Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

GEGENTRIBÜNE: Der FC St.Gallen in der Hand von 15 Beratern

Was im Titel in verkürzter Form dramatisch tönt, ist in Wirklichkeit eine Entwarnung. Denn je mehr Sportmanager sich um das finanzielle Wohl von Kaderspielern bemühen, desto weniger Einfluss haben sie.
Fredi Kurth
Arbeitet mit Donato Blasucci zusammen: St.Gallen-Torhüter Daniel Lopar. (Bild: Claudio de Capitani/freshfocus (Claudio de Capitani))

Arbeitet mit Donato Blasucci zusammen: St.Gallen-Torhüter Daniel Lopar. (Bild: Claudio de Capitani/freshfocus (Claudio de Capitani))

Die Frage drängte sich schon seit einiger Zeit auf. Wie sehr ist der FC St.Gallen durch Beratertätigkeit von Aussenstehenden gefährdet? Auslöser sind die Diskussionen um den Einfluss von Donato Blasucci und Kollegen, welche das Unternehmen FC St.Gallen unterwandern sollen und verantwortlich seien für viele unverständliche und plötzliche Abgänge. Vergangene Woche gab der ehemalige Präsident Dölf Früh in einem Interview mit der "NZZ" eine deutliche Antwort: "Die Unterstellung ist ungeheuerlich", sagte Früh. "Während meiner Amtszeit hat Donato Blasucci nie versucht, Einfluss auf den Klub zu nehmen oder auf mich auszuüben. Er ist ein Spielerberater wie andere, die mit dem Klub zusammenarbeiten. Andere Berater haben bei uns mehr Spieler als er."

Von den Spielern einzig Lopar
Dölf Frühs Aussage trifft zumindest in einer Hinsicht sicher zu: Von den Angestellten des FC St.Gallen wird von den Spielern einzig Daniel Lopar in Zusammenhang mit der Gruppe von Donato Blasucci und Nachwuchschef Marco Otero gebracht, die andern sind gemäss Aufzählung der "NZZ" Trainer Giorgio Contini, Talentmanager Kristijan Djordjevic, Trainerassistent Markus Hoffmann und Konditionstrainer Harry Körner.

Drei Firmen mit je drei St.Gallern
Bei meiner Recherche, welche Berater beziehungsweise welche Beratungsbüros die Spieler des FC St.Gallen betreuen, bin ich auf 14 verschiedene Institutionen gestossen, denen sich 22 der 27 Kaderleute angeschlossen haben. Die grösste Anzahl, nämlich je drei Spieler, stehen bei International Football Managment IFM, Esha Sportmanagement und SBE Management AG unter Vertrag. IFM wird von Wolfgang Vöge geleitet, der in der Branche als sehr seriös gilt. Die weiteren Firmen führen zwei oder einen Spieler des FC St.Gallen auf ihrer Liste an. Mit anderen Worten: Dass einSpielerberater den Ostschweizer Verein in arge Nöte versetzen kann, weil er auf einen Schlag alle seine Leute gewinnbringend irgendwo anders unterbringen will, ist fast ausgeschlossen.

Der Fall VfL Wolfsburg
Mir ist auch nur ein Fall bekannt, da irgendwo ein solcher Vorwurf erhoben wurde. Vor einem Jahr verspürten beim VfL Wolfsburg mindestens fünf weitere arrivierte Spieler mit laufendem Vertrag den Drang, den Verein zu verlassen, nachdem Kevin de Bruyne mit dem Wechsel zu Manchester City offensichtlich den Appetit auf die Fleischtöpfe der europäischen Spitzenteams angeregt hatte: Draxler, Naldo, Gustavo, Schürrle und auch Ricardo Rodriguez wollten sich verabschieden. Inzwischen sind tatsächlich alle weg. Der inzwischen entlassene Wolfsburg-Manager Klaus Allofs beklagte sich bitterlich darüber, dass wenige Berater ihre Stellung schamlos ausnützten. Vom erwähnten Quintett gehören aber nur zwei Spieler demselben Beratungsbüro an.

Blasucci kaum einmal erwähnt
Natürlich, der Markt ist schwierig zu durchschauen, und nicht immer wird deutlich, welche Personen sich hinter den Firmenbezeichnungen verstecken. Auch fällt auf, dass der Name von Donato Blasucci auf keiner von mir entdeckten Zusammenstellung von Spielerberatern erschienen ist. Somit sind es in Wirklichkeit mindestens 15 Beraterbüros, die sich um das finanzielle Schicksal der St.Galler Spieler kümmern. Keine Angaben waren zu Yrondu Musavu-King, Nico Krucker und Boris Babic zu finden. Die Interessen von Noah Blasucci dürfte sein Vater wahrnehmen. Dessen Sport GmbH ist gemäss Schweizerischem Handelsamtsblatt 2016 von Aadorf nach Zug disloziert. Als Gesellschafter ohne Zeichnungsberechtigung ist auch Hakan Yakin erwähnt.

Das Beispiel Bayern München
Mit dem Hinweis auf die breite Beratungspalette beim FC St.Gallen sind allerdings noch viele Fragen nicht beantwortet. Die Vetternwirtschaft, wie sie nun offensichtlich betrieben wird, könnte sogar erfolgreich sein. Der FC Bayern ist hierfür das klassische Beispiel, neuerdings mit dem Engagement von Hasan Salihamidzic, dem ehemaligen Fussballer, als neuem Sportdirektor oder von Sebastian Hoeness, dem Neffen von Uli Hoeness und Sohn von Dieter Hoeness, als Coach für die U-19-Mannschaft. Beim FC St.Gallen aber ist im Gegensatz zum deutschen Riesen die Begünstigung von Bekannten und Verwandten mit einem Imageverlust verbunden, weil laufend fähige Leute den Verein verlassen oder verlassen müssen.

In der "NZZ" wird im Artikel über den FC St.Gallen auf den FC Luzern verwiesen, der sich nach dem Abgang von Präsident Walter Stierli auch "in Machtkämpfen verloren" habe. Allerdings: Der FC Luzern hat es überlebt. Und ist meistens vor dem FC St.Gallen platziert.

Die Beratungsbüros und ihre St.Galler Spieler
IFM (Wolfgang Vöge): Barnetta, Kräuchi, Wittwer
Esha (Erdin Shaqiri): Adonis Ajeti, Albian Ajeti, Taipi
SBE (Philipp und David Degen): Hefti, Schulz, Tafer
Sport GmbH (Donato Blasucci): Blasucci, Lopar
Go 4 Sports (Zoran Rasic): Aleksic, Stojanovic
Soccer Mondial (Milos Malenovic): Angha, Aratore
ARP (Harun Arslan): Haggui
IFM Zarra (Raffaele Zarra): Wiss
Royal (Robert F. Laub): Gönitzer
Gallianza Sport (Gaetano Giallanza): Koch
Good (Ignaz Good und Dong-Kook Kim): Toko
Footuro (Philippe und René Strittmatter): Kukuruzovic
Selection Fussballconsulting (Christian Sand): Tschernegg
Müller & Paparis (Rolf Müller und Dimitrios Papadopoulos): Buess
Gold-Kick & Sportservice (Max Urscheler): Ben Khalifa

Aufgefallen

Prognosen zwecklos.Zu Saisonbeginn haben Journalisten wahrscheinlich ziemlich rasch und vielleicht im Gefühl sicherer Überzeugung die Rangliste der Super League erstellt, wie sie denn Ende Saison aussehen könnte. Doch nach sechs Runden zeigt die Tabelle ein erstaunliches Bild: Der Siebte Sion, aus dem tiefen unteren Mittelfeld der Zehnerliga, liegt nur vier Punkte hinter Zufallsleader Zürich. Hätte St.Gallen gegen die Young Boys gewonnen, was ja möglich gewesen wäre, dann läge Continis Team nur zwei Punkte hinter Rang eins. Es lebe die Spannung nach Jahren der Basler Dominanz! Auch ein gewisser Fredi Kurth sah die St.Galler nach fünf Runden eher in der unteren Tabellenhälfte umherturnen als oben. Ironischer- und bezeichnenderweise sind sie nach einer der besseren Leistungen in dieser Saison nun tatsächlich in die untere Tabellenhälfte geplumpst. Mit den üblichen Kriterien wie Taktik und Qualität einer Mannschaft lassen sich einzelne Resultate – zum Beispiel das 4:0 der Thuner bei YB und handkehrum das 1:4 in Lugano – nicht mehr erklären. Es hat wohl vielmehr mit mentaler Verfassung zu tun. Da spielt St.Gallen eine Halbzeit lang gegen die Young Boys nur defensiv einigermassen zufriedenstellend, kommt nur zu zwei Chancen (aber immerhin zum Ausgleich), und spielt dann plötzlich keck auf und verzeichnet schliesslich ein Plus von 8:6 (2:3) Tormöglichkeiten. Zuerst fast wie ein Challenge-League-Team, dann fast wie zu Europa-League-Zeiten. "Wir spielten nach der Pause auf dem Zahnfleisch", sagte YB-Trainer Adi Hütter nach dem Match. Und damit kommen wir zu einem weiteren Erklärungsversuch: Die Hitze des Sommers mag in englischen Wochen Spieler ermatten. Nun, da hätten aber nicht nur die Berner eine Entschuldigung gehabt, sondern auch die St.Galler für ihre Darbietung bei den Grasshoppers vier Tage nach dem Nachtragsspiel in Lugano.

Rätsel um Albian Ajeti. YB fehlten einige Titulare. Das traf aber auch auf St.Gallen zu. Wohl um Ausgleich zu schaffen, verzichtete Espen-Coach Giorgio Contini auf den Einsatz von Albian Ajeti. Oder zeichnet sich da doch noch ein Transfercoup ab? Nun ja, dann haben wir immer noch einen Marco Aratore, der von den bisherigen Spielern beim FCSG neben Silvan Hefti die positivste Entwicklung genommen hat.

Hände oder nicht Hände?Beklagen müssen sich die St.Galler nicht. Wie war das jüngst in Lugano, als der Ball irgendwann nach der Pause Haggui an den Arm flog? Da reklamierten die Tessiner Elfmeter. Ein Angreifer wäre ganz allein vor Lopar gestanden. Auch jetzt pfiff der Schiedsrichter streng konsequent nach der Vorgabe, die Absicht ist entscheidend. Allerdings hätte demnach auch dem FC Luzern beim 1:1 gegen Zürich kein Penalty zugesprochen werden dürfen.

Ein nettes Paar.Die Mobilitäts-Initiative soll dem motorisierten Verkehr in St.Gallen wieder mehr Spielraum geben. Die Drehzahl der Debatte im Stadtparlament werde in den roten Bereich steigen, war im "Tagblatt" zu lesen. Daniel Kehl, Präsident der SP/Juso/PFG-Fraktion, erschien dabei mit Foto als Vertreter der Gegner, Karin Winter-Dubs als Präsidentin der SVP-Fraktion ebenfalls mit Bild auf Befürworter-Seite. Aufmerksamen Anhängern des FC St.Gallen mögen die beiden irgendwie bekannt vorkommen. Tatsächlich sind sie in der Fanarbeit tätig, Kehl als Präsident und ehemaliger Hutter-und-Mock-Autor und Dubs als Vize-Präsidentin des entsprechenden Vereins. Beide besuchen selbstverständlich die Spiele im Kybunpark und ziehen in diesem Fall am selben Strickende. Der FC St.Gallen als versöhnende Institution? Oder hat Fanarbeit auch mit Politik zu tun? Zumindest im Verwaltungsrat von Event- und FC-AG soll mindestens ebenso so heftig diskutiert werden wie im Waaghaus. (th)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.