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Gegentribüne: Der FC St.Gallen – eine Herausforderung für Optimisten

Wer Fan des FC St.Gallen ist, lebt permanent im Clinch: Soll er zu Zuversicht neigen oder die Dinge eher negativ sehen? Vor dem Start der Rückrunde schliesse ich mich den positiv Gestimmten an. Denn irgendwann sollte die lange vermisste Begeisterung ja zurückkehren.
Fredi Kurth
Unser Mann auf der Gegentribüne: Fredi Kurth. (Bild: Urs Jaudas)

Unser Mann auf der Gegentribüne: Fredi Kurth. (Bild: Urs Jaudas)

Wie ich so höre, haben einige Veränderungen während der Winterpause FC-Sympathisanten eher verunsichert als beruhigt, wurden sie doch als übertriebene Aktivität wahrgenommen. Was ist genau geschehen? Noch im vergangenen Jahr relativierte Sportchef Alain Sutter die Effizienz von Future Champs Ostschweiz. Diese Institution fördere im jetzigen Ausmass vor allem Talente für den regionalen Fussball, erfülle gewissermassen einen wohltätigen Zweck. Finanzchef Christoph Hammer hatte sich bei Sutter nach dem «Return on Investment» erkundigt. Oder anders ausgedrückt: Lohnt sich der ganze Aufwand auch für den FC St.Gallen?

Damit stellt sich die Frage, ob mit Transfers von Nachwuchstalenten der eigene Betrieb weitgehend finanziert werden kann – was einmal die Absicht war. Die Antwortet lautet: Ja, aber nur, wenn man sich auf die wahren Talente konzentriert. Mit der angekündigten, unerlässlichen Budgetreduktion für diesen Bereich – Stichwort strukturelles Defizit –ergibt sich eine veränderte Ausrichtung automatisch.

Warum Wiss nicht mehr gefragt war

Andreas Wittwer weg, Roman Buess weg. Das sind Planungen erst für die nächste Saison. Alain Wiss fällt mit seiner schweren Verletzung bedauerlicherweise auch für die Rückrunde aus.

Wenn St.Gallens Verteidigung in der letzten Phase der Herbstsaison ausnahmsweise defensive Solidität zeigte, dann war Wiss im Einsatz, so beim Sieg in Sion und im lange ausgeglichenen Spiel in Thun.

Peter Zeidlers Reserviertheit gegenüber dem Innerschweizer hat damit zu tun, dass Wiss in einem Match relativ wenig Einfluss auf den Spielaufbau nimmt, eine Grundvoraussetzung für einen Verteidiger im System Zeidler. Alain Sutter sprach zwar von einem «Reset» nach unbefriedigendem Abschluss im vergangenen Jahr. Aber Zeidler wird von seiner angriffslustigen Spielphilosophie nicht ein Jota abrücken – so wie es Coca Cola auch nicht einfiele, nur noch koffeinfreie Limonade herzustellen.

Schon einmal auf gutem Weg

Wenn sich permanente Spielerwechsel heutzutage nicht mehr vermeiden lassen, dann möchte der Trainer wenigstens die seinem System entsprechenden Spielertypen um sich haben. Der Prozess ist noch im Gange, und bessere Ergebnisse lassen sich auch mit dem jetzigen Kader erzielen. Erinnern wir uns an den Saisonstart im vergangenen Sommer. Da hatten die Spieler erstaunlich rasche Auffassungsgabe gezeigt. 1:0 in der relevanten ersten Halbzeit gegen den Premier-League-Club Brighton & Hove, 2:1-Sieg zum Meisterschaftsstart in Basel und ebenfalls 2:1 daheim im Europaabenteuer gegen Sarpsborg mit zehn Mann.

Es kam schon fast Euphorie auf. Ja, Ja, melden sich jetzt die Pessimisten. Brighton, das war im Sommer, das war bestimmt eine Reservetruppe. Von wegen. Als kurz nach Neujahr Brighton daheim gegen Liverpool spielte (0:1), trat der Mittelfeldklub immer noch mit sechs Feldspielern an, die schon im Kybunpark in der Startelf standen, inklusive Saisonentdeckung Pascal Gross und Torjäger Glenn Murray.

Diesmal gab es in der Vorbereitung ein 3:0 des FCSG gegen den Hamburger SV in der Sonne von La Manga, zu sehen im HSV-TV. St.Gallen konnte etwas ungewohnt vor allem Umschaltfussball üben, beim Abschluss zum Führungstor durch Kekuta Manneh in Perfektion.

Das Beispiel Adi Hütter

Es geht um die Frage, ob eine Mannschaft wie St.Gallen, die den zweitkleinsten Transferwert der Liga aufweist, einen anspruchsvollen Fussball auch im Alltag der Super League über eine längere Phase umzusetzen vermag: Ja, es ist möglich. Der Vorarlberger Adi Hütter zum Beispiel ist nicht nur mit den Young Boys oder Salzburg erfolgreich gewesen, sondern vorher schon mit Grödig und Altach in der österreichischen Bundesliga und nun mit Eintracht Frankfurt.

Der Optimist in mir sagt, dass der FC St.Gallen im Frühjahr präsenter in der Abwehr sein wird, wenn der Gegner kontert, und dass er mit Simone Rapp als Brecher im Angriff gegnerische Abwehrreihen wieder vermehrt auseinanderdividieren kann, so wie mit Cedric Itten vor dessen Verletzung.

Hier Hüppi, dort Sutter, dazwischen Zeidler

Sollten Sie zu den Pessimisten gehören, brauchen Sie sich nicht zu schämen. Es gab schon immer mehr Pessimisten als Optimisten auf der Welt, besonders in der heutigen Zeit des raschen Wandels und diktatorischer Tendenzen. Pessimismus ist in. Morgan Housel, ein bekannter Finanzjournalist, hat festgestellt:

«Pessimisten klingen so, als wollten sie uns helfen, Optimisten, als wollten sie uns etwas verkaufen.»

Präsident Matthias Hüppi, mit guten Ideen und viel Einsatz unterwegs, ist der Optimist des FC St.Gallen, Alain Sutter, der immer wieder mal auf das Risiko behaftete Unterfangen hinweist, bietet ein Gegengewicht dazu. Somit ist Peter Zeidler wohl als Realist inmitten der stimmungsmässig gespaltenen FC-Gemeinde zu bezeichnen.

Aufgefallen

In meinem repräsentativen Umfeld von Fussballfreunden machte fast am meisten der riesige Staff im sportlichen Bereich Eindruck, so wie er im Tagblatt vorgestellt wurde. Nicht weniger als 16 Personen sind da aufgeführt, unter anderem sechs Personen im medizinischen und physischen Bereich und zwei Materialverwalter. Um Spieltenüs und Fussbälle, zumindest in meinem Zeithorizont bis Mitte der 1980-er Jahre, kümmerte sich einst noch der Platzwart, seine Gattin wusch die Wäsche. Die regelmässige Betreuung der 1. Mannschaft bestand aus Trainer, Trainerassistent und Masseur, allerdings arbeitete nur der Trainer vollamtlich. Torhütertrainer? Videoanalyst? Medienchef? Fehlanzeige. Die Platzwartfamilie Schlepfer wohnte in der Espenmoos-Tribüne. 1976 musste sie ein kleines Zimmer abtreten: Es wurde zur Geschäftsstelle umfunktioniert. Dort war der erste bezahlte Angestellte der Administration in einem 33-Prozent-Job beschäftigt. Die etwas zweifelhafte Ehre fiel mir zu. Zweifelhaft, weil im Prinzip Vereinsarbeit damals fast immer mit einem Ehrenamt verbunden wurde. Später kamen ein zweiter Angestellter und ein Lehrling hinzu. Der Quantensprung erfolgte vor elf Jahren mit dem Wechsel in die Arena und der Installation der Event AG.

Wie nun die Mannschaft auf dem Spielfeld aussehen wird, ist noch schwieriger abzuschätzen als vor einem halben Jahr. Sollte der Match gegen Altach in der ersten Halbzeit eine Hauptprobe gewesen sein, mit einer möglichen Startelf für das Spiel gegen Zürich, dann erhielt Peter Zeidler ein gegenteiliges Feedback: Die Mannschaft der zweiten Halbzeit zeigte gemäss Pressebericht die bessere Leistung. Die Frühjahrsrunde verspricht somit viel Spannung auch bezüglich der Aufstellung, die der Trainer jeweils aus dem Hut zaubert.

Wer sich in der Winterpause nicht in Enthaltsamkeit üben wollte, konnte Fussball im Ausland geniessen. Premier League, Bundesliga und Serie A haben unter garstigen Bedingungen zum Teil packende Spiele geboten. Davon angetan waren auch die Kommentatoren. Vor allem jene im nördlichen Nachbarland scheinen sich in blumiger Sprache übertreffen zu wollen. Als neue Kreation hat die „temperierte Flanke“ Einzug gehalten, zuletzt in der Sportstudio-Zusammenfassung von Mainz gegen Nürnberg. Vielleicht ist sie aber in der Kälte auch nur eine missratene Variante zur «tempierten Flanke». (th)

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