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Der FC St.Gallen – eine arrogante, unsportliche Mannschaft? Wie das Netz den 25:0-Kantersieg gegen die Urnäscher Amateure diskutiert

Gleich mit 25:0 hat der FC St.Gallen den Viertligisten FC Urnäsch im «Traum-Mätsch» weggefegt. Hätten die Espen nach zehn oder 15 Toren den Fuss vom Gas nehmen sollen? Oder wäre genau das respektlos gegenüber den Hobbykickern gewesen? Die Meinungen gehen weit auseinander.

Daniel Walt 3 Kommentare
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Für die Spieler des FC St.Gallen gab es im Spiel gegen Urnäsch nur eine Richtung: nach vorne.

Für die Spieler des FC St.Gallen gab es im Spiel gegen Urnäsch nur eine Richtung: nach vorne.

Bild: Michel Canonica (Urnäsch, 19. Juni 2022)

«Es ist für uns die höchste, aber schönste Niederlage»: Das sagte Domenik Bieg, Captain des FC Urnäsch, nach dem Spiel gegen den FC St.Gallen. Als «Traum-Mätsch» war die vom Sender Blue organisierte Partie der Appenzeller gegen die Espen vermarktet worden. Resultattechnisch wurde sie eher zu einem Albtraum für den Viertligisten: 25 Tore, 15 davon in der zweiten Halbzeit, schenkte die Super-League-Truppe von Peter Zeidler den Amateuren aus dem Appenzellerland ein.

«Auch zehn Tore hätten gereicht»

Auf der Facebook-Seite des «Tagblatts» gibt der Kantersieg des FCSG Anlass zu heissen Diskussionen. Ausgelöst wird die Debatte durch ein Votum von Helen Goop Batliner, die schreibt: «Das macht man einfach nicht, auch wenn man es kann.» Auf den Einwand von Urs Harder, man mache das eben genau, weil man es könne, schreibt die Facebook-Nutzerin:

«Gewinnen ist ok, demütigen muss nicht sein.»

Unterstützung erhält Goop-Batliner von Michaela Schmid-Grünenfelder. «Gerade 25 Tor reinhauen zeigt in meinen Augen keine Klasse, da hätten zehn auch gereicht», schreibt sie.

Auch auf Twitter wird Kritik an der Höhe des Espen-Siegs laut. User FlipFlops from Hell schreibt, einen Gegner so zu demütigen, zeuge nicht gerade von Sportsgeist. In dieselbe Richtung geht das Votum der Twitterer Peter Pan und Florian:

«Ernst genommen und auf Augenhöhe begegnet»

Der FC St.Gallen – eine arrogante, unsportliche Mannschaft, die Feierabendfussballer erbarmungslos niederkantert, wie die erwähnten Wortmeldungen vermuten lassen? Weit gefehlt, wenn es nach der Mehrheit der Kommentatorinnen und Kommentatoren in den sozialen Medien geht. «Sone Blödsinn. Isch guet wies gsi isch», schreibt beispielsweise Stefan Schmitter auf Facebook. Ronny Keller findet:

«Gedemütigt wurde niemand. Urnäsch wusste, worauf sie sich einlassen. Urnäsch hatte seinen ‹Traum-Mätsch›, da ist das Resultat Nebensache.»

Ein Hauptargument jener, die den FC St.Gallen in Schutz nehmen: Extra einen oder zwei Gänge zurückschalten, um die Feierabendfussballer aus Urnäsch zu schonen – das wäre demütigend gewesen. Osamu Kudo beispielsweise schreibt: «Wenn man seinen Gegner nicht schont, zeigt man damit, dass man ihn erst nimmt und ihm auf Augenhöhe begegnet.» Ähnlich kommentiert Martin Riederer:

«Demütigend wäre, wenn man den Gegner nicht ernst nimmt und absichtlich mit angezogener Handbremse spielt und ihn spüren lässt, dass man noch viel überlegender hätte spielen können. DAS wäre respektlos!»

Mit Willi Urbanz schaltet sich auf Facebook auch noch eine Person aus dem Umfeld des FC Urnäsch ein. Sein Votum legt nahe, dass sich die Viertligaspieler noch lange und liebend gerne an den «Traum-Mätsch» gegen die Espen erinnern wird – Albtraumresultat hin oder her:

«Für mich war es eine Ehre, für den FCSG den Platz zu zeichnen! Für die Spieler war es wirklich DER ‹Traum-Mätsch›, ohne sich gedemütigt zu fühlen! Für den ganzen FC Urnäsch einmal mehr eine super Gelegenheit, sich zu präsentieren!»

Hier gibt es den «Traum-Mätsch» zwischen Urnäsch und dem FCSG in voller Länge zu sehen:

Video: Youtube
3 Kommentare
Martin Stijakovic

kurzes Statement seitens FC Urnäsch bezüglich den negativen Kommentaren gegenüber FCSG: Seid nicht besorgt um uns, denn wir haben nichts anderes erwartet. Auch wir sind Realisten und eine Zurückhaltung seitens St. Gallen wäre eine grössere Enttäuschung als das Endergebnis. Das ist Fussball, so leben wir es und genauso spielen wir es. Der Gesamtevent inkl. Doku-Reihe war für uns ein voller Erfolg und das Resultat nur ein kleiner Bestandteil vom grossen Ganzen. Wir sind dem FCSG sehr dankbar, dass sie einen solchen Event unterstützt und mitgetragen haben. Liebe Grüsse und Hopp FC Urnäsch und FC St. Gallen 1879!

Markus Meli

Das ganze war eine Werbeveranstaltung von "blue". Es wäre schön, wenn man die Kirche im Dorf lassen und die endlose Berichterstattung über diese Veranstaltung einstellen könnte. 

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