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Gegentribüne: Der FC St.Gallen in der Super League ohne Nachahmer

Der FC St.Gallen blieb sich auch im Spitzenkampf gegen Basel treu. Er wagt die Offensive und wird mit einem verdienten Remis belohnt. Er hat nicht in erster Linie die Siegesserie beendet, sondern im fünften Spiel die Ungeschlagenheit gewahrt mit nun vier Punkten aus den beiden Partien gegen den Leader.
Fredi Kurth
FC St.Gallen Ermedin Demirovic und Omar Alderete FC Basel (Bild: Ralph Ribi)

FC St.Gallen Ermedin Demirovic und Omar Alderete FC Basel (Bild: Ralph Ribi)

17 000 Zuschauer im Kybunpark. Das heisst: Der FC St.Gallen ist wieder «in». Die Kombination aus Erfolg und Spektakel bringt wieder Leute ins Stadion. Dabei waren im Vorverkauf bis Freitag erst 12 500 Karten abgesetzt worden. Das lässt vermuten, dass manch abtrünniger Abonnent am Sonntag in die Arena zurückgekehrt ist. Welch schlechter Entscheid, just diesen Sommer auf die Verlängerung zu verzichten. Wenn das im selben Stil weitergeht, werden auch die weniger namhaften Teams mehr Rückkehrer anlocken.

Basels Abwehrbollwerk ins Wanken gebracht

Der FC Basel wurde lange Zeit ebenso in die Defensive gedrängt wie vor einer Woche der FC Thun. Es dauerte bis weit in die zweite Halbzeit hinein, bis Basel nach fünf St.Galler Eckbällen erstmals einen Corner treten konnte. St.Gallen kam aber nicht mehr so leicht zu Torchancen wie eine Woche zuvor. Nicht von ungefähr: Der Leader hat in zehn Spielen der Super League-Saison erst acht Gegentore hinnehmen müssen, davon zwei gegen St.Gallen im Heimspiel.

Gleichzeitig waren die Kombinationen des Tabellendritten nicht immer nur für den Gegner verwirrend. Manch vielversprechender Angriff wurde zu ungestüm, zu wenig überlegt abgeschlossen. Aber das war schon fast das Einzige, was Zeidlers herzhaften Springinsfelds vorgeworfen werden konnte, und umso wichtiger, dass nun auch die Abwehr sehr solide geworden ist mit nur einem Gegentor in den letzten drei Partien.

Vorbilder finden sich auf internationalem Parkett

Die Spielweise des FC St.Gallen ist zweifelsohne attraktiv. Wie aber lässt sie sich in einem grösseren Zusammenhang einordnen? Schaut man sich um in den Topligen Europas, bevorzugen immer mehr Trainer diesen temporeichen, zupackenden Fussball, der in der Regel auch mehr Tore produziert. Dabei muss man unterscheiden zwischen dem raschen Pressing- und Umschaltfussball, oft auch aus der Tiefe der eigenen Abwehr heraus, und dem temporeichen Ballbesitzfussball.

Letzterer kommt allmählich aus der Mode, wird heute aber immer noch mit Erfolg von Manchester City und Barcelona auf den Rasen gezaubert. Die erstgenannte Variante, so wie sie auch dem FC St.Gallen zuzuschreiben ist und auf höchster Ebene von Jürgen Klopps FC Liverpool praktiziert wird, scheint in Bezug auf defensive Sicherheit verlässlicher zu sein.

In der Bundesliga immer weiter verbreitet

Was sich seit kurzem auch abzeichnet: Der Pressing-Fussball kann - im Gegensatz um rasanten Ballbesitz - auch von spielerisch schwächeren Teams angewandt werden, zu denen gemessen an internationalem Standard auch der FC St.Gallen gehört. Mit dem guten Beispiel voran ging die Bundesliga, wo sich nicht nur Leipzig, Hoffenheim oder Leverkusen darin versuchten, sondern auch Teams wie Eintracht Frankfurt, Mönchengladbach, Werder Bremen und VfL Wolfsburg diese Spielidee übernahmen und – mehr noch – erfolgreicher abschnitten als die konservativ auftretenden Teams wie Stuttgart, Schalke oder Hertha Berlin. Wie toll ist nun aber Schalke 04 mit seinem neuen Trainer David Wagner, zuvor mit Huddersfield in England ein angesehener Trainer, in die Meisterschaft gestartet, mit jenem Fussball, der allen gefällt, und mit kaum verstärktem Kader.

Die Serie A mit einem Rekord an Toren

In Italien mischt Gian Piero Gasperini die Aussenseiter von Atalanta Bergamo die Serie A schon seit einigen Jahren mit seiner Abenteuerlust auf. Auch dort gibt es immer mehr Nachahmer. Schon nach vier Runden der neuen Meisterschaft jubelte «La Gazzetta dello Sport» unter dem Titel La Valanga (die Lawine) über den leidenschaftlichen Fussball. «Alle im Angriff» hiess es im Untertitel.

Die Serie A sei in 70 Jahren nie mehr so schön gewesen. Tatsächlich fielen 123 Tore, eine höhere Zahl hatte es nach vier Runden zuletzt 1950 gegeben. Italiens Fussball freut sich auch über mehr Zuschauer in den Stadien und vor den TV-Apparaten. Rassistische Ausfälle von Ultras bilden allerdings eine Eiterbeule am sonst wieder attraktiven Körper der Serie A.

Aus Taktikern werden Abenteurer

Erstaunlich ist: Gewandelt haben sich auch einige Trainer. So lässt Carlo Ancelotti seine Neapolitaner munter stürmen, wie sie es schon unter Maurizio Sarri getan haben. Sarri wiederum lässt nun auch Ronaldo und Kollegen noch extremer angreifen, so auch am Sonntagabend beim 2:1-Sieg von Juventus beim bis dahin verlustpunktosen Leader Inter Mailand. Bei Bayern ist Niko Kovac vom Saulus zum Paulus mutiert – so wie die Münchner nun traumwandlerisch über den Rasen sausen und zum Beispiel Champions-League-Finalist Tottenham ausspielten. Da könnte man fast der verwegenen Versuchung erliegen, Bayern-Fan zu werden – auch weil sich die Klubführung dem Markt der horrenden Ablösesummen bisher verweigert hat.

Die Heimniederlage gegen Hoffenheim am Samstag zeigt nur, dass Offensivfussball Risiken birgt.

Und wenn die Dämme brechen, ist alles möglich. Da verlor doch Bergamo in der Champions League bei Aussenseiter Dinamo Zagreb gleich mit 0:4, mit demselben Ergebnis Borussia Mönchengladbach in der Europa League daheim gegen den österreichischen Bundesligisten Wolfsberger AC. Macht nichts. Aufstehen. Mund abputzen. Weiter stürmen. Seit Sonntagabend ist Mönchengladbach mit starkem Schweizer Timbre Bundesliga-Leader.

FCSG in der Super League allein auf weiter Flur

In der Super League ist der Spektakel-Trend noch nicht richtig angekommen. Ich könnte keine Mannschaft nennen, die dem FC St.Gallen mit gleicher Courage nachfolgt. Zu Beginn der Saison schien noch Aufsteiger Servette diesen Weg beschreiten zu können. Stéphane Henchoz verlässt sich mit Sion auf die gleiche defensive Ausrichtung wie vergangene Saison mit Abstiegskandidat Xamax.

Luzern wirkt in seinem Auftritt ebenfalls eher hölzern. Auch der FC Zürich kommt kaum vom Fleck. Und Luganos reiner Konterfussball scheint durchschaut zu sein – doch, oh Wunder, wie frech traten die Tessiner just gegen Dynamo Kiew in der ersten Halbzeit im Kybunpark auf und hätten im Grunde gewinnen müssen. Bleiben selbstverständlich Basel und die Young Boys als die schillernden Erscheinungen der Liga, die sich aber schon über Jahre hinweg nicht irgend einer auffälligen Spielweise verschrieben haben, nicht verschreiben mussten, weil sie sich einfach über die individuelle Klasse der Spieler vom Rest der Liga abheben konnten.

Nun also die Länderspielpause. Die Anhänger können ein wenig durchatmen, einige ihren Abo-Entscheid überdenken. Und Peter Zeidler muss vor den Auswärtsspielen gegen Servette und Lugano bei den Spielern wieder dieselbe Spannung aufbauen wie in den vergangenen Wochen. Das sollte in Wochen wie diesen auch gelingen.

Aufgefallen

Der «Kicker» widmete dem FC St.Gallen vergangene Woche eine ganze Seite (Tabloid-Format). Natürlich war fleissigen Tagblatt-Lesern das Meiste schon bekannt, was Peter Zeidler im Interview sagte. Bemerkenswert für mich war seine Aussage zur Überforderung der jungen Spieler. Körperlich, taktisch, aber auch mental sei es in einer höchsten Liga für die Jungen eine Gratwanderung. Erst kürzlich habe ihn ein Spieler angerufen und gesagt, er wisse nicht, wie er heute trainieren solle, es sei ihm gerade alles zu viel. Solche Gefahr besteht also auch für Spieler, die durch Europacup und nun auch Schweizer Cup keine Zusatzbelastungen ertragen müssen. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Antwort Zeidlers auf eine Frage, die ihm bei anderer Gelegenheit schon gestellt wurde: Ob denn ein Spieler über 90 Minuten und etwas mehr volle Verausgabung leisten könne. «Ja, die Profis sind heute konditionell entsprechend ausgebildet», antwortete Zeidler. «Im Spiel gibt es immer wieder Unterbrechungen, in denen sie sich erholen können.» Also: Ein einzelnes Spiel kann einen jungen, fitten Spieler nicht überfordern, wohl aber der Betrieb über die ganze Saison. (th)

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