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FUSSBALL: "Es gab Ausgaben, die nicht zum Wohl des FC St.Gallen waren": Finanzchef Hammer im grossen Interview

Der Verwaltungsrat und Finanzchef des FC St.Gallen, Christoph Hammer, hat in den vergangenen Wochen zusammen mit Wirtschaftsprüfern die Geldströme innerhalb des FC St.Gallen untersucht. Im Interview spricht er über die vorherige Führung, finanzielle Ausschweifungen und die Lohnkosten.
Ralf Streule
Er ist der Herr über die Finanzen beim FC St.Gallen: Christoph Hammer. (Bild: Urs Bucher)

Er ist der Herr über die Finanzen beim FC St.Gallen: Christoph Hammer. (Bild: Urs Bucher)

Die vergangene Saison schloss der FC St.Gallen mit 2,6 Millionen Franken Verlust ab, und auch in der ersten Saisonhälfte gab es einen Verlust von 358'000 Franken. Sie als Finanzchef haben den Überblick: Was lief schief?
Zunächst muss man sagen: Das Defizit wäre in dieser Saison bereits weit höher, wenn wir nicht die 1,6 Millionen Franken Einnahmen aus dem Albian-Ajeti-Transfer hätten. Wir haben alle Positionen durchgerechnet und kamen zum Schluss: Der Club hätte auch in diesem Jahr mit einem strukturellen Defizit von 2,5 Millionen Franken gewirtschaftet, würden wir nicht die Notbremse ziehen. Als wir das sahen, war es für uns so etwas wie ein Gutenmorgenruf: Wir müssen etwas tun.

Hat die vorherige Führung Fehler gemacht?
Wir haben tatsächlich einiges gefunden. Es gab Managementsentscheidungen, die wir nicht teilen. Und es gab Ausgaben, bei denen man sagen musste: Die sind nicht zum Wohle des FC St.Gallen. Bei gewissen Vertragsunterzeichnungen kann man sich fragen, ob sie sinnvoll waren oder nicht. Bewertungen in der Bilanz wurden so interpretiert, wie wir sie nicht interpretieren. Ich muss aber klar sagen: Strafrechtlich gesehen sind keine Fehler gemacht worden. Und es sind keine Gelder unrechtmässig geflossen.

Es soll aber finanzielle Ausschweifungen gegeben haben.
Lassen Sie es mich so sagen: Wenn die Clubführung will, darf sie hier im Stadion alle Wände blau-weiss anmalen, das ist nicht verboten. Sie darf auch haushalten, wie sie will, wenn die Geldflüsse nicht illegal sind.

Man sprach hinter vorgehaltener Hand von Positionen, bei denen nicht klar ist, wohin das Geld floss...
...und was die Gegenleistung war. Das ist richtig. Wir haben diese Zahlungen geprüft und unsere Schlüsse gezogen. Die Sachen sind behoben.

Konkret hiess es, dass zum Beispiel im Nachwuchsprojekt sehr hohe Gelder flossen. Matthias Hüppi spricht davon, das Budget für FCO von 4,5 auf 3 Millionen Franken kürzen zu wollen – ohne damit das Nachwuchslabel zu verlieren.
Das Nachwuchsprojekt ist etwa zur Hälfte verantwortlich für den Verlust. Und ja, da ging es auch um hohe Löhne. Das wollen wir langfristig korrigieren. Und weitere Posten überprüfen.

Unter anderem hiess es an der Pressekonferenz, dass zwei Verträge von Nachwuchsspielern vergleichsweise zu hoch dotiert seien.
Das ist richtig. Doch wenn einem Nachwuchsspieler ein gut dotierter Vertrag unterbreitet wird, kann ihn niemand dafür belangen. In unserer Einschätzung gab es im Nachwuchs aber auch an anderen Orten Fehleinschätzungen. Die Frage muss man sich stellen: Ist es wirklich im Interesse des Fussballs? Wenn zum Beispiel die Ausbildungsentschädigung in einem Nachwuchsvertrag einfach gestrichen wird, was passiert ist im einen Fall, schadet dies dem Verein. Wir haben den Grundsatz, dass Nachwuchsleute eine klare Lohnstaffelung haben. Natürlich kann man einen Überflieger nicht gleich behandeln. Wir haben aber neu Lohnmuster, die wir konsequent anwenden.

Wie geht es weiter mit den bestehenden Verträgen ebenjener Nachwuchsspieler?
Wir schauen, ob wir uns entgegenkommen, einen Kompromiss machen können.

Insgesamt sind die Lohnkosten gegenüber dem vergangenen Jahr um 44 Prozent gestiegen. Womit hat das zu tun?
Da sind auch Altlasten drin, Joe Zinnbauers Lohn, zum Beispiel. Und es gab Doppelspurigkeiten. Leider Gottes wurden die Lohnentwicklungen nicht regelmässig überprüft. Sonst wären die Lohnkosten nicht dermassen gestiegen. Gewisse Verträge laufen noch bis 2019, mit diesen Personen sind wir daran, Lösungen zu finden. Wir tun alles, um solche Kosten zu dämpfen. Gleichzeitig werden wir Sponsoren- und Werbeeinnahmen wieder steigern. Wir rechnen fürs gesamte Jahr mit einer Million Franken Verlust. Aber die Liquidität ist nicht gefährdet.

Es war die Rede davon, dass man etwa sechs Millionen Franken Reserve hat. Musste diese zuletzt angezapft werden? Ja, auf jeden Fall. Die Reserve beträgt derzeit fünf Millionen Franken. Von daher ist das beruhigend. Wenn man aber so weitergemacht hätte wie zuvor, wäre das schnell weg gewesen. Es gab tatsächlich Niedergangsrisiken. Es war wichtig, Gegensteuer zu geben.

Ist es überhaupt denkbar, dass man irgendwann schwarze Zahlen schreibt mit dem Fussballclub?
Wenn wir die richtigen Hebel betätigen, bin ich überzeugt, dass das gelingen kann. Per Ende 2018 wollen wir die Balance wieder haben, auch ohne Transfers. In der Region ist eine derart gute Stimmung rund um den FC St.Gallen, das spüren wir täglich. Mit dieser Energie wollen wir arbeiten – wir glauben daran, dass es sich auch auf positive Zahlen auswirken wird.

Wie sah Ihre Arbeit für den FC St.Gallen in den vergangenen Wochen konkret aus?
Sie begann während der Weihnachtstage, wir setzten uns mit Wirtschaftsprüfern und früheren Verantwortlichen zusammen und versuchten einen Einblick zu erhalten. Auf jener Basis teilte sich der Verwaltungsrat auf und arbeitete quasi eine Liste ab. Entscheide im Sport, bei den Finanzen. Diese Arbeiten gingen bilderbuchmässig vor sich. Leider konnte ich und auch andere Verwaltungsräte nur am Wochenende richtig viel Arbeit in den FC St.Gallen investieren, weil wir daneben unsere beruflichen Aufgaben haben. Aber wir haben es gern getan.

Wie waren die Reaktionen der ehemaligen Verwaltungsräte und anderer Verantwortlichen auf Ihre Untersuchungen? Wie nahmen sie die Kritik auf? Gab es Einsicht? Schuldzugeständnisse?
Wenn Menschen bewusst etwas machen, verteidigen sie es normalerweise. Wenn sie es unbewusst falsch machten, müssen sie das zuerst verdauen, was überhaupt gelaufen ist. Wir haben mit den Leuten geredet, die Sachlage erläutert. Und ich glaube: Die einen haben es eingesehen, die anderen schlichtweg nicht.

Zur Person: Christoph Hammer

Im Verwaltungsrat des FC St.Gallen sind die Finanzen der Aufgabenbereich des einstigen Juniors des FC St.Gallen. Christoph Hammer löste Sascha Roth ab, der nicht mehr für den Club arbeitet. Hammer wohnt in St.Gallen, ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Noch heute spielt der 47-Jährige liebend gerne Fussball, vor allem verfügt er über einen grossen Erfahrungsschatz im Finanzwesen: Der studierte Betriebsökonom HWV ist als Group CFO ein Mitglied der SBB-Konzernleitung, davor war er unter anderem globaler Controlling-Leiter der Hilti-Gruppe. (cbr)


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