Francesco Totti in der Spätphase seines fussballerischen Schaffens als Abwehrspieler nominiert.

Mit der U-21 abgestiegen

Kuzmanovic hatte im Kybunpark schon einmal seine Spuren hinterlassen: 2016 ist er mit St. Gallens U-21-Mannschaft sang- und klanglos aus der Promotion League abgestiegen. „Kuzmanovic ist ein Trainer, der die Spieler besser macht.“ Worte Sutters. Mag sein, dass Kuzmanovic ein guter Individualausbildner ist. Es war noch die alte Führungsriege, die ihn damals die volle Saison gewähren liess. Die Begründung: Eine Liga tiefer könnten die Talente besser und mit weniger Druck auf die Profikarriere vorbereitet werden. Wie wenn ein Kandidat für die Kantonsschule besser in der Real- als in der Sekundarschule aufgehoben wäre.

Die Spieler können es besser

Peter Zeidler, Kuzmanovics Nachfolger und zukünftiger Vorgesetzter im Trainerstaff, ist gut beraten, all das zu vergessen, was er vom FC St.Gallen in den vergangenen Wochen zu sehen bekommen hat. Denn das wird weder der Mannschaft noch den einzelnen Spielern gerecht. Sie können es alle besser. Lehrreich war es vielleicht trotzdem: Zeidler hat zu sehen bekommen, wie es nicht geht. Just der Fachmann für offensiven Fussball muss nun im ABC weit zurückbuchstabieren und von vorne beginnen: Bei A wie Abwehrverhalten. Natürlich will er auch die eigenen Vorstellungen umsetzen, gibt es in der langen Transferperiode Möglichkeiten zur Kaderanpassung. Alain Sutter ist gefordert.

Zeidler soll die alten Videos studieren

Vielleicht hat der Videoassistent des FC St. Gallen noch die Spiele im Archiv, in denen die St. Galler die Form abriefen, die in dieser verrückten Saison zum dritten Platz gereicht hätte. Da präsentierte St. Gallen mit Ben Khalifa und Cédric Itten ein durchschlagskräftiges Angriffsduo. Mit Runar Mar Sigurjonsson hatte man einen soliden Mittelfeldstrategen verpflichtet, dessen besonderer Wert in seinen Abschlussqualitäten liegt. Alain Sutter hat im Winter gute Arbeit geleistet. Ich nehme an, er hat auch darauf gedrängt, vermehrt jungen Leuten wie Jasper van der Werff eine Chance zu geben.

Nun im rauen Wind

Matthias Hüppi und Alain Sutter lösten vor Weihnachten einen Stimmungsumschwung aus. Sie hatten hierfür ihre Herkunft und den Status des Experten geschickt zu Nutzen gemacht. Da kann nun nicht alles plötzlich verloren sein. Aber besser ist es im Moment, mit dem übertriebenen Optimismus zurückzufahren und in Ruhe im Hintergrund zu arbeiten. So können kommunikative Stockfehler wie des Präsidenten Ankündigung „wir werden eine Granate als Trainer haben“ vermieden werden. Am Captains Dinner haben sich Hüppi und Sutter bisher glänzend präsentiert. Doch mit der neuen Saison wird der Wellengang höher, gilt es, sich auf der Kommandobrücke zu bewähren. Auch von der Gegentribüne aus hierfür die besten Glückwünsche.

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