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GEGENTRIBÜNE: Der FC St.Gallen - in zehn Jahren in Europa oder zurück im Espenmoos

Im Mai vor zehn Jahren fand in der neuen Arena des FC St.Gallen das erste Spiel statt. Die Geschichte danach ist frisch und unverrückbar in Erinnerung. Mindestens so spannend ist die Vorstellung, was im zweiten Jahrzehnt geschehen könnte.
Fredi Kurth
Neu und alt: Der Kybunpark, die aktuelle Spielstätte des FC St.Gallen, und dessen Vorläufer, das Espenmoos. (Bild: Benjamin Manser/Urs Jaudas)

Neu und alt: Der Kybunpark, die aktuelle Spielstätte des FC St.Gallen, und dessen Vorläufer, das Espenmoos. (Bild: Benjamin Manser/Urs Jaudas)

Es wäre übertrieben zu behaupten, der FC St.Gallen hätte bisher die Erwartungen erfüllt, welche mit dem Bau der Arena im Westen der Stadt verbunden gewesen waren. Von einer permanent sprudelnden Geldquelle war die Rede, welche dem Verein dank des Fassungsvermögens des Stadions andauernden finanziellen Wohlstand und sportliche Erfolge bringen werde. Das Espenmoos war zuletzt aus allen Nähten geplatzt; die Sehnsucht nach einer modernen Wettkampfstätte erfüllte eine grosse Mehrheit der Anhängerschaft.

Viele Zuschauer schon in der Challenge League

Die offizielle Eröffnung fand zwar erst am 5. Juli statt, aber bereits zum Länderspiel Schweiz - Liechtenstein (3:0) am 30. Mai erschienen 18'000 Zuschauer - das war die bis dahin grösste Menge, die je in der Gallusstadt ein Fussballspiel verfolgt hatte.

Dass der FC St.Gallen die erste Saison am neuen Ort in der Zweitklassigkeit beginnen musste, passte nicht ins Drehbuch. Aber die Aura der AFG Arena, die vor zwei Jahren zum Kybunpark wurde, lockte dennoch massenhaft Publikum an. Sie vermittelte das Gefühl, einen kleineren Grossverein zu beheimaten, der im Schweizer Fussball bald eine bedeutende Rolle spielen könnte.

Rettung, Europa League, Absacken

Die Rückkehr in die Super League gelang mit Verve, die Aufstiegssaison wurde auf dem sechsten Platz beendet. Doch ein Ausverkauf der Mannschaft – fünf Stammspieler wurden abgegeben – bestätigte die Gerüchte um finanzielle Schwierigkeiten. Nur dank der kräftigen Hilfe von Dölf Früh und ein paar weiteren Geldgebern konnte der Verein vor dem Ruin bewahrt werden. Abstieg in die Challenge League, sofortige Rückkehr, danach die beste Platzierung mit Platz 3 in der Super League und Freudentage in der Europa League: Das waren die Stationen nach der Rettung.

Präsident Früh pflegte eine strikte Sparpolitik bei der 1. Mannschaft und investierte in die Fussballakademie, die Gewinn abwerfen sollte. Solches Handeln fand in Anbetracht der Vorgeschichte fast überall Anklang – bis zu jenem Punkt, als es auf dem Rasen bergab ging und schliesslich der Abstieg drohte.

Neubeginn folgte auf Neubeginn

Im September 2015 erklärte Erfolgstrainer Jeff Saibene, mit der Mannschaft nicht mehr weiterzukommen. Nachfolger Joe Zinnbauer blieb aber glücklos. Die sportliche Misere war immer mehr begleitet von einem Führungsdebakel. Die Turbulenzen sind noch in bester oder vielmehr in schlechter Erinnerung. Ein Neubeginn löste den andern ab. Im Frühjahr 2017 folgte der Führungswechsel von Dölf Früh, gesundheitlich stark angeschlagen, zu Stefan Hernandez. Giorgio Contini übernahm von Joe Zinnbauer, und im Dezember löste Matthias Hüppi mit neuer Crew den eben erst gewählten Hernandez als Verwaltungsratspräsident ab. Seit zwei Wochen schliesslich ist auch Contini seinen Job los. Soweit zehn Jahre im Zeitraffer.

War in der Ära von Dölf Früh der FC St.Gallen einige Zeit so vermögend wie nie zuvor, schrumpften zuletzt die Reserven. Hüppi und seine Mitarbeiter sind nun um Budgetausgleich bemüht. Ein klares Konzept, basierend auf einheitlicher Lehre im sportlichen Bereich und auf realistischem Finanzgebaren, soll den ältesten Fussballclub der Schweiz ins neue Jahrzehnt tragen.


Gute Voraussetzungen, schlechte Rahmenbedingungen

Die Voraussetzungen sind in St.Gallen besser als bei den meisten Super-League-Unternehmen. Weniger vielversprechend sind die allgemeinen Rahmenbedingungen. Es fällt heute schwerer, die Zuschauer ins Stadion zu locken. Fussball kann bis zum Überdruss am Fernsehen verfolgt werden.

Erfolgreicher und attraktiver Fussball ist deshalb gefordert. Doch das ist so leicht gesagt. Es ist auch deshalb schwieriger geworden, beschwingtes Spiel zu zeigen, weil heute Fussball primär gearbeitet wird. "Gegen den Ball arbeiten", daran haben die Trainer ihre helle Freude. Individuelles Können wird so rasch als möglich erstickt.

Als der FC St.Gallen im Jahr 2000 Meister wurde, gefiel die Mannschaft vor allem durch ihre fussballerische Brillanz. Heute würde ihr das Leben von unermüdlich ackernden Gegenspielern wesentlich schwerer gemacht.

Aber es gibt zu dieser Entwicklung auch Gegenbewegungen. Sie heissen schnelles Umschaltspiel (früher schlicht Konterfussball) und sicheres Kombinationsspiel aus der Abwehr heraus. Hierfür sind sowohl läuferisch starke als auch ballgewandte Fussballer gefragt, die im hohen Tempo agieren können.

Noch ein so stürmisches Jahrzehnt wäre zu viel

Wir dürfen also gespannt sein, in welchem Zustand sich der FC St.Gallen anno 2028 präsentieren wird. Ich meine, dass er ein so stürmisches Jahrzehnt wie das erste im neuen Stadion nicht mehr überleben würde. Entweder kann er sich nach vorne und somit von den weniger bemittelten Vereinen absetzen, regelmässig in Europa spielen und das Stadion einigermassen füllen. Oder er bewegt sich auf immer dünnerem Eis und vermag schliesslich den aufwendigen Unterhalt nicht mehr zu berappen. Die Event AG würde zu einem eigenständigen Unternehmen und organisierte noch Konzerte, Länderspiele, den Auffahrtslauf und weitere Freiluftveranstaltungen.

Das Espenmoos 108 Jahre nach der Eröffnung

Wie verhielt es sich denn damals, als der FC St.Gallen schon einmal ein neues Stadion, Sportplatz genannt, bezog? 1910 wurde das Espenmoos eröffnet. Der Bau hatte 15'000 Franken verschlungen. Weit mehr als die Hälfte wurde aus freiwilligen Spenden zusammengetragen, der Rest durch Matcheinnahmen. Der FC St.Gallen spielte in der obersten Liga, war ähnlich wie vor dem Umzug in die AFG Arena ein paar Jahre vorher Schweizer Meister geworden (1904). Die Serie A, wie die Eliteliga damals hiess, bestand maximal aus acht Mannschaften. St.Gallen wurde fünfmal Vizemeister. Diese Konstanz konnte die Mannschaft im zweiten Jahrzehnt nicht mehr halten.

Stadtderby im Herbst 2028

Nun, das Espenmoos hat bis heute alle Turbulenzen überstanden. Die 1969 eröffnete Tribüne steht noch immer und wird mit denkmalerischem Aufwand gepflegt. Wenn es mit dem FC wirklich mal bergab ginge, wäre das doch ein Zufluchtsort.. So wie 1860 München heute auch wieder im Städtischen Stadion an der Grünwalder Strasse spielt.

Die Saison 2028/29 in der Promotion League, mit dem Stadtderby gegen Brühl und einem Espenblock auf blitzblanken Stahlrohrrampen - es soll heute schon dies- und jenseits des Jordans Leute geben, die davon träumen...

Aufgefallen

Ja, was war denn da genau passiert? Wer provozierte wen? Es machte den Anschein, dass ein oder mehrere Zuschauer unten auf der Gegentribüne am vergangenen Sonntag den Basler Stürmer Valentin Stocker mit Zurufen verärgert oder gar beleidigt hatten. Nach dem vierten Basler Tor ging der Rückkehrer aus der Bundesliga an die Aussenlinie und machte mit unmissverständlicher Gestik deutlich, was er von den St.Galler Fans dort hielt. Stocker war schon in anderen Schweizer Stadien nicht gerade freundlich empfangen worden. Ein klein wenig erinnert Stockers Rencontre mit dem St.Galler Fan an den Kung-Fu-Tritt, den Eric Cantona einem Fan von Crystal Palace 1995 versetzt hatte. Der Star von Manchester United wurde darauf für ein halbes Jahr gesperrt. Nun, Stockers Vergehen war nicht gewalttätig. Da bestehen doch gewisse Unterschiede zwischen Stocker und Cantona - nicht nur fussballerisch... (th)









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