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FUSSBALL: Eine grosse Baustelle

Elf Spiele, sieben Niederlagen. Der FC St.Gallen befindet seit dem Saisonstart im Tief. Aufwärtstendenzen folgen immer wieder Rückschläge. Wir zeigen die grössten Baustellen auf.
Patricia Loher, Christian Brägger
Am Boden: Der FC St.Gallen spielt sich zunehmend in die Krise. (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))

Am Boden: Der FC St.Gallen spielt sich zunehmend in die Krise. (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))

FUSSBALL. Aufgrund der schwachen Leistung im Heimspiel gegen Vaduz deutet vieles darauf hin, dass der FC St.Gallen vor schwierigen Wochen steht. Folgen am Sonntag in Luzern, unter der Woche im Cup beim FC Zürich und dann zu Hause gegen Thun keine frappanten Steigerungen, droht nicht nur das Aus im Cup, sondern auch der letzte Platz in der Winterpause. Der FC St.Gallen ist mehr oder weniger seit Saisonbeginn in der Krise. Die acht grössten Baustellen:

1. Konzeptlosigkeit

Fast immer präsentiert sich die Startformation anders. Nehmen wir das Beispiel Andreas Wittwer: Dreimal in Folge gehörte die Neuverpflichtung in der Meisterschaft der Startformation an, der Berner spielte stets ansprechend. Aber gegen Vaduz war er nicht einmal mehr im Aufgebot. Die Rochaden sind nicht immer nachzuvollziehen, ebenso wenig wie die Wechsel. Gegen die Vaduzer brachte Trainer Joe Zinnbauer zur Pause den bis anhin wenig überzeugenden Mohamed Gouaida statt Albian Ajeti, der zuvor in vier Teileinsätzen ein Tor erzielt und einen Treffer vorbereitet hatte. Zudem ist einer wie Roy Gelmi einmal dabei, dann wieder nicht, dann wieder schon.

Enttäuscht, zerknirscht, ratlos: Joe Zinnbauer nach der jüngsten 0:3-Pleite beim FC Luzern. (Bild: URS FLUEELER (KEYSTONE))
Voller Hoffnungen: Joe Zinnbauer am 22. September 2015 vor seinem ersten Spiel als FCSG-Trainer. (Bild: Urs Bucher)
Mit einem späten Treffer sicherte Roy Gelmi (rechts) Joe Zinnbauer in dessen erstem Spiel als FCSG-Trainer die ersten drei Punkte. (Bild: Urs Bucher)
Grosser Jubel bei Joe ZInnbauer nach Abpfiff: Die ersten drei Punkte sind im Trockenen. (Bild: Urs Bucher)
26. September 2015: Zinnbauers erstes Gegentor als FCSG-Trainer. Shani Tarashaj trifft für GC. Der Match ging schliesslich 1:1 aus. (Bild: ANTHONY ANEX (KEYSTONE))
4. Oktober 2015: Die St.Galler bejubeln die Führung gegen Sion. Schlussresultat: 1:1. (Bild: ANTHONY ANEX (KEYSTONE))
Der Match gegen Sion blieb vielen vor allem wegen der emotionalen Verabschiedung von Ex-Trainer Jeff Saibene in Erinnerung. (Bild: Benjamin Manser)
Zinnbauers erste Pleite: Am 18. Oktober 2015 gingen die St.Galler in Lugano sang- und klanglos mit 1:3 ein. (Bild: DAVIDE AGOSTA (TI-PRESS))
Später 2:2-Ausgleich: Am 24. Oktober 2015 rettete Dzengis Cavusevic dem FCSG in der Nachspielzeit auswärts beim FCZ einen Punkt. (Bild: WALTER BIERI (KEYSTONE))
Jubel am 1. November 2015: Der FC St.Gallen hat mit dem 1:0 gegen Luzern Revanche genommen für die Cuppleite gegen denselben Gegner wenige Tage zuvor. (Bild: Benjamin Manser)
Auswärtssieg in Thun: Die Berner Oberländer haben in der ersten halben Stunde dreimal den Pfosten getroffen- dank Toren von Egar Salli (Bild) und Danijel Aleksic gewann der FCSG am 8. November 2015 trotzdem. (Bild: MARCEL BIERI (KEYSTONE))
Gross war die Vorfreude der Fans auf den Hit gegen Branchenprimus Basel am 22. November 2015... (Bild: Urs Bucher)
Als dann der Schnee kam, drehte St.Gallen auf: 2:1-Sieg gegen den FCB. (Bild: Urs Bucher)
Ein enttäuschter Daniel Lopar am 28. November 2015 - 1:2-Auswärtsniederlage bei den Young Boys. (Bild: PETER KLAUNZER (KEYSTONE))
Am 6. Dezember 2015 kam der Samichlaus in die Arena - und die Espen waren gegen Vaduz wieder einmal die Chläuse: Es gab nur ein erknorztes 2:2 gegen die Ländle-Kicker. (Bild: Beat Belser)
An diesem Match war auch Ex-Espe Tranquillo Barnetta im Stadion. (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))
Guter Auftritt, keine Punkte: Am 7. Februar 2016 verliert der FCSG zum Auftakt der Rückrunde daheim 1:2 gegen Thun. (Bild: Ralph Ribi)
Am 21. Februar 2016 sorgten St.Galler Chaoten für einen Spielunterbruch in Luzern. Grünweiss gewann schliesslich mit 1:0. (Bild: URS FLUEELER (KEYSTONE))
Ein skeptischer Joe Zinnbauer am 28. Februar 2016: Sein Team erzielt im Heimspiel gegen Lugano drei Tore - es gibt aber trotz einer 2:0-Führung nur einen Punkt. (Bild: NICK SOLAND (KEYSTONE))
7. März 2016: Frühes Rot für Mario Mutsch. Trotzdem gewinnen die Ostschweizer nach einer überzeugenden Leistung 2:0 gegen GC. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))
Joe Zinnbauer freut sich über die drei Punkte gegen GC trotz einer 75-minütigen Unterzahl. (Bild: Urs Bucher)
Feurige St.Galler Fans am 13. März 2016 in Basel. Die Ostschweizer überzeugen, gehen schliesslich aber trotzdem mit einer 2:4-Niederlage vom Platz. (Bild: GEORGIOS KEFALAS (KEYSTONE))
Zehn Punkte für diese Choreo der Espen-Fans - null für die Mannschaft: 2:3-Heimpleite gegen YB am 19. März 2016. (Bild: Ralph Ribi)
0:4 beim FC Zürich am 2. April 2016 - die Talfahrt von Joe Zinnbauers Mannen nimmt ihren Lauf. (Bild: WALTER BIERI (KEYSTONE))
Die nächste Niederlage: 10. April 2016 - Vaduz besiegt den FCSG 3:0. Gianluca Gaudino stellt sich nach dem Match den Espen-Fans. (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))
Ausgleichtreffer im Wallis: Daniel Lopar kassiert am 13. April 2016 das 1:1 nach einer frühen Führung der Espen. (Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT (KEYSTONE))
Die Mutter aller Heimpleiten: St.Gallen - Basel 0:7, heisst es am 17. April 2016. Eine halbe Stunden halten die Espen einigermassen mit - danach spielen sie sich ins Elend. (Bild: Benjamin Manser)
Kurzes Zwischenhoch: Wenige Tage nach dem Basel-Debakel bezwingen die St.Galler - im Bild Edgar Salli und Danijel Aleksic - Sion mit 2:1. (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))
Drei Tage nach dem Sion-Heimsieg ist die Hausse bereits wieder vorbei: GC - FCSG 2:0 (23. April 2016). (Bild: WALTER BIERI (KEYSTONE))
Die nächste Vaduz-Pleite, und die nächste Aussprache mit den empörten Fans: Am Tag der Arbeit haben die St.Galler keinen Bock, sich zu zerreissen - und verlieren daheim mit 1:3. (Bild: SEBASTIAN SCHNEIDER (KEYSTONE))
Tor für den FCSG! Albert Bunjaku trifft am 7. Mai 2016 - Schlussresultat: Thun - St.Gallen 2:2. (Bild: PETER SCHNEIDER (KEYSTONE))
Keine Chance in Bern: Am 12. Mai 2016 verlieren die Espen 1:3 bei YB und kommen immer mehr in den Abstiegsstrudel. (Bild: DANIEL TEUSCHER (PHOTOPRESS))
Der Befreiungsschlag: Am 16. Mai 2016 brillieren die Espen beim 3:0 gegen den FCZ - sie haben sich den Ligaerhalt damit faktisch gesichert. (Bild: Ralph Ribi)
Nach dem Ligaerhalt könnten die St.Galler am 22. Mai 2016 befreit aufspielen gegen den FC Luzern. Sie gehen daheim 1:4 unter und verärgern ihre Anhänger ein weiteres Mal. (Bild: Urs Bucher)
Auch im letzten Spiel der Saison 2015/2016 lässt sich St.Gallen gehen und unterliegt Lugano auswärts mit 0:3. Die Tessiner sichern sich damit auf Kosten des FC Zürich den Ligaerhalt. (Bild: GABRIELE PUTZU (KEYSTONE/TI-PRESS))
Neue Saison, neue Hoffnung - und endlich eine FCSG-Hymne - sie liegt vor dem ersten Match der Saison 2016/2017 in der AFG Arena auf. (Bild: Benjamin Manser)
Hymne hin oder her: St.Gallen findet im ersten Saisonspiel gegen YB den Takt nicht, hat praktisch keine Torchancen und verliert mit 0:2. (Bild: Benjamin Manser)
Zweites Saisonspiel, zweite Niederlage: 1:2 in Sion am 30. Juli 2016. (Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT (KEYSTONE))
Endlich wieder St.Galler Jubel: Am dritten Spieltag der neuen Saison bezwingen die Espen GC mit 2:1. (Bild: Ralph Ribi)
Die nächste Niederlage folgt auf dem Fuss: Am 11. August 2016 verlieren die St.Galler bei Aufsteiger Lausanne mit 0:1 - Joe Zinnbauer im Gespräch mit Assistent Daniel Tarone. (Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT (KEYSTONE))
Auch in der neuen Saison müssen sich die St.Galler nach dem Spiel bei Vaduz ihren Anhängern erklären - im Ländle setzt es am 21. August 2016 eine 0:2-Pleite ab. (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))
Beste Rahmenbedingungen im Kybunpark am 28. August 2016 vor dem Heimspiel gegen Luzern... (Bild: Urs Bucher)
... und auch für die Espen scheint die Sonne: Klares 3:0 nach einer tollen Leistung gegen den FC Luzern. (Bild: Urs Bucher)
Doch die St.Galler Anhänger werden bereits im nächsten Heimspiel wieder bitter von ihren Lieblingen enttäuscht: 0:2 gegen Lugano nach einem ganz schwachen Auftritt. (Bild: Urs Bucher)
Immer, wenn Joe Zinnbauer und seine Mannen das Messer am Hals haben, gewinnen sie - so auch am 20. September 2016: 2:1 beim FC Thun. (Bild: PETER SCHNEIDER (KEYSTONE))
Gut gespielt und trotzdem verloren: Ein Anhänger beim 1:3 des FC St.Gallen gegen Basel am 24. September 2016. (Bild: Benjamin Manser)
Ausgleich in der Nachspielzeit: Die St.Galler feiern Torschütze Albert Bunjaku (vorne links) beim 2:2 bei YB. (Bild: ANTHONY ANEX (KEYSTONE))
Es geht einfach nicht gegen Vaduz: Enttäuschte St.Galler trotten am Sonntag nach der 0:2-Heimniederlage vom Feld. (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))
"Zinnbauer raus!", schallte es dem FCSG-Trainer nach der jüngsten Heimniederlage von den Rängen entgegen. (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))
Joe Zinnbauer während der jüngsten Pleite seines Teams beim FC Luzern. (Bild: URS FLUEELER (KEYSTONE))
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Joe Zinnbauer: Ein Jahr des Grauens


2. Transferpolitik

Angekündigt worden war nach dem Rücktritt von Jeff Saibene ein Philosophiewechsel: Mehr gute und allenfalls teurere Spieler sollten das Gerüst bilden, um das mit jungen Akteuren eine Mannschaft geformt werden sollte. Dafür hatte Sportchef Christian Stübi eine Million Franken mehr zur Verfügung, was – zugegeben – im Fussball wenig Geld iSt.Geglückt ist die Strategieänderung nicht: Das Kader umfasst 21 Feldspieler, von ihnen bewegen sich die meisten auf einem ähnlichen Niveau. Der Bundesliga-erfahrene Karim Haggui kann ein Leader werden, noch befindet er sich aber nicht auf Top-Level.

3. Kein Knipser
Roman Buess ist mit drei Toren St.Gallens treffsicherster Stürmer. Das ist an sich keine schlechte Quote, wenn auch andere Spieler treffen. Weil sie das aber nicht machen, ist bei keinem anderen Team die Torausbeute schlechter als bei den St.Gallern.

4. Trainingsweltmeister
Zinnbauer war über viele Monate hinweg nie um Antworten verlegen. In letzter Zeit war bei ihm aber Ratlosigkeit spürbar, weshalb sein Team die oftmals guten Trainingseindrücke nicht bestätigt. Letzten Endes liegt die Wahrheit auf dem Platz, wo auch der Druck am grössten ist – mit Trainingsweltmeistern lassen sich keine Spiele gewinnen.

5. Lustlosigkeit
Stellvertretend für diejenigen Spieler, die ihre Leistung seit längerer Zeit nicht mehr bringen, sind Yannis Tafer und Danijel Aleksic. Es macht den Anschein, als spulten sie ihr Programm einfach ab, die Körpersprache ist schlecht, sie scheinen ohne Leidenschaft, und keiner weiss so recht, warum. Fehlt es ihnen an der Zuneigung des Trainers und an Nestwärme, die im Fussball nicht unwichtig ist?

6. Spielsystem
Vom Ballbesitzfussball ist Zinnbauer inzwischen weggekommen, weil St.Gallen diesen nicht umsetzen kann. Doch welchen Fussball spielen die St.Galler? Die Linie fehlt, zu oft regiert das Prinzip Zufall. Dabei hätte St.Gallen bei einem perfekt ausgeführten 4–2–3–1 oder 4–4–2 mit willigen Flügeln und einem Marco Aratore, der derzeit als einziger Akteur zu gefallen weiss, durchaus Argumente für attraktiven Fussball.

7. Verantwortung
Nach dem 0:2 gegen Vaduz übernahm Mario Mutsch zwar für den von ihm verursachten Penalty die Verantwortung. Aber er wies zugleich signifikanterweise auf einige Fehler seiner Mitspieler hin. Nur: Eine Mannschaft, die auch nach innen scheinbar funktioniert, tritt in Verantwortungsfragen anders auf.

8. Publikum
Der FC St.Gallen muss aufpassen. Mit Auftritten wie gegen Lugano oder zuletzt gegen Vaduz verärgert er sein eigentlich leidensfähiges Publikum. Die Zuschauerzahlen waren schon vergangene Saison rückläufig. Bis anhin besuchten im Durchschnitt 12'243 Zuschauer die Heimspiele. Das ist ein bescheidener Wert. Zudem wurde ein Minusrekord erreicht. Zum Spiel gegen Basel kamen nur noch 14'257 Anhänger – weniger waren es im neuen Stadion gegen den Ligakrösus noch nie.

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