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Kolumne

Gegentribüne: Der FC St.Gallen hat gegen Lugano mental versagt – was jetzt zu tun ist, damit die Espen nicht auf die schiefe Bahn geraten

Die Niederlage des FC St.Gallen gegen Lugano war eine blanke Kopie der ebenso hilflosen Darbietung beim FC Luzern. Trainer Peter Zeidler muss und wird nicht alles ändern. Aber er hat sich nun zu überlegen, wie sich seine Untergebenen gegen solche Gegner geschickter verhalten.
Fredi Kurth
Plötzlich läuft es nicht mehr: St.Gallen-Trainer Peter Zeidler. (Bild: Urs Bucher)

Plötzlich läuft es nicht mehr: St.Gallen-Trainer Peter Zeidler. (Bild: Urs Bucher)

Würde eine Weltraum-Equipe ihre Kamera auf den Kybunpark zoomen, sähe sie bei Spielbetrieb immer dasselbe Bild. In einer Platzhälfte bewegen sich viele Menschen, in der anderen sind es viel weniger. Dort, wo viele Leute herumrennen, geschieht wenig. Dort, wo viel Raum vorhanden ist, landet der Ball ab und zu im Tor. Es ist jenes Tor, das vom Goalie des FC St.Gallen gehütet wird.

«Gegentribüne»-Autor Fredi Kurth. (Bild: Urs Jaudas)

«Gegentribüne»-Autor Fredi Kurth. (Bild: Urs Jaudas)

Warum St.Gallen gegen Lugano verloren hat, kann in der vorangegangenen «Gegentribüne» nachgelesen werden. Die extreme Spielweise der Mannschaft von Peter Zeidler passte am Samstag nicht zu jener der Tessiner, die jeweils wie ein italienischer Serie-C-Verein in den 1960er-Jahren hinten hinein stehen. Oder positiv ausgedrückt: Lugano spielt den klassischen Konterfussball, wie er heutzutage weit verbreitet ist.

Auch mental versagt

Aber ein Spiel wird nicht nur taktisch entschieden. St.Gallen fehlte auch die fussballerische Qualität, um derart massiert stehende Gegner auszuhebeln. Und es liess die Anpassungsfähigkeit vermissen, um sich selber Räume zu schaffen.

Will man sich auf Zeidlers Art durchsetzen, dann benötigt die Mannschaft mehr Tempo, mehr Mut zum schnellen Pass, und sie muss bei den dabei häufigen Ballverlusten viel schneller nachsetzen. Sie hat diesbezüglich auch mental versagt. Erst ab der 60. Minute, nun mit Tranquillo Barnetta auf dem Platz, kam Bewegung ins St.Galler Spiel. Viel zu spät.

Dejan Stojanovic: Note 3,5. Ein-, zweimal zur Stelle. Kommt bei Carlinhos’ Grosschance (41.) zu spät heraus. Bei den Gegentoren machtlos.Dejan Stojanovic: Note 3,5. Ein-, zweimal zur Stelle. Kommt bei Carlinhos’ Grosschance (41.) zu spät heraus. Bei den Gegentoren machtlos.
Leonidas Stergiou: Note 3,5. Vergisst Carlinhos im Rücken beim 0:1. Der Liga-Alltag, in dem sich der 17-Jährige in jedem Spiel beweisen muss, hat ihn eingeholt.Leonidas Stergiou: Note 3,5. Vergisst Carlinhos im Rücken beim 0:1. Der Liga-Alltag, in dem sich der 17-Jährige in jedem Spiel beweisen muss, hat ihn eingeholt.
Jérémy Guillemenot: Note 3. Keine Aktion. Auf dieser Leistung kann der Mittelstürmer nicht aufbauen. Muss körperlich zulegen.Jérémy Guillemenot: Note 3. Keine Aktion. Auf dieser Leistung kann der Mittelstürmer nicht aufbauen. Muss körperlich zulegen.
Simone Rapp: Note 3,5. Kommt nach der Pause für Guillemenot – und sorgt für ein wenig mehr Torgefahr.Simone Rapp: Note 3,5. Kommt nach der Pause für Guillemenot – und sorgt für ein wenig mehr Torgefahr.
Vincent Sierro: Note 3,5. Am Einsatz liegt es nicht, sucht oft den Abschluss. Für die Bundesliga muss er sich aber steigern.Vincent Sierro: Note 3,5. Am Einsatz liegt es nicht, sucht oft den Abschluss. Für die Bundesliga muss er sich aber steigern.
Andreas Wittwer: Note 4. Einige gute Vorstösse, ein schöner Abschluss. Defensiv nicht ganz fehlerfrei.Andreas Wittwer: Note 4. Einige gute Vorstösse, ein schöner Abschluss. Defensiv nicht ganz fehlerfrei.
Silvan Hefti: Note 3,5. Hebt beim 0:1 das Abseits auf. Auch sonst nicht immer souverän.Silvan Hefti: Note 3,5. Hebt beim 0:1 das Abseits auf. Auch sonst nicht immer souverän.
Dereck Kutesa: Note 3,5. Keine gute Partie von Kutesa. Er ist bemüht, spielt aber glücklos und zu kompliziert.Dereck Kutesa: Note 3,5. Keine gute Partie von Kutesa. Er ist bemüht, spielt aber glücklos und zu kompliziert.
Nicolas Lüchinger: Note 3,5. Seine Flanken bleiben ein Rätsel. Immerhin hält er körperlich und mit seiner Härte dagegen.Nicolas Lüchinger: Note 3,5. Seine Flanken bleiben ein Rätsel. Immerhin hält er körperlich und mit seiner Härte dagegen.
Axel Bakayoko: Note 3,5. Versucht in der ersten Halbzeit noch am meisten in der Offensive. Baut zusehends und stark ab.Axel Bakayoko: Note 3,5. Versucht in der ersten Halbzeit noch am meisten in der Offensive. Baut zusehends und stark ab.
Majeed Ashimeru: Note 3. Körperlich bleibt er ein Leichtgewicht. Verliert den Ball beim 0:2. Es ist nicht sein Abend, zudem behindert ihn eine Risswunde.Majeed Ashimeru: Note 3. Körperlich bleibt er ein Leichtgewicht. Verliert den Ball beim 0:2. Es ist nicht sein Abend, zudem behindert ihn eine Risswunde.
Jordi Quintillà: Note 3,5. Ungewohnt fahrig. Quintillà kann das Spiel nie an sich reissen.Jordi Quintillà: Note 3,5. Ungewohnt fahrig. Quintillà kann das Spiel nie an sich reissen.
Tranquillo Barnetta: Note 4. Kommt früh in der zweiten Halbzeit für Stergiou. Mit ihm treten die St. Galler gefährlicher und leidenschaftlicher auf.Tranquillo Barnetta: Note 4. Kommt früh in der zweiten Halbzeit für Stergiou. Mit ihm treten die St. Galler gefährlicher und leidenschaftlicher auf.
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Mehr schlecht als recht: Die Noten der FCSG-Spieler zur Heimniederlage gegen Lugano

Sich der Situation anpassen

Vor zwei Woche stand hier geschrieben: St.Gallen befindet sich auf einem guten Weg. St.Gallen gewann gegen ein Xamax in Form 3:0, zeigte taktische Variation, indem es zuerst den Gegner mit viel Selbstvertrauen an die Wand drückte und verdient in Führung ging. Danach spielten Zeidlers Leute wie Lugano im Kybunpark – aber bloss gezwungenermassen, weil Goalie Dejan Stojanovic des Feldes verwiesen worden war. Damals bewies die Mannschaft Anpassungsfähigkeit.

Vor allem gegen Mannschaften wie Luzern oder Lugano müsste St.Gallen fähig sein, sich im Hinblick auf die aktuelle Spielsituation richtig zu verhalten.

Schnelle Stürmer in Schuss bringen

Schauen wir noch auf die Angriffsreihe des FC St.Gallen. Axel Bakayoko und Dereck Kutesa sind hervorragende Konterstürmer, die aber ein paar Meter freien Rasen vor sich benötigen. Wenn dem nicht so wäre, würden sie bei Inter Mailand oder zumindest beim FC Basel spielen.

Den Versuch, den Gegner über die ganze Spielzeit unter Druck zu setzten, wagen heute nur noch wenige Mannschaften. Sie sind in den grossen Ligen zu finden. Konsequent tut es wahrscheinlich nur noch Manchester City mit rasantem Ballbesitzfussball. Heute lässt man den Gegner mal zu Atem kommen, auch Liverpool tut es. Dann gibt es eben diese torlosen Partien wie im Hinspiel gegen Bayern München.

Sonst droht die schiefe Bahn

Peter Zeidler hat schon Recht: Innerhalb von 14 Tagen kann nicht alles schlecht geworden sein, was zuvor einigermassen geklappt hat. Und es werden wieder andere Gegner kommen, die mehr zulassen. Aber ohne eine Reaktion auf die jüngsten Erfahrungen gerät die Mannschaft resultatmässig auf eine schiefe Bahn wie bereits in den Wochen vor Weihnachten.

Im Grunde geht es darum, sich in der Offensive so viele Freiheiten zu verschaffen, wie sie jeweils der Gegner vorfindet, wenn er gegen St.Gallen spielt. So viel Raum wie im Weltall muss es ja nicht unbedingt sein...

Aufgefallen

Der Fussball lieferte am Samstagabend leider noch betrüblichere Bilder als jenes, das der FC St.Gallen bei der Niederlage gegen Lugano abgab. Während auf SRF das boomende Eishockey mit den Playoffs seinen Saisonhöhepunkt zelebrierte, wurde in Sion nicht einmal mehr gespielt. Der Abbruch markiert sekundär ein Problem des Schweizer Fussballs, primär aber den wahrscheinlichen Niedergang der Grasshoppers, bei denen nun im wahrsten Sinne nichts mehr geht, bei denen nur noch die Pyrotechnik funktioniert. Man könnte einwenden, es seien ja bloss die Chaoten vom Block gewesen, die das Unheil anstifteten. Aber wer besucht überhaupt noch die Spiele des Rekordmeisters im Letzigrund? Es sind just diese Fans, unter denen sich auch viele mit Herzblut befinden. Der Vorschlag von Sion-Präsident Christian Constantin, die Gästeblocks abzuschaffen, taugt aus Sicherheitsgründen wenig, wo doch just im Stade de Tourbillon die Eingangskontrollen dürftig sind. Was hilft, sind drastische Strafen, wie sie einst der mittlerweile verstorbene Erste St.Galler Staatsanwalt Thomas Hansjakob eingeführt hat. Und natürlich solche von Verbandsebene.

Ein Kontrastprogramm lieferte am Wochenende auch der österreichische Fussball. In der Zwölferliga fand der letzte spannende Spieltag vor der Trennung in Meister- und Abstiegsrunde statt. Im Schweizer Fussball hingegen droht Langweile ganz oben und am Tabellenende. Es sei denn, Xamax starte noch zu einer Aufholjagd und ziehe andere Teams in den Kampf gegen die Barrage hinein. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...

Das globale Grümpelturnier nimmt immer konkretere Formen an: Die WM-Endrunde soll nun bereits 2022 auf 48 Teilnehmer aufgestockt werden. Die Fussball-WM 1966 in England hatte noch 16 Finalisten am Start; um genau diese Zahl wird nun erhöht. Täglich bis zu sechs Spiele sind vorgesehen. Da braucht man wie bei einem Grümpelturnier eben ein paar Fussballfelder mehr. Da reicht eine Halbinsel wie Katar mit 2,7 Millionen Einwohnern und einer Fläche von knapp mehr als einem Viertel der Schweiz nicht mehr. Kuwait und Oman sollen auch noch rasch ein paar Stadien herrichten. Gespannt darf man sein, wie die Anhänger in aller Welt auf den kurz vor Weihnachten anberaumten Anlass reagieren und wie die Preisgestaltung für Eintritte und Übernachtungen aussieht. Ein Schweizer Fifa-Präsident trumpt umher, als gelte es, mit allen Traditionen zu brechen. Allerdings setzt sich Gianni Infantino leichter durch als der US-Präsident. Und dem Versuch mit der Klub-WM im Sommer 2021 mit 24 Teams könnte tatsächlich Erfolg beschieden sein – jedoch zulasten der europäischen und wieder einmal der nationalen Wettbewerbe. (th)

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