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GEGENTRIBÜNE: Contini auf Saibenes Spuren

Die Trainerlandschaft in der Super League hat sich stark verändert. Als Konstante erweist sich jedoch St.Gallens Giorgio Contini, der neben Adi Hütter und Murat Yakin am längsten im Spitzenfussball beschäftigt ist.
Fredi Kurth
In seiner Art, aber auch in seiner Entwicklung erinnert Contini an Jeff Saibene, den erfolgreichsten Trainer des FC St.Gallen in bald zehn Jahren Arena. (Archivbild/Urs Bucher)

In seiner Art, aber auch in seiner Entwicklung erinnert Contini an Jeff Saibene, den erfolgreichsten Trainer des FC St.Gallen in bald zehn Jahren Arena. (Archivbild/Urs Bucher)

Es mag eigenartig klingen, dass ein Trainer in Zusammenhang mit beständigem Schaffen erwähnt wird, wenn er noch vor einem Monat in seiner Position als stark gefährdet bezeichnet worden ist. Aber die Stürme rund um Giorgio Contini bestätigen nur die Wellenbewegungen im Trainerbusiness, wie sie im Fussball gang und gäbe sind. St.Gallens Chefcoach lässt sich zumindest äusserlich nicht viel anmerken und schwimmt unbeeindruckt wie ein Entchen durch die bewegten Gewässer.

In seiner Art, aber auch in seiner Entwicklung erinnert Contini an Jeff Saibene, den erfolgreichsten Trainer des FC St.Gallen in bald zehn Jahren Arena. Auch der gebürtige Luxemburger liess sich selten aus der Ruhe bringen, erfüllt unaufgeregt seine Aufgabe und schneidet überall über Erwarten ab. In Bielefeld ist Saibene zum "Graf von Luxemburg" geworden. Er galt bei der Arminia am Anfang dieser Saison als einzige Hoffnung auf den Ligaerhalt. Jetzt hält sein Team Anschluss an die Spitzengruppe der 2. Bundesliga.

Eher lässig wie Allegri

Ich mag mich nicht erinnern, dass Contini je einmal vom Schiedsrichter auf die Tribüne geschickt worden wäre oder dass er einem Spieler der eigenen Mannschaft mit wilder Gestik die Meinung gesagt hätte. Contini wirkt gelassen wie Saibene, schickt im Interview bei jeder Frage ein kurzes Lächeln hinterher und wirkt in seiner italienischen Art eher lässig wie Juventus-Coach Massimiliano Allegri denn aufbrausend wie Antonio Conte von Chelsea. Ob ihm in seiner Laufbahn eine ähnliche Fortsetzung gelingt wie Saibene, bleibt abzuwarten. Im Moment liegt er bei St.Gallen mit 1,66 Punkten pro Spiel sogar über der Quote von Saibene (1,55). Aber seine umfasst die Phase von knapp einem Jahr, jene von Saibene eine solche von viereinhalb Jahren. Der Punktedurchschnitt ist aber mit Vorsicht zu geniessen. Denn: Bei Saibene ist auch eine Saison in der Challenge League enthalten. Dasselbe gilt für Uli Forte, der in drei Jahren FC St.Gallen sogar den höchsten Schnitt mit 1,68 Punkten pro Match erzielte. Joe Zinnbauer hingegen liegt mit 1,13 Punkten in eineinhalb Jahren indiskutabel weit zurück.

Ehemalige FCSG-Trainer im Spitzenfussball

Damit sind alle vier Cheftrainer erwähnt, die beim FC St.Gallen in zehn Jahren Arena ihren Lebensunterhalt bestritten. Drei von ihnen sind immer noch im Geschäft, der erst kürzlich beim FCZ entlassene Forte miteingerechnet. Zinnbauer jedoch verpasste in der Ostschweiz den Sprung in den Spitzenfussball. Dass er eine neue Anstellung gefunden (oder gesucht) hätte, ist nicht bekannt.

Giorgio Contini indessen schaffte in fünf Jahren beim FC Vaduz den Aufstieg in die Super League, hielt die Liechtensteiner zwei Saisons in der höchsten Liga und konnte nach frühzeitiger Verabschiedung im vergangenen Jahr auch nicht mehr für den Abstieg verantwortlich gemacht werden. Von den derzeitigen Super-League-Coaches sind Adi Hütter und Murat Yakin - beide seit 2009 - am längsten Trainer im Spitzenfussball. Yakin wurde bereits im Alter von 34 Jahren Cheftrainer in Thun. Seine Karriere gleicht einer Achterbahn; führte sie ihn unter anderem zum FC Basel und zu Spartak Moskau, aber auch in die Challenge League zum FC Schaffhausen.

Neun Schweizer Cheftrainer in der Super League

Es ist schwierig geworden, Trainer zu finden, die über längere Zeit Erfolg haben. Im Prinzip gelangt jeder irgendwann einmal an seine Grenzen. Sogar Pep Guardiola war bei Bayern München am Ende nicht mehr erwünscht - manchem Spieler zu nervig und zu streng. Heute tun sich Ueli Hoeness und Karl-Heinz Rummenigge schwer einen Nachfolger für Senior Jupp Heynckes zu verpflichten. In der Schweiz haben die Präsidenten einheimisches Schaffen schätzen gelernt. Nicht weniger als neun Schweizer trainieren die zehn Klubs. Und Adi Hütter, der in Hohenems unweit der Landesgrenze geboren ist, können wir auch fast dazu zählen.Vorarlberger werden in Wien aufgrund ihres Dialekts oft als Schweizer missverstanden. Welche Trainer Erfolg haben und welche nicht, welche länger im Geschäft bleiben und welche bald wieder ausscheiden, ist eine der spannendsten Fragen im Fussball. Die meisten sind auf jeden Fall gut ausgebildet.

Nachstehend die Entwicklungschancen der zehn Super-League-Trainer:

Adi Hütter(48 Jahre, seit 17.9.15 bei YB). Es könnte zu einer (noch) längeren Liaison werden. Ob YB ähnlich wie Basel europäisch Fuss fasst - wenn auch eher in der Europa- denn Champions League - hängt davon ab, wie die nicht zu verhindernden Abgänge der besten Leute aufgefangen werden können.

Raphael Wicky (40 J., seit Juli 17 Cheftrainer bei Basel). Er hatte im Gegensatz zu Urs Fischer Erfolg in der Champions League, der seinerseits just in der Meisterschaft glänzte, aber in Europa glücklos war. Wenn Basel weiter absackt, könnte Wicky erste Trainersaison im Spitzenfussball bereits mit einem Abgang enden. Allerdings ist auch möglich, dass die neue Führung mit Präsident Bernhard Burgener und Sportchef Marco Streller, die ebenfalls in der Verantwortung steht, Solidarität zeigt und Wicky nochmals eine Chance gibt.

Giorgio Contini (44 J., seit Mai 2017 beim FCSG). Hat sich gut aus der Affäre gezogen, nachdem seine nächsten Mitarbeiter entlassen worden sind. Offensichtlich hat er zu Sportchef Alain Sutter einen guten Draht gefunden. Er war auch einsichtig (siehe Ben Khalifa) ohne seine Eigenständigkeit zu verlieren.

Ludovic Magnin (38 J., seit kurzem Cheftrainer beim FCZ). Wenn ein neuer Trainer eine Mannschaft übernimmt, die auf Kurs ist, funktioniert das selten. Zwei Siege in drei Spielen, inklusive Cup-Finalqualifikation, entspricht aber einem fulminanten Start. Magnin gehört zu den "Jungen Wilden" der Trainergilde, mit neuen Ideen und Sinn für angriffsfreudigen Fussball. Wir sind gespannt.

Gerardo Seoane (39 J., seit Januar 2018 Trainer Luzern). Stieg wie Magnin aus dem Trainerkader des Vereins zum Chef auf. Hatte mit realistischem Fussball sofort Erfolg, was im Ausmass erstaunt, aber wegen des zerrütteten Verhältnisses zwischen Klubführung und Vorgänger Markus Babbel auch logisch war.

Murat Yakin (43 J., seit 25.8. 2017 Trainer bei GC). Baute die Mannschaft in der Winterpause um und muss sich nun mit Defensivfussball behelfen. Das Nervenkostüm ist dünn geworden. Es dürfte länger dauern als letzte Saison in Schaffhausen bis Yakins Team wieder Fahrt aufnimmt.

Pierluigi Tami(56 J., seit Juli 2017 Trainer in Lugano). Ist nach dem Vorstoss auf Platz drei mit seiner Mannschaft plötzlich wieder abgetaucht. In jenem Moment, da die Klubführung in Erfahrung investiert hat (Gerndt, Janko), dürfte die Erwartungshaltung weiter gestiegen sein. Nur der Ligaerhalt für den Tabellendritten der vergangenen Saison ist zu wenig.

Fabio Celestini (42 J., seit März 2015 Trainer in Lausanne). Für den dienstältesten Trainer der Liga gilt dasselbe, wie für Tami. Lausanne soll nach kostspieligen Transfers - wie jenem von Simone Rapp - zur festen Grösse in der Super League werden. Auch im Hinblick auf ein neues Stadion. Doch die Kurve zeigt vorerst nach unten.

Marc Schneider (37 J., seit Juli 2017 Cheftrainer in Thun). Er gehört nicht zu den "Jungen Wilden", lässt die Mannschaft nach alter Lehre mit starkem Offensiv-Pressing von erster Minute an spielen. Junge Leute erhalten eine Chance, aber die ständigen Abgänge sind irgendwann nicht mehr zu kompensieren. Thun ist in Abstiegsgefahr, wie seit langem nicht mehr.

Maurizio Jacobacci(55 J., seit 6.2. 2018 Cheftrainer in Sion). Die Mannschaft ist williger, als die Resultate lange Zeit haben vermuten lassen. Aber es fehlt unter dem Strich an Qualität. Jacobacci wird früher oder später den Weg seiner vielen Vorgänger gehen, jenen zum Kabinenausgang.

Aufgefallen

Die Rädchen im St.Galler Mannschaftsgefüge greifen immer besser ineinander. Nach dem vierten Sieg in Serie lässt sich feststellen, dass 15 gar 16 Spieler gefunden worden sind, die bei Anpfiff oder als Joker zum Einsatz kommen. Die Hierarchie besteht darin, dass sich nun eine fixe Startformation herauskristallisiert hat, die nur minim verändert werden muss. Wer in diesen Wochen Pech hatte und im entscheidenden Moment – beim Spiel in Basel – verletzt, krank oder gesperrt war, ist "nur" zweite Wahl. Aber das berührt das Ego eines Spielers heutzutage nicht mehr so sehr. Die Nummer 16 ist so wichtig, wie die Nummern 1 bis 11. Und leistungsmässig ist die Hierarchie so flach, dass sich für jeden irgendwann wieder die Chance für die Startelf ergibt. Vier Siege hintereinander auf Super-League-Ebene gelangen St.Gallen vor der jetzigen Serie im Herbst 2014 gegen GC, Luzern, Basel und Aarau, gar fünf im Herbst 2012 gegen Thun, Basel, Sion, Servette und Zürich.

Fussball paradox. Jetzt, da für einmal der FC Basel nicht mehr Meister wird, verläuft der Titelkampf erneut langweilig. Umso spannender ist die Auseinandersetzung um die Europa-League-Plätze. Der FC Basel erfuhr am Sonntag, dass es einfacher ist, in der Champions League gegen ein minimal ehrgeiziges Manchester City zu spielen, als in der Super League gegen einen sehr gut organisierten FC Luzern zu kämpfen. Wenn es so weiter geht, muss sich Basel sogar noch im Fight um Platz zwei wehren.

Pirmin Schwegler bestritt mit Hannover beim 1:3 gegen Augsburg sein 228.Bundesliga-Spiel und schloss in dieser Statistik mit Schweizern zu Stéphane Chapuisat auf. Gemäss "Kicker" liegen nur noch Ciriaco Sforza (265), Tranquillo Barnetta (260) und Diego Benaglio (259) vor Schwegler. (th)


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