Fussball
Zigi hext, Youan trifft: Der FC St.Gallen gewinnt in Basel – Zeidler: «Hatten das Glück des Tüchtigen» +++ Espen-Fanszene massregelt Chaoten

Der FC St.Gallen überrumpelt nach seinem Exploit gegen YB auch Leader Basel. Mit einem couragierten, spielerisch starken Auftritt und dank eines Treffers von Thody Élie Youan in der Schlussphase siegen die Espen am Rheinknie. Derweil reagiert die aktive St.Galler Fanszene auf die Vandalenakte von Chaoten in Luzern.

Daniel Walt/Basel
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Die Spielwertung

Zwei Mannschaften, die Fussball spielen wollen, packende Zweikämpfe, Torchancen en masse: Der FC Basel und der FC St.Gallen bieten den 23'599 Fans insbesondere in der ersten Halbzeit ein Spektakel. Was fehlt, sind einzig die Tore – bis zur 87. Minute und dem 1:0 für die Espen! Spielnote: 5,5

Das Tor

  • 87. Minute, 0:1, Thody Élie Youan. Der Franzose trifft freistehend per Kopf nach einem Corner von Ruiz. Heinz Lindner, der Austria-Keeper im Tor der Bebbi, ist chancenlos.

Die Spielanalyse

Das waren noch Zeiten! 1989 hatte der FC St.Gallen mit Ivan Zamorano einen Stürmer aus Südamerika, der die gegnerischen Abwehrreihen in Angst und Schrecken versetzte. Der Chilene traf beinahe nach Belieben und wurde prompt Torschützenkönig:

Bild: Archiv St.Galler Tagblatt

Lange, viel zu lange ist es her. Mittlerweile ist es der FC Basel, der mit Arthur Cabral einen südamerikanischen Torjäger erster Güte in seinen Reihen weiss. Wird es den Espen gelingen, den Brasilianer einigermassen in Schach zu halten? Davon wird im St.Jakob-Park an diesem Sonntagnachmittag einiges abhängen.

Cabral ist es denn auch, der in der 6. Minute nach einer Flanke von Valentin Stocker nur knapp an der Basler Führung vorbeisegelt. Es ist die erste Chance der Partie, nachdem die St.Galler zunächst zwar mehr Spielanteile hatten, daraus aber keine Möglichkeiten kreieren konnten. Die Basler powern derweil unbeirrt weiter. In der 10. Minute können sich die St.Galler bei ihrem Goalie Lawrence Ati Zigi bedanken, dass sie nicht in Rückstand geraten. Er wehrt zunächst hervorragend gegen den alleine auf ihn zustürmenden Pajtim Kasami. Knapp 30 Sekunden später lenkt er eine Direktabnahme desselben Spielers mirakulös an den Pfosten. Kurz danach haben auch die Espen Pech: Fazliji lanciert herrlich Duah, dessen Hereingabe der freistehende Thody Élie Youan an den Pfosten setzt.

Kwadwo Duah legt quer – Thody Élie Youan kann das Leder aber nicht im Tor unterbringen.

Kwadwo Duah legt quer – Thody Élie Youan kann das Leder aber nicht im Tor unterbringen.

Bild: Freshfocus (Basel, 7. November 2021)

Zwei weitere Grosschancen von Duah und dessen Abseitstreffer zeigen: Mit einer Nullnummer ist heute kaum zu rechnen – und sonst wäre es eine hoch attraktive. Es treffen zwei Mannschaften aufeinander, welche mit offenem Visier spielen, in der Abwehr verwundbar scheinen und ihre Stärken heute definitiv im Angriff haben. Der TV-Kommentator berichtet denn auch von einem «rotzfrechen» Auftritt der St.Galler. Die Espen haben bis zur Pause in der Tat mehr Grosschancen. Eine Führung der Ostschweizer wäre zu diesem Zeitpunkt nicht gestohlen, allerdings bleiben auch die Basler gefährlich, insbesondere wenn sie schnell über die Seiten angreifen.

Nach dem Seitenwechsel lassen es die beiden Teams vorerst etwas gemächlicher angehen. Die Fans müssen sich zwölf Minuten gedulden, bis sie Zeugen der nächsten hervorragenden Intervention von Zigi werden. Er krallt sich einen Freistoss von Valentin Stocker:

Bild: Keystone (Basel, 7. November 2021)

Fortuna auf seiner Seite hat Zigi dann nach 66 Minuten, als Kasami aus kurzer Distanz die Latte trifft.

Auch die St.Galler lancieren immer wieder Vorstösse, diese bleiben aber weniger gefährlich als noch vor der Pause – bis zur 73. Minute: Der eingewechselte Victor Ruiz und Thody Élie Youan setzen hervorragend nach und erobern den Ball. Der Spanier kann aufs Tor von Heinz Lindner losziehen. Er passt in die Mitte zu Youan, der aber im letzten Moment am möglicherweise erfolgreichen Torschuss gehindert werden kann. In der letzten Viertelstunde suchen beide Teams den Lucky Punch. Er gelingt schliesslich Thody Élie Youan, der nach 87 Minuten einen Corner von Ruiz per Kopf verwandelt.

St.Galler Torjubel nach dem Siegtreffer von Thody Élie Youan (rechts).

St.Galler Torjubel nach dem Siegtreffer von Thody Élie Youan (rechts).

Bild: Freshfocus (Basel, 7. November 2021)
So sehen Sieger aus: Die Espen feiern ihren Triumph in Basel.

So sehen Sieger aus: Die Espen feiern ihren Triumph in Basel.

Bild: Freshfocus (Basel, 7. November 2021)

Der Beste

Lawrence Ati Zigi. Der St.Galler Keeper zeigt eine sackstarke Leistung. Nach zehn Minuten verhindert Zigi zweimal auf mirakulöse Art und Weise einen frühen Gegentreffer. Ein-, zweimal steht ihm auch das Glück zur Seite, doch das verdient sich der Hexer im St.Galler Kasten redlich.

Ein ganz starker Rückhalt in St.Gallens Tor: Lawrence Ati Zigi.

Ein ganz starker Rückhalt in St.Gallens Tor: Lawrence Ati Zigi.

Bild: Keystone (Basel, 7. November 2021)

Ebenfalls sehr stark tritt Betim Fazliji auf. Wie er in der ersten Halbzeit vor einer Grosschance der Espen Duah lanciert, ist eine Augenweide.

Betim Fazliji im Zweikampf mit Basels Pajtim Kasami.

Betim Fazliji im Zweikampf mit Basels Pajtim Kasami.

Bild: Freshfocus (Basel, 7. November 2021)

Der Schlechteste

Keiner. Die St.Galler überzeugen mit einem hoch engagierten, mutigen Auftritt.

Aufgefallen: St.Galler Fanszene distanziert sich von Chaoten

Bei der Auswärtsfahrt nach Luzern hatten Chaoten aus dem Umfeld des FC St.Gallen für Ärger gesorgt. Sie warfen am Bahnhof Luzern Böller und Petarden in Richtung der Einsatzkräfte. Zudem richteten sie auf dem Rückweg von der Swisspor Arena zum Bahnhof massive Zerstörungen in vier Bussen an:

Bild: pd

Dies, insbesondere aber die Krawalle rund ums Zürcher Derby führten dazu, dass die Swiss Football League eine Debatte über die Schliessung der Gästesektoren lancierte. Vor dem Spiel der Espen in Basel zirkulierte nun ein Flyer der aktiven St.Galler Fanszene mit dem Titel «Verhaltensgrundsätze im Extrazug und an Auswärtsspielen». Einleitend wird in Erinnerung gerufen, dass die SBB unabhängig von der Anstosszeit und der Distanz zum Spielort einen Extrazug führen, was im Ausland mitnichten der Fall ist. In der Folge werden die Sachbeschädigungen und Angriffe auf die Polizei in Luzern als «feige» und «sinnlos» bezeichnet, bevor diverse Verhaltensgrundsätze aufgelistet werden. Nachstehend Auszüge aus dem Flyer:

  • «Wer wegen Alkohol und Drogen oder erhofften Gewaltexzessen an die Auswärtsspiele fährt, ist definitiv falsch am Platz und soll sich gleich wieder verpissen!»
  • «Die Notbremse ist kein Spielzeug und darf nur im äussersten Notfall betätigt werden!»
  • «Es werden keine Gegenstände oder sogar Feuerwerk aus den Zugfenstern geworfen!»
  • «Personen, welche in irgendeiner Form dafür sorgen, dass wir sicher und schnell an den Spielort und wieder nach Hause kommen, werden respektvoll und freundlich behandelt. Hierzu gehören insbesondere die Kondukteur:innen, die Busfahrer:innen und alle anderen Menschen, welche sich freiwillig (!) für diese Einsätze melden und uns damit das Ausleben unserer Fankultur ermöglichen.»

Das Statement schliesst mit einer klaren Ansage:

«Wir sind als aktive Fanszene nicht länger bereit zuzuschauen, wie einige wenige Halbstarke unsere mühsam erkämpften Freiheiten leichtsinnig und fahrlässig aufs Spiel setzen.»

Man werde deshalb zukünftig allfällige Verstösse gegen die Interessen und die erwähnten Grundsätze konsequent und mit harter Hand verfolgen und fehlbare Personen ohne Vorwarnung zur Rechenschaft ziehen.

Das Jubiläum des Basler Captains

Vor dem Anpfiff wird Valentin Stocker für sein 400. Spiel in den Farben der Basler geehrt. Die Muttenzer Kurve feiert ihren Captain mit einem Feuerwerk:

Die Reaktionen

Peter Zeidler, Cheftrainer FC St.Gallen.

Peter Zeidler, Cheftrainer FC St.Gallen.

Bild: Freshfocus

Peter Zeidler, Cheftrainer FC St.Gallen: «Wir sind natürlich glücklich über diesen Sieg, wir haben die Punkte dringend nötig. Basel kam insbesondere zu Beginn zu einigen Grosschancen, wir allerdings auch – von daher sah ich die Partie ziemlich ausgeglichen. Ein Schlüssel war sicherlich, dass es Nuhu und Stillhart gut gemacht haben gegen Arthur Cabral. Letztlich hatten wir das Glück des Tüchtigen, das uns in dieser Saison teils auch etwas gefehlt hat. Ob wir nach den Siegen gegen YB und Basel nun aus der Krise sind? Vor diesen Partien sah es punktemässig richtig schlecht aus. Doch es wird bis zum Schluss eng bleiben. Vielleicht müsste man mal darüber nachdenken, die Liga auf zwölf oder noch mehr Teams zu erweitern. Ich würde das tun, auch wenn ich diesbezüglich natürlich nichts zu entscheiden habe.»

Patrick Rahmen, Cheftrainer FC Basel.

Patrick Rahmen, Cheftrainer FC Basel.

Bild: Freshfocus

Patrick Rahmen, Cheftrainer FC Basel: «Das ist eine bittere Niederlage. Ärgerlich, dass wir vom YB-Patzer nicht profitieren konnten. Wir sind eigentlich gut ins Spiel gekommen und haben Druck aufgesetzt, die Chancen aber leider nicht genutzt. In der Folge wurde die Partie zu einem offenen Schlagabtausch. St.Gallen konnte den Lucky Punch schliesslich setzen. Vielleicht hat uns auch etwas die Spritzigkeit gefehlt, das soll aber keine Ausrede sein. Der FCSG war vifer und dynamischer. »

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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