Fussballclub, 136jährig, sucht Trainer

FUSSBALL. Mit 1638 Tagen im Amt war Jeff Saibene der dienstälteste Trainer der Super League. Wer folgt auf den Luxemburger? Zwei bis drei Wochen will sich die St.Galler Clubführung Zeit lassen für die Trainersuche. Unsere Sportredaktion präsentiert schon jetzt acht von vielen Möglichkeiten.

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Urs Meier (Bild: ky)

Urs Meier (Bild: ky)

Der Kumpel
Urs Meier war beim FC Zürich als menschlicher, kumpelhafter Trainer bekannt. Einer, der wohl aus ähnlichem Holz geschnitzt ist wie Jeff Saibene. Auch wenn Clubverantwortliche explizit «keinen Saibene-Klon» suchen – Meier könnte mit seiner ruhigen Art zum FC St.Gallen passen.

Urs Meier (Bild: ky)

Urs Meier (Bild: ky)

Einige der von Präsident Dölf Früh angeführten Kriterien würde Meier erfüllen: Er versteht sich in der Nachwuchsarbeit, ist Teamplayer, eine Persönlichkeit – und vielleicht auch bezahlbar. Zudem hat der 54-Jährige keine Verbindungen mit St.Gallen. Dies könne für einen Kandidaten von Vorteil sein, hiess es aus der Clubführung. Meier müsste man wohl am Strand stören: Nach seiner Entlassung empfahl ihm FC-Zürich-Präsident Ancillo Canepa, Urlaub zu machen. (rst)

Der Dienstälteste
Seit dem Rücktritt von Jeff Saibene ist Giorgio Contini der dienstälteste Coach in der Super League. Der frühere Stürmer des FC St.Gallen trainiert Vaduz seit 1022 Tagen, vor etwas mehr als einem Jahr hat er die Liechtensteiner zurück in die höchste Liga geführt. Vaduz ist Continis erste Station als Profitrainer. Zuvor war er in Luzern Assistent von Murat Yakin gewesen.

Giorgio Contini (Bild: ky)

Giorgio Contini (Bild: ky)

In Frauenfeld spielte der Winterthurer Contini einst unter Joachim Löw, dem heutigen Trainer von Weltmeister Deutschland. Für Contini als Nachfolger von Saibene spricht, dass er den FC St.Gallen kennt. Der 41-Jährige war in der Ostschweiz Meisterstürmer, Co-Trainer und Coach der zweiten Mannschaft. Allerdings besitzt er in Vaduz noch einen Vertrag bis 2016. (pl)


Der Unbelastete
Damir Canadi gehört in Österreich zu den Traineraufsteigern des Jahres. Der 45-Jährige hat Altach zurück in die Bundesliga geführt und erreichte mit den Vorarlbergern gleich Rang drei. In der Europa-League-Qualifikation schafften es die Altacher bis ins Playoff, wo sie am portugiesischen Club Belenenses scheiterten.

Damir Canadi (Bild: ky)

Damir Canadi (Bild: ky)

Canadi, vor seinem Engagement im 6000-Seelen-Dorf Altach Trainer des FC Lustenau, hat in Vorarlberg Ähnliches erreicht wie Saibene mit St.Gallen. Für Canadi als Saibenes Nachfolger spricht, dass er sein Amt unbelastet antreten könnte. Allerdings verfügt er in Altach noch über einen Vertrag bis 2017, was ihn teuer macht. Hinzu kommt, dass in Österreich schon die grossen Clubs auf Canadi aufmerksam geworden sind. (pl)

Der Renommierte
Murat Yakin dürfte das Budget der Ostschweizer sprengen – vor allem seit seiner erfolgreichen Zeit als Trainer in Basel. Dennoch stand in einem Berner Online-Portal geschrieben, der 40-Jährige sei Dölf Frühs Wunschkandidat – was der Präsident dementiert.

Murat Yakin (Bild: ky)

Murat Yakin (Bild: ky)

Dass Yakin bei St.Gallen zum Thema geworden ist, könnte damit zu tun haben, dass mit Nachwuchsleiter Marco Otero ein Weggefährte Yakins in St.Gallen arbeitet. Als Yakin Spartak Moskau coachte, war Otero sein Assistent. Personen im Umfeld Oteros sollen auch zu Yakin enge Verbindungen haben. Und übrigens auch zu Martin Andermatt, der kürzlich beim 1.-Liga-Club Zug abgetreten ist. Ob die Reizfigur Yakin beim St.Galler Anhang akzeptiert wäre, ist die andere Frage. (rst)

Der Altbekannte
Uli Forte hat den FC St.Gallen schon einmal trainiert. In der Saison 2008/09 führte er die Ostschweizer zurück in die Super League, im März 2011 allerdings wurde der Brüttiseller zum erstenmal in seiner Karriere entlassen. Ein Jahr später übernahm Forte die Grasshoppers und führte sie zum Cupsieg.

Uli Forte (Bild: ky)

Uli Forte (Bild: ky)

Zuletzt allerdings wurde der 41-Jährige bei den ambitionierten Young Boys entlassen. Fortes Vorteil: Er wäre sofort zu haben. Sein Nachteil: Eine Rückkehr birgt immer auch Risiken. Hinzu kommt, dass Forte seine Arbeit wohl nicht unbelastet in Angriff nehmen könnte. Allerdings sagte Dölf Früh einmal, die Entlassung Fortes sei einer seiner schwierigsten Entscheide gewesen: «Ich schätze seine Arbeit, seinen Einsatz und sein Fachwissen.» (pl)

Der Unkonventionelle
Als Uli Forte 2011 entlassen wurde, war in St.Gallen zwischenzeitlich auch René van Eck ein Thema. Der Holländer, damals im Nachwuchs des FC Nürnberg unter Vertrag, erteilte den Ostschweizern aber eine Absage. Vielleicht erinnern sich die Verantwortlichen in diesen Tagen wieder an van Eck,

René van Eck (Bild: ky)

René van Eck (Bild: ky)

der unterdessen Cheftrainer von Den Bosch in der zweithöchsten holländischen Liga ist. Der 49-Jährige gilt als unkonventioneller Trainer, der durch sein Äusseres auffällt. Seinen bisher grössten Erfolg als Trainer feierte der frühere Verteidiger 2006 mit dem Aufstieg des FC Luzern in die Super League. Zwei Jahre später stieg van Eck mit Thun allerdings in die Challenge League ab. Sein Vertrag bei Den Bosch läuft noch ein Jahr. (pl)

Der Aufsteiger
Für den Tübacher Roger Stilz spricht seine Herkunft. Doch bei weitem nicht nur das. 2004 zog der einstige Challenge-League-Spieler nach Hamburg. Schnell entwickelte er sich zum anerkannten Fussballkenner, wurde Co-Trainer des Hamburger SV an der Seite von Mirko Slomka, Thorsten Fink und Bert van Marwijk.

Roger Stilz (Bild: ky)

Roger Stilz (Bild: ky)

Gelobt wird der 38-Jährige für vieles: Für seine Menschenkenntnis, seine Redegewandtheit, seine fussballanalytischen Fähigkeiten. Aus freien Stücken wechselte er 2014 als Assistent zu Nürnberg, wo er noch unter Vertrag ist, aber nicht mehr trainiert, seit René Weiler Cheftrainer wurde. In Köln absolviert Stilz derzeit die renommierte Fussballlehrer-Schule. Vielleicht käme eine Anfrage aus St.Gallen ein Jahr zu früh. (rst)


Der Vernetzte
Beim FC Wil war Axel Thoma lange Zeit Sportchef und Trainer in Personalunion. Dies sehr erfolgreich und immer mit Blick aufs Wirtschaftliche, Menschliche und Sportliche zugleich. Dank seiner besonnenen und konsequenten Art ging der 50-Jährige nach seiner Entlassung bei den Grasshoppers aus dem Streit mit der Clubführung als gefühlter Sieger hervor.

Axel Thoma (Bild: ky)

Axel Thoma (Bild: ky)

Thoma kennt den regionalen und den Schweizer Fussball, hat sich ein sehr grosses Netzwerk im nationalen und internationalen Fussball zugelegt. Und er wäre als Kenner des Wiler Fussballs gleich auch noch das gesuchte Bindeglied zwischen dem FC Wil und St.Gallen in der Nachwuchsarbeit – auch wenn in Wil nicht mehr Thomas ehemalige Entourage das Sagen hat. (rst)