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GEGENTRIBÜNE: Der FC St.Gallen muss seine Talente besser nutzen

Mit dem angekündigten Rücktritt von Dölf Früh hat sich an der sportlichen Situation des FC St.Gallen nichts geändert. Inwiefern sie sich ändern wird, darüber kann spekuliert werden - insbesondere vor dem schweren Gang nach Luzern am Ostermontag.
Fredi Kurth
Der FCSG muss sein Talente besser nutzen. Damit sind nicht nur Nachwuchsspieler wie Silvan Hefti gemeint. (Bild: Andy Mueller/freshfocus (freshfocus))

Der FCSG muss sein Talente besser nutzen. Damit sind nicht nur Nachwuchsspieler wie Silvan Hefti gemeint. (Bild: Andy Mueller/freshfocus (freshfocus))

Der neue Mann auf dem Präsidentensessel wird in seiner Antrittsrede versichern, dass er auf der Linie von Dölf Früh weiterfahren und keine Abenteuer eingehen werde. Hierfür braucht man kein Prophet zu sein. Denn an diese Leitschiene wird sich jeder Nachfolger halten müssen. Der Führungsstil dürfte dennoch ein wenig ändern, das Kollektiv des Entscheidungsgremiums etwas stärker in den Vordergrund treten. Fraglich ist, inwiefern Früh, der Mann mit dem höchsten Aktienanteil, immer noch Einfluss nehmen will. Seine Ankündigung lässt auch offen, ob die gesundheitlichen Probleme eine Fortsetzung seiner Tätigkeit auch nach seiner Kur verunmöglicht hätten oder sie nun Anlass sind, eine schon länger gehegte Absicht umzusetzen.

Dölf Früh mit Tranquillo Barnetta. (Bild: Michel Canonica)Dölf Früh mit Tranquillo Barnetta. (Bild: Michel Canonica)
Fussball Super League - Training FC St. Gallen (Bild: Urs Bucher)Fussball Super League - Training FC St. Gallen (Bild: Urs Bucher)
Gassenküche (Bild: Coralie Wenger)Gassenküche (Bild: Coralie Wenger)
ABITAR Ueberbauung (Bild: Donato Caspari)ABITAR Ueberbauung (Bild: Donato Caspari)
Dölf Früh mit Sportchef Christian Stübi. (Bild: Michel Canonica)Dölf Früh mit Sportchef Christian Stübi. (Bild: Michel Canonica)
Dölf Früh mit Roman Buess und Sportchef Christian Stübi (links) (Bild: asdf)Dölf Früh mit Roman Buess und Sportchef Christian Stübi (links) (Bild: asdf)
Dölf Früh, Silvan Hefti (Mitte) und Sportchef Christian Stübi. (Bild: pd)Dölf Früh, Silvan Hefti (Mitte) und Sportchef Christian Stübi. (Bild: pd)
Fussball Super League - Training FC St. Gallen (Bild: Urs Bucher)Fussball Super League - Training FC St. Gallen (Bild: Urs Bucher)
Dölf Früh mit Tranquillo Barnetta. (Bild: Michel Canonica)Dölf Früh mit Tranquillo Barnetta. (Bild: Michel Canonica)
Fussball Super LeagueFC St. Gallen - FC Lausanne-Sport (Bild: Michel Canonica)Fussball Super LeagueFC St. Gallen - FC Lausanne-Sport (Bild: Michel Canonica)
FUSSBALL, SUPER LEAGUE, NATIONALLIGA A, NLA, LNA, MEISTERSCHAFT, SAISON 2016/17, FC ST. GALLEN, FCSG, FC VADUZ, (Bild: Keystone)FUSSBALL, SUPER LEAGUE, NATIONALLIGA A, NLA, LNA, MEISTERSCHAFT, SAISON 2016/17, FC ST. GALLEN, FCSG, FC VADUZ, (Bild: Keystone)
Dölf Früh mit Sportchef Christian Stübi. (Bild: Michel Canonica)Dölf Früh mit Sportchef Christian Stübi. (Bild: Michel Canonica)
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Dölf Früh tritt zurück

Talente im doppelten Sinn

Die Entwicklung des Super-League-Teams hängt aber auch vom Thema ab, das ich bereits am Sonntag nach dem Spiel in Zürich (mit Dolf Früh auf der Tribüne) und vor der Verlautbarung am Montagvormittag in Zeilen gefasst habe: "Der FC St.Gallen muss seine Talente besser nutzen." Als Talente gelten Menschen mit besonderer Begabung. Talent war aber in antiken Zeiten auch eine Währung, mit der Silber, Gold und Kupfer aufgewogen wurden. Der FC St.Gallen verfügt über Talente in diesem doppelten Sinn.

Der Schuss von der Kanzel

Vor einem halben Jahr habe ich vom evangelischen Pfarrer und ehemaligen Tagblatt-Redaktor Daniel Klingenberg den Text einer Predigt erhalten, die er in Wattwil gehalten hatte. Er fügte an: "Wieder mal eine Predigt für Dich, falls auf dem Spielfeld nichts passiert und es auf der Gegentribüne langweilig ist." In seiner Lesung zitierte er das Gleichnis, in dem Jesus seinen Jüngern die Geschichte von anvertrautem Geld erzählt (Lukas 19, 11-26). Sie endet mit dem oft missverstanden Schlusswort von Jesus: "Ich sage euch: Jedem, der hat, wird gegeben werden, dem aber, der nicht hat, wird auch das genommen werden, was er hat." In diesem Gleichnis verteilt ein König zehn Knechten je eine Mine (einen Geldbetrag in damaliger Währung), damit sie mit ihr sinnvoll wirtschaften würden. Jenem Knecht, der daraus zehn Minen machte, gab er später die Macht über zehn Städte, jenem mit fünf Minen die Verantwortung über fünf Städte. Jenem aber, der die Mine ängstlich in ein Tuch wickelte und sonst nichts unternommen hatte, nahm der König sie wieder weg. Jesus legte also dar, wie man mit anvertrautem Geld sinnvoll umgehen soll.

Im Fussball dasselbe Gesetz

Ich denke, dieser Schuss von der Kanzel erlaubt auch eine Bogenflanke zum Fussball. Dort spielen Geld und Macht ebenfalls eine Rolle. Im internationalen Geschäft werden die grossen Klubs ebenfalls immer reicher, während die kleinen, sagen wir mal jene der Super League und anderen Ligen ausserhalb Europas Topklasse, mit einer einzigen Mine kaum noch haushalten können. Was den FC St.Gallen betrifft, hat Dölf Früh seine Mine oder besser einen Teil seiner Millionen sinnvoll eingesetzt, nämlich mit der Rettung vor dem Untergang. Aber wir können uns wieder einmal fragen, ob das Fussballunternehmen mit einer stattlichen Reserve doch besser abschneiden könnte, als bloss im Pulk der geretteten Abstiegskandidaten zu überleben. Ob der FC St.Gallen auch "Macht" ausüben könnte über sieben oder gar acht Gegner.

Dölf Früh greift ins Portemonnaie

Dölf Früh hat selber kürzlich schon ein Zeichen gesetzt, als er eine Million Euro, so wird vermutet, für die definitive Übernahme von Albian Ajeti vom FC Augsburg auslegte. Damit allein ist es jedoch noch nicht getan, auch wenn angenommen werden kann, dass sich der 20-Jährige noch weiter entwickeln wird und sein Zwillingsbruder Adonis zur Stabilität der Verteidigung beitragen könnte. Im Prinzip aber ist erst die aktuelle Qualität gewährleistet. Wie wankelmütig sich mit dem jetzigen Kader die Gunst mal der positiven, mal der negativen Seite zuwendet, erleben wir in diesen Wochen. Ein Tiefpunkt war am vergangenen Samstag bei der Niederlagen gegen die Grasshoppers erreicht. Womit es nach drei Vierteln der Meisterschaft wieder einmal Zeit ist für eine Zwischenbilanz.

Weniger Punkte als im Herbst

Wenn wir das Abschneiden im Herbst dem bisherigen im Frühjahr gegenüberstellen, dann hat der FC St.Gallen nach der Winterpause in den neun vergleichbaren Partien sogar zwei Punkte weniger gewonnen als davor (die aufaddierte Punktedifferenz in der Auflistung unten). Das tönt dramatischer, als es ist. Denn die Wende erfolgte schon am 6. November mit dem Sieg in Lugano, und bis zur Hälfte der Meisterschaft hatte sich Zinnbauers Teams bereits vom Tabellenende entfernt. Mit Blick auf das Restprogramm dieser Saison mit fünf Heimspielen bieten sich einige Gelegenheiten zur Verbesserung, womit das Thema Abstieg irgendwann einmal erledigt sein sollte.

Aber Aufschwung seit November

Seit dem Wendepunk im Herbst verbuchte St.Gallen in 14 Spielen fünf Siege, fünf Unentschieden und vier Niederlagen. Davor lag die Mannschaft mit lediglich elf geschossenen Toren in 13 Spielen am Tabellenende; seither traf sie aber 20 Mal ins Netz. Jetzt von einer Krise zu reden und auf Panik zu machen, wäre also verfehlt. Und wenn Zinnbauer sagt, "wir sind jetzt in einer schlechteren Phase", hat er wohl Recht. Denn von Wellenbewegungen bleibt in dieser Liga, von der bekannten Ausnahme Basel abgesehen, keine Mannschaft verschont. Auch die Young Boys hatten ihre Krise. Der FC Sion hat in den letzten fünf Spielen (Penaltysieg im Cup nicht mitgezählt) nur einmal gewonnen. Lausanne ist von weit oben abgesackt. Lugano, das nun vor St.Gallen liegt, erlebte in der ersten Saisonhälfte eine Serie von zehn Spielen ohne Sieg. Thun schien bereits auf dem Weg zum Ligaerhalt, ist nun aber Vorletzter. Selbst Vaduz kann sich noch erholen, obwohl bei den Liechtensteinern nach nur einem Sieg in den vergangenen elf Spielen im Moment wenig darauf hindeutet.

Flaute im eigenen Stadion

Trotz der nach wie vor günstigen Ausgangslage gibt aber Manches in der Entwicklung des FC St.Gallen zu denken, wäre eine Wellenbewegung nach oben wieder sehr wünschenswert. Denn drei der fünf erwähnten Siege stammen aus den ersten vier Partien in der erwähnten Serie von 14 Spielen. Danach gab es also in zehn Partien nur noch zwei Siege (in Sion und daheim gegen Lausanne). In der Spielentwicklung sind die Fortschritte äusserst bescheiden, trotz permanenter Aufwertung des Kaders im Laufe der Saison. St.Gallen hat in 13 Heimspielen erst 13 Tore geschossen (auswärts 18). Es ist die Mannschaft mit den wenigsten erzielten Toren insgesamt, obwohl sie eine offensive Spielweise pflegt. Irgendwie geht die Rechnung nicht auf. Denn zuletzt war auch die defensive Organisation ungenügend. Dabei müsste die aktuelle spielerische Substanz für Platz fünf ausreichen.

Talente können viel Geld wert sein

Vielleicht müsste für weitere Verbesserungen wieder einmal die Investition von jährlich drei bis vier Millionen Franken für die Nachwuchsförderung geschickter genutzt werden. Der FC Basel seinerseits plant Ähnliches. Das wäre ganz im Sinne der Jesus-Rede: Ein Talent war nach antiker Währung nicht weniger als 60 Minen wert...

Der FC St.Gallen im Herbst und im Frühling
Die Spiele im Herbst entsprechen der terminlichen Reihenfolge in diesem Frühjahr. Resultate immer aus Sicht des FC St.Gallen.

Herbst Frühling Punktedifferenz
aufaddiert
Vaduz (a) 0:2 Vaduz (h) 1:1 +1
Lausanne (h) 2:0 Lausanne (h) 2:1 +1
Young Boys (a) 2:2 Young Boys (a) 2:2 +1
Lugano (h) 0:2 Lugano (h) 0:1 +1
Sion (a) 1:2 Sion (a) 2:1 +4
Luzern (h) 3:0 Luzern (h) 1:1 +2
Thun (a) 2:1 Thun (a) 2:2 0
Basel (h) 1:3 Basel (h) 0:3 0
GC (a) 2:2 GC (a) 1:3 -2





Luzern (a) 0:3 17. April ?
Thun (h) 0:0 23. April ?
Young Boys (h) 0:2 30. April ?
Lausanne (a) 0:1 7. Mai ?
Vaduz (h) 0:2 13. Mai ?
Lugano (a) 3:2 16. Mai ?
GC (h) 2:1 21. Mai ?
Sion (h) 2:1 28. Mai ?
Basel (a) 0:1 2. Juni ?

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