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GEGENTRIBÜNE: Der FCSG, ein Fall für die "Football Leaks"

"Football Leaks" legt die schmutzigen Geschäfte im Profifussball offen. Der FC St.Gallen ist im Buch nicht erwähnt. Dabei kamen nach den jüngsten Verlautbarungen auch bei den Espen dubiose Machenschaften zum Vorschein.
Fredi Kurth
Intern aufgeräumt und sportlich wieder erfolgreich: FCSG-Präsident Matthias Hüppi und Sportchef Alain Sutter (rechts). (Bild: Keystone)

Intern aufgeräumt und sportlich wieder erfolgreich: FCSG-Präsident Matthias Hüppi und Sportchef Alain Sutter (rechts). (Bild: Keystone)

„Kennst du das Buch "Football Leaks?", fragte mich im vergangenen Jahr ein Kollege. "Football Leagues? Kommt darin die Super League auch vor?". "Nein, nicht Football Leagues, sondern Football Leaks!" Offensichtlich hatte ich selber Lücken. Denn "Football Leaks" ist ein Buch, das jeder Fussballfreund kennen müsste. Es legt schonungslos frei, wie in der Fussball-Finanzwelt getrickst und Unsummen von Geld verschwendet wird, manchmal über die Grenzen der Legalität hinaus.

Ein Buch mit Folgen?

Natürlich hatte ich von den Folgen der Publikation vernommen. Dass Weltstars des Fussballs wie Christiano Ronaldo oder Mesut Özil die Steuermoral mit Füssen getreten haben sollen und entsprechende Untersuchungen laufen. Als ich aber meinen Kollegen vom Buch erzählte, wurden aus ihren Gesichtern ebenfalls Fragezeichen. Im besten Fall kam es ihnen irgendwie bekannt vor.

Dejan Stojanovic: Note 4,5. Beim 0:1 ohne Abwehrchance, hält einmal sehr stark gegen Dennis Hediger, obschon ihm die Sicht verdeckt ist. (Bild: pd)
Silvan Hefti: Note 4,5. Robust, ballsicher und zweikampfstark, schaltet sich vor allem in der zweiten Halbzeit oft in die Offensive ein. (Bild: pd)
Philippe Koch: Note 4. Dirigiert die Defensive engagiert und mit Übersicht. Im Zweikampf aber zuweilen mit Unsicherheiten. (Bild: pd)
Jasper van der Werff: Note 4. Wieder solid und ballsicher. Gibt den Pass zum 2:1. Insgesamt aber dennoch etwas weniger auffällig und einflussreich als zuletzt. (Bild: pd)
Runar Sigurjonsson: Note 5. Krönt eine kämpferisch starke Leistung mit seinem unwiderstehlichen Lauf zum Siegtreffer. (Bild: pd)
Marco Aratore: Note 4. Er steht mit einem Energieanfall am Anfang des Ausgleichs. Sonst aber wenig gefährlich. (Bild: pd)
Stjepan Kukuruzovic: Note 4,5. Spielt einen wichtigen Part im Mittelfeld. Einige starke Aktionen. Aber auch einige Abspielfehler. (Bild: pd)
Nzuzi Toko: Note 5. Im Mittelfeld aggressiv. Und auch offensiv präsent. Scheitert dreimal äusserst knapp vor dem Tor. (Bild: pd)
Andreas Wittwer: Note 4,5. Starke Vorlagen, zum Beispiel vor dem 1:1. Engagiert in der Defensive – oft aber unpräzis im Aufbau. (Bild: pd)
Nassim Ben Khalifa: Note 5. Einer seiner besten Auftritte. Ist ballsicher, technisch stark, arbeitet defensiv. Und trifft zum 1:1. (Bild: pd)
Cedric Itten: Note 3,5. Der Basler ist für einmal weit weniger auffällig als sein Sturmpartner Ben Khalifa, ohne Torchance. (Bild: pd)
Roman Buess: Note 4. Kommt für Itten (75.). Einige Balleroberungen, der Einfluss auf das Spiel bleibt aber klein. (Bild: pd)
Danijel Aleksic: Note -. Kommt in der 85. Minute für Toko. Zu wenig, um sich in die Notenskala zu spielen. (Bild: pd)
Cédric Gasser: Note –. Zeittaktischer Wechsel in der Nachspielzeit. (Bild: pd)
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Die Noten der FCSG-Spieler im Spiel gegen den FC Thun

Pflichtlektüre

Dass der "Spiegel" am 2. Dezember 2016 ein wichtiges Buch lancierte, eines, das jeder seriöse Fussballfreak gelesen haben müsste, steht ausser Zweifel. Nur die allgemeine Beachtung scheint hinter den Erwartungen zurückgeblieben zu sein. In Buchkatalogen fand ich die Erscheinung unter "Besteller 2017" nur ein einziges Mal in der Randkategorie "Wirtschaftstitel", dort allerdings auf Platz 1. Das Titelthema des "Spiegel" der Woche 50/2016 "Bundesliga intern – Football Leaks. Die geheimen Verträge der Profis" war gemäss der Fachmedien-Website "Meedia" der im Einzelhandel am zweitschwächsten verkaufte Titel des Nachrichtenmagazins seit rund 20 Jahren.


FC St.Gallen leider nicht erwähnt...

Indessen fragte ich mich, wenn der bis heute unentdeckte Whistleblower John dem "Spiegel" 18,6 Millionen geheimer Dokumente zuspielen konnte, ob vielleicht der FC St.Gallen wenigstens einmal auf einem solchen Papier erschienen ist. Dann würde er ja zur grossen Fussballwelt gehören. Es wäre fast eine Ehre... Im Buch ist der älteste Verein der Schweiz wie alle andern der Super League nicht erwähnt. Dabei entsprechen einige Vorgänge, wie sie vergangene Woche von der FC-Unternehmensleitung publik gemacht wurden, typischen Machenschaften, wie sie "Football Leaks" enthüllt hat.

Grosse Freude beim dynamischen Duo: FCSG-Präsident Matthias Hüppi (links) und Sportchef Alain Sutter (rechts). (Bild: Keystone)
Die Enttäuschung bei den Hausherren ist gross. Sie haben sich vor allem in der ersten Halbzeit wacker geschlagen, bis das Kopfballtor von Nassim Ben Khalifa in der 31. Minute das Spiel zu Gunsten der Espen gedreht hat. (Bild: Keystone)
Er darf heute mit der Leistung seiner Jungs zufrieden sein: St.Galler Coach Giorgio Contini. (Bild: Keystone)
Thuns Dejan Sorgic im Kampf um den Ball gegen den St.Galler Goalie Dejan Stojanovic,. (Bild: Keystone)
Andreas Wittwer käpft gegen den Thuner Matteo Tosetti um den Ball. (Bild: Freshfocus)
Der St.Galler Stjepan Kukuruzovic im Kopfballduell gegen Sandro Lauper. (Bild: Freshfocus)
Thuner Torschütze Marvi Spielmann jubelt nach dem 1:0-Treffer nach nur zehn Minuten Spielzeit. (Bild: Keystone)
Der Thuner Dejan Sorgic kämpft gegen Goalie Dejan Stojanovic um den Ball. (Bild: Keystone)
Nzuzi Toko im Zweikampf gegen den Thuner Sven Joss. (Bild: Keystone)
Marco Aratore kämpft gegen den Thuner Torschützen Marvin Spielmann um den Ball. (Bild: Keystone)
Andreas Wittwer erkämpft sich gegen den Thuner Matteo Tosetti den Ball. (Bild: Keystone)
Thuner Goalie Djordje Nikolic geschlagen und enttäuscht. (Bild: Keystone)
Grosse Enttäuschung bei den Berner Oberländern: Das ist die vierte Niederlage in Serie von Thun, dritter Sieg in Serie des FC St.Gallen. (Bild: Keystone)
Thuner Goalie Djordje Nikolic am Boden zerstört. (Bild: Keystone)
Die Thuner schwören sich vor dem Spiel ein. (Bild: Freshfocus)
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Der FCSG gewinnt gegen Thun


Chaos durch Führungsschwäche

Insbesondere, dass zwei Talente, Söhne von zwei mit dem FC St.Gallen verbundenen Vätern, bessere Konditionen erhielten als andere Nachwuchsleute und ohne Ausbildungsentschädigung den Club hätten verlassen können, entspricht solchem Gebaren – während gleichzeitig der bestandene Verteidiger Roy Gelmi einen nur minimal verbesserten Praktikantenlohn offeriert bekam. Die Führungsschwäche am Ende der Ära Früh und während der Präsidialzeit Hernandez löste offensichtlich ein Chaos aus, zu dem auch passt, dass ein Leiter Kommunikation verpflichtet wurde. Inzwischen konnten die neuen Verantwortlichen alles rückgängig machen.


Hulk und die Kantonalbank

Im zehnseitigen Register von "Football Leaks" bin ich erstaunlicherweise doch noch auf die Bezeichnung St.Gallen gestossen. Die St.Galler Kantonalbank ist im Zuge der "Football Leaks" kurz in den Blickpunkt gerückt. Es sollen über sie oder verbundene Geldinstitute Gelder an Ronaldo geflossen sein. In der vierten Auflage des Buches ist davon aber nichts zu lesen. Hingegen ist der brasilianische Fussballer Hulk in Zusammenhang mit exorbitant hohen Gehältern erwähnt, die im chinesischen Fussball bezahlt werden. Sein Klub Shanghai zahlt ihm 15 Millionen Euro netto. Die monatliche Geldüberweisung von 1,25 Millionen Euro lässt er "wunschgemäss auf ein Konto des Spielers bei der St.Galler Kantonalbank" überweisen. Was heisst das? Die KB äussert sich nicht über Transaktionen ihrer Kunden. Und bei genauem Lesen stellt man fest: Es geht nicht primär um die Kantonalbank, sondern um finanzielle Exzesse im chinesischen Fussball, um Nettobeträge und um die vom chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping geforderte Förderung des Fussballs in China. Auch die grossen Stars sollen angelockt werden, was die Spitzenvereine der europäischen Ligen besorgt.


Bitte nicht stören

Was aber ist der Grund für das im Prinzip ebenfalls empörende Desinteresse für Publikationen wie "Football Leaks"? Für viele war Fussball einst eine mehr oder weniger heile Welt, in der man abschalten konnte. Die eigene Mannschaft weckte Emotionen, die Stars aus Brasilien, Spanien, Italien oder Deutschland wurden bewundert, die Pelés, die Charltons, die Riveras, die di Stefanos, die Netzers oder Beckenbauers. Es gab noch die Zeit, als Bundesligastars wie Luttrop, Stürmer, Benthaus, Konietzka oder Perusic in die Schweiz wechselten, weil sie hier mehr verdienten. Fussball ist auch heute noch in erster Linie eine Unterhaltungsindustrie. Die Fifa hat mit ihren Skandalen vieles zerstört, aber nur wenige Fussballinteressierte sind abgesprungen, kaum einer hat sich stattdessen der Vogelkunde zugewandt oder geht monatelang auf Weltreise. Und viele neue Fussballfreunde sind in aller Welt hinzugekommen und bestaunen fasziniert die in höchstem Tempo vorgebrachten Kunststücke der Ballartisten.


Fussballwelt dreht sich weiter

Was die Fifa an Goodwill und Moral zerstört hat, das kann eben ein Buch wie "Football Leaks" nicht übertreffen. Hier wird nur in erstaunlichen Details ausgeführt, was im Grunde schon bekannt war: Dass der Fussball zu einem Dreckgeschäft geworden ist. Die Enthüllungen mögen Steuerbehörden alarmiert haben, aber was ist sonst seit der Veröffentlichung geschehen? Die Fussballbusiness-Welt dreht sich ungerührt weiter wie bisher. Neymar wurde im Sommer 2017 für 222 Millionen Euro von Barcelona nach Paris verschoben, und Pierre Emerick Aubameyang und dessen Berater konnten die Klubleitung und die Spieler von Borussia Dortmund, auch während des Trainings, so lange zum Narren halten, bis der Stürmer zu Arsenal London wechseln konnte.

Auch Tante Liseli bezahlt

Wir empören uns kurz über die enormen Summen, die im Fussball bezahlt werden, und gehen ein paar Tage später zur Tagesordnung über. Auch beim Schweizer Fernsehen schnalzen die Experten mit der Zunge angesichts der erstklassigen Fussballer, die bei Paris-St-Germain oder Manchester City spielen. Doch immer mehr werden die Champions League Spiele nur noch im Bezahlfernsehen zu sehen sein. Das ist richtig so. Denn Tante Liseli, die sich überhaupt nicht für Fussball interessiert, soll den finanziellen Irrsinn, der weitgehend über TV-Gelder berappt wird, nicht auch noch mitfinanzieren müssen. Dennoch konnte sich das Schweizer Fernsehen für die Zeit von Mitte 2018 bis Mitte 2021 als einziger Free-TV-Sender in Westeuropa nochmals Rechte an der Königsklasse sichern, für ein Spiel jeweils am Mittwochabend.

Aufgefallen

Der FC St. Gallen hat inzwischen gelernt zu reagieren. In Thun gelang in dieser Saison der erste Sieg nach 0:1-Rückstand. Wenn sich männiglich fragt, weshalb sich die Ostschweizer zu Beginn so schwer taten, lag es vielleicht auch am pressenden Gegner. Die Thuner sind bekannt als Schnellstarter, denen gegen Ende aber der Schnauf und die Konzentration ausgehen. Ein Remis hätten sie verdient, ohne dass St. Gallen mit insgesamt fünf Grosschancen den Sieg gestohlen hätte. Aufgefallen ist mir diesmal die Abgeklärtheit von Sigurjonsson. Nicht nur, wie er die Lücke beim Siegtreffer erspähte und sie resolut nützte, sondern auch sonst, wie er sich im Mittelfeld bewegte und stets Übersicht bewahrte. Auch die zentrale Rolle von Aratore und Wittwer wurde deutlich, auch wenn sich die beiden vor allem an der Seitenlinie bewegten. Rauf und runter immer munter. Wittwer bereitete drei der fünf erwähnten Chancen vor.

Es gibt noch Zeichen und Wunder im Schweizer Fussball. 23 500 Zuschauer in Bern, 15 600 Zuschauer in Zürich - die Halbfinals unter der Woche bei eisiger Kälte lockten viel mehr Zuschauer an, als erwartet werden konnte. Denn im Cup gibt es keine Abos, muss jedes Billett neu verkauft werden, da auch der Gastclub an den Einnahmen partizipiert. Die Freude an diesem Boom wich dann rasch der Ernüchterung über die Vergabe des Finals nach Bern: Geld ist wichtiger als der Sport. Früher, als das Wankdorf während Jahrzehnten Traditionsstätte des Cupfinals war, konnte man über den Heimvorteil bei YB-Beteiligung noch hinwegsehen – auch wenn der FC St.Gallen bei seinen vier Finalauftritten zweimal just auf die Berner traf. Doch jetzt wird ihnen der Pokal auf dem Serviertablett präsentiert. Denn nun kommt noch der Vorteil durch den Kunstrasen hinzu, belegbar anhand mehrerer Statistiken. Hier nur eine: Seit YB ab Sommer 2014 wieder auf Kunstrasen spielt, traf es im Wankdorf siebenmal auf Basel. YB siegte fünfmal, Basel zweimal. In der gleichen Phase aber, mit meist unangefochtener Basler Überlegenheit, verlor der FCB in allen andern 58 Auswärtsspielen nur sechs Mal, dreimal gegen St. Gallen und je einmal gegen Grasshoppers, Aarau und Luzern. Der FC Zürich dürfte am 27. Mai vor allem zum Spalierstehen nach Bern reisen. Der Platzvorteil der Berner ändert aber nichts an der Tatsache, dass sie die beste Mannschaft der Saison sind und sich voraussichtlich auch das Double verdient sichern werden. (th)


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