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GEGENTRIBÜNE: Dem FC St.Gallen fehlt nur ein Assalé

Dass die Young Boys schon früh als Meister gefeiert werden, haben sie Roger Assalé zu verdanken. Der FC St. Gallen vermisst im Kampf um Platz 3 just einen derart herausragenden Fussballer.
Fredi Kurth
Die Young Boys feiern Roger Assale. Sichtliche Enttäuschung bei Stjepan Kukuruzovic des FCSG. (Bild: Marc Schumacher/freshfocus)

Die Young Boys feiern Roger Assale. Sichtliche Enttäuschung bei Stjepan Kukuruzovic des FCSG. (Bild: Marc Schumacher/freshfocus)

Teamwork ist zweifelsohne wichtig im Fussball. Aber häufig kann, nicht zuletzt bei Spitzenteams, die Klasse einer Mannschaft exemplarisch an einem herausragenden Akteur dargelegt werden. Ronaldo bei Real Madrid, Messi bei Barcelona, Salah bei Liverpool - um nur ein paar wenige zu nennen.

Bei den Young Boys heisst dieser Mann Roger Assalé. Seit dieser in den Reihen von YB wirbelt, hat sich das Niveau der Berner entscheidend gehoben. Seine Schnelligkeit und Wendigkeit, gepaart mit Abschlussqualitäten, sind im Schweizer Fussball einzigartig. Der Ivorer ist nicht nur der beste Torschütze der Liga, sondern gibt für die Young Boys auch am häufigsten den entscheidenden Pass.

Ich denke, die Berner wären in dieser Saison auch ohne Assalé Meister geworden. Und zwar weil Basel zu sehr schwächelt. Aber die klare Differenz kann auf diesen Ausnahmefussballer zurückgeführt werden. Im Spiel gegen St.Gallen kam er selber zu zwei Grosschancen, bereitete den entscheidenden dritten Treffer magistral vor und hätte noch den fünften erzielt, wenn sich nicht Cédric Gasser bravourös dagegen gewehrt hätte. Assalé lässt sich mit Seydou Doumbia vergleichen, der mit YB vor ein paar Jahren und danach bei ZSKA Moskau den besten Fussball seiner Karriere gespielt hatte.

Dejan Stojanovic: Note 4,5. Er hält mehrmals bravourös, ist bei den ersten Gegentoren ohne Abwehrchance. Beim Corner zum 2:4 aber etwas unsicher. (Bild: pd)
Silvan Hefti: Note 4,5. Er verteidigt meist solide. Hat aber nur in der ersten Halbzeit überzeugende Offensivaktionen. (Bild: pd)
Alain Wiss: Note 4,5. Er hält die Defensive zusammen, so gut es geht. Nach der Pause wird dies zusehends schwieriger. (Bild: pd)
Yrondu Musavu-King: Note 4. Keine offensichtlichen Fehler, aber ohne Ausstrahlung und Ideen in der Vorwärtsbewegung. (Bild: pd)
Andreas Wittwer: Note 3,5. Hat in der Defensive gegen flinke und robuste Berner mehrmals Mühe, dagegenzuhalten. (Bild: pd)
Marco Aratore: Note 3,5. Ihm fehlt der Schwung seiner besten Tage zu Beginn der Saison. Wäre er links besser aufgehoben? (Bild: pd)
Nzuzi Toko: Note 4,5. Mit gewohnt viel Laufarbeit und kämpferischer Leistung. Aber offensiv mit wenig Einfluss. (Bild: pd)
Peter Tschernegg: Note 4,5. Vor der Pause sehr präsent – und mit dem 1:1. Danach schwindet der Einfluss aufs Spiel zusehends. (Bild: pd)
Stjepan Kukuruzovic: Note 5. Ist technisch stark und bleibt auch unter Druck ruhig. Doch auch er zollt dem Anfangstempo Tribut. (Bild: pd)
Nassim Ben Khalifa: Note 5. Viele starke Aktionen zu Beginn, besonders die ruhige Vorbereitung des 2:1 ist eine Augenweide. (Bild: pd)
Roman Buess: Note 5,5. Obschon die Spielpraxis fehlt: Er überzeugt er mit viel Physis, einem Tor und einem Assist. (Bild: pd)
Cédric Gasser: Note 4. Für Wittwer. Solide, badet eine Unsicherheit postwendend mit einer Rettung auf der Linie aus. (Bild: pd)
Danijel Aleksic: Note 4. Spielt 20 Minuten und kann in dieser Zeit gegen wuchtige Berner nichts mehr ausrichten. (Bild: pd)
Cedric Itten: Note -. Er kommt zehn Minuten vor Schluss – nicht zu sehen und schwer zu bewerten. (Bild: pd)
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Die Noten der FCSG-Spieler im Spiel gegen die Hauptstädter

Die Schere öffnet sich immer weiter

Dem FC St.Gallen fehlt ein solcher Spieler, der im Kampf um Platz drei den Unterschied ausmachen könnte. Hierfür fehlt den Espen auch das nötige Kleingeld. Eine Zusammenstellung über den Marktwert des Kaders in der "Ostschweiz am Sonntag" zeigt, wie sich die Schere zwischen den beiden Mannschaften immer mehr geöffnet hat. Noch 2007 belief sich der Marktwert der Young Boys auf 14,8 Millionen Franken, jener der St.Galler auf 13,6 Millionen. 2013 betrug der Abstand bereits zehn Millionen Franken, in dieser Saison sind es 35,9 zu 16,8 Millionen zugunsten von YB.


YBs Meisterteam ähnelt jenem von St.Gallen

Doch auch der FC St.Gallen konnte bereits Klassefussballer auf den Rasen schicken. Der letzte davon war Oscar Scarione, der den FC St.Gallen als bester Torjäger der Super League 2013 auf den dritten Rang führte. Weiter zurück kann Charles Amoah der gleichen Kategorie zugeordnet werden, wobei er in der Meistermannschaft von vielen weiteren hervorragenden Fussballern umgeben war.

Der FC St.Gallen von damals lässt sich mit dem aktuellen Team von YB vergleichen. Auch dieses wäre vielleicht auch ohne Amoah Meister geworden, aber dessen Toren verdankte Marcel Kollers Galaensemble die Unangefochtenheit, mit der St.Gallen von der ersten bis zur letzten Runde auf Rang eins stand. Und dies trotz Punktehalbierung zur Winterpause.

Das Beispiel von Ivan Zamorano ein Jahrzehnt früher zeigt aber auch, dass selbst das Talent eines künftigen Weltstars noch keine europäische Teilnahme garantiert.

Über 17'000 Zuschauer besuchten das Spiel im Kybunpark. (Bild: Benjamin Manser)
Auch die Gäste aus Bern sorgten für gute Stimmung auf den Rängen. (Bild: Benjamin Manser)
FCSG-Präsident Matthias Hüppi vor dem Spiel gegen Tabellenführer YB.
Die St.Galler bejubeln einen Treffer. (Bild: Michel Canonica)
Die FCSG-Fans geniessen das Spiel bei herrlichem Wetter.
FCSG-Goalie Dejan Stojanivic hatte viel zu tun. (Bild: Benjamin Manser)
Roman Buess und Peter Tschernegg feiern ein Tor des FC St.Gallen.
Nassim Ben Khalifa stand bei den St.Gallern abermals in der Startelf. (Bild: Michel Canonica)
Zeitweise ging es etwas ruppiger zu und her. (Bild: Michel Canonica)
Roman Buess wird von den Beinen geholt. (Bild: Benjamin Manser)
Cedric Gasser behauptet den Ball gegen Loris Benito. (Bild: Benjamin Manser)
Nzuzi Toko im Kampf um den Ballbesitz.
Die Young Boys behalten das bessere Ende für sich. (Bild: Benjamin Manser)
FCSG-Trainer Giorgio Contini musste die zweite Niederlage in Folge hinnehmen. (Bild: Benjamin Manser)
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Der FC St.Gallen verliert gegen YB

Ben Khalifa wäre einer

Bei der Suche nach einem Spieler, der in der jetzigen Mannschaft entsprechende Anlagen hätte, stösst man unweigerlich auf Nassim Ben Khalifa, der nicht von ungefähr 2009 mit der Schweiz Junioren-Weltmeister wurde. Er erzielte dabei nicht nur vier Tore, sondern wurde zum zweitbesten Spieler des gesamten Turniers gewählt. Dass er danach seine Klasse zu wenig hat glänzen lassen, steht ausser Zweifel. Sonst hätten die St.Galler Anhänger heute nicht so viel Freude an ihm.

Immer diese Eckbälle

Genau betrachtet war Ben Khalifa am Sonntag, zusammen mit Roman Buess, die treibende Kraft in der vielleicht besten Halbzeit des FC St.Gallen in dieser Saison. Er kam mit dem Kopf zur zweiten St.Galler Chance. Er gewann viele wichtige Zweikämpfe, hatte kaum ein Fehlzuspiel und legte perfekt auf zum 2:1 durch Buess. Ebenso fleissig arbeitete er in der Defensive, war aber nicht zur Stelle, als Sanogo beim Eckball zum vierten YB-Treffer ungehindert einnicken konnte.

Gegentore nach Eckbällen: Das ist eine lange Geschichte und reicht zurück bis zu Jeff Saibene. In jener Situation am Sonntag war offensichtlich jedem Gegner ein St.Galler zugeteilt. Eine andere Variante wäre, dass jeder für seinen Raum zuständig wäre. Gegen grossgewachsene Berner à la Hoarau gerät aber jede Abwehr ins Zittern.


Nun Spiele der Wahrheit

Was aber zählte nach einigen Heimniederlagen in dieser Saison, war dies: Beim Abpfiff gab es diesmal Applaus, der sicher nicht nur den Bernern galt. Und es stimmte die Kulisse, die aufzeigte: Das St.Galler Publikum hat noch nicht resigniert – nicht wie jenes in Genf, Lugano oder Lausanne.

Matthias Hüppi und Kollegen und natürlich die Mannschaft haben wieder Begeisterung entfacht, die es nun in den Auswärtsspielen gegen die Grasshoppers und Zürich zu erhalten gilt. Im Derby am Samstag präsentierte sich die junge Mannschaft des FCZ nicht mehr so unwiderstehlich wie in anderen Spielen unter dem neuen Trainer. Umgekehrt waren die Grasshoppers in der zweiten Halbzeit nicht mehr so hilflos wie so oft in diesem Jahr. Für den FC St.Gallen werden es Spiele der Wahrheit – und der Bestätigung, falls nur schon das Teamwork funktioniert.

Aufgefallen

Die Zuschauer standen am Samstag wieder einmal Schlange vor dem St.Galler Stadion – wie zu Beginn der Arena-Ära, als vor zehn Jahren die Challenge-League-Spiele gegen Lugano und Winterthur sogar ausverkauft waren. In der Zwischenzeit sind sie aber nicht nur wegen kleinerem Publikumsaufmarsch, sondern auch wegen gelockerten Eingangskontrollen, zumindest ausserhalb der Fansektoren, geschrumpft. Auffallend auch: Die Spiele in Luzern und gegen YB verliefen pyrofrei. Da scheint die Intervention von Matthias Hüppi bereits gefruchtet zu haben – nach meiner Wahrnehmung sparten die St.Galler Fans allerdings auch bei den Choreografien. Bekannt ist, dass den Pyromanen die grossen Tücher auch als Versteck dienen, um unerkannt das Feuerwerk vorzubereiten. Mal abwarten.

Der Cupfinal Young Boys – FC Zürich findet am 27. Mai in Bern statt. Richtig, oder? Nein, falsch! Korrekt muss es heissen: Der Cupfinal FC Zürich – Young Boys findet am 27. Mai in Bern statt. Denn so ist er offiziell angekündigt. Da hat irgendjemand offensichtlich noch eine Auslosung durchgeführt, wer denn nun auf dem ausgesprochen neutralen Terrain im Stade de Suisse als Heimteam antritt. Auf diesen Heimvorteil hätte der FC Zürich wahrscheinlich gerne verzichtet... Und ebenso wahrscheinlich müssen sich die Berner Kicker nun in der für die Gastmannschaft reservierten Kabine umziehen. Über so viel Verbandsheinitum könnte milde gelächelt werden, wenn es sich nicht in ernsterer Angelegenheit schlimmer auswirkt – zum Beispiel bei der Vergabe des Spiels auf den Bernen Plastik am Tag nach dem Halbfinal. Und wenn es sich noch mit Vereinsmeierei verbindet, wie bei der (Nicht-)Suche nach einem attraktiveren Modus für Super- und Challenge League, dann ist das alles gar tragisch. Ich denke aber, ein Präsident mit der Energie eines Matthias Hüppi könnte in diese verknöcherte Gesellschaft ebenfalls frischen Wind tragen. (th)

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