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Gegentribüne: Beklagt euch nicht, liebe FCSG-Fans – das ist der Fussball, den Hüppi, Sutter & Co. versprochen haben!

4,2 Tore pro Spiel sind in den letzten neun Heimpartien des FC St.Gallen im Kybunpark gefallen. Es ist der Fussball, den die neue Klubführung vorhergesagt hat.
Fredi Kurth
Unser Mann auf der Gegentribüne: Fredi Kurth. (Archivbild: Urs Jaudas)

Unser Mann auf der Gegentribüne: Fredi Kurth. (Archivbild: Urs Jaudas)

Das sei nichts für schwache Nerven. So oder ähnlich äusserten sich am Samstag viele Zuschauer nach dem Abpfiff im Kybunpark, in einer Mischung aus Erleichterung und Verärgerung. Dabei hatten sich die Anhänger des FC St.Gallen noch gefreut, als Präsident Matthias Hüppi und Sportchef Alain Sutter vor rund einem Jahr verkündeten, dass es in Zukunft nicht mehr langweilig werde, auch wenn nicht immer Siege herausspringen würden. Nun ist es offenbar auch wieder nicht recht...

Den Nervenkitzel übertrieben

Zugegeben, gegen Xamax haben es die St.Galler etwas übertrieben mit dem Nervenkitzel. Wahrscheinlich lagen diesen Samstag Höhen und Tiefen der Espen weiter auseinander als in jedem anderen Match in dieser Saison: Dieser fulminante Beginn im Champions-League-Stil. Dann wieder dieses komplett vermeidbare, allerdings irreguläre Gegentor. Danach diese Unbeirrtheit bis zur Führung. Und schliesslich der Niedergang in Überzahl, bei dem wohl jedes Promotion-League-Team eine bessere Figur abgegeben hätte.

Peter Zeidler vermutete, dass am Ende ein Remis oder ein Sieg von Xamax dem Gezeigten eher entsprochen hätte. Tatsächlich lautete das Chancenverhältnis schliesslich 11:9 für Xamax.

Mitleid mit dem Gegner

Der FC St.Gallen ist in dieser Saison noch nie dramatisch untergegangen, hat aber auch nie einen Gegner ausgespielt und mit vier oder fünf Toren gedemütigt. Am Samstag hatte ich das Gefühl, jetzt sei es so weit. Spätestens, als Jordi Quintillà mit seinem Zaubertrick die Zuschauer von den Sitzen riss – «Steht auf, wenn ihr St.Galler seid!» –, verspürte ich sogar Mitleid mit dem Gegner: Jetzt reisen die Neuenburger von so weit an und geraten derart unter die Räder!

Aber eigentlich hätte ich aus Erfahrung klug sein müssen. Am meisten überraschte, dass Xamax in Unterzahl noch zu fünf guten Chancen kam, St.Gallen in dieser Phase nur noch zu zwei Möglichkeiten. Eine davon führte zum zwischenzeitlichen 3:1.

Zwei Situationen im Fussball

Eine Fussballmannschaft muss sich im Prinzip immer nur zwei Situationen stellen: Sie ist selber im Ballbesitz, oder der Gegner hat das Streitobjekt. Situation 1 beherrscht der FC St.Gallen schon vorzüglich. Er besitzt gemäss statistischer Werte die grösste Offensivpower der Liga.

Situation 2 ist für sie noch ein Buch mit sieben Siegeln, auch schon oft dargelegt. So lässt sich erklären, weshalb St.Gallen in dieser Saison mit einem Mann weniger ein Spiel ganz zu drehen vermochte, gegen Sarpsborg vom 0:1 zum 2:1, und nun eines mit einem Mann mehr beinahe noch aus der Hand gegeben hätte.

Gegenpressing zu wenig konsequent?

Wie soll St.Gallen das Problem lösen? Peter Zeidler analysiert immer offen und ehrlich, was nicht bei allen Trainern der Fall ist. So ist es ihm auch nicht als Schwäche auszulegen, wenn er frank erklärt, er sei ratlos.

Auch ich habe nur Vermutungen, was den St.Gallern helfen könnte.

  • Weniger Angriffslust? Dafür mehr Langeweile und weniger strapazierte Nerven? Damit wären Präsident Matthias Hüppi, Sportchef Alain Sutter und Peter Zeidler selbst kaum einverstanden, auch wenn es einfacher ist, die Defensive zu stärken, als den Angriff in Schwung zu bringen.
  • Muss der Wechsel von Situation 1 zu Situation 2 besser werden? Das blitzschnelle, kollektive Gegenpressing funktioniert zu wenig gut, erfolgt oft zu langsam, wurde gegen Xamax beim Konter zum 2:3 auch mit Pech verpasst.
  • Schliesslich: Zeidlers Spielweise ist anspruchsvoll, die Automatismen müssen funktionieren. Das ist erreichbar mit technisch und athletisch überdurchschnittlichen Fussballern und einem begrenzten Grundbestand, in welchem sich ein Stamm herauskristallisiert.

Zeidler fordert und fördert

Derlei ist bei Spitzenteams wie Manchester City, Leipzig und Hoffenheim zu beobachten. In Italien beweist aber Atalanta Bergamo, dass attraktiver Fussball, wie er dem FC St.Gallen vorschwebt, auch mit bescheideneren Mitteln möglich ist. Dort darf der Schweizer Remo Freuler übrigens viel mehr Einfluss nehmen als im Nationalteam.

Fussball à la Zeidler bringt jeden Fussballer weiter, weil er ihn spielerisch, physisch und mental fordert. Reines Abwehrverhalten nur zum Zweck von Konterfussball hingegen kann auch mit einem Turnverein eingeübt werden.

Aufgefallen

Wie insbesondere die TV-Bilder zeigen, fehlte wenig, und der FC St.Gallen hätte nach Cedric Itten beinahe auch noch seinen zweiten Torjäger durch eine überharte Aktion des Gegners verloren. Der Xamaxien Marcis Oss hatte sich den Ball zu weit vorgelegt, holte ihn sich mit dem Kickschuh voran wieder zurück und traf dabei Vincent Sierro voll am Fuss. Schiedsrichter Klossner hatte keine andere Wahl, als die rote Karte zu zeigen, gerade in Erinnerung an das Foul von Luganos Verteidiger Fabio Daprelà. Ich nehme an, dass die Videoassistenten, welche dieses Spiel im Hinblick auf die nächste Saison angeschaut haben, gleicher Meinung waren. Der Unterschied zum Lugano-Match bestand darin, dass Daprelàs Aktion nicht dem Ball, sondern nur dem Gegner gegolten hatte.

Im Fifa-Museum in Zürich wird unter anderem eine Szene mit dem berühmten dritten Wembley-Tor der Engländer gegen Deutschland gezeigt. Zu sehen ist, wie der Ball die Torlinie wahrscheinlich zu einem Teil, aber eben nicht ganz überschritten hat. Also kein Tor. 52 Jahre später ist aus ähnlicher Perspektive, also ein beträchtliches Stück in Richtung Mittellinie, zu beobachten, wie ein Verteidiger von Manchester City im Spiel gegen Arsenal den Ball ebenfalls von der Torlinie wegbefördert. Hier der noch stärkere Eindruck: kein Tor. Doch nur zwei, drei Sekunden später zeigt der Schiedsrichter zum Anspielpunkt, und die Torlinien-Technologie beweist, dass sich der Ball für einen Moment in vollem Umfang jenseits der Torlinie befunden hatte. Wäre denn diese optische Täuschung nicht auch im WM-Final von 1966 möglich gewesen? Tatsächlich hat vor einiger Zeit Sky-Sport just mit dieser Technologie bewiesen, dass das dritte Tor regulär erzielt worden ist. Zum Glück war dies nicht schon damals möglich, denn sonst hätten sich die deutschen Fans nicht so lange grämen können. Und der Schweizer Ref Gottfried Dienst, der das Tor nach Rücksprache mit Linienrichter Tofik Bachramow anerkannt hatte, hätte keine Touristenreisen zum Schauplatz des dritten Tores anbieten können... (th)

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