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Gegentribüne: St.Galler Sieg in Basel war ein «Grüessli aus der Küche» – was serviert der FCSG als nächstes?

Zwischen dem Knalleffekt gegen Lausanne, der schmählichen Heimniederlage zum Saisonende, und dem euphorisierenden Knalleffekt von Basel lagen genau neun Wochen. Ob das neu entfachte Fussballfieber länger anhält? Es gibt gute Gründe.
Fredi Kurth
St.Galler Jubel über Cedric Ittens (2.v.l.) Tor zum 1:0 gegen Basel. (Bild: Freshfocus)

St.Galler Jubel über Cedric Ittens (2.v.l.) Tor zum 1:0 gegen Basel. (Bild: Freshfocus)

Ja, natürlich. Wie so oft war es der scheinbar übermächtige FC Basel, der dem FC St.Gallen neue Hoffnung schenkte. Wie schon im vergangenen Frühjahr. Was nach einer Siegesserie von fünf Spielen daraus geworden ist, wissen wir. Aber es gibt Gründe anzunehmen, dass sich jene Geschichte nicht wiederholt, dass das jetzige Abschneiden auf soliderem Fundament gebaut ist. Dass wir viele aufregende Spiele erleben werden, die nicht wie im Frühjahr mit lauter Niederlagen enden werden – aber auch nicht nur mit Erfolgserlebnissen.

Zeidlers Präsenz

Es kann vieles hineininterpretiert werden in diesen wunderbaren Samstagabend, der so dramatisch verlief und Torchancen zu Hauf brachte. Ich zählte mehr als bei jedem von mir beobachteten WM-Match, 12:11 (4:4). Aber für mich symbolisch war die Szene in der 94. Minute. Das Unentschieden zeichnete sich ab, was für ein schönes und gerechtes Ergebnis zum Start. Dann der letzte Angriff. Die Weltmeister aus Frankreich wären in jenem Moment schon längst zur gegnerischen Cornerfahne abgebogen, um Erreichtes zu bewahren. Doch die bewährten Kämpfer Buess und Aratore wollten davon nichts wissen, wollten den Sieg, wie die ganze Mannschaft, wie Peter Zeidler. Überhaupt der Trainer: Was für eine Körpersprache, zur Pause, während des Spiels, nach dem Match. Was für eine Verbundenheit mit der Mannschaft und dem Geschehen – als ob er selber mitspielte.

Der Schlüssel im Mittelfeld

Aber eben. Das war erst ein Auftritt, der Auftakt, das Grüessli aus der Küche. Wie uns die Fortsetzung schmecken wird, was die von relativ alt auf ziemlich jung getrimmte Multikulti-Belegschaft noch servieren wird – warten wir’s ab. Ein Schlüssel zum Erfolg könnte im Mittelfeld liegen, wo mehr spielerisches und läuferisches Potenzial vorhanden zu sein scheint als bisher.

Alles schon dagewesen

Diese Umwälzungen. Von der Startformation im letzten Match gegen Lausanne war beim Anpfiff gegen Basel gerade noch ein Spieler übrig geblieben: Silvan Hefti. Auf einen Schlag elf neue Spieler verpflichtet. Das erinnert an den Sommer 1993. Der FC St.Gallen war erstmals nach 23 Jahren wieder abgestiegen. Der neue Trainer Uwe Rapolder, ebenfalls deutscher Nationalität wie Zeidler, war gezwungen, eine neue Mannschaft zu formieren. Nicht weniger als zwei Dutzend Spieler liess er zum Probetraining antanzen, und siehe da: Der direkte Wiederaufstieg mit Spielern wie Radoslaw Gilewicz, Tamas Tiefenbach oder Urs Fischer gelang auf Anhieb. Das war keine Selbstverständlichkeit. Denn zu jener Zeit blieb den Traditionsvereinen FC Basel und FC Zürich die Rückkehr aus der Nationalliga B mehrere Saisons verwehrt.

90 Minuten intensive Intervalle

Der FC St.Gallen ist diese Saison nicht abgestiegen. Aber mit einem Abschlusszeugnis von neun Niederlagen in zehn Spielen wäre ihm das in der damaligen Auf-/Abstiegsrunde nicht erspart geblieben. Der radikale Umbruch hat nun weniger mit dem sportlichen Abschneiden zu tun als mit der Spielphilosophie, die Zeidler verwirklichen will. Schnelle und agile Spieler müssen es sein. Was 94 Minuten Tempoforcing bedeuten kann, hat sich in Basel angedeutet: Einige St.Galler wanden sich mit Krämpfen am Boden. Es könnte im Laufe einer langen Saison, eventuell mit Europa-League-Abenteuer, zu Abnützungserscheinungen kommen. So macht der oft angemahnte grosse Kader sogar Sinn. So ist auch verständlich, wenn fast jede Position doppelt besetzt ist und sich Zeidler nicht auf eine Stammformation festlegen will. Er möchte zudem wohl allen Neuen eine faire Chance gewähren. Wichtig für die stark belasteten Akteure wird später die Regeneration zwischen den Spielen sein.

Junger Captain – auch nicht neu

Für mich nicht überraschend ist die Wahl von Torhüter Dejan Stojanovic, den mit den Füssen etwas ballsichereren Mann als Daniel Lopar, zur Nummer 1, eine im System Zeidler besonders gefragte Qualität. Schon eher Stirnrunzeln könnte bei einigen Anhängern die Nomination von Silvan Hefti zum Captain verursacht haben. Die Bevorzugung eines jungen Spielers hatten wir doch schon, als Joe Zinnbauer Roy Gelmi und danach Martin Angha mit dieser Aufgabe betraute, was bei beiden zu sofortigem Formverlust führte. Aber Gelmi und Angha waren damals erst daran, sich als Spieler in der ersten Mannschaft zurechtzufinden, während Silvan Hefti am Samstag im Alter von 20 Jahren seine 87. Super-League-Partie bestritt. Seine erste mit der Captain-Binde am Arm war keineswegs die schlechteste.

Aufgefallen

Europa League nein danke? Der Blick in das Online-Ticketing besagt, dass noch sehr viele Eintrittskarten für den Europa-League-Start gegen Sarpsborg erhältlich sind. Ich meine, es sind für das Heimspiel viel weniger verkauft als seinerzeit St.Galler Anhänger zu den Auswärtsspielen nach Swansea, Valencia oder Krasnodar gereist waren. Natürlich ist es erst die Qualifikation und der Gegner aus Norwegen unbekannt. Aber wenn mehrere Jahre von Europa geträumt wird, dann sollte diesem Begehren jetzt nachgelebt werden. So aber erinnert das Ganze an den ehemaligen Internationalen Fussball Cup, mit dem einst der Totozettel zur Sommerzeit gefüllt wurde. Die Gegner trugen Namen wie Malmö FF, Bröndby, Eintracht Braunschweig, Sturm Graz oder Sparta Prag und waren für die damalige Zeit recht attraktiv. Aber die Zuschauerzahlen hielten sich mit ungefähr 3000 stets in Grenzen.

Eine der vielen Aussagen schon vor Saisonbeginn ist mir ins Auge gestochen: Der FC St.Gallen will pro Saison einen Super League tauglichen Spieler aus dem eigenen Nachwuchs heranziehen. Das war und ist nicht einfach, weil früher die besten Schweizer Fussballer mehrheitlich selber in der Nationalliga A engagiert waren und heute, da all diese im Ausland spielen, die einheimischen Talente einem globalen Wettbewerb ausgesetzt sind - Fussballern aus aller Herren Länder. Aber bezogen auf Matthias Hüppis genannten Durchschnittswert gilt: Auch schon dagewesen. Nimmt man die zehn Arena-Jahre seit deren Eröffnung, kommt man ziemlich genau auf diese Anzahl (in Klammern Zahlen aus Meisterschaft plus Cup): Nico Abegglen (95 Spiele/17 Tore), Boris Babic (15/1), Moreno Costanzo (69/28), Roy Gelmi (59/2), Silvan Gönitzer (9/0), Silvan Hefti (95/0), Michael Lang (74/5), Nicolas Lüchinger (15/0), Philipp Muntwiler (142/15), Jasper van der Werff (9/0). Es gibt einige weitere Spieler mit weniger Einsätzen und einige, welche nie in der ersten Mannschaft gespielt haben, weil ihr Talent verkannt wurde oder sich anderswo grösser Chancen ausrechneten - unter anderen Marwin Hitz, Alexander Projovic und Daniel Pavlovic. (th)

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