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Aufbauhilfe Ost in Aktion: Der FC St.Gallen verliert gegen Luzern mit 0:2 +++ Zeidler: «Nach dem 0:2 haben wir nicht mehr daran geglaubt»

Trotz eines grundsätzlich soliden Auftritts und deutlich mehr Spielanteilen bleibt der FC St.Gallen beim bisherigen Tabellenletzten Luzern ohne Punkte. Defensive Mängel bei zwei Eckbällen machen den Espen den Garaus. Sie rutschen nun wieder in Richtung Tabellenende, während Luzern den ersten Saisonsieg feiert.

Daniel Walt/Luzern 2 Kommentare
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Die Spielwertung

Herrliches Herbstwetter, 10'769 Fans in der Swisspor Arena und zwei Mannschaften, zwischen denen es regelmässig hoch zu und her geht: Es ist alles angerichtet für ein Topspiel in Luzern. Die St.Galler tun in Umgang 1 deutlich mehr für die Partie, geraten gegen den verunsicherten Tabellenletzten aber trotzdem in Rückstand. Nach dem zweiten Gegentreffer kurz nach dem Seitenwechsel ist der Mist dann geführt, St.Gallen kann nicht mehr entscheidend reagieren. Spielnote: 4,5

Die Tore

  • 1:0, 26. Minute, Torschütze: Dejan Sorgic. Nach einem Corner drückt der Luzerner Angreifer den Ball über die Linie. Lüchinger kann ihn nicht am Abschluss hindern.
  • 2:0, 52. Minute, Torschütze: Ibrahima Ndiaye. Der Luzerner trifft nach einem Eckball per Kopf, nachdem ein erster Abschluss von Burch von der Latte zurückgeprallt ist. 

Die Spielanalyse

Der erste Tiefschlag der FCSG-Saison 2021/22 trägt die Farbe Blauweiss: Am 1. August gleichen die Luzerner im Kybunpark zum 2:2 aus – in der Nachspielzeit und nach einem frühen 0:2-Rückstand. Von dieser Enttäuschung erholen sich die Espen in der Meisterschaft resultatmässig erst beim 2:1-Heimsieg gegen Servette vor einer Woche. Gar nicht in Fahrt kommen derweil die Innerschweizer: Sie liegen vor der heutigen Revanche sieglos, allerdings nur mit drei Punkten Rückstand auf die St.Galler auf dem letzten Tabellenplatz.

Verlieren verboten, heisst es also für beide Mannschaften. Stärker in die Partie starten die Espen: Nach sieben Minuten und einem schönen Durchspiel schliesst Kwadwo Duah ein erstes Mal ab. Nur zwei Zeigerumdrehungen später müsste es nach einer Doppelchance von Ruiz 1:0 für den FCSG stehen, Luzern-Keeper Vasic pariert aber hervorragend:

Bild: Freshfocus/Martin Meienberger

Generell gehören die ersten 20 Minuten klar den Ostschweizern. Das Heimteam wirkt verunsichert, sogar einfachste Pässe misslingen. Trotzdem steht es nach 26 Minuten nicht etwa 1:0 für die Gäste, sondern für Luzern. Dejan Sorgic trifft nach einem Eckball aus kurzer Distanz. Die Defensive der St.Galler, die bis anhin sicher stand, wirkt in dieser Szene desorientiert, insbesondere Lüchinger beim entfernten Pfosten sieht schlecht aus.

Bild: Freshfocus/Martin Meienberger

Nein, verdient ist die Führung für die Luzerner keineswegs. Aber eine Moralspritze sondergleichen, zumal das Heimteam die Gäste in der Blitztabelle nun überholt hat. Die Aktionen der Luzerner werden nun mit mehr Selbstvertrauen, mit mehr Konsequenz vorgetragen. Zu weiteren Torchancen kommen die Hausherren vorerst aber nicht. Es sind vielmehr die Espen, die in der 36. Minute um ein Haar ausgleichen können: Duah, schön von Isaac Schmidt lanciert, trifft aber nur den Aussenpfosten.

Wie immer leidenschaftlich an der Seitenlinie dabei: FCSG-Cheftrainer Peter Zeidler.

Wie immer leidenschaftlich an der Seitenlinie dabei: FCSG-Cheftrainer Peter Zeidler.

Bild: Freshfocus/Martin Meienberger

In der Pause reagiert FCSG-Cheftrainer Peter Zeidler: Er holt Nicolas Lüchinger vom Platz und ersetzt ihn durch Offensivkraft Thody Élie Youan. Ehe sichs die Ostschweizer versehen, liegen sie aber mit zwei Längen im Rückstand. Und wieder ist es ein Eckball, der am Anfang der St.Galler Unbill steht. Ein erster Kopfball von Burch prallt noch von der Latte zurück – Ibrahima Ndiaye seinerseits bezwingt Zigi im zweiten Anlauf sicher:

Bild: Freshfocus/Martin Meienberger

Der Rest der Partie? Das ist ein zunehmend verzweifeltes Anrennen der St.Galler, ohne dass daraus allerdings grosse Chancen resultieren würden. Daran können auch Schubert, Babic, Diarrassouba und Guillemenot nichts ändern, die ebenfalls in die Schlacht geworfen werden. Die Luzerner ihrerseits verpassen das 3:0 mehrfach nur um Haaresbreite beziehungsweise wegen St.Gallen-Keeper Zigi. Die Ostschweizer wirken somit wieder einmal als Aufbauhilfe für einen Gegner, der das heutige Erfolgserlebnis dringend nötig hatte.

Enttäuschte St.Galler vor ihrem Anhang.

Enttäuschte St.Galler vor ihrem Anhang.

Bild: Keystone

Der Beste

Kwadwo Duah. Der Angreifer hat die erste Chance der Partie, trifft einmal den Aussenpfosten und ist auch sonst ein Aktivposten im Angriff der Ostschweizer. Ein Treffer will ihm, im Gegensatz zur Heimpartie gegen Servette, aber nicht gelingen.

Lawrence Ati Zigi: Note 4. Hält, was er halten kann. Aber: Die Zuteilung bei beiden Eckbällen, die zu den Gegentoren führen, stimmt nicht.
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Nicolas Lüchinger: Note 4. Man würde sich mehr Flanken wünschen. Und mehr Geschick beim 0:1. Zur Pause raus.
Musah Nuhu: Note 3,5. Mehrere Fehlpässe. In der zweiten Halbzeit kommt man ausserdem zu einfach an ihm vorbei.
Basil Stillhart: Note 4. Kompensiert erst die fehlenden Zentimeter mit dem Stellungsspiel. Danach kein Stabilisator, auch wenn die Hilfe fehlt.
Boubacar Traore: Note 3,5. Hat seine Seite zunächst halbwegs im Griff. Besser wird es aber nicht mehr.
Lukas Görtler: Note 3,5. Einmal mehr scheint es, als wolle er allen schauen. Und vergisst dabei sich selber.
Ousmane Diakité: Note 3,5. In der Defensive kein Fels in der Brandung. Offensiv anfangs mit Lust. Aber oft auch mit: Ballverlust.
Isaac Schmidt: Note 3. Abgesehen von den Startminuten wirkungslos. Ausgewechselt nach gut einer Stunde.
Victor Ruiz: Note 4. Vergibt zwei Chancen. Ist dann bemüht, will den Ball. Doch wenn er ihn hat, ist da viel Klein-Klein. Und wenig Ertrag.
Kwadwo Duah: Note 4,5. Die Tore gaben ihm Selbstvertrauen. Denn da ist kein Zögern mehr. Hat Pech, als er in der 36. Minute den Pfosten trifft.
Alessio Besio, Note: 3,5. Kreist wie ein Planet um die Gefahrenzone herum, aber ist kaum einmal mittendrin. Besio strahlt zu wenig Torgefahr aus.
Thody Élie Youan: Note 3,5. Ersetzt in der zweiten Halbzeit Lüchinger. Lanciert Duah gleich vielversprechend. Sonst: wenig.
Boris Babic: Note 4. Kommt für Besio. Holt sich die Bälle tief im Mittelfeld. Doch da bleiben sie dann meistens auch.
Fabian Schubert: Note 3,5. Eine seiner auffälligsten Szenen: Als er in der 65. Minute für Schmidt kommt.

Lawrence Ati Zigi: Note 4. Hält, was er halten kann. Aber: Die Zuteilung bei beiden Eckbällen, die zu den Gegentoren führen, stimmt nicht.

Der Schlechteste

Nicolas Lüchinger. Der St.Galler Defensivmann versagt beim ersten Gegentreffer am hinteren Pfosten, er kann Sorgic nicht am Abschluss hindern. In der Pause wird Lüchinger dann ausgewechselt.

Der Schiedsrichter

Nach den diversen Patzern der letzten Runde stehen die Schiedsrichter und der jeweilige VAR heute unter besonderer Beobachtung. Referee Urs Schnyder macht im Match zwischen Luzern und St.Gallen einen guten Eindruck. Er leitet die Partie ruhig und ohne grössere Fehlentscheide. Der VAR muss gar nicht ran.

Kein Geburtstagsgeschenk für zwei FCSG-Legenden

Am Sonntagvormittag gratuliert der FC St.Gallen auf Facebook und Twitter zwei Spielern, die heute Geburtstag haben: Marco Zwyssig, Verteidiger in der Meistermannschaft aus dem Jahr 2000, und Beat Rietmann, Abwehrrecke in den 80er-Jahren:

Bei den Defensivproblemen, welche die Espen diese Saison haben, würden ihnen Akteure vom Format eines Marco Zwyssig beziehungsweise eines Beat Rietmann grundsätzlich gut anstehen. Heute wirkt die St.Galler Abwehr mehr oder weniger auf der Höhe – mit zwei gewichtigen Ausnahmen, jedes Mal bei Eckbällen. Und weg sind die drei Punkte, welche eigentlich als Geburtstagsgeschenk für die beiden früheren Abwehr-Haudegen der Espen gedacht gewesen wären.

Die Reaktionen

Peter Zeidler, Cheftrainer FC St.Gallen: «Gratulation an den FC Luzern. Zum Spiel: Es hat jeder gesehen, dass wir gut begonnen haben, die Luzerner waren bis zu ihrem ersten Tor nur einmal in unserem Strafraum. Beim Corner haben wir dann schlecht verteidigt. Danach sind wir nicht mehr richtig ins Spiel zurückgekommen, wir wurden unsicher.

Für die zweite Halbzeit haben wir uns viel vorgenommen. Wir haben daran geglaubt und hatten auch allen Grund dazu. Nach dem 0:2 war es dann nichts mehr, da haben wir richtig Wirkung gezeigt und auch nicht mehr daran geglaubt, obwohl das Bemühen unseren Jungs nicht abzusprechen war. Jetzt müssen wir das Spiel schnell analysieren und am Mittwoch im Cup wieder da sein.»

Fabio Celestini, Cheftrainer FC Luzern: «Es war ein schwieriges Spiel für uns. Was wichtig ist, sind die drei Punkte. Wir haben gewonnen, kein Gegentor erhalten. Aber um perfekt zu spielen, fehlt uns das Selbstvertrauen, das ist uns derzeit unmöglich. Und gegen St.Gallen ist es immer schwierig.»

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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2 Kommentare
Roman Lüthi

Ich frage mich nun "langsam" ernsthaft, gegen wen der FC St.Gallen seine Punkte holen will. Erinnert mich etwas an frühere Zeiten: Gut gespielt, trotzdem verloren. Der Gegner war bezwingbar. Aber wenn man vor jedem Eckball "Angst" haben muss...?

Markus Meli

Der Mannschaft fehlt es klar an Qualität, so geht es langsam aber sicher in Richtung "Challenge League".  Die beim Amtsantritt von Hüppi verbreitete These, man wolle sich in den vorderen Tabellenregionen etablieren, passt nicht zur praktizierten Austeritätspolitik. 

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