FUSSBALL: Wenigstens beidseitig torlos

Der FC St.Gallen ist nicht mehr Letzter, weil er zu Hause gegen Thun ein 0:0 erreicht. Das Beste an seinem Auftritt ist das Resultat. Hält es Joe Zinnbauer im Trainerstuhl?

Christian Brägger
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Ein enttäuschter Albian Ajeti nach dem Schlusspfiff. (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))

Ein enttäuschter Albian Ajeti nach dem Schlusspfiff. (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))

FUSSBALL. Was nur ist aus dem FC St.Gallen geworden? Was ist mit Danijel Aleksic passiert, mit Yannis Tafer, oder auch mit Mario Mutsch, die derzeit im Team wohl mit Recht nur marginale Rollen einnehmen – und auch gestern allesamt spät eingewechselt wurden? Selbst Trainer Joe Zinnbauer wirkt wie ein Schatten seiner selbst, er hat an Ausstrahlung verloren, der Deutsche hat von seiner Eloquenz in der 13monatigen Amtszeit bei den Ostschweizern viel eingebüsst. Dafür ist er nun dünnhäutiger und wie gestern nach dem 0:0 gegen Thun gereizter, ja fast ein wenig flapsig.

Ein Tafer wirkt inzwischen nur noch träge, emotionslos, leer. Jedenfalls nicht so, als ob er bei seiner Einwechslung den Umschwung bringen könnte. Und Aleksic ist längst nicht mehr der Mann der Vorsaison, als er die grosse Figur beim FC St.Gallen war und die Herzen der Anhänger mehrmals entzückte. Das alles hätte er auch in dieser Saison tun sollen – man sah es nie. Selbst Mutsch, der Luxemburger, von dem Zinnbauer anfangs so viel hielt, ist jetzt einer von allen – und austauschbar. Was nur ist aus dem FC St.Gallen geworden? Ein Team, das vom Abstiegskampf in dieser Saison wohl nicht mehr wegkommt, auch wenn es gestern dank des erdauerten Punktes den letzten Tabellenplatz verlassen konnte.

Die St.Galler Kofi Yeboah Schulz, Karim Haggui und Gianluca Gaudino, von links, schreiten zu den Fans. (Bild: Keystone)
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Der Espenblock betritt das Stadion erst bei Spielanpfiff, stattdessen hangen Transparente. (Bild: Keystone)
Thuns Dennis Hediger, links, gegen St.Gallens Gianluca Gaudino. (Bild: Keystone)
St.Gallens Trainer Joe Zinnbauer verwirft die Hände. (Bild: Keystone)
Ein enttäuschter Albian Ajeti von St.Gallen. (Bild: Keystone)
St.Gallens Roman Buess, rechts, scheitert an Torhüter Guillaume Faivre. (Bild: Keystone)
Die St.Galler Nzuzi Toko, links, und Gianluca Gaudino umarmen sich nach dem Spiel. (Bild: Keystone)
St.Gallens Karim Haggui, links, gegen Thuns Dejan Sorgic. (Bild: Keystone)
Die Sorgenfalten von Joe Zinnbauer werden auch nach diesem Spiel nicht kleiner. (Bild: Keystone)
St.Gallens Roman Buess, rechts, scheitert an Goalie Guillaume Faivre. (Bild: Keystone)
Der Espenblock betritt das Stadion erst bei Spielanpfiff. (Bild: Keystone)
St.Gallens Andreas Wittwer, Mitte, gegen Thuns Thomas Reinmann, links. (Bild: Keystone)
Thuns Trainer Jeff Saibene war auch Mal Trainer in St.Gallen. (Bild: Keystone)
St.Gallens Nzuzi Toko, links, gegen Thuns Dejan Sorgic. (Bild: Keystone)
St.Gallens Trainer Joe Zinnbauer. (Bild: Keystone)
St.Gallens Mario Mutsch, links, gegen Thuns Simone Rapp. (Bild: Keystone)
Thuns Dennis Hediger, links, gegen St.Gallens Marco Aratore. (Bild: Keystone)
St.Gallens Marco Aratore, links, gegen Thuns Stefan Glarner. (Bild: Keystone)
St.Gallens Andreas Wittwer, rechts, gegen Thuns Matteo Tosetti. (Bild: Keystone)
Thuns Thomas Reinmann, links, gegen St.Gallens Albian Ajeti. (Bild: Keystone)

Die St.Galler Kofi Yeboah Schulz, Karim Haggui und Gianluca Gaudino, von links, schreiten zu den Fans. (Bild: Keystone)


Nur Bunjaku mit einer Torchance

Viel Zufall, wenig Qualität, mehr Krampf als Klasse. Aber immerhin hielt der FC St.Gallen bis auf ein paar Ausnahmen gegen den ebenfalls bescheidenen Gegner hinten dicht, jedoch in der Offensive mochte ihm wenig gelingen. Nur Albert Bunjaku besass zu Beginn der zweiten Halbzeit nach Vorarbeit Albian Ajetis die einzige reelle Torchance – und schoss ins Aussennetz. Zwar besassen die Ostschweizer rein optisch mehr vom Spiel. Weil die Thuner ihrerseits zu keiner Zeit den Anschein machten, im Kybunpark, der mit 10 699 Zuschauern so schlecht besucht war wie noch nie in dieser Saison, alles zu riskieren, wurde es ein langweiliges Spiel. Mehr aus Zufall standen die Gäste hin und wieder doch dem Führungstreffer nahe: Joël Geissmann in der 72. Minute etwa, Kevin Bigler kurz davor, vor allem aber nach der ersten Viertelstunde Christian Fassnacht, der von einem Fehler Andreas Wittwers nicht profitieren konnte.

Letztlich fehlte dem St.Galler Spiel die Bewegung, die Laufwege seiner Akteure waren schlecht, zu oft wurden die Spitzen mit hohen Bällen gesucht. Und es fehlte die letzte Leidenschaft, oder das Feuer, wie es Toko mit letztem Einsatz und der Grätsche an der Seitenlinie in der ersten Halbzeit nur kurzzeitig entfachte. Der St.Galler Coach sagte: «Wir wollten uns nach vorne mehr zutrauen. Leider hat es nicht so funktioniert. Wir wollten mehr.» Entsprechend war über die gesamte Spieldauer latent spürbar: St.Gallen konnte nicht mehr, Thun aber wollte irgendwie nicht mehr. Den Eindruck bestätigte indirekt auch der Gäste-Coach Jeff Saibene: «Wir können besser mit dem Punkt leben.» Die Frage ist, wie gut Zinnbauer mit dem einen Punkt aus dieser im Vorfeld auf Ebene Schicksalsspiel gehievten Partie leben kann. Oder besser gesagt: der Verwaltungsrat, der wohl heute über die Fortführung von Zinnbauers Arbeit entscheidet, nachdem der Ertrag St.Gallens in einem weiteren sogenannten Sechs-Punkte-Spiel erneut bescheiden geblieben ist.