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GEGENTRIBÜNE: Die Erfolgsserie war trügerisch - aber die anderen sind auch nicht besser als der FC St.Gallen

Der FC St.Gallen ist nach dem Höhenflug innerhalb einer Woche hart gelandet. Aber es ist keine Rückkehr in die sportliche Krise. Die hatten wir vor einem Jahr. Es ist die Rückkehr zur Normalität.
Fredi Kurth
Für den FC St.Gallen war die Niederlage gegen den FC Thun die zweite in Serie. (Bild: Keystone)

Für den FC St.Gallen war die Niederlage gegen den FC Thun die zweite in Serie. (Bild: Keystone)

Am Ende einer langen Saison gibt es den Durchschnittwert: So viele Punkte hat eine Mannschaft pro Spiel gewonnen. Auf der langen Strecke der Meisterschaft aber weichen die meisten Teams weit von dieser Quote ab. Mal bewegen sie sich weit links, mal weit rechts vom kurvenreichen Weg. Der FC St.Gallen hat in den fünf siegreichen Spielen in entscheidenden Szenen ab und zu das Glücksschwein auf seiner Seite gehabt, beim Sinkflug war es umgekehrt.

Ach, wie trügerisch sind Erfolgsserien!

Andere Beispiele von Teams, die wankend durch die Saison wandern: Der FC Lugano kam vor zwei Monaten als Tabellendritter nach St.Gallen, mit vier Siegen in Serie, unter anderem in Basel, und keinem einzigen Gegentor. „Wir waren nicht um drei Tore schlechter“, stellte Trainer Pierluigi Tami ernüchtert fest, nur einen Umfaller vermutend. Doch dann folgten fünf weitere Niederlagen, und Tami ist heute nicht mehr Trainer.

Oder der FC Thun: Sechs Spiele, fünf Niederlagen, lediglich ein 0:0 daheim gegen Lausanne. Danach fünf Spiele mit drei Siegen und zwei Unentschieden, das 2:2 gegen Lieblingsgegner Young Boys eingeschlossen. Oder die Grasshoppers mit dem Absturz nach der Winterpause. Oder der FC Zürich mit nur drei Siegen in zuletzt 13 Super League Spielen. Oder Lausanne, das mit teuren Transfers nach einer guten Herbstsaison auf den begehrten dritten Platz vorzustossen glaubte. Doch zehn Niederlagen haben sich inzwischen in zwölf Partien aufaddiert.

Daniel Lopar: Note 3,5. Dank seiner Parade in der 37. Minute geht St. Gallen mit einem 0:0 in die Pause. Vielleicht etwas zu zögerlich vor dem Gegentor. (Bild: Urs Bucher)
Jasper van der Werff: Note 4,5. Ein gutes Comeback. Defensiv lange ohne Fehler und mit guten Pässen in der Offensive. (Bild: Urs Bucher)
Alain Wiss: Note 4. Solide Leistung des Zentralschweizers. Muss in der 61. Minute verletzt vom Feld. (Bild: Urs Bucher)
Silvan Gönitzer: Note: 3,5. Liess sich lange nichts zuschulden kommen, beim Tor steht die ganze Verteidigung schlecht. (Bild: Urs Bucher)
Runar Sigurjonsson: Note 5. Der auffälligste St. Galler. Stellt sein gutes Auge für die Mitspieler unter Beweis. (Bild: Urs Bucher)
Marco Aratore: Note 4. Er will sich seine gute Form zurückerkämpfen. Viel im Ballbesitz, aber mit zu wenig Wirkung. (Bild: Urs Bucher)
Toko: Note 3,5. Der Captain war schon besser im Spiel und mit mehr Einfluss auf das Team. (Bild: Urs Bucher)
Stjepan Kukuruzovic: Note 3. Es ist nicht sein Tag. Kann das Spiel nicht lenken und wird angeschlagen ausgewechselt. (Bild: Urs Bucher)
Andreas Wittwer: Note 4. Wie immer ein kämpferisches Vorbild. Er übernimmt Initiative, aber viel gelingt ihm nicht. (Bild: Urs Bucher)
Nassim Ben Khalifa: Note 3,5. Er hätte das Spiel alleine entscheiden können. Eine seiner drei Chancen muss er machen. (Bild: Urs Bucher)
Roman Buess: Note 3,5. Mannschaftsdienlich und ein-, zweimal auch gefährlich. Durchschnittliche Leistung. (Bild: Urs Bucher)
Cédric Gasser: Note 4. Der 20-Jährige kommt in der 61. Minute, präsentiert sich bissig. Bezahlt beim Gegentor aber Lehrgeld. (Bild: Urs Bucher)
Peter Tschernegg: Note 3,5. Kommt für Kukuruzovic und markiert gleich Präsenz. Doch Entscheidendes gelingt ihm nicht (Bild: Urs Bucher)
Cedric Itten: keine Note. Ersetzt ab der 79. Minute Buess. Sein Einsatz dauert zu wenig lang für eine Bewertung. (Bild: Urs Bucher)
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Die Noten der FCSG-Spieler gegen den FC Thun

Entscheidend die Umstellungen hinten

Natürlich fehlt es jeweils nicht an Erklärungen. Beim FC St.Gallen fiel die defensive Organisation zuerst personell und dann fussballerisch auseinander. Mit der Verletzung von Jasper van der Werff fing es an und mit dem Ausscheiden von Alain Wiss gegen Thun hat das Übel einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Nicht zuletzt im sensiblen Abwehrbereich ist mannschaftliche Kompaktheit gefragt. Deren Abwesenheit lässt erahnen, warum in Luzern und beim FC Zürich in wenigen Minuten drei Tore hintereinander kassiert werden mussten.

Nur, solche Erklärungen haben die andern auch, ebenso im umgekehrten Sinn: Beim FC Thun wird der Aufschwung mit der Stabilisierung der Abwehr begründet, die Trainer Marc Schneider nach der 2:7-Niederlagen in Sion vornahm. Tatsächlich liess Thuns Torhüter in sechs Spielen nur noch drei Einschüsse zu.

Vorwärtsdrang mit „Baby-Abwehr“

Der FC St.Gallen befand sich am Samstag somit auf einem schmalen Grat – und stürzte prompt ab. Er weigerte sich erneut, nur mit dem Unentschieden zufrieden zu sein, wie schon gegen die Grasshoppers. Das hätte das Publikum auch nicht goutiert. Damit aber war die „Baby-Abwehr“ mit drei jungen Spielern enormem Druck durch die gegnerischen Konter ausgesetzt und hätte mehr verdient als dieses so lächerliche Gegentor bei einem flauen Eckball, den die St.Galler einmal mehr nicht richtig zu antizipieren vermochten.


Der St.Galler Nzuzi Toko im bitteren Zweikampf gegen Stefan Glarner. (Bild: Urs Bucher)
Mit einer solch makellosen Bilanz gegen die Thuner hat er mit dieser Niederlage wohl nicht gerechnet: St.Galler Trainer Giorgio Contini. (Bild: Urs Bucher)
Roman Buess versucht sich gegen den Thuner Torhüter Guillaume Faivre zu behaupten. (Bild: Urs Bucher)
Der St.Galler Runar Sigurjonsson kurz vor einem Torversuch. Leider konnte der FCSG keiner der Torchancen verwerten. (Bild: Urs Bucher)
Torhüter Daniel Lopar vertägt das Grinsen des ehemaligen Teamkollegen und Thuner Torschützen Roy Gelmi nicht. (Bild: Urs Bucher)
Daniel Lopar vereitelt einen Torversuch. Roy Gelmi hat ihn in der 88. Minute doch noch bezwingen können. (Bild: Urs Bucher)
Stjepan Kukuruzovic im Zweikampf gegen den Thuner Stefan Glarner. (Bild: Urs Bucher)
Enttäuschung beim FC St.Gallen mit Torhüter Daniel Lopar nach der Niederlage gegen den FC Thun. (Bild: Urs Bucher)
Der tief enttäuschte St.Galler Torhüter Daniel Lopar. (Bild: Urs Bucher)
Der St.Galler Roman Buess im Kopfballduell. (Bild: Urs Bucher)
Peter Tschernegg im Zweikampf gegen den Thuner Mickael Facchinetti. (Bild: Urs Bucher)
Runar Sigurjonsson enttäuscht darüber, dass seine Mannschaft im Heimspiel gegen das abstiegsgefährdete Thun verloren hat. (Bild: Urs Bucher)
Ist das nur der Schweiss oder wischt er sich hier sogar Tränen der Niederlage aus dem Gesicht: Jesper van der Werff. (Bild: Urs Bucher)
Enttäuschte St.Galler nach der Last-Minute-Niederlage gegen die abstiegsgefährdeten Gäste. (Bild: Urs Bucher)
Enttäuschung beim FC St. Gallen mit Nzuzi Toko (links) nach der Niederlage gegen Thun. (Bild: Urs Bucher)
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Der FCSG verliert gegen den FC Thun 0:1

Der Jugend gehört die Gegenwart

Mehr Möglichkeiten eröffnen sich mit der Rückkehr von Silvan Gönitzer, Jasper van der Werff und dem diesmal gesperrten Silvan Hefti. Junge Leute als Hoffnungsträger – wer hätte das vor wenigen Wochen noch gedacht! Die Finanzlage erlaubt kaum, viel Geld in die Hand zu nehmen, was – siehe Lausanne – auch riskant sein kann. Der dritte Rang könnte mit der direkten Qualifikation für die Europa League-Gruppenphase vielleicht zu einer monetären Entspannung führen, eher als ein anderer Platz mit Qualifikationshürden womöglich irgendwo in Osteuropa.

Der Gefühlsüberschwang nach den fünf Siegen war ebenso jenseits der Realität, wie es verfehlt wäre, nun wieder in Weltschmerz zu verfallen. Der FC St.Gallen ist in der glücklichen Lage, nicht dem Zitterklub der unteren Tabellenhälfte anzugehören. Er kämpft diese Saison nicht um die Existenz, sondern einen attraktiven Zusatzpreis. Die Chance lebt, und die andern sind auch nicht besser.

Aufgefallen

Der FC Thun erzählt in dieser Saison eine weitere Episode seines erstaunlichen Daseins. Er ist der FC Basel der Mittellosen. Immer wieder muss er Spieler abgeben, die bei ihm gross geworden sind. Nelson Ferreira, einer der ersten, spielte noch am Samstag im Kybunpark, ehe er früh verletzt den Platz verlassen musste. Ein paar Jahre spielte er für den FC Luzern. Auch der FC St.Gallen bediente sich schon in der Talentschmiede des Berner Oberlands. Oscar Scarione ist zu nennen, doch am meisten Geld legte die Vereinsführung für Roman Buess aus. Gemäss „Kicker“ waren es 1,5 Millionen Euro, der teuerste Einkauf in der langen Geschichte des FC St.Gallen 1879. Interessant: Trainer Joe Zinnbauer hätte damals lieber Ridge Munsy verpflichtet, der aber zu den Grasshoppers wechselte und heute bei Wismut Aue unter Vertrag steht. Aus der früheren Vergangenheit ist Maurizio Lustrinelli zu erwähnen, aus der jüngeren Christian Fassnacht, der nun bei den Young Boys auf Torejagd geht. Auffallend ist, dass die Thuner immer hervorragende Offensivtalente entdecken und sie dann als erstklassige Stürmer weiter verkaufen können. Als sie vergangenen Winter offensichtlich gezwungen waren, mit Simone Rapp einen weiteren Torjäger abzugeben, dachten viele, auch ich, jetzt habe für den FC Thun die Stunde geschlagen. Doch weit gefehlt. Nun mischte sich einfach Marvin Spielmann mitten in das YB-Quartett, das die Torschützenliste der Super League anführt. Gegen St.Gallen war Spielmann gesperrt. Macht nüüt. Da kommt einfach Roy Gelmi, wie schon gegen die Young Boys, daher spaziert und kickt locker ein.

In vier der fünf Topligen wurde die Meisterschaft von einer Mannschaft dominiert: von Paris St-Germain mit aktuell 20 Punkten Vorsprung dank finanzieller Zuschüsse, von Manchester City dank Pep Guardiola, dem besten Offensivtrainer der Welt, von Barcelona, weil die sonst übliche Konkurrenz schwächelte, und von Bayern München aus Tradition und wegen noch schwächer gewordener Gegnerschaft. Aussergewöhnlich spannend verläuft der Titelkampf in Italien. Napoli, ein Offensivvulkan, kann ausnahmsweise mithalten und ist mit dem 1:0-Sieg Serienmeister Juventus Turin bis auf einen Punkt nahegerückt. Die alte Dame Juve beschränkte sich auf das Verwalten des Vierpunktevorsprungs. Das ging aber nicht auf, weil Torhüter Gigi Buffon wie schon gegen Real Madrid kurz vor Schluss einen Gegentreffer hinnehmen musste. Diesmal hielt er sich aber im Zaum, auch weil er keinen Anlass zur Empörung hatte, und umarmte nach dem Match den Torschützen Kalidou Kulibaly freundschaftlich, ja fast zärtlich.

Diese Woche finden die Halbfinals der Champions League statt. Aufgrund der aktuellen Verfassung könnte es zu einem Final Bayern München gegen Liverpool kommen, die sich gegen Real Madrid beziehungsweise AS Roma durchsetzen müssen. (th)



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