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FUSSBALL: Andere Zeiten, andere Krisen

Heute ab 19.45 Uhr empfängt der FC St.Gallen den FC Sion - nach sechs Spielen ohne Sieg. Ein Blick in die Clubgeschichte zeigt: Oft kosteten ähnliche Serien den Trainer den Job. 1999 hielt man aber nach zwölf Spielen ohne Sieg am Trainer fest - und wurde mit ihm ein Jahr später Meister.
Ralf Streule
1974: Goalie Karl Hutter am Boden – beim 0:7 gegen die Young Boys. (Bild: Tagblatt-Archiv)

1974: Goalie Karl Hutter am Boden – beim 0:7 gegen die Young Boys. (Bild: Tagblatt-Archiv)

FUSSBALL. «Warum dürfen die anderen schon nach Hause gehen?» Diese Frage musste ein Zuschauer am Sonntagnachmittag in der AFG Arena seinem kleinen Göttibueben beantworten. Der FC St.Gallen hatte gegen Basel gerade das siebte Gegentor erhalten, viele Zuschauer verliessen schon nach gut 70 Minuten das Stadion. «Weil sie nicht mehr hinsehen können», lautete die Antwort. Tatsächlich haben viele Ostschweizer genug gesehen, die Meinungen in der Öffentlichkeit sind gemacht – und die Probleme werden wie so oft überall geortet: Bei Trainer Joe Zinnbauer, bei der taktischen Ausrichtung, bei der Transferpolitik, beim Mentalen.

Präsident Dölf Früh betont weiter, dass die Clubführung hinter dem Trainer steht und er nicht alleine an den gesammelten Punkten gemessen wird. Natürlich schwingt die Hoffnung mit, die Krise erledige sich von selber. Das kann so passieren, muss aber nicht, wie ein Blick in die Clubhistorie der vergangenen 40 Jahre zeigt.

Immer wieder schwache Phasen

Eine Serie von sechs Spielen mit nur einem Punkt, wie sie der FC St.Gallen derzeit durchlebt, gab es zuletzt vor fünf Jahren. Im Frühjahr 2011 reihte Uli Forte mit den Ostschweizern vier Niederlagen aneinander, musste den Verein verlassen, Jeff Saibene begann seinerseits mit zwei Niederlagen. Geht man weiter zurück, finden sich besonders 2007 grössere Negativserien. Zum Saisonstart reihte Rolf Fringer fünf Niederlagen aneinander, später in der Saison war Schluss für ihn, und Krassimir Balakow folgte. Der Bulgare baute die Serie von sieglosen Spielen auf zehn aus. Das Resultat: St.Gallen stieg 2008 in die Challenge League ab.

Meister nach der Negativserie

Die längste Negativphase der letzten Jahrzehnte aber findet sich ausgerechnet dort, wo man sie nicht erwarten würde: Im Frühling 1999 nämlich, als der spätere Meistertrainer Marcel Koller die Mannschaft übernahm. Roger Hegi hatte den FC St.Gallen Ende 1998 in die Finalrunde gebracht, danach in Richtung der Grasshoppers verlassen. Koller startete mit zwei Siegen in die Finalrunde, dann aber folgte eine Serie mit acht Niederlagen und vier Unentschieden. Dennoch bleibt Marcel Koller in St.Gallen nicht als Serienverlierer, sondern als Meistertrainer in Erinnerung.

Thomas Müller, damals Präsident des FC St.Gallen, erinnert sich bestens an jene Krise. «Die Öffentlichkeit wurde damals ebenfalls unruhig», sagt er. Auch wenn in der Finalrunde kein Abstieg möglich war, habe der Druck zugenommen. Schon der Entscheid für Trainer Koller, der zuvor beim FC Wil tätig gewesen war, habe ihm Häme eingebracht, sagt Müller. «Ich erhielt Briefe von Fans. In einem stand, mit der Verpflichtung eines NLB-Trainers sei definitiv bestätigt, dass ich keine Ahnung von Fussball habe.» Mit den Zugängen Ionel Gane und Charles Amoah im Sommer 1999 wurden dann die Weichen richtig gestellt.

Dass nach der Niederlagenserie die Meistersaison mit 22 Siegen folgte, habe man natürlich nicht ahnen können, sagt Müller rückblickend. Dennoch sei man sich in jenem Krisen-Frühling in der Clubführung sicher gewesen, trotz der Niederlagen auf dem richtigen Weg zu sein. «Später wurde ich oft beglückwünscht, ruhig geblieben zu sein», so Müller. Dass dies Früh derzeit auch tue, halte er für richtig. Als Aussenstehender wolle er aber keine Tips geben – zu sehr wisse er, dass Erfolg im Sport nicht einfach steuerbar sei. Schliesslich erlebte er als Präsident zum Beispiel auch die Schmach der 3:11-Niederlage 2002 in Wil mit.

1974 war Entrüstung kleiner

1974: Goalie Karl Hutter am Boden – beim 0:7 gegen die Young Boys. (Bild: Tagblatt-Archiv)

1974: Goalie Karl Hutter am Boden – beim 0:7 gegen die Young Boys. (Bild: Tagblatt-Archiv)

Eine noch weiter zurückliegende Krise des Clubs ist mit dem 0:7 am Sonntag gegen Basel neu in Erinnerung gerufen worden. Im Oktober 1974 verlor der FC St.Gallen gegen die Young Boys mit demselben Resultat. «So hochgekocht wurde das damals in der Öffentlichkeit noch nicht», sagt heute der damalige Trainer Kurt Schadegg. «Auch wenn nach dem Match ein Teil der Anhänger aufgebracht war.» Ein St. Galler Zuschauer habe nach dem Spiel gedroht, er werfe ihn in den Bodensee, erzählt der heute 84-Jährige lachend. Und auch der St. Galler Sportjournalist Martin Furgler habe damals härtere Töne angeschlagen – vor allem, als man im Frühjahr 1975 in Bern gleich noch einmal mit 0:9 unterging. Schadegg blieb dennoch Trainer, erst im Sommer wurde er von Willy Sommer ersetzt. «Für mich war das aus beruflicher Sicht keine grosse Sache – Trainer war ja damals ein Nebenjob für mich.» Als Sportlehrer war er für den neu geformten Lehrling-Turnunterricht der Firma Bühler in Uzwil zuständig.

Und, worin lag die Krise damals begründet? In den Fussballern? Dem Trainer? «Es redeten schlicht zu viele Leute rein», sagt Schadegg. Zumindest etwas, das all die Jahre überdauert hat.

Verfolgen Sie das Spiel in unserem Liveticker auf www.tagblatt.ch

Herbst 2007: St. Gallens Davide Callà nach einer 2:7-Niederlage unter Trainer Rolf Fringer gegen die Young Boys. (Bild: Hannes Thalmann)

Herbst 2007: St. Gallens Davide Callà nach einer 2:7-Niederlage unter Trainer Rolf Fringer gegen die Young Boys. (Bild: Hannes Thalmann)

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